Verlorene Wissenschaft

Was hatten wir jetzt alles? AstraZeneca für nicht über 60, für alle, für eingeschränkt unter 60 und zuletzt ausschließlich für über 60. Die Experten treten jedes mal mit großer Gewissenhaftigkeit auf und berufen sich auf die Ernsthaftigkeit ihrer Empfehlungen und Überprüfungen. Aber es zeigt nur eines: Exakte Wissenschaft tut sich in der Medizin schwer. Für die Medizin ist Grundlagenforschung hilfreich und Studien, die auf längere Zeiträume designend sind. Wenn es aber mathematisch zu gehen soll, im Sinn von 1+1=2 dann hat man eher das Gefühl, es wird gewürfelt als gewusst.

Was allerdings auch das Besondere der Medizin ausmacht: Es geht nicht ohne Intuition! Der menschliche Organismus ist viel zu komplex, um ihn nur per 1mal1 zu berechnen. Er ist nicht nur Physiologie und Anatomie, er ist voller Variablen: von Ernährung, über Hormone bis zur Emotion.

Wissenschaftlich wäre es gewesen, ganz offen zu sagen: „Wir wissen es aktuell nicht sicher und somit wissen wir nicht.“ Wissenschaft ist keine Marktmeinung, sie hat keinen Zeitdruck: sie weiß sicher oder sie weiß nicht! Sonst landen wir wieder beim Glauben.  Den „lieben Gott“ kann man auch mit: „Ich habe das nach bestem Wissen durchdacht“, begründen.

Ständige Korrekturen sind kein Beleg der Gewissenhaftigkeit, sondern ein Zeichen von Fahrigkeit, vom eitlen getrieben Sein: lieber der Erste mit der Forschung, dem Ergebnis, der Wahrheit, dem Paradigma sein, als womöglich von der Welt vergessen. Und damit habe ich noch, mit keinem Wort, die Profit getriebene Meinungsbildung erwähnt.

Illustrieren ließe sich diese intellektuelle Katastrophe nicht nur mit AstraZeneca, die gesamte Corona-Politik und wissenschaftliche Expertise, ist von diesem Verlust an wissenschaftlicher Ernsthaftigkeit gekennzeichnet. Weil die Politik Ergebnisse will, liefern Experten Ergebnisse. Wissenschaft wäre: „Wir können dazu keine Auskunft liefern.“ Und dann müsste die Regierung das tun, wozu sie gewählt ist: Verantwortung übernehmen, in die Geschichte eingehen, wenn sie richtig liegt, zurücktreten, wenn sie irrt. Sich hinter vermeintlichen Sachargumenten, hinter vermeintlicher Wissenschaft verstecken, schadet den Ergebnissen von wirklicher Forschung und Suche nach Wahrheit und endet in dem Chaos, in dem wir uns seit 12 Monaten befinden.

04/21 PGF

7 Kommentare zu „Verlorene Wissenschaft

  1. Dieses Problem erkennt man ja auch an dem „Zwang“ nach Veröffentlichung. Wissenschaft heute ist sehr schnell, nur, wer auf ausreichend Veröffentlichungen verweisen kann, hat einen Wert. Folge ist verfrühte oder unausgereifte Veröffentlichung mitunter mit bewussten Verfälschungen… Das will ich nun nicht unbedingt auf die Impfstoffe beziehen, sondern ist allgemein ein desaströser Zustand für eine Sparte, die gesichertes Wissen und nicht unendlich Ergebnisse schaffen soll…
    Liebe Grüße und ich wünsche dir Sonne im Herzen… In dieser Zeit, die jedem auf den Zeiger geht…

    Gefällt 1 Person

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