Indigo (28)

28.

»Was willst du Joe? Es ist fast Mitternacht!«
Schon bereute ich meine Entscheidung, deshalb entschloss ich mich für die »Sei froh, dass ich so nett bin«-Variante.
»Ich weiß, wo Lennon ist.«
Das entsprach nicht ganz der Wahrheit. Aber definitiv war es eine Spur, der zu folgen sich lohnte.
Aline ließ sich nicht aus der Ruhe bringen.
»Und, wie ist dir Superhirn das gelungen?«
»Mir gar nicht. Lennon hat es geschafft, Kontakt mit mir aufzunehmen.«
Die Frage, warum er mich, nicht sie, kontaktiert hatte, ließ ich genussvoll im Raum stehen.
Jetzt wurde sie neugierig. Sie geriet ins Stottern.
»Okay. Das ist ja – ist ja – geht es ihm gut?«
»Ich konnte nicht lange mit ihm sprechen. Der Kontakt brach zweimal ab. Er ist immer noch bei seinen Kidnappern. Ich denke«, jetzt musste ich meinen Stolz hinunterschlucken, »es wäre gut, wenn wir zusammen nach ihm suchen würden. Ich habe nicht das Gefühl, dass wir Zeit verlieren sollten.«
Ihre Stimme klang, als hätte sie jetzt die Dringlichkeit begriffen.
»Ja, natürlich! Ich mache mich auf den Weg. Wo soll ich dich abholen?«
»Beim Hotel. Bring gute Kleidung mit. Wir werden etwas unterwegs sein.«
»Du willst mir nicht sagen, wo er ist?« Fragte sie misstrauisch.
»Nicht wirklich.«
Damit endete unser Gespräch.
Fünfzehn Minuten später, klopfte es an meine Hotelzimmertür.
Ich war angezogen, tatsächlich fast wieder nüchtern und hatte mich per Maps, über die Region informiert, in der wir suchen sollten.
Aline machten einen müden und frustrierten Eindruck. Sie war noch gar nicht, auf Kurs Harmonie, mit mir, aber der Sache wegen – also Lennon – würde sie sich bemühen.
»Können wir los?«
»Ja, ich habe alles was wir für den Moment brauchen.«
Ich zog die Tür zu und wir gingen zu ihrem Wagen.
Während sie den Motor startete, meinte sie: »Und, sagst du mir jetzt, wo es hingeht?«
Ich sah zu ihr, so, dass sie mich ansehen musste.
»Natürlich. Aber du musst wissen, dass ich nur kurz Kontakt mit Lennon hatte und aus dem, was er mir sagen konnte, meine Schlüsse gezogen habe.«
Sie sah mich an, wie eine Frau die befürchtete, dass die Verabredung zum Abendessen, im Bett enden soll.
»Dann hoffe ich, dein Ziel ist etwas genauer als: Amerika.«
Ich schmunzelte.
»Yep. Wir müssen an die Küste. Etwas nach Norden, zu einem Ort namens Cannon Beach.«
»Ist er dort?«
»Von dort oder ganz aus der Nähe hat er sich gemeldet. Sie waren dabei ihn wegzubringen. Er konnte mir grob das Ziel nennen und das liegt nicht weit entfernt von Cannon Beach.«
»Und das wäre wo?«
»Ein Leuchtturm, auf einer Felsinsel im Pazifik. Aber lass uns erst mal sehen, was wir am Festland finden. Vielleicht ändern sie ihren Plan oder wir sind rechtzeitig und sie schaffen es gar nicht Lennon wegzubringen.«
»Okay, um ehrlich zu sein, habe ich gar keinen Anhaltspunkt. Weiß Hope schon Bescheid?«
Sie fiel mir erst jetzt ein.
»Nein, wir informieren sie, wenn meine Theorie gesichert ist. Einverstanden?«
Aline nickte.
Dann rasten wir in die Nacht.

06/21 PGF

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