Brot und Gewürze

Seit Nietzsche mich, vor vielen, vielen Jahren, auf den Gedanken gebracht hat, dass man dem Leser auch Brot reichen müsse, damit die würzigen Teile eines Textes ausgeglichen werden, beschäftigt mich die Analogie zwischen Kochen bzw. Essen und Schreiben.

Man kann es, bei dieser schlichten Betrachtung von Nietzsche belassen – die übrigens heutzutage vollkommen out ist – in der es noch nicht um „Action! Action! Action!“ ging (also Geschmacksverstärker), sondern tatsächlich darum, stilistisch das Denken des Lesers zu erreichen. Ihm Zeit zum Ausruhen und vor allem zum Nachdenken zu geben. Denn hier gabelt sich der Weg zwischen Autoren: Ob sie den Leser ablenken und von sich selbst wegbringen wollen oder erreichen, damit er zu sich hinfindet.

Modern sind kurze Sätze und viel Show (don´t tell) und den meisten Lesern schmeckt das, weil sie nicht mehr denken müssen, weil ihr Gaumen nicht mehr herausgefordert wird. Einem langen Satz zu folgen bedeutet, einem schweren Rotwein, einem Pomerol zu folgen, den man zu einem Glas Rehrücken, mit glasierten Heidelbeeren verkostet.
Da können viele, mit Pommes und dazu eine Cola, mehr anfangen und das ist vollkommen in Ordnung.

Mich stören, die Brotphasen, die erklärenden Phasen, in einem Text nicht. Mir sind sie nicht langweilig, wenn sie mich vorbereiten, um das was kommt, besser zu verstehen. Ohne diese Neigung scheitert man, an jedem Thomas Mann Roman, auf den ersten hundert Seiten.

Mal sehen, ob sich noch mehr Analogien finden lassen. Sonst gibt es demnächst ein Bild von Pommes mit Ketchup 😉

Habt einen schönen Abend
Peter

4 Kommentare zu „Brot und Gewürze

      1. Mein Wagnis beschränkt sich auf sekundäre Quellen, die jedoch das Wasser im Munde zusammen laufen lassen. Alles zu seiner Zeit, ich werde demnächst mehr davon genießen wollen,🧐

        Gefällt 1 Person

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