Indigo (49)

49.

Nachdem ich auf dem Fahrersitz saß, klingelte mein Smartphone. Es war Aline, die meine Antwort wollte. Ich drückte sie weg und wählte die Nummer von Hope.
An den Hintergrundgeräuschen erkannte ich, dass sie die Freisprechanlage benutzte.
»Joe? Seid ihr schon dort?«
»Nein Hope. Ich werde auch nicht kommen, ich bin kurz vor Portland. Aber du findest Lennon, wie wir es besprochen haben.«
»Du hast ihn allein?«
Ich hob die Stimme.
»Hör mir einfach zu: Ein Taxifahrer ist bei ihm. Du kannst die beiden an der Straße nach Vernonia einsammeln. Achte auf Straßensperren. Fahrt weiter bis nach Vernonia. Nimm dort Kontakt mit deinem Onkel auf. Er bereitet alles vor. Ihr nehmt ein Fahrzeug zur Küste und steigt dort in ein Boot, dass euch nach Norden bringt. Ihr müsst nach Kanada. Verstanden?«
»Ja, Joe. Aber -«.
»Nicht, aber! Du wirst in Kanada, dafür sorgen, dass Lennon Kontakt mit seinem Vater aufnehmen kann und du wirst ihm die Chance geben, dass sie oder ihr euch seht. Was ihr daraus macht, müsst ihr entscheiden, aber ich weiß, dass Lennon einen Wunsch hat: er möchte mit euch beiden in Ruhe leben. Seht zu, dass ihr das hinbekommt!«
»Joe, das ist alles nicht so einfach.«
»Ist mir, ehrlich gesagt, scheißegal. Wenn es diese Indigo-Kinder gibt, dann müssen wir eines besser machen, als die Generationen davor: Verhindern, dass Kinder, eine beschissene Kindheit haben! Mach was draus, Hope! Ich muss aufhören. Hier wird es jetzt etwas brenzlig.«
Vor mir auf der Straße blinkte eine lange Kette von Polizeilichtern.
Ich drosselte die Geschwindigkeit des Wagens.
Während ich näher kam sah ich Aline, die neben einem Polizisten stand, der sein Megafon in der Hand hielt, um die Verhandlungen mit mir aufzunehmen.
Sie hatte also alles daraufgesetzt, dass ich den Weg nach Portland nehmen würde. Vermutlich war der Sender doch nicht mehr, als ein Bluff.
Um Lennon und dem Taxifahrer noch etwas Zeit zu verschaffen, tat ich so, als würde ich mich auf eine Verhandlung vorbereiten.
Ich bremste den Wagen vollständig und lehnte mich nach hinten, als würde ich dort einen Jungen bitten, den Kopf einzuziehen.
Der Verhandlungsführer der Polizei nahm das Megafon zur Hand.
»Sir! Die Straße ist vollständig gesperrt. Helfen Sie uns Blutvergießen zu verhindern. Steigen Sie mit erhobenen Händen aus dem Fahrzeug und ergeben Sie sich.«
Ich ließ die Fensterscheibe herab.
»Ich möchte mit der Agentin sprechen.«
Die beiden tauschten Blicke.
Aline erhielt das Megafon.
»Was gibt es, Joe. Steig aus! Oder glaubst du es ist gut, für Lennon, so etwas mitzuerleben?«
Ich sah auf die Uhr es war 10.53.
»Nein, Aline, ganz und gar nicht. Nichts von dem was er miterleben musste, ist gut für ein Kind. Eine Generation vergiftet die nächste mit ihren Lügen. Es wäre Zeit, dass wir zur Wahrheit kommen.«
»Darüber können wir reden, Joe. Gib ihn frei und dann werden wir alles in Ruhe besprechen, was gut für ihn ist.«
Verhandlungs-Bla-Bla-Bla.
10.54
»Okay, Aline. Ich habe nur noch eine Frage?«
»Und die wäre, Joe?«
»Liebst du mich?«
Stille.
Geißelnahmen lagen oft Beziehungsprobleme zu Grunde und es war nicht schlecht, wenn die Gegenseite, ein bisschen ins Grübeln kam, was ihre Agentin für kleine Geheimnisse haben mochte. Alines Antwort interessierte mich nicht.
Sie hatte noch keine gefunden, als es 10.55 wurde.
Das erste was man hören konnte, war ein ordentlicher Knall, als hätte jemand in der Nähe einen gigantische Champagnerflasche entkorkt. Ich sah, wie die Polizisten mir gegenüber, instinktiv ihren Kopf Richtung Portland wanden.
Es blieb nicht bei dem einen Knall. Der, wie ich wusste, vom Durchbrechen der Schallmauer zeugte. Keine 10 Sekunden später, waren deutliche Explosionen zu hören, die sich mit Raketeneinschlägen mischten. Portland schien unter Feuer zu liegen.
Ich war vergessen. Egal was Aline schrie. Die Polizisten wandten sich nach Osten, wo etwas Unglaubliches zu geschehen schien, was viel schlimmer war, als die Entführung eines Teenagers. Während Aline den Verhandlungsführer zu überzeugen versuchte, dass man sich um mich kümmern sollte, ihr aber niemand mehr zu hörte, weil alle verfügbaren Kräfte nach Portland geordert wurden, wendete ich das Taxi und nutzte die Gelegenheit, um viel zu spät bemerkt, davon zu rasen.

07/21 PGF

14 Kommentare

      1. Ich habe beim Schreiben des Kapitel gemerkt, dass die Spanne zu gross ist und die Zeit direkt korrigiert. Wird aber nicht von jedem Browser übernommen. Einer zeigt noch immer 12.55 an.
        Danke für kritisch-konstruktive Mitlesen, das weiß ich sehr zu schätzen!

        Gefällt 1 Person

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