Indigo (47)

47.

»O! Aline, schön dich zu hören.« Sagte ich, als wäre sie aus dem Urlaub zurück und wir könnten uns, nach 14 Tagen endlich mal wieder austauschen.
Sie klang weniger, viel weniger gesprächig.
»Hast du wirklich geglaubt, ich vertraue dir? Hast du wirklich geglaubt, ich komme dir nah, weil mir etwas an dir liegt?«
Ich dachte nach, was sie damit meinte, kam aber nicht direkt darauf.
»Ich ging davon aus, dass wir, aus gemeinsamem Interesse und bei einer grundsätzlichen Sympathie, unter Umständen, aber Ende des Auftrages, vielleicht bei einem gemeinsamen Abendessen -«.
»Schenk es dir, Joe. Schenk dir alle deine Sprüche. Ich bin dir auf den Fersen!«
Das nahm ich gelassen. Ich besaß eine gute halbe Stunde Vorsprung und konnte in drei Himmelsrichtungen unterwegs sein. Mein GPS war aus und konnte nicht getrackt werden: die Kleider hatte ich von den Russen und den letzten Kontakt hatten wir in den Neopren-Anzügen, die nun, wie abgelegte Schlangenhaut im Leuchtturm lagen.
Mit dem Risiko, sie noch rasender zu machen, sagte ich: »Also liegt dir doch an einer liebevollen Beziehung zu mir?«
Ihre Stimme wurde fast schrill: »Mir liegt daran, dass Lennon seine Aufgabe erfüllen kann und dass du deine verdiente Strafe erhältst. Hör mir gut zu, Joe: Ich weiß wo du bist. Du bist auf der US-26 Richtung Portland unterwegs und hoffst, dass du Hope rechtzeitig einladen kannst, um irgend so eine romantische Rettung zu planen. Aber ich sage dir, wie es wirklich ist: Wir sollten das so machen, dass Lennon nicht in Gefahr gerät oder – und das solltest du ernstnehmen – mitansehen muss, wie man dich bei seiner Befreiung erschießt! Hast du das alles gut verstanden?«
Hatte ich. Allerdings raste mir eine Frage durch den Kopf: Wo sitzt der Sender, den sie mir wie, verpasst hat? Ob sie bluffte.
»Aline, keine Ahnung, wie du auf die Idee kommst, ich wäre auf dem Weg nach Portland. Ich mache es dir schon einfacher, wenn ich sage, der Pazifik sieht heute wunderbar aus.«
Sie gab ein höhnisches Kichern von sich.
»Vergiss es Joe, ich weiß noch nicht, worin du dich vorwärtsbewegst, mutmaßlich ein Auto und mutmaßlich eines, welches sich an die Vorschriften hält. Ein Taxi? Wir werden es noch rausfinden. Aber genau jetzt kommt die Abzweigung nach Timber oder nach Clear Creek.«
Sie machte eine Pause und genoss den Moment, dann fuhr sie fort.
»Ich könnte dich schon jetzt ergreifen lassen. Das wäre gar kein Problem. Aber das will ich Lennon nicht antun. Auch, wenn ich nicht verstehen, was ihm an dir liegt.«
Okay, das war ein winzig kleiner Hebel für mich: Sie wusste, wie schlecht der Junge im Moment von ihr dachte. Wenn sie mich abrasierte, würde er nie mehr mit ihr zusammenarbeiten. Das war der letzte Punkt, für den sie mich brauchte. Ich hingegen benötigte Zeit, um mir klar zu werden, ob es eine Chance gab, den Sender zu finden und loszuwerden und falls nicht, den Kopf auf eine andere Art aus der Schlinge zu ziehen.
»Aline?«
»Ja, Joe.«
»Ich brauche zehn Minuten. Ich spreche mit Lennon«, dessen Blick schon die ganze Zeit an mir haftete, »und dann machen wir das, mit einer ganz geordneten Übergabe.«
»Den Sender wirst du nicht los, Joe. Versuch es erst gar nicht.«
»Ich will nur reden.«
»Klar willst du das. Ich weiß, wann ihr das Fahrzeug stoppt. Wir werden sofort zuschlagen.«
»Davon gehe ich aus, Aline. 10 Minuten.«
»Nutze sie gut.«
»Das werde ich, du wirst beeindruckt sein.«

07/21 PGF

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