Indigo (22)

22.

Wir nahmen das erste vernünftige Lokal in Portland, dass nach sauberer Küche aussah und bestellten was die Karte hergab. Zeit verlieren würden wir dadurch nicht. Wir hatten ohnehin nicht vor, den Forensiker zu kontaktieren. Der würde sich melden, wenn es etwas Neues gab. Mir schenkte es Zeit, mehr von Aline zu erfahren.
»Du wolltest vorhin noch mehr von eurem Programm erzählen.« Setzte ich an.
Aline bedachte mich mit einem vorwurfsvollen Blick.
»Genau genommen sollte ich nicht.«
»Ich bin verschwiegen, wie ein Grab.«
Ihre Mimik verändert sich.
»Das nehme ich dir so gar ab. Auch, wenn ich nicht glaube, dass viel Gutes an dir ist – aber auf dich verlassen, das kann man.«
»Dann probiere es aus.«
»Die Navy hat in Del Mar einen großen Stützpunkt. Eine Projektgruppe dort, beschäftigte sich schon länger mit der Frage, wie muss der Soldat der Zukunft aussehen. Sie gründete das Programm »Cyber-Soldier«. Während der nächsten fünf Jahre, fiel kein Kandidat im Besonderen auf. Bis Lennons Dad getestet wurde. Man nahm ihn in die engere Auswahl. Er zeigte die Qualifikationen, die man suchte.«
»Und die waren große Muskeln, kleines Gehirn?«
Sie winkte ab.
»Nein, das Profil war anders als du denkst. Hope kam darin ebenfalls vor.«
Der Kellner brachte unser Essen und ich hatte einen Moment darüber nachzudenken.
»Sie war auch bei der Army?«
»Nein, die beiden heirateten und so tauchte sie auf dem Biografie-Bogen auf. Das Projekt-Team hatte genau, was es suchte: Es war der perfekte Genpool aus einer leichtgläubigen Idealistin und einem disziplinierten Befehlsempfänger. Genau die Parameter, die, als weiche Faktoren, einen guten Soldaten ausmachen.«
»Aber das sind doch Eigenschaften die sozialisiert werden.«
»Das glauben wir nicht. Zucht, wenn sie gut ist, hat sich bei Pflanzen und Tieren bewährt. Ehe wir endgültig, an die menschlichen Gene gehen, testen wir, wie sich kombiniert, was wir an sichtbaren Konditionen und Dispositionen finden.«
»Ihr habt sie gepaart.«
Aline warf mir einen Blick zu, als hätte ich laut »ficken« gesagt.
»Nein, eben nicht, die Forschergruppe hat gewartet, bis sich jemand von sich aus gepaart hat, der zu dem Programm passt. Die Gruppe hatte strenge ethische Richtlinien einzuhalten.«
Ich versuchte das zusammen zu basteln.
»Ich glaube, ich brauche einen Whiskey.«
»Gut bestell einen. Einen kleinen für mich. Frag mal, ob die einen »Canadian Club« haben.«
»Kanadischen Whiskey? Ich will mich nicht vergiften. Da kann ich gleich Ahornsirup trinken.«
»Du hast keine Ahnung, dass sind tolle Whiskeys. Bestell einen und du wirst sehen.«
Ich rief den Kellner herbei und er erfüllte meinen Auftrag.
Das Essen ließ ich warten und ich trank einen Schluck. Er war tatsächlich okay.
»Aber wie wollt ihr wissen, ob Lennons Eigenschaften nicht Teil seiner Sozialisierung sind?«
»Die Kollegen haben mit Lennon etwas gemacht, was man bis dahin nur mit Mäusen versuchte hatte: Es war der erste MSUS, als Test an einem Menschen.«
Ich runzelte die Stirn.
»Das erklärst du mir, nehme ich an.«
»Kannst du dir unter »Unpretectebal maternal separation« etwas vorstellen?«
»Man nimmt der Mutter unerwartet das Kind weg.«
Sie schwieg.
»Das habt ihr getan?«
Sie nickte.
»Und Hope?«
»Die dachte er sei krank, als wir ihn isoliert haben. Man hat ihr erzählt, ihr Mann wäre möglicherweise mit einem biologischen Kampfstoff in Kontakt gekommen und könnte ihn übertragen, deshalb müssten alle drei, für längere Zeit isoliert werden.«
Ich nahm den Canadian Club auf Ex.
»Wie lange?«
»12 Wochen?«
»Heilige -«.
Ich zügelte meine Empörung, weil sie im Moment nicht half. Entsetzt nahm ich zur Kenntnis, dass ich mit einer Art Dr. Mengele geschlafen hatte.
»Ich sagte dir damals, dass du keine Ahnung hast, um was es wirklich geht.«
Ich wollte gerade etwas erwidern, als Alines Smartphone vibrierte.
Sie sah darauf.
»Es ist Millard.«
Mistding, dachte ich, immer wenn es entscheidend wird.

06/21 PGF

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