Indigo (24)

24.

Wir verließen das Lokal und schwiegen uns die nächste halbe Stunde an. Mittlerweile war ich Stolz auf Crunchy, dass er mir diesen Auftrag erteilt hatte. Es war nicht auszuschließen, dass er Teile von der ganzen Sache wusste, aber das war auch egal. Hauptsache er hatte mich geschickt, diesen Mist zu stoppen. Ich bereute mit einem Menschen, wie Aline geschlafen zu haben – zumindest moralisch, körperlich zu ihr hingezogen, fühlte ich mich dennoch – widerwillig.
Mit: »Und, fahren wir jetzt den Rest des Tages durch Portland?« Unterbrach ich das Schweigen.
Sie reagierte salopp:
»Ich warte auf deine Ideen. Du wolltest diese Ausflüge! Du hast verhindert, dass ich gleich meine Leute einschalte. Also los: Sag was ich tun soll!«
Das war eine gute Ansage: Wir hatten keinen Hinweis, bis auf die Folienmatte. Wir hatten keine Anhaltspunkte, keine Überwachungskameras im Wald.
»Lass uns mal die Gruppe der Verdächtigen durchgehen.«
»Fang an!«
»Russen?«
»Könnten es sein.«
»Das hältst du für wahrscheinlich zu -«.
»50%.«
»Chinesen?«
»Könnten es sein.«
»Wie wahrscheinlich?«
»50%.«
»Du bist so keine große Hilfe.«
»Das bist du auch nicht, Joe. Ich sagte dir: halt dich raus!«
»Da waren wir schon. Also, wenn wir die üblichen Verdächtigen durch sind, es den Europäern nicht zutrauen, bleibt nur einer, den wir noch nicht auf den Radar genommen haben.«
»Und das wäre?«
Es wunderte mich, dass sie nicht selbst darauf kam. Vielleicht wollte sie auch nicht.
»Lennons Vater!«
Aline wurde noch angespannter, als sie schon war.
»Unmöglich!«
»Warum, ist er tot?«
»Das wissen wir nicht.«
»Warum sollte er nicht auf die Idee gekommen sein, den Mist, den ihr mit seinem Sohn veranstaltet, zu beenden.«
»Weil er zur Fahndung ausgeschrieben ist. Er hat Fahnenflucht begangen. Wenn wir ihn erwischen, kommt er vor ein Militärgericht. Er wird amerikanischen Boden nicht betreten, ohne, dass wir ihn finden.«
»Ihr seid ziemlich angepisst.«
»Lennon war fünf Jahre, als er verschwand. Er war perfekt vorbereitet. Wäre er geblieben, wäre das Programm sauber durchgelaufen.«
»Wie eine Kochwäsche.«
»Scheiße, Joe! Ja, wie eine Kochwäsche. Du musst mir nicht so moralisch tun. Du bist nichts Besseres, als ein Talentjäger.«
Ich zögerte ihr die Wahrheit zu sagen, aber, ich war sie ihr schuldig.
»Das stimmt nicht ganz.«
Sie sah zu mir, so verblüfft herüber, dass ich Sorge hatte, wir würden in das Fahrzeug vor uns rasen.
»Joe, dass hier ist kein Spiel!«
»Ist es nicht. Ich arbeite für einen Verwandten von Hope und Aline. Er wollte, dass Lennon nicht zum Soldaten abgerichtet wird. Deshalb hat er mich auf den Fall angesetzt.«
Sie bremste abrupt und fuhr schräg in die nächste Parkbucht.
Aline schrie: »Wir haben diesen ganzen Mist am Hals, weil du einem schäbigen Pazifisten, die Schuhe putzt.«
Ich versuchte, das Bild auf Crunchy anzuwenden, was mich zum Schmunzeln brachte.
»Nein, Aline, wir ahnten ja nicht, was für eine Scheiße ihr baut. Ganz ehrlich, bis zu deiner kleinen Offenbarung beim Essen, dachte ich: was soll der ganze Blödsinn? Lass den Jungen halt, für die Army, Computer spielen. Aber gerade jetzt bin ich hoch motiviert, Lennon, auch vor dir, zu retten.«
»Fick dich, Joe!«
»Das hatten wir schon.«
»Fick dich und raus aus meinem Wagen.«
»Nichts lieber, als das. Denk daran, der Deal mit Hope, dauert bis Morgen um 8.«
»Raus.«
Ich stieg aus, irgendwo im Nirgendwo von Portland.

06/21 PGF

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