Indigo (34)

34.

Die Insel, auf der sich der Leuchtturm befand, war wie ein C geformt, von dem der untere Teil auf Höhe der Wellen lag und der obere Teil, steil in die Höhe stieg.
Wir waren an der westlichen Seite angekommen und so lag vor uns ein kleines Stück ungeschützter Weg den wir nordwärts mussten. Über den unteren Teil der Insel, der glatt und glitschig war, weil er immer wieder vom Meer überspült wurde und bei heftigem Seegang, ganz in der Flut versank.
Da sich oberhalb von uns nichts rührte, glitten wir ungesehen durch die Dunkelheit und gelangten zum Anstieg, für den eine Treppe, ich schätzte 50 bis 100 Stufen, in den nackten Felsen geschlagen war. Es war unrealistisch, die glatten Felsen daneben, in die Höhe zu steigen. Wir würden hoffen müssen, dass uns, auf der Treppe niemand bemerkte.
Seitlich der Stufen, kurz vor dem Leuchtturm, war ein kleines viereckiges Gebäude gesetzt. Früher vermutlich eine Vorratskammer, in der man, als der Leuchtturm noch betrieben wurde, Essen und Wasser für den Leuchtturmwärter gebunkert hatte. Jetzt war das flache Dach des Gebäudes, der ausgewiesene Hubschrauber-Landeplatz.
Am oberen Ende der Treppe erreichte man einen rechtwinkligen Sockel, den man dem Felsen aufgezwungen hatte, um darauf den Leuchtturm zu setzen. Der war kein langer rot-weißer Pfahl der in die Höhe ragte. Sondern ein gestuftes Gebäude, mit einer quadratischen, zweistöckigen Basis, auf die ein deutlich kleineres Viereck gepflanzt war, in dem sich vermutlich der Treppenaufgang befand. Der dann in die Turmspitze führte, die nicht mehr als zwei knappe Stockwerke umfasste und in einem Kupferdach endete, das, im Tageslicht schimmernd, von Grünspan überzogen war.
Es gab zwei Außenbereiche, die wir im Blick haben mussten: unten der Sockel und über dem zweiten Stock der Flachbau für die Leuchtturmspitze.
So leise und zielstrebig wir konnten, bewegten wir uns auf die Treppe zu. Ich ging voran und hielt vorerst, das kleine Gebäude im Blick, dass den Hubschraubern zum Landen diente. Als wir es erreichten sahen wir niemand dort, der uns hätte bemerken können.
Aline war immer dicht hinter mir und ich hatte ein gutes Gefühl, mich auf sie verlassen zu können, wenn die Lage eng wurde. Sie war ein Profi und wusste das Gebiet im Blick zu haben.
Als wir das Ende der Treppe erreichten, flüsterte sie: »Wo denkst du sind sie? In dem unteren Teil oder in der Turmspitze.«
Leise antwortete ich: »Ziemlich sicher unten. So schnell, wie der Kerl draußen war, um nachzusehen, bewachen Sie das Gebiet von der Basis aus.«
»Und du meinst sie haben Lennon bei sich?«
»Das gilt es herauszufinden. Wir sollten uns erstmal draußen umsehen, ehe wir uns überlegen, wie wir reinkommen.«
»Einverstanden.«
In die Basis, des Gebäudes, gab es nur eine Tür in der Front. Im unteren Bau gab es keine Fenster, dort, wo sich früher, einige befunden haben konnten, waren die alten Rahmen ausgemauert. Irgendwo hatte ich gelesen, dass der Leuchtturm eine Weile als Kolumbarium gedient hatte und darin 30 Urnen aufbewahrt worden waren. Wahrscheinlich hatte man in dieser Zeit, die Fenster zugemauert.
Wir gelangten an eine schmale Stelle seitlich des Grundgebäudes, die wir im gleichen Moment zu passieren versuchten.
Während wir uns hindurchpressten, drückten sich Alines Brüste unvermittelt gegen meine Brust. Ihr Körper war fest und gut geformt und der Neoprenanzug brachte das zur Geltung. Ich war versucht sie zu küssen und fühlte plötzlich eine tiefe Sehnsucht nach ihrer Nähe. Das war etwas rein Körperliches, wie mir durchaus bewusst war, aber zugleich etwas schicksalhaftes, was aus tieferen Zusammenhängen genährt wurde, als dem was wir beide übereinander dachten oder voneinander wollten. Denn wir passten nicht zueinander, dass wussten wir. Vielleicht waren es unsere Gene, die nach einem großen Plan, den wir nicht kannten, sich matchten. Wer wusste schon, warum manchmal die Natur zwei zusammenbrachte? Vielleicht gar nicht wegen der großen Liebe, die gab es ohnehin nicht, zwischen Mann und Frau. Alles Elend der Liebe entstand dadurch, zu glauben, dass die Liebe dort lag, wo das Begehren lag. Nein, dass Begehren beruhte auf tieferen Mechanismen, bei denen wir nur Ingredienzien waren, damit irgendwann die nächste Stufe des Lebens geboren wurde. Irgend so ein alter, weißbärtiger Alchemist, kochte mit uns seine Bio-Suppe, um aus Dinosauriern Vögel zu machen und aus Affen Menschen.
Wir schoben uns durch die Engstelle hindurch und der Moment ging vorüber, aber das Gefühl der Anziehung wirkte nach.
Kurz darauf, hatten wir das Gebäude einmal umrundet.
»Kein Eingang, außer frontal durch die Tür.« Stellte Aline frustriert fest.
»Du hast eine Waffe?«
»Ja, klar.«
»Dann, ab zur Party.«

07/21 PGF

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