Indigo (14)

14.

Am Freitag war ich bereits um halb vier am Haus. Lennon und Hope warteten, in der Auffahrt, im Schatten einiger Bäume. Aline war am Kofferraum des Wagens beschäftigt. Es sah aus, als würde sie Platz schaffen wollen.
Als das Taxi, mit dem ich an diesem Nachmittag kam, vor der Auffahrt parkte, sahen alle Drei zu mir herüber. Ich zahlte den Fahrer und gab ihm, ein ordentliches Trinkgeld, welches auf Crunchys Spesenkonto gehen würde.
»Helfen Sie mir noch beim Ausladen?« Fragte ich rhetorisch.
»Klar.« Meinte er, mit Blick auf die Dollarschein, die ich ihm nach vorne gereicht hatte.
Die Drei kamen näher.
»Sollen wir helfen?« Fragte Hope.
Lennon versuchte neugierig zu erkennen, was ich und der Fahrer aus dem Kofferraum hoben.
Aline wartete ab.
Als der Kofferraum leer war, verabschiedete sich der Taxifahrer und düste davon.
Lennon stand neben mir.
»Was ist denn in den Taschen?« Drängte er zu wissen.
Ich gönnte mir noch einen Moment Vorspannung.
Dann verkündete ich: »Zelte! Rucksäcke! Wir gehen zwei Tage zum Zelten.«
Lennon stieß einen Jubelschrei aus.
»Cool! Mit Lagerfeuer, grillen und allem?«
»Yep!«
Fast physisch spürte ich Dorsets bohrenden Blick.
Ich drehte mich zu ihr.
»Ist ganz in der Nähe. Beim »Oneonta Gorge«, den wir morgen erkunden. Wenn ihr den Mut habt. Ich hoffe, ihr kennt das noch nicht.«
Hope schüttelte den Kopf.
»Nein, wir kennen hier fast gar nix. Wir sind erst seit einem halben Jahr hier. Wir kommen«, sie warf einen fragenden Blick in Richtung Aline, ob sie reden durfte, wartete aber die Reaktion nicht ab, »eigentlich aus Kalifornien. Aus der Nähe von Del Mar, falls du es kennst.«
Ich erinnerte mich, dass Crunchy dort eine Villa hatte.
»Hab schon von gehört. Sollen wir los. Damit die Zelte stehen ehe es dunkel wird?«
Die Fahrt war kurz. Es war über den VVM Highway knapp eine Viertelstunde. Ehe wir auf den Historic Colombia River Highway wechselten, von dem ein Feldweg ins Inland abzweigte.
»Bist du sicher, dass wir richtig sind.« Hakte Aline nach, bei der ich noch nicht sicher war, ob sie mit dem Ziel leben konnte. Näher, als beim letzten Mal, war es definitiv.
»Ja, ja, wir müssen hoch zur Grenze vom Oneonta Creek und dem Bell Creek. Da ist eine schöne Lichtung, wo wir die Zelte aufschlagen und grillen können. Morgen früh erkunden wir dann die Schlucht.«
Wir holperten den Weg hinauf zu der Lichtung, die ich beschrieben hatte und kamen noch so rechtzeitig an, dass wir ihn Ruhe die Zelte aufstellen und die Schlafsäcke verteilen konnten. Hope und Lennon hatten ein gemeinsames Zelt, Aline und ich, jeder ein eigenes.
Während die Frauen die Zelte aufbauten, sammelte ich mit Lennon Holz und bildete, mit zwei Dutzend großen Steinen, einen Kreis für ein Lagerfeuer. Auf der Fahrt hatte ich Hope darauf vorbereitet, dass es an diesem Abend Steaks geben würde.
»Von fröhlichen Bio-Rindern«, wie ich sie versicherte, ohne, dass sie das witzig fand.
Als die Dämmerung begann, standen die Zelte, das Lagerfeuer loderte und brannte langsam zu einer brauchbaren Glut herunter. Wir hatten vier Baumstämme heran gerollt, damit jeder einen ordentlichen Sitzplatz hatte.
Für Getränke und Lebensmittel, neben den Steaks, hatte Hope gesorgt, ebenso für Geschirr, Becher und Gläser.
Die Vögel zwitscherten, während ich das Essen, für das Feuer vorbereitet. Zu den Steaks waren Folienkartoffeln und Quark geplant. Als Vorspeise hatte Hope eine Avocado-Creme gezaubert, die wir zu Taco-Chips aßen.
»Den Nachtisch verrate ich noch nicht.« Erklärte sie, mit einem Blick, der Nachfragen verbot.
Über die Welt senkte sich die Nacht, wie ein Geheimnis, das man fühlt und nicht erklären kann. Ich nahm eine Flasche Bourbon aus meinem Rucksack und begann meinen Becher zu füllen.

06/21 PGF

13 Kommentare zu „Indigo (14)

  1. Himmlischer Lesestoff …
    Bei Del Mar habe ich mal ein Jahr lang gewohnt. Die Westküste ist schon was ganz besonderes! Leider fuhr ich nie hoch nach Oregon…
    Hab einen feinen Tag lieber Pe am See und in den Bergen 😊
    Herzliche Morgengrüße vom Lu

    Gefällt 2 Personen

    1. Danke lieber Lu.
      Das ist ja spannend. Ich hatte einen spezifischen Aspekt im Sinn und stiess dabei auf Del Mar. Beim Versuch konkreter zu werden landete ich erstmal bei Hotels an der Costa Brava und fing schon an zu zweifeln, ob es den Ort gibt 😉
      Sonnige Grüße von zurück-am-See
      Pe

      Gefällt 1 Person

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