Indigo (7)

7.

Im Anschluss verebbte unser Gespräch. Miss Dorset merkte, dass ich nicht leicht aus dem Rennen zu kegeln war und ich war noch nicht so weit, ihr weh zu tun oder das Leben wirklich schwer zu machen.
Wir verabschiedeten uns und waren sicher, uns am nächsten Tag, bei Hope und Lennon wiederzusehen.
Als ich ankam war sie bereits da. Es war später Nachmittag. Ich hatte mir vorgenommen, so unaufdringlich, wie möglich zu erscheinen und nicht gleich, in der Früh aufzutauchen.
»Darf ich mich hier aufhalten?« Fragte ich in Richtung von Miss Dorset, als ich das Wohnzimmer betrat.
Die Antwort gab Hope: »Ja, das dürfen Sie.«
Hope warf Dorset einen warnenden Blick zu, ihr das nicht zu verbieten.
Die winkte, mit missfälliger Miene, ihre Zustimmung.
»Möchte jemand Kaffee oder einen Espresso?«
»Haben Sie auch Latte?« Erkundigte sich Miss Dorset.
Hope nickte ihr ein »selbstverständlich« entgegen.
»Für mich einen doppelten Espresso.« Bat ich.
Lennons Mutter verschwand in der Küche und im Raum verbreitete sich die ungute Kälte zweier Konkurrenten, die in unmittelbarer Nähe ihres Ziels sind.
Lennon war entweder davon unbeeindruckt oder er gab sich unbeeindruckt. Jedenfalls saß er, als wäre alles in bester Ordnung, auf dem Sofa und starrte auf ein Tablet, während wir da saßen, wie Eltern, die ihrem Sprössling gleich mitteilen werden, dass sie sich scheiden lassen.
Ich war froh, als Hope zurückkam.
»Hier bitte.« Sagte Sie und reichte mir den Espresso.
Ich bemerkte etwas freundliches in ihrer Stimme, was mich beruhigte.
Wortlos überreichte sie Miss Dorset die Tasse.
Auch das nahm ich wohlwollend zur Kenntnis.
Sie setzte sich an ihren Platz und stellte einen italienischen Kaffee vor sich auf den Tisch. Lächelnd betrachtete sie uns beide.
Miss Dorset hatte nicht länger Geduld.
»Nun Hope! Dann spannen Sie uns mal nicht länger auf die Folter. Wie haben Sie entschieden? Ich gehe davon aus, dass sie das Vertragswerk, welches Sie unterschrieben haben, aufmerksam gelesen haben. Der Passus »Ausstieg während der Laufzeit«, dürfte für Sie interessant gewesen sein.«
Hope spannte die Lippen, um strenger zu wirken und erklärte mit leicht bebender Stimme: »Sie sollten mich nicht einschüchtern wollen. Es geht um Lennon, nur um ihn. Tatsächlich haben wir so gut, wie keine Möglichkeit den Vertrag vorzeitig zu beenden. Sie können uns allerdings jederzeit, bei Leistungsmangel rauswerfen.«
Miss Dorset nickte zufrieden.
»Aber -«.
Miss Dorset zuckte.
»Joe war so freundlich uns einen Anwalt zu vermitteln, der die Verträge geprüft hat und der hat keine Stelle gefunden, die ausschließt, dass Lennon nicht parallel mit jemand anderem arbeitet.«
Ich grinste zufrieden in Richtung von Miss Dorset.
»Aus diesem Grund wollte ich die letzte Entscheidung Lennon überlassen. Denn für ihn mag es eine Mehrbelastung sein, von zwei Seiten geprüft zu werden.«
Sie wandte sich zu ihrem Jungen.
»Nun Lennon, was denkst du?«
Er warf erst mir, dann Miss Dorset einen durchdringenden Blick zu.
»Ich denke Miss Dorset macht ihre Arbeit und sie macht sie gut. Sie Joe, haben mir den Eindruck vermittelt, dass mir dabei am Ende aber etwas fehlen wird. Deshalb will ich, wenn ich auch für sie arbeiten soll, dass sie mir beweisen, dass Ihnen an mir liegt. Ich habe keine Freunde, weil wir immer wieder umgezogen sind. Ich arbeite mehr, als dass ich spiele. Meine Mum – nun ist meine Mum. Aber ich habe niemand für mich. Ich will das sie machen was ich will, wenn ich für sie arbeiten soll.«
Ich fühlte, wie Dorset mich höhnisch musterte, wir wussten beide was der Junge eigentlich in mir suchte.
Den Sieg aber, gönnte ich ihr nicht.
»Cool, Lennon. Wie du willst. Gib mir vier Wochen und du wirst sehen, dass wir, mit dir, deinen Weg gestalten wollen. So wie du ihn gehen willst.«
Der Junge sah seine Mutter an. Die nickte.
»Okay. Dann haben wir einen Deal. Unter der Woche arbeite ich für Miss Dorset, am Wochenende machen Sie, Joe, mir Angebote und erklären mir, was mein Job, bei Ihnen wäre.«
Auch, wenn es glatt gelogen war, sagte ich, mit einer Überzeugung die mich selbst überraschte: »Darauf freue ich mich.«
Miss Dorset stand auf.
»Ich auch, denn bei diesen Angeboten werde ich dabei sein. Lennon unterliegt einer Geheimhaltung. Ich werde überprüfen, ob er sie einhält.«
Ich sah nach Lennon.
Der gab mir ein »Wie sie will«, zu verstehen.
Damit waren wir uns einig.

06/21 PGF

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