Indigo (36)

36.

Ich wollte es später mit Crunchy klären, wie aus zwei Russen drei geworden waren, aber ich erhielt meine Erklärung früher.
Davor tauchte allerdings Viktor wieder auf, der sich von dem Niederschlag erholt hatte und, während er sich den Hinterkopf rieb, den Raum betrat.
»Das Miststück hat mich niedergeschlagen.« Erklärte er schuldbewusst.
»Nimm ihr die Waffe ab.« Befahl der Mann, oben an der Treppe. »Dimitri, du nimmst dir die Waffe von dem Kerl.«
»Joe.« Erklärte Lennon ziemlich forsch, als sei er nicht damit einverstanden, dass ich schlecht behandelt wurde.
»Okay, Joe.« Erklärte der Mann, neben Lennon, in einem Tonfall der mich überraschte. Es machte nicht den Eindruck, als würde ein Kidnapper, seinem Opfer zustimmen, sondern ein Personenschützer, seinem Auftraggeber.
Langsam sortierte sich die Situation. Unsere Waffen waren weg. Aline und ich wurden auf zwei Holzstühle in der Mitte des Raumes gesetzt und entgegen Lennons Drängen, wurden uns die Hände auf dem Rücken gefesselt.
Der Überraschungs-Russe beendete Lennons Forderungen, mit einem: »So ist es besser, für den Moment!«
Als endlich etwas Ruhe eingekehrt war und nachdem sie die Situation ausgiebig gescannt hatte, wandte sich Aline an Lennon: »Geht es dir gut?«
Der zuckte ziemlich unhöflich und als sei ihm die Frage wurscht, mit den Schultern.
»Das war doch nie deine Frage.«
Die Reaktion traf Aline unverkennbar.
Der Russe mit der Pistole übergab Lennon an Dimitri und stellte sich vor uns. Geduldig betrachtete er uns, wie ein Gourmet der darüber nachdenkt, ob er erst von dem Hummerfleisch oder erst von dem Kaviar nimmt.
»Wie haben Sie uns entdeckt?«
Da ich meinte Prügel besser zu vertragen, plapperte ich los: »Ach, das war ziemlich mittelmäßige Detektiv-Arbeit«, behauptete ich, um die Männer zu verunsichern. »Sie haben überall Spuren hinterlassen. Sie hätte auch gleich Schilder aufstellen können, wohin wir müssen.«
»Wer unterstützt Sie?«
»Wir sind Freelancer. Ich bin Bounty Hunter und meine Kollegin Cecilia – Mann! – hat die ein Köpfchen, auf dem gut gebauten Körper, ermittelt, wie es nicht mal Sherlock Holmes konnte.«
»Lustig«, bemerkte der Russe knapp.
Er wirkte kein bisschen beunruhigt.
»Sehen Sie, Joe, wir wissen von Lennon alles, was wir wissen müssen. Von Ihnen und der Firma, für die Sie arbeiten, von Aline und »Cyber-Soldier«, dass einzige was uns fehlt, ist die Info, wie sie uns auf die Spur kamen.«
Das irritierte mich, ich wollte nicht wissen, wie sie Lennon zum Reden gebracht hatten.
»Wenn Sie Lennon nur ein Haar -«.
Der Russe grinste.
»Dass haben wir natürlich nicht. Er hat uns alles freiwillig erzählt, nachdem er wusste, dass uns sein Vater geschickt hat.«
»Sie haben ihn belogen!« Schimpfte Aline.
Unvermittelt war Lennon zu hören: »Nein, das haben sie nicht. Anfangs, dachte ich, sie seien böse. Deshalb habe ich Joe angerufen. Aber Papa hat sie wirklich geschickt. Ich habe schon mit ihm gesprochen. Er wartet auf mich. Er weiß, dass sie mich wieder in das Projekt aufgenommen haben und will mich holen.«
Bumm! Leberhaken. Aline und ich taumelten durch den Ring.
»Lennon, Sie können deinem Vater – du darfst ihnen nicht vertrauen – sie spielen -«. Stotterte Aline zusammen.
Der Russe betrachtete sie abfällig.
»Denken Sie wirklich, dass es Snowden in Russland schlechter geht? Als er die NSA-Affäre 2013 aufgedeckt hat, haben das viele Geheimdienstler und Elite-Soldaten daran gedacht ihm zu folgen. Viele ihrer Leute sind es leid, die schmutzigen Missionen, der amerikanischen Regierung durchführen zu müssen. Lennons Vater hilft uns. Wir belohnen ihn, mit dieser Rettungsaktion.«
»Entführung!« Schimpfte Aline.
»Glauben Sie, was Sie wollen. Joe, Sie sind etwas klüger und wissen, dass es nur Grau und kein Schwarz-Weiß gibt. Also: Wer weiß, dass wir hier sind?«
Ich sah nach Lennon und ich erkannte keine Angst in seinen Augen. Egal, was Aline und ich dachten, er glaubte den Russen.
»Warum macht Ihnen das Sorge?«
»Weil wir Lennon gerettet haben, wenn uns bis morgen Mittag um 12 niemand entdeckt.«

07/21 PGF

4 Kommentare zu „Indigo (36)

  1. So so, na dann bleibt es spannend, wie jedes Mal am Ende des Teilstücks 😉
    Mit der heutigen Wendung hätte ich jedenfalls nicht gerechnet. Obwohl es schon mal im Raum stand, Lennons Vater könnte… Trotzdem hatte ich ihn in dem Moment nicht auf dem Schirm und war überrascht, dass sich das alles auf die Art entspannt. Auch wenn Aline natürlich nicht happy ist, aber das war sie von Anfang an nicht und sie ist kein Sympathieträger. Obwohl ich sie ganz gern gesehen hätte. Ob sie wirklich sexy ist, neben der Tatsache, dass sie klug und skrupellos ist bzw. ihren Herren heillos ergeben.

    Gefällt 1 Person

    1. Schön. Ich hoffe, die Wendung ist überraschend und(!) plausibel, das finde ich entscheidend.
      Bis kurz vor dem Kapitel wusste ich selbst nicht, ob und wie Lennons Vater involviert sein könnte.
      Und zur guten Aline: da wird mehr noch nicht verraten 😁

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