Indigo (45)

45.

Der Fahrer war ein fröhlich grinsender Rastafari, bei dem man schon gute Laune bekam, wenn man ihn nur sah. Wie selten solche Menschen, noch zu finden waren …
»Wohin darf ich Sie fahren, Sir?«
Mir lag »Bring mich nach Kingston!«, auf der Zunge, aber ich entschied mich für: »Wir müssten nach Portland.«
Er pfiff durch die Zähne.
»Das kostete Sie eine Stange, Sir. Billig wird das nicht.«
»Schon okay, solange wir jetzt loskommen.«
»Steigen Sie ein.«
Ich setzte mich nach hinten, zu Lennon, um ihn besser unter Kontrolle zu haben.
Unser Fahrer gab Gas. Er dreht die Musik auf, was mir recht war, weil ich dann ungestörter mit Lennon sprechen konnte.
»Warum sollen wir nicht nach Portland?«
Lennon zögerte. Er hatte offensichtlich Angst, dass er, die Chance verlor, seinen Papa zu treffen, wenn er mir die Wahrheit sagte.
»Wegen der Idee der Russen?«
Keine Reaktion.
»Und die wäre?«
Er blieb stumm.
»Was musstest du für die Russen tun, Lennon?«
Er schüttelte den Kopf.
»Komm schon! Ich kann dir nicht helfen, wenn ich nicht weiß, was dir Sorgen macht.«
Lennon seufzte und lehnte sich zu mir, um die Antwort flüstern zu können.
»Es ist nicht ihre Idee. Ich sollte mir überlege, wie sie mich, am geschicktesten außer Landes bringen können.«
»Und das ist dir gelungen?«
Er nickte kurz.
Langsam verstand ich, was ihm Sorgen machte.
»Lennon, erzähl mir einfach was du gemacht hast. Du hast keine Schuld. Du bist ein Kind. Du wolltest deinen Papa sehen. Die Verantwortung trägt in jedem Fall jemand anderes. Nimm mich, weil ich dir nicht früher geholfen habe.«
Das überzeugte ihn nicht, aber er sprach trotzdem weiter.
»Mein Plan ist ein Ablenkungsmanöver, das möglichst viel Polizei und Militär bindet. Deshalb habe ich eine Einrichtung gesucht, die teilmilitärisch ist, viel Aufsehen erregt und eine Sicherheitslücke bietet.«
»Und die hast du gefunden?«
Er bestätigte es, mit einem Blick.
»Du kennst Boeing?«
»Klar, den Flugzeughersteller.«
»Nicht nur. Boeing besitzt in Portland eine große Drohnenfabrik. Das Ganze nennt sich »Phantom Works« Dort werden Kampf- und Überwachungsdrohnen hergestellt. Heute kommt der große Tag, für die Geräte: 25 Kampfdrohnen der Reihe X-51 sollen ihre Fähigkeiten vor einer Reihe hochrangiger Militärs demonstrieren.«
»Was sind das für Drohnen?«
»Es handelt sich um Überschall-Drohnen, die erkunden und attackieren können. Das werden sie, in einem Außenareal von Portland heute beweisen.«
»Okay, aber was ist die Ablenkung.«
»Ich habe die Steuerung der Drohnen übernommen. Heute Vormittag ab 10.55 werden die Drohnen nicht, von den Entwicklern, im Boeing Stützpunkt gesteuert, sondern, von einem automatisierten Programm, dass sie übernimmt.«
Scheiße! Dachte ich knapp und vermutlich treffend.
»Du meinst die Dinger spielen verrückt?«
»Ja, Joe.«
»Und für was hast du sie programmiert?«
Während er redete, flammte etwas Stolz in seinen Augen auf.
»Ein Teil wird die Geschwindigkeitsgrenze austesten, das wird zu Überschall-Donner und Explosionen führen, wenn die Triebwerke überhitzen.«
»Die Aliens kommen?«
»Wird man vermutlich in Portland denken. Aber das ist nicht alles. Ein anderer Teil wird seine Angriffsmöglichkeiten einsetzen und Ziele im Umfeld von Portland attackieren: leerstehende Gebäude, Brachland, aber es wird trotzdem den Eindruck erwecken, als würde Al-Kaida, den 11. September in klein wiederholen.«
»Der Plan ist also Chaos in Portland und maximale nationale Aufmerksamkeit, für alle Ereignisse in der Luft, während ihr mit einem Schiff die Küste entlang schippert.«
Lennon nickte unsicher.
»Ja. Das war der Plan. Und er ist gestartet, ohne, dass ich ihn noch stoppen kann. Deshalb können wir nicht nach Portland. Und Mum darf da auch nicht hin.«
Sah so aus, als würde ich, meinen Plan, noch mal ändern müssen.

07/21 PGF

6 Kommentare zu „Indigo (45)

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