Indigo (13)

13.

Vermutlich war es keine gute Idee mit Aline zu schlafen. Aber wir waren Profis, wie wir uns beim Abschied im Morgengrauen bestätigten. Das war etwas rein Physisches, als hätte einer von uns, einen verspannten Muskel gehabt und der andere habe nur mal etwas für die Lockerung getan.
Im Kontext meiner Mission half mir das, aber gegenüber Beth blieb ein Gefühl zurück, als hätte ich sie betrogen.
Den Sonntag verbrachte ich bei Hope und Lennon.
Ich ließ mir, von dem Jungen, vorstellen was, bei den Computerspielen, seine Stärken waren, während mich Hope mit vegetarischen und biodynamischen Lebensmitteln versorgte, als wolle sie eine Ayurveda-Reinigung mit mir durchführen.
Am Ende des Wochenendes war ich überraschend zufrieden. Ich hatte einen schönen Ausflug, einen schönen Abend, erfüllenden Sex, einen gemütlichen Sonntag hinter mir und vor mir lag eine Woche, in der ich Ausflüge planen konnte und mich weitgehend ungebunden, auf das nächste Wochenende vorbereiten.
Ein wenig, ging es mir, wie einem Dad nach der Scheidung, der sich in seine Situation eingefunden hat und seine Kinder am Wochenende sieht, während er unter der Woche, wieder Junggeselle sein kann.
Bereits am Montag merkte ich, dass die Vorstellung angenehmer seiner mochte, als die Realität. Der Tag zog sich inhaltslos hin, da ich keine Recherche mehr betreiben musste und es unmittelbar, für meinen Auftrag, nichts zu tun gab. Den Abend verbrachte ich in einer der Bars von Portland, was in Abwesenheit von Aline weniger unterhaltsam war. Eisern blieb ich, mich nicht bei ihr zu melden und auch sie schien es, bei unserem One-Night-Stand, belassen zu wollen.
So ging es bis Mittwoch. Dann entschloss ich mich zu einem Besuch bei Lennon. Ich hatte Aline zwar versprochen ihn, unter der Woche, seine Missionen für die Army abschließen zu lassen. Aber was sollte dagegensprechen, mal auf einen Kaffee vorbeizukommen.
Hope begrüßte mich herzlich, als ich um kurz nach vier, vor Ihrer Tür stand.
»Wollte mal sehen, ob es zufällig Kaffee gibt.«
»Ja, komm doch rein.«
Sie drehte den Kopf nach hinten.
»Lennon«, rief sie, »Joe ist hier.«
Er antwortete nicht, stand aber keine 30 Sekunden später im Wohnzimmer.
»Hallo Joe.« Auch er wirkte froh mich zu sehen. »Geht es mit dem Ausflug schon los?«
Ich schüttelte den Kopf.
»Nein. Aber wir starten dieses Mal schon am Freitag und bleiben zwei Nächte.«
»Cool!«, freute er sich. »Und wohin fahren wir?«
»He! Keinen Bock mehr auf Überraschungen?«
»Doch! Klar! Wenn es so cool ist, wie Thors Well. Ich habe mir noch einige Videos bei Youtube angesehen.«
Doch für was gut, dachte ich.
»Nun, ich hoffe. Aber lass dich überraschen. Was machst du gerade?«
»Ich habe meinen Strategie-Prüfungsteil abgeschlossen.«
»Und?«
»Bestanden. Jetzt kommen Shooter, für Reaktion und Orientierung dran.«
»Und was steht auf dem Programm? Damit ich dir, vielleicht auch mit Hilfe von YouTube-Videos, besser folgen kann.«
»Es gibt zwei Spiele: »Call of Duty«. Da ist meine Mum gar nicht glücklich, weil das eigentlich erst am 18 ist. Aber es ist für die Steuerung taktischer Einheiten perfekt geeignet. Und der 2. Teil von »Titanfall«. Das finde ich echt cool. Man steuert einen Kampfroboter. Ich könnte mir vorstellen, dass das es die, in ein, zwei Jahrzehnten tatsächlich gibt und die im Bodeneinsatz, neben Kampfdrohnen, verwendet werden.«
Ich war geschockt, mit welchen Bildern sich Lennon bereits beschäftigte. Ließ es mir aber nicht anmerken.
»Und das gehört alles, zu deinem Training? Würdest du nicht lieber etwas anderes spielen?«
»Wenn ich Zeit habe, spiele ich manchmal ein polnisches Spiel »The Witcher 3« von einem Monsterjäger, den man auf seinen Abenteuern begleitet.«
Das klang für mich nicht besser.
»Die Geschichte beruht auf einer sehr erfolgreichen Fantasy-Reihe, eines polnischen Autors. Eigentlich eher für Erwachsene. Aber tolle Graphik und tolle Kämpfe.«
»Kannst du mir ja bei Gelegenheit mal zeigen.«
Er strahlte.
»Ja, vielleicht Sonntagabend, nach unserem Ausflug.«
»Abgemacht.«
Wir gaben uns die Hand darauf, als hätten wir einen großen Deal abgeschlossen.
»Bleibst du noch ein wenig?«
Ich dachte an die Abmachung mit Aline.
»Nein, sorry. Ich muss wieder los. Aber wir sehen uns am Freitag. Gegen vier bin ich da.«
»Das wird bestimmt aufregend.« Freute sich Lennon und sollte auf eine unerwartete Art Recht behalten.

06/21 PGF

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