Nicht gesprächig

Wenn ich es ganz kritisch betrachte, habe ich aktuell nicht viel zu sagen. Oder – und das trifft es etwas genauer, ich möchte es nicht öffentlich tun. Man kann auch, im Sinn, von Hesse, sagen, ich bekomme das Sinnbild nicht hin, das Allgemeingültige und würde nur beim Abbild meiner Wirklichkeit landen.
Das braucht die Welt nicht, da hat jeder genug mit sich selbst zu tun.

Wenn es überhaupt irgendwie gelingen soll, dann brauche ich Zeit. Da reichen keine Verse – „Ich lege mein Herz, ins bunte Laub, um von seinen Farben zu trinken …“ blablabla – und auch keine Spruchweisheit: „Jeder Tag, ein neues Geschenk, nutze ihn.“

Wenn es etwas werden soll, mit dem Mitteilen, dann nur in Form einer Geschichte: dann muss ich ausholen, muss meine Punkte sorgsam aneinanderreihen, damit sie Sinn ergeben. Ich brauche, keinen Widerspruch, keine konstruktive Kritik und keinen halbgaren Zuspruch, sondern Ohren, die hören und Augen, die konzentriert den Zeilen folgen. Die, wenn sie am Ende sind, wortlos und enttäuscht, gerne, das Vernommene bei Seite legen – oder auch nicht.

Vermutlich ist der Titel deshalb falsch. Ich bin nicht geschwätzig, gesprächig wäre ich schon. Auf eine sehr anspruchsvolle Weise, wie man es nur in Büchern und Zeilen sein kann, denen niemand folgt, der das nicht möchte. Außer er ahnt ein Glück, einen Gewinn, einen Sinn. Wie jemand der am Meer steht und den Wellen lauscht.

PGF 10/21

2 Kommentare zu „Nicht gesprächig

  1. Hier ist der Platz, lieber Peter, den du selbst dir eingerichtet hast, um deine Worte hinaus zu richten. Wie immer sie aussehen, wie immer ihr Inhalt lautet. Und ja, es ist öffentlich. Solange der Blog nicht Passwort-geschützt läuft.

    Du hast auf diesem Weg Menschen angezogen, die deinen Worten und manchmal auch deinen Wellen lauschen und ernsthaft antworten oder auch weiter gehen.

    Du musst nicht geschwätzig sein, du musst auch nicht gesprächig sein. Und vor allem musst du es nicht öffentlich sein. Es sei denn, du vertraust darauf, dass einige von denjenigen, die dir bisher gefolgt sind und dir antworteten, auch anspruchsvolle Gegenüber sein können.

    In Metaphern und Geschichten zu sprechen, ist das eine. Als Mensch über sich und seine kleine Welt zu sprechen, ist wieder etwas anderes. Das eine bemäntelt allzu private Befindlichkeiten, mit denen wir nicht öffentlich gehen wollen. Das andere bringt die ganz persönlichen Antworten.

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