Indigo (5)

5.

Ich verabschiedete mich und überließ das Feld der attraktiven Miss Dorset, die in meiner Abwesenheit die Chance nutzen würde, verlorenen Boden zurück zu gewinnen.
Ich hatte alles auf die »Geld oder Patriotismus«-Karte gesetzt und war mir ziemlich sicher, für was sich Hope entscheiden würde. Ihre Moral war dünn und esoterisch, am Ende würde sie das tun, was den meisten Vorteil für Lennon und am Ende für sie brachte.
Da aus Crunchys »Hol den Jungen und bring ihn zu mir«, nichts werden würde und ich nichts Besseres vorhatte, entschloss ich mich, mich nach einer Unterkunft für die Nacht umzusehen.
Ich befragte Google, was in der Nähe, für mich zur Verfügung stand und entdeckte östlich von mir nur unberührte Natur, die sich entlang dem Columbia River zog, der die Staaten Washington und Oregon an dieser Stelle trennte. Östlich von mir, lagen alle einige im Stadtzentrum von Portland, Oregon. Am schnellsten wäre ich über den »Vietnam Veterans Memorial«-Highway zu drei Hotels im Norden der Stadt gelangt. Aber die lagen beim »Troutdale Flughafen« und ich wollte es etwas ruhiger. Deshalb entschied ich mich für das »Quality Inn«, das im Zentrum der Stadt die besten Bewertungen hatte.
Nach dem Check-In verzog ich mich erstmal in mein Zimmer, um dem »Was zur Hölle war das denn?« ein wenig Raum zu geben. Anschließend wollte ich Crunchy zur Rede zu stellen. Ich legte mich zum Nachdenken auf mein Bett und schlief für eine Stunde ein.
Als ich wieder wach war, kontaktierte ich Crunchy. Auf meine SMS hin verabredeten wir uns, für ein Treffen über »Teams«.
Crunchy befand sich in seinem Büro. Er war bester Laune und die kalifornische Sonne brannte ihm in den Kupferbacken.
»Wie ist es gelaufen«, fragte er, als wäre es selbstverständlich, dass ich, mit dem Jungen, schon unterwegs war.
»Wie es eben laufen konnte, wenn mir mal wieder die Hälfte der Informationen fehlt!« Erwiderte ich trocken. »Es wäre gut gewesen, zu erwähnen, dass die Mutter des Jungen, keine Hausfrau ist, die nach Stipendien für ihren Wunderknaben sucht, sondern eine mittellose Esoterikerin, deren ganzes Kapital ihr Kind ist. Auch das schon längst jemand im Boot sitzt, jemand Bedeutungsloses, wie die US Army, die keinen Spaß versteht, wenn wir das mitmischen wollen, wäre zu wissen, hilfreich gewesen.«
»Ach komm schon, Hope ist doch ganz lieb, wenn auch ein bisschen verdreht und Wow!-Dorset ist eine Augenweide, die du dir sicher nicht entgehen lassen wolltest.«
»Du kennst die beiden Frauen?«
»Hope ist meine Nichte. Die Tochter meines nichtsnutzigen Bruders Will. Du weißt, der eine Peyotl-Farm in Mexiko eröffnen wollte und von einem mexikanischen Drogenring in der Wüste verscharrt wurde. Ich kümmere mich, seit ein paar Jahren um sie und war überrascht, als sie plötzlich mein Geld nicht mehr brauchte.«
»Und warum hast du dies kleine Detail nicht erwähnt? Ich hätte dich beinah erwähnt! Zum Glück fiel mir Crunchy Industries ein, statt Draper. Warum hast du das nicht gesagt?«
»Weil du kein Interesse gehabt hättest, an so einer Familiengeschichte. Ich war mir sicher: Wir gegen die US.com würde dich mehr reizen, als kümmere dich um meine Nichte. Außerdem ist es doch egal, ob ich Hope kenne. Sie glaubt, sie lebt für den Weltfrieden und solange jemand ihre Miete zahlt, ist es ihr ziemlich egal, ob derjenige damit etwas zu tun hat.«
»Aber du hättest doch Hope direkt fragen können?«
Crunchys Grinsen wurde breiter.
»Seit sie das Gefühl hat, ihr eigenes Geld zu verdienen, also das was Lennon, als Förderung von der Army erhält, will sie keine Dollars mehr von einem IT-Kapitalisten. Du weißt ich kann ganz schön nerven, wenn Menschen nicht tun, was ich von ihnen will. Deshalb dachte ich, du bist irgendwie ihr Typ und so abgeledert, dass sie keine Verbindung zwischen uns sieht. Ich habe gehofft, dass ich über dich, Lennon vor dieser Sache schützen kann.«
»Also daran ist dir gelegen?«
»Ja. Klar! Der Junge kann doch nichts für die Spiele von uns Erwachsenen.«
»Und Dorset?«
»Eine harte Nummer. Vor der musst du dich in Acht nehmen. Die sieht aus, wie sie aussieht, weil die Rekrutierungsbehörde ganz genau weiß, wem ein 14Jähriger seine Talente anvertrauen würde. Sie ist, wie die Lehrerin, in die sich alle Jungs verlieben. Aber täusche dich nicht. Sie ist ein Profi und sehr ehrgeizig. Sie hat nirgendwo nur als Zweite abgeschnitten. Wenn sie antritt, will sie gewinnen. Ihre Aufgabe ist aktuell Talente zwischen 12 und 15 zu gewinnen. Aber ihr Ziel ist es, die Uni-Elite für die Army zu rekrutieren. Damit macht man Eindruck. Sie wird sich Lennon nicht von dir wegnehmen lassen.«
»Kennst du sie persönlich?«
»Nein, nur ihre Akte.«
Er machte eine kurze Pause.
»Joe, glaub nicht, dass es bei der Sache, um etwas kleines geht. Für die Auswahl werden Millionen – Quatsch Milliarden – Computerspieldaten ausgewertet, ob am Handy, am PC oder an einer Konsole. Lennon ist eines von Millionen Kindern, die weltweit gescannt werden. Seine Fähigkeiten sind der Jackpot für Kriegsstrategen. Denk an die Kindersoldaten, in Afrika oder die Dschihadisten: Je früher du sie bekommst, je gnadenloser kannst du sie formen.«
Das klang tatsächlich ernst.
»Okay. Höre ich. Ich denke darüber nach. Aber ich sage dir jetzt schon, das wird dich was kosten.«
Crunchy hörte auf in die Kamera zu starren, als wolle er mich hypnotisieren. Sein Blick verlor sich.
»Das ist okay, wenn du Lennon da rausholst.«

05/21 PGF

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