Indigo (12)

12.

Wir blieben eine gute Stunde am Thors Well, bis die Flut kam. Ich überließ es Dorset Lennons Fragen zu beantworten, während wir auf dem Weg zurück zum Wagen waren. Sie erzählte ihm, was sie von mir, über die eingestürzte Höhle erfahren hatte und ich war beeindruckt, über ihre rasche Auffassungsgabe.
Wir fuhren zurück nach Yachats, nahmen jeder noch einen Kaffee und ich einen doppelten Whiskey, zu uns und machten uns dann auf den Rückweg nach Corbett, wo wir gegen 9 am Abend ankamen.
Es dämmerte bereits, als wir das Haus von Hope und Lennon erreichten.
Die beiden stiegen aus und ich öffnete die Beifahrertür, um mich auf den Weg zum Bus zu machen.
»Soll ich dich zu deinem Hotel bringen?« Fragte Aline.
»Kein Problem, ich kann auch den Bus -«.
»Ist kein Umweg für mich.«
»Ja, dann – gerne!«
Wir verabschiedeten uns von den beiden anderen und Dorset fuhr auf die Straße Richtung Portland auf.
Wir schwiegen eine Weile.
»Das nächste Mal nicht wieder so weit.« Sagte Sie plötzlich.
Ich sah zu ihr, ihre Züge schimmerten im Abendlicht.
»Ja, okay. Zu anstrengend?«
Sie schüttelte den Kopf, wie jemand der mehr sagen möchte, aber nicht mehr sagen kann.
»Nein, es war schön. Auch für Lennon. Aber -.«
Sie kämpfte.
»Du ahnst nicht die Gefahr in der er sich befindet, wenn er außerhalb dieses Hauses ist. Meine Vorgesetzten haben diesem Ausflug nur zugestimmt, wenn ich dabei bin und, um Hope nicht gegen uns aufzubringen. Klug war das nicht.«
»Sind die beiden in einer Art Zeugenschutz-Programm?«
»Ich kann darüber nicht reden.«
»Ich könnte helfen.«
»Ich kann – darüber – nicht reden! Okay?«
»In Ordnung. Ich finde auch was näher Liegendes.«
Sie nickte und konzentrierte sich wieder auf die Fahrt.
»Noch Lust auf einen Drink?«
Ich fragte, ohne zu wissen, weshalb ich fragte. Manchmal überrumpelte mich meine Spontanität.
Zu meiner Überraschung sagte sie: »Ja. Das könnte guttun. Ich brauche noch etwas Entspannung. Mein Hotelzimmer ist keine verlockende Alternative.«
»Du wohnst nicht hier?«
»Nein, ich komme aus Seattle. Im Moment wohne ich dort, wo ich gerade benötigt werde. Meist in Apartments, die ich gestellt bekomme, aber hier stand keines zur Verfügung. Deshalb bin ich in einem Hotel, in der Nähe des Flughafens untergekommen.«
»Dann wären wir ja fast Nachbarn geworden. Sollen wir nochmal in die Bar, vom letzten Mal?«
»Ja. Gerne! Habe keine Lust, groß zu suchen.«
Die »Distillery Bar« hatte am Samstag länger offen und war deutlich besser besucht. Als wir eintraten war der Laden fast bis auf den letzten Tisch gefüllt. Nur der 2er-Tisch am Fenster war noch frei. Dort setzten wir uns hin. Wie ein junges, frisch verliebtes Paar.
Ich dachte an Beth, aber das nutzte nichts. Sie brauchte Zeit und ich war hier mit Aline, die Zeit hatte.
»Was hast du beim letzten Mal getrunken?«
»Eine Nikka, einen japanischen Whiskey.«
Ich winkte dem Kellner.
»Wir hätten gerne zwei doppelte Nikka und zweimal Soda.«
Der Kellner nickte und ging zum nächsten Tisch.
Wir blieben zurück.
Und gingen die Nacht, nicht getrennt, zurück ins Hotel.

06/21 PGF

6 Kommentare zu „Indigo (12)

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