Indigo (40)

40.

Das Ganze endete nicht, wie der Einschlag einer Pistolenkugel im Rückwärtszeitraffer, in dem der Sender, durch Lennons Hinterkopf nach draußen schoss. Lennon stöhnte noch einmal, dann war es vorbei.
Ich ahnte, dass ich gerade einen experimentellen Einsatz des Gerätes erlebt hatte.
Georgi legte die Spule beiseite. Er wirkte zufrieden.
»Das wars. Der Sender ist Geschichte. Jetzt erhol dich erstmal einen Moment. Dann machen wir uns bereit, für deine Mission.«
»Die da ist?« Fragte ich, als hätte ich keine Ahnung.
Georgi, sah mich ohne Sympathie an.
»Das wirst du leider nicht erfahren. Die Nacht, Joe, verbringst du in der Kammer mit Aline. Morgen werde ich mit Lennon klären, was wir mit dir tun sollen.«
Das war keine Idee die mir in den Gram passte. Aus vielen Gründen nicht. Einen versuchte ich direkt zu entkräften.
»Ihr solltet mich nicht, mit Aline zusammenpacken. Das wird keine gute Nacht für euch. Von mir aus sperrt mich ein oder fesselt mir wieder, auf einem Stuhl, die Hände. Aber mit Aline gibt es, in jedem Fall Ärger.«
Georgi schien das für durchaus möglich zu halten. Vielleicht war es auch nur ein Test gewesen, ob ich die Chance nutzen würde, mit Aline eine gemeinsame Befreiung zu organisieren.
»Wie du willst. Dann bekommst du deine eigene Besenkammer. Bei Lennon kannst du jedenfalls die nächsten Stunden nicht sein.«
Ich sah nach dem Jungen, der keine Regung zeigte, ob er dafür oder dagegen war. Das gab mir das Gefühl, dass ich seinen ursprünglichen Plan zerstört hatte und im Moment nur im Bereich unterer Sympathie-Werte rangierte.
»Ist okay. Ein paar Stunden Schlaf – und sei es sitzend – schaden mir nicht. Wo ist meine Suite?«
»Darum kümmert sich Dimitri.«
Georgi rief ihn zu uns.
»Dimitri, sperr Joe, oben im Leuchtturm ein. Aber achte darauf, dass er nichts bei sich hat, um irgendwelche Lichtzeichen zu machen. Am besten du fesselst ihm die Hände.«
»Ja, Boss.« Bestätigte der wuchtige Russe.
Er packte mich und brachte mich über das Treppenhaus, in den Außenbereich, über den man zum Leuchtturm aufsteigen konnte.
Ich bot keinen Anlass zu Protest und gab mich freimütig, wie ein verspieltes Kätzchen.
Als wir in dem kleinen runden Raum des Turms waren, meinte Dimitri: »Wenn das alles so läuft, lassen wir dich leben und du kannst morgen nach Hause. Mach keine Dummheiten.«
»Kein Gedanke«, log ich und erkundigte mich: »Und Aline?«
»Die wird es schwerer haben. Vielleicht können wir sie vorübergehend als Geißel gebrauchen, aber das entscheidet der Boss.«
»Kluger Kerl.« Bemerkte ich.
»Klug, wie grausam.« Unterstrich Dimitri.
Dann ging er.
Jetzt begann die, für mich, schwierigste Phase: die Nacht.
Ich sortierte meine Karten: Aline eingesperrt, drei Russen, Lennon vorbereitet, Leuchtturm, Meer, gefesselte Hände and so on.
Zwischen jetzt und dem Morgengrauen lagen etwa 6 Stunden. In dieser Zeit musste ich eine Idee bekommen, wie ich meine Hände von dem Kabelbinder befreien konnte, mit Lennon in Kontakt treten, Aline eine Botschaft vermitteln und die Russen außer Gefecht setzen konnte.
Wenn das geklärt war, konnte mein eigentlicher Plan beginnen. Der war, in meiner Vorstellung, nahezu perfekt. Sicher gab es ein paar Unwägbarkeiten, aber die war ich gewohnt. Viel fetter und ekelhaft, wie geplatzte Maden, lagen die anderen Fragen vor mir.
Das mit den gefesselten Händen, war mein erstes Problem und ich sah auch schon eine Metallkante, in der Wandverkleidung, die mir dabei eventuell helfen konnte.

07/21 PGF

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