Indigo (41)

41.

Der Horizont schimmerte schon leicht, als Dimitri, zu mir nach oben in den Leuchtturm kam. Ich erwartete ihn, entspannt, auf einem Stuhl sitzend und hielt die Hände in die Höhe.
»Ich will nur, dass du das gleich weißt: Ich habe mir die Dinger abgemacht, weil ich so nicht schlafen konnte.«
Tatsächlich, weckte das sein Zutrauen zu mir, wie es mit einem Leckerli bei einem Hund funktionierte.
»Ist okay. Dann komm. Du gehst vor mir.«
Ich blieb brav.
Er brachte mich in den Aufenthaltsraum, in dem die beiden anderen Russen und Lennon bereits warteten. Aline saß, mit einem Knebel im Mund, auf einem Stuhl dabei. Sie warf mir einen vernichtenden Blick zu.
»Boss, er hatte sich die Hände befreit. Aber er hat keine Probleme gemacht.«
Georgi nickte das ab.
»Okay Leute, das ist unser Briefing. Lady CIA wollte uns ja nichts verraten und so wird uns eben Joe erklären, was die Amerikaner vorhaben.«
Als würde ich, nichts als die Wahrheit berichten, wiederholte ich meine kleine Geschichte, mit den Hubschraubern, die auf den Angriff warteten und schmetterte Dimitris Einwand: »Warum schlagen die nicht direkt zu und schicken, eine Agentin und einen Typen der nicht dazu gehört?«, mit »Um Lennon nicht zu gefährden« ab.
Aline verfolgte meine Spam-Mail würdige Geschichte, mit fassungslosen Augen.
Georgi übernahm: »Ihr habt es gehört. Wir sitzen also auf einem Präsentierteller, sobald wir den Leuchtturm verlassen und klar wird, dass die beiden nicht bei uns sind.«
»Aber wir haben den Jungen und könnten die zwei als Schutzschild nehmen.« Die Bemerkung kam von Viktor.
Georgi schüttelte den Kopf.
»Du hast noch keinen Einsatz von Special Forces erlebt. Wenn sie wissen, es geht, um alles oder nichts, werden sie uns mit allen Mitteln ausschalten.«
Ich nickte, fasziniert, wie aus Fake-Fakten ein reales Szenario entstehen konnte.
»Und, wie ist der Plan, Boss?« Wollte Dimitri wissen.
Georgi zeigte auf Aline.
»Nimm ihr den Knebel aus dem Mund. Sie sagt es uns jetzt.«
Aline wehrte sich, in dem sie den Kopf hin und her warf, wie ein stures Pferd. Aber die Abwehr blieb erfolglos.
Als der Knebel raus war, spukte sie auf den Boden und schnaufte durch.
»Er lügt. Was lasst ihr euch für einen Blödsinn erzählen.«
Georgi grinste breit.
»Seht ihr, jetzt wissen, wir das Joe die Wahrheit sagt. War zu erwarten, dass sie alles abstreitet. Knebelt sie wieder.«
Der Feind, meines Feindes, ist mein Freund, wie ein arabisches Sprichwort sagt, hatte sich als Beweisführung bewährt.
Georgi sah zu mir.
»Deine Chance, Joe.«
In mir kribbelte es, wie vor dem Moment, wenn man zum ersten Mal, ruhig und selbstbewusst »Schach!« sagen kann.
»Wir müssen schnell sein und die einsetzende Dämmerung nutzen, wenn die Seals noch nicht alles gut überblicken können. Aline hat euch wohl auch nicht verraten, dass sie eine Nachricht an die Einheiten senden kann. Das sollten wir nutzen, damit sie glauben, es wäre doch alles gut gegangen.«
»Und, welchen Vorteil hätte das?«
»Die Helis fliegen nicht mit Attacke ein, sondern defensiv und während ihr, einen nach dem anderen aus der Luft holt – ich hoffe ihr seid entsprechend bewaffnet – könnt ihr, eure Flucht, wie geplant umsetzen.«
»Aber sie könnten glauben, es handle sich, um einen Trick von uns.«
Viktor war noch immer skeptisch.
Ich grinste mein »keine-Sorge-Joe-hat-alles-für-Sie-im-Blick«-Grinsen.
»Deshalb werde ich, in diesem Moment, mit Lennon draußen spazieren, als würden wir, bis die Kavallerie eintrifft, See-Möwen in der Morgenröte betrachten. Entspannt, freudig unsere endgültige Rettung erwartend.«
»Das ist doch ein Trick.« Behauptete Viktor und sah in die Runde.
Ich lächelte kein »Halt-doch-die-Fresse«-Lächeln, sondern spielte ihm den Ball zu.
»Und dein Plan wäre?«
Er warf einen unsicheren Blick zu Georgi und zuckte dann mit den Schultern.
Ich würzte ein bisschen Zeit hinzu.
»Also, wie soll es laufen? Mein Plan funktioniert nur, wenn wir jetzt in die Pötte kommen.«
Georgi sah nach Aline.
»Geh mit Lennon los. Ich überzeuge Miss CIA, dass sie die Nachricht sendet.«
Ich ahnte, dass ich damit eine Schuld auf mich lud, die ich nie mehr loswerden würde. Aber, wie immer im Krieg, funktionierte siegen nur mit opfern.

07/21 PGF

2 Kommentare zu „Indigo (41)

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