Ruby (13)

13.
Paul war Journalist, bei der Berliner Zeitung. Er war immer auf der Suche nach der großen Story und scheiterte, entweder an einer ängstlichen Redaktion oder dem großen Ding, dass ihm den Pulitzer-Preis einbrachte, wenn er es nur fand.
Unsere Bekanntschaft beruhte auf dieser Suche. Er hatte eine Weile im Sex-Milieu recherchiert, um einen Artikel über Prostitution und Politik zu veröffentlichen.
Er war ziemlich grün, an die Sache heran gegangen. Hatte selbst keine Erfahrung und kannte nur Blümchen-Sex, mit seiner Freundin, mit der er, seit Teenie-Tagen, zusammen war. Paul hielt Straßenstrich, Bordell-Sex und Sex-Working, alles für das Gleiche. Entsprechend war nebulös war seine Intention und damit wurde seine Recherche ein Desaster.
Auch mich hatte er interviewt. Es war ein ziemlich harter Schlag für ihn zu erfahren, dass ich einen seiner Redakteure schon beglückt hatte und die Chancen gering waren, dass der einen Skandal-Artikel unterstützen würde.
Durch den Versuch, alle gesammelten Fakten zusammen zu bringen, blieb der Artikel unklar. Es war nicht zu erkennen, ob er sich für bezahlten Sex aussprach oder die Verquickung von Korruption, Politik und Prostitution ans Tageslicht gezerrt hatte.
Heraus kam ein netter Bericht, über Sexworkerinnen und Sexworker, für dessen liberale Note er ordentlich Prügel erhielt und in den nächsten Wochen, über lokale Verbandsarbeit berichten durfte.
Vielleicht konnte ich ihn, zu einer Insider-Anzeige, überreden, damit der Fall, mehr Öffentlichkeit erhielt. Er war mir zwar nicht, als besonders geschickt, in Erinnerung geblieben, aber dafür, als sehr ehrgeizig. Das mochte, in meinem Fall, mehr helfen.
Ich whatsappte Paul.
»He! Hast du Zeit? Habe eine Sache, die dich interessieren könnte.«
Ein Haken, zwei Haken, blaue Haken.
»Klar! Schreib mir.«
»Würde mich lieber treffen.«
»Okay. Wo?«
»Im Südpark.«
»Bei der Kälte?«
»Die Sonne scheint. Zieh dir eine warme Jacke an.«
»😊«
»In einer Stunde?«
»Schaffe ich.«
Paul war pünktlich.
Wir spazierten los und weil er neugierig war, begann er gleich nachzufragen: »Was hast du? Endlich ein dicker Fisch. War Musk bei dir?«
Ich grinste.
»Dann würden wir jetzt, in meiner Villa zu Mittag essen.«
»Stimmt auch wieder.«
Er wartete.
Ich sah über die Parkwege hinweg, weil es mir schwerfiel, es zu erklären. Ich sah Mütter, mit dick eingepackten Kindern, die Wege entlanglaufen und sich angeregt unterhalten. Sie hatten sicher allesamt, ganz wichtige Themen; den Kindergarten, das Abstillen, den Ehemann der sich nicht kümmerte. Alles Themen und ein Leben, dass ich mir in diesem Moment sehr gewünscht hätte. Ich sah einen alten Mann, der mit Stock und trotzdem wackelig, die letzten Runden, seines Lebens durch den Park drehte. In dem Alter, in dem er war, gab es keine Garantie, dass er den nächsten Frühling, nochmals hier entlang spazieren würde. Es rührte mich, das in seinem Blick zu lesen. Abschied nehmend sah er nach den Bäumen, dem Himmel und den leer gefegten Wiesen.
»Ruby?«
Ich begann zu erklären.

112/21 PGF

2 Kommentare zu „Ruby (13)

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