Ruby (14)

14.
»Und warum hast du nicht die Polizei gerufen?«
Fragte Paul streng, nachdem ich alles erzählt hatte. Tommy erwähnte ich nicht.
»Du glaubst, die hätten mich nicht für verdächtig gehalten?«
Er war klug genug es nicht zu hinterfragen.
»Und was erwartest du von mir?«
»Könnte ich nicht eine anonyme Anzeige machen? Du könntest einen Artikel schreiben: Woran ermittelt die Polizei in Gesundbrunnen?«
Er schien nicht überzeugt.
Jetzt sah er sich um.
Nach einer Weile meinte er.
»Dafür müsste ich mehr wissen. Wir müssten es anders aufziehen. Ich bekomme, sagen wir, einen Tipp. Nicht von dir. Von jemand.«
»Okay –«.
Ich wusste nicht worauf er hinaus wollte.
»Auf diesen Tipp hin, fange ich an zu recherchieren und erfahre, was ich jetzt noch nicht weiß. Wenn, das gut ist, bekomme ich Kontakt zu einer anonymen Zeugin –«.
Er warf mir einen Verschwörerblick zu.
»Ich?«
»Richtig! Die mir Details über den Vorfall geschildert hat. Dann kommt die Überschrift: Woran ermittelt die Polizei in Gesundbrunnen?«
»Aber, wie kommst du an die Info, was da wirklich geschehen ist?«
Er nickte sich selbstbewusst zu.
»Mittlerweile habe ich ein ganz gutes Netzwerk. Wenn es heiß ist, werde ich etwas darüber erfahren.«
Das klang gut, beantwortete mir aber nicht die entscheidende Frage:
»Und was, wenn du nichts erfährst? Wenn es nicht heiß ist. Ich meine, für mich ist es heiß. Ich habe mir die Leiche ja nicht eingebildet.«
Paul begutachtete mich.
»Aber was sollte dein Problem sein? Eine Leiche kann dich nicht bedrohen. Der Mörder war ja nicht der Kunde.«
Ich sah kurz weg, weil ich eine verdammt schlechte Lügnerin war.
»Ja, aber, falls mich jemand gesehen hat.«
Er lächelte, um mich zu beruhigen.
»Man sagt zwar, der Täter kommt immer an den Tatort zurück. Aber so schnell?«
»Das weiß man doch nicht.«
Ich versuchte sein Engagement hochzuhalten.
Aber er schüttelte den Kopf.
»Mach dir keine Sorgen. Wenn das irgendein Milieu-Mord war, wird keiner lange ermitteln, die Polizei hat genug zu tun. Wenn sich »das Pack«, wie ich manchmal höre, dass Opfer und Täter bezeichnet werden, gegenseitig den Kopf einschlägt, beginnt man die Ermittlungen und beendet sie wieder, ohne Aufwand. Nein, ein Toter den du zufällig gesehen hast, sollte dir keine Probleme machen. Wenn es doch anders ist, hast du meine Unterstützung. Versprochen.«
»Danke.«
Sagte ich, nur halb zufrieden, weil ich, im Gegensatz zu Paul wusste, wer der Täter vermutlich war.
Wir verabschiedeten uns.
Paul versprach mir, spätestens am übernächsten Tag, einen Zwischenstand mitzuteilen.
Ich machte mich auf den Weg nach Hause. Es war Zeit, mich auf den Termin mit dem Anwalt vorzubereiten. Ich war ohnehin spät dran und musste noch duschen. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, meinen Job nicht machen zu können.
Mit war nicht danach mich zu geben, ich hätte jemand gebraucht, der mir Sicherheit gibt.

11/21 PGF

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