Indigo (29)

29.

Bei unserer Ankunft in Cannon Beach war es kurz vor 3. Aline sah, nach der Fahrt durch die Nacht, noch müder aus, als zuvor. Ihre Bewegungen waren fahrig und nervös, als hätte sie mit dem Rauchen aufgehört und könne sich nun überhaupt nicht mehr entspannen.
Wir parkten vor einem Motel in Cannon Beach, dem »Tolovana Inn«, ohne entschieden zu haben, ob wir einchecken würden. Denn es stand die eine, alles andere bedingende Frage im Raum: »Und was jetzt?«
Als mir Aline, genau diese Frage, im Moment stellte, als der Motor verstummte, vibrierte mein Handy.
Es war Crunchy.
Ich zeigte auf das Display und erklärte: »Ich gehe besser mal ran.«
Sie nickte, als würde sie ärgern, dass mir Crunchy im letzten Moment aus der Patsche half.
Während der Fahrt zur Küste, hatte ich mit ihm telefoniert und ihm den neuesten Stand mitgeteilt.
Er hörte sich die wesentlichen Fakten an und legte mit einem: »Ich finde heraus, was ihr wissen müsst«, auf.
Ich ging davon aus, er würde sich die Nacht hindurch die Nase pudern, um alles zu geben, was nötig war, um uns die Infos zu beschaffen.
Entsprechend aufgekratzt klang er, als ich abnahm.
»Joe!«
»Ja?«
»Joe! Hörst du?«
»Ja. Klar! Schieß los. Was hast du?«
»Russen, Joe. Scheiße! Ich glaube, es sind die Russen die ihn haben.«
»Weil?«
»Sag ich dir! Weil zwei Russen – Dimitri Kovalenko und Viktor Smolov – beide aus Anchorage, Alaska – vor vier Tagen, mit einem Flieger in Seattle gelandet sind, dort einen Mietwagen – einen Van – nahmen, um in Necanicum, das ist etwas westlich von euch, abzusteigen und vorgestern Nacht, wenn ihr GPS nicht lügt, zufällig nach Oneonta Gorge zu fahren.«
Er brauchte eine kleine Pause um Luft zu holen und gab mir die Zeit, alles zu verarbeiten.
»Hast du es?«
»Ja.«
»Von Oneonta sind sie zurück an die Küste. Aber nicht wieder nach Necanicum, sondern zu einem Camping-Park, dem »Sea Ranch Resort« in Cannon Beach. Das Resort hat Stelleplätze, für Wohnmobile, Zeltplätze und größere Blockhäuser, eines der großen Blockhäuser ist unterkellert.«
Jetzt wuchs meine Spannung.
»Und sie sind noch dort?«
Crunchys Stimme fiel ab.
»Nein. Nein. Unwahrscheinlich. Ihre Buchung ging bis gestern Mittag. Aber vielleicht findet ihr irgendwelche Spuren. Vielleicht können dir die Vermieter sagen, ob Lennon mit dabei war. Ich meine, es fällt ja auf, wenn ein kleiner Junge, mit zwei Russen unterwegs ist.«
Da lag Crunchy sicher nicht falsch, unabhängig davon ob es Russen waren.
»Okay, gut, dass hilft. Wir sehen nach, was wir, um diese Zeit, herausfinden können. Falls du über die beiden Russen noch etwas erfährst, gib Bescheid.«
Ich legte auf.
»Du hast es gehört?«
Aline nickte.
»Sollen wir ein paar Stunden schlafen oder nachsehen, was wir finden?«
Sie wirkte unentschlossen, wie ich.
»Am liebsten würde ich gleich los. Aber, wenn man uns erwischt, erfahren wir gar nichts. Es wäre besser, mit dem Eigentümer zu sprechen. Sieh mal nach, wann die Check-In haben.«
Ich suchte die Seite, mit dem Smartphone.
»Ab 8.00«
»Dann lass uns die vier Stunden schlafen und pünktlich um Acht dort sein.«
Ich war einverstanden, hatte aber noch einen Gedanken: »Und Hope. Wir hatten gesagt, bis Acht.«
Aline öffnete bereits die Fahrertür.
»Wir haben eine Spur. Sie wird uns die Zeit geben.«
»Und du?«
»Ich bin bereit, in die Verlängerung zu gehen.«

06/21 PGF

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