Indigo (32)

32.

Melville empfing uns beim Netze flicken, mit selbst gedrehter Zigarette im Mundwinkel, über die hinweg, er uns kritisch beäugte.
Ich ging zu ihm hin.
»Sind Sie Mister Melville?«
Er sah mich an, als hätte ich die blödeste jemals mögliche Frage gestellt. Ein echter Menschenfreund, wie ich erkannte. Das gefiel mir.
»Wenn ich sage: Ja. Womit muss ich rechnen?«
»Einem Job für heute Abend, Ruhm, Geld, neue Netze, Glück beim Fang.«
Er legte das Netz bei Seite und nahm die Kippe aus dem Mund. Er sagte nichts, aber ich merkte, dass ich die richtige Art gefunden hatte, mit ihm zu reden.
»Hören Sie, Mister.«
»Joe.«
»Hören Sie, Joe. Ich fahre heute Abend aufs Meer, wie ich das jeden Abend mache. Ich fahre allein, weil man dann, die besten Gespräche hat, zumindest, wenn man die Sprache des Meeres versteht. Ich wüsste nicht, weshalb ich mir das durch Sie und Ihre hübsche Lady dahinten -.«
»Aline.«
»Wie auch immer …, verderben sollte.«
»Wegen den 10000 Dollar.«
Er sah mich an, als würde ich ihn für doof halten.
»Wenn Sie mir dumm kommen -.«
»Nein, ist mein Ernst. Sie bekommen 10000 Dollar von mir, wenn sie uns heute Abend zum Leuchtturm rüberbringen.«
Jetzt wurden seine Augen schmal.
»Und Sie wollen dort?«
»Ist was Romantisches, was Sie nicht interessieren muss. Sie nehmen ihr Geld, reden mit dem Meer und mit niemand sonst und, wir sehen uns nie wieder.«
»Und, wie kommen Sie von der Insel wieder weg?«
Das war eine gute Frage. Wir konnten niemand, wie ein Taxi, kurz mal warten lassen.
»Sie holen uns am nächsten Morgen.«
Er verzog das Gesicht.
»Also reden wir von 20000.«
»15000 und ich bekomme die besten Fische, die Sie in der Nacht gefangen haben.«
Er dachte nach oder tat so.
»Sagen wir, ich kann mir das vorstellen, wie wollen Sie vom Boot auf die Insel kommen?«
»Sie legen an und wir steigen aus.«
»Es gibt dort keinen Steg. Sie müssen damit rechnen ein paar Meter schwimmen zu müssen.«
Ich nickte, obwohl mir der Gedanke gar nicht gefiel, im Dunkeln ins Meer zu springen.
»Das Meer ist unruhig, um diese Zeit und um den Felsen im Besonderen. Sie müssen ordentlich schwimmen können.«
»Ist unser Problem.«
»Sie wissen, dass die kleine Insel im Privatbesitz ist. Ich will keinen Ärger bekommen. Verstehen Sie?«
»Kein Ärger, ein bisschen Romantik, vielleicht eine etwas rußige Kerze, mehr geschieht nicht.«
Melville zog genüsslich an seiner Zigarette.
»Dann – kommen Sie, heute Abend gegen sechs, hier her. Wenn die Dämmerung einsetzt fahre ich Sie raus. Wenn der Morgen dämmert, hole ich Sie ab. Das Geld -«.
»Bekommen Sie zur Hälfte im Voraus.«
Damit war er einverstanden.
Ich wandte mich zum Gehen, dann drehte ich mich wieder um.
»Ach so, Mister Melville. Dieses Gespräch hat nie stattgefunden und heute Abend, werden Sie uns an der Insel da drüber absetzen, dass nicht mal die Fische im Meer merken, dass wir dort an Land gehen. Einverstanden?«
»Ich wüsste nicht, dass zurzeit, da drüben -«.
»Das ist der Deal«, erklärte ich scharf und beendete unsere kleine Verhandlung.

07/21 PGF

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