Indigo (48)

48.

»War das Aline?« Lennon klang sehr besorgt.
»Ja.«
»Und was will sie? Ich gehe nicht zu ihr zurück.«
»Sie ist etwas angespannt. Warte kurz, Lennon.«
Ich wandte mich an unseren Fahrer.
Aus den Boxen trällerte Bob Marley: »Old pirates, yes, the rob I.«
»Sir.«
Er nahm über den Rückspiegel Blickkontakt mit mir auf.
»Ja? Haben wir ein neues Ziel?«
Ich deutete ein Nicken an.
»Das ist der Redemption Song?«
»Sie kennen das Lied?«
»Ja, es gibt Lieder die man kennen und mal gefühlt haben sollte.«
Seine Augen strahlten.
»Sollte man, Sir, sicher.«
Er hob seine Stimme und sang die nächste Zeile mit: »How long shall they kill our prophets.«
»An Ihnen ist ein Sänger verloren gegangen.«
»Danke. Aber damit ist es, noch schwerer, Geld zu verdienen, als mit dem Taxifahren.«
»Hören Sie, ich muss Sie um etwas Verrücktes bitten.«
Er sah mich, durch den Rückspiegel fragend an.
»Der Junge neben mir, muss dringend seine Mutter treffen, ehe er von jemand gefunden wird.«
»Seinem Vater?«
»Nein.«
»Dem Establishment?«
»Das trifft es eher. Das lässt sich nur verhindern, wenn Sie uns helfen.«
»Und was müsste ich tun?«
»An der Abzweigung nach Vernonia aussteigen, mir ihr Taxi überlassen und den Jungen mitnehmen.«
Ich sah auf die Uhr, ich hatte noch 6 meiner 10 Minuten.
»Der Junge gegen das Auto?«
»Eher das Auto und den Jungen zu seiner Mutter bringen.«
»Und den Wagen?«
»Bekommen Sie zurück.«
5 von 10.
»In Ordnung. Muss ich auf etwas achten?«
»Nur darauf, den Jungen nicht aus den Augen zu lassen bis er bei seiner Mutter ist.«
Lennon schupste mich.
»He! Ich will aber nicht mit dem Mann gehen. Du hast mir versprochen mich zu meinem Dad zu bringen.«
»Das mache ich gerade Lennon. Deine Mutter wird das tun. Du musst mit unserem Fahrer gehen, damit Aline nicht merkt, dass du nicht mehr bei mir bist. Sie überwachen ein GPS-Signal, mit dem sie mich orten. Die Spanne, zwischen 2 Messpunkten, mit denen sie feststellen, ob ich mich mit gleicher Geschwindigkeit vorwärts bewege ist zu kurz, als dass wir fliehen könnten. Außerdem haben sie vermutlich Straßensperren errichtet. Wir müssen sie überraschen. Du gehst mit unserem Fahrer Richtung Vernonia. Ich informiere deine Mutter, dass sie euch einsammelt und dort hinbringt. Ab dort, bekommt ihr Hilfe von deinem Großonkel. Er hat Geld, das Weitere zu organisieren.«
Lennon schüttelte den Kopf.
»Das macht keinen Sinn. Aline wird merken, dass wir uns trennen und dann findet sie uns beide.«
2 von 10 Minuten.
»Nein, Lennon, in Alines Welt gibt es kein Vertrauen in fremde Menschen. Da gibt man niemand fremdem, etwas woran einem liegt oder das man für wertvoll hält. In ihrer Welt gibt man nicht einfach her was man hat. Das ist meine Chance, dich vor ihr in Sicherheit zu bringen.«
Lennon wollte das nicht wahrhaben, aber sein Strategen-Gehirn wusste, dass ich recht hatte. Eine Einheit opfern, um den Krieg zu gewinnen, so lief es immer.
Er nickte.
»Gut. Halten Sie da vorne an. Dann übernehme ich das Steuer.«
Ich sah zu Lennon.
»Ihr lauft solange bis du bei deiner Mum bist. Versprochen?«
Lennon hatte Tränen in den Augen.
»Ja, okay. Aber du kommst nach.«
»Klar!« Log ich.

07/21 PGF

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