So, wie es immer anfängt

Manche Autoren träumen, von einem magischen ersten Satz und, wenn der gefunden ist, glauben sie, wird sich daraus ein Manuskript entfalten, wie aus einem Stück Fleisch, einer Karotte und einer Handvoll Reis ein Gourmetgericht.
Tatsächlich reiht man selten entfesselt Satz an Satz und kann gar nicht mehr aufhören, bis der Epos zu Ende ist, sondern hat es eher so, wie es auch beim Kochen beginnt: Eine Idee und auf die folgt Kartoffeln schälen, Zwiebeln schneiden und die richtigen Kräuter finden.
Viele wundervolle Ideen kommen vielleicht nie aufs Papier, weil die Geduld des Küchenhelfers fehlt.
Umgekehrt gibt es natürlich auch die, die ein bisschen zu sehr an sich glauben oder alles angelesen haben, was es für den schnellen Erfolg, zu wissen gilt. Die landen dann als MaggiFix bei Thalia und erfreuen den schlichten Gaumen.
Aber Spaß macht das Kochen doch nur, wenn man Kühlschrank und Schränke inspiziert und plötzlich denkt: Ach daraus müsste sich doch – vielleicht mit einem Schuss Whiskey – etwas machen lassen. Und irgendwann knistert die Butter und ein Holzkochlöffel rührt im Risotto, während das Filet langsam rosa und gar wird und die geraspelten Karotten in Olivenöl und Zitrone darauf warten, mit etwas grünem Pfeffer abgeschmeckt zu werden.
Vielleicht klingelt jemand und setzt sich an den Tisch und hat Lust, sich ein wenig zu unterhalten, ohne zu ahnen, dass das was vor ihm liegt, am Anfang nicht mehr, als eine Karotte, etwas Reis und ein Stück Fleisch waren.

09/21 PGF

6 Kommentare zu „So, wie es immer anfängt

      1. Oh nein, ich hab beim Lesen die Analogie sehr gut verstanden. Dein Beispiel hat den Prozess des Schreibens recht plastisch gemacht. Und darüber hab ich einen Augenblick nachgesonnen und wirken lassen. Daher war das ganz genau so gemeint: Interessant 🤔

        Gefällt 1 Person

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