Ruby (16)

16.

Ich schlief, in Marleys Bett, tief und zufrieden, wie seit Tagen nicht mehr. Ich hörte auch nicht, als er nach Hause kam. Es war, als hätte er mir eine Burg überlassen, mit Wachen in jedem Turm.
Als ich wach wurde, es war schon gegen 11, ich hatte frei an diesem Tag, schlief er noch. Ich ging in seine Küche und bereitete uns, mit dem was ich fand, einen schönen Brunch vor.
Ich liebte Brunch, weil es noch Frühstück war, aber mit viel mehr Umfang und nach lange schlafen und den Tag verbummeln schmeckte.
Ich fand Eier und Speck, Toastbrot und Marmelade, eine Packung mit Lachs, der nicht abgelaufen war. Außerdem verfügte Marley über eine richtig gute Kaffeemaschine. Ganz schlecht, schien er, als Türsteher nicht zu verdienen.
Als er gegen Mittag wach wurde, aßen wir zusammen. Er erzählte mir ein paar wilde Geschichten aus dem »Insomnia« aus der Nacht zuvor und ich war glücklich eine Weile alles schlimme der letzten Tage vergessen zu können.
Plötzlich brummte mein Smartphone. Ich las eine Nachricht von Paul darauf.
»Sollten uns treffen.«
Zack war ich wieder in Mordor, wo die Schatten drohen.
»Nix Gutes?« Fragte Marley.
Ich zuckte mit den Schultern.
»Ach, ich weiß nicht. Auf jeden Fall nichts Bequemes.«
»Magst du später wieder herkommen? Ist kein Problem. Ich habe gerade was, mit einer Frau am laufen und bin eh erst spät zu Hause.«
»Echt jetzt? Ich könnte noch eine Nacht?«
»Ja, klar. Mach doch. Wenn du etwas herausfindest, bei dem ich helfen kann, melde dich. Ich box dir den Kerl zu Recht, der dich bedroht.«
»Mal sehen.«
Sagte ich, aber der Gedanke beruhigte mich.
Ich traf mich mit Paul wieder im Park.
Er tapste unruhig hin und her, als ich kam. Ich wusste nicht, ob vor Kälte oder vor Aufregung. Sobald ich ihn erreichte, lief er los.
»Du hast etwas herausgefunden?«
Er nickte, wie ein kleiner Junge, der ein ganz großes Geheimnis entdeckt hat.
»Sag schon.« Drängte ich.
»Halt dich fest.«
Er machte eine dramatische Pause.
»Der Tote ist vermutlich ein Mitarbeiter der FIU. Also vermutlich nicht dein Freier.«
Das wusste ich ja.
»Der was?«
»Financial Intelligence Unit , ziemlich neue Behörde, des Finanzministeriums. Der Geld-Zoll, wenn du so willst. Scholz hatte etwas Trouble wegen denen, ehe er Kanzler wurde.
Unsere Redaktion hat keine Freigabe über den Mord zu berichten. Staatsschutz, lautet die Begründung.«
»Okay und was kann dahinterstecken?«
Er verzog das Gesicht.
»Vieles: Lobbyismus, Steuerhinterziehung im großen Stil, Korruption. Im Kern geht es, um Geldwäsche. Die waren jemand auf der Spur, der da ziemlich tief drinsteckt oder der jemand auf der Spur war, der in irgendetwas drinsteckt. Dein Freier war vermutlich der Mörder, denn die Wohnung gehörte nicht dem FIU-Mann.«
Schöne Scheiße, dachte ich.
»Gibt es auch eine gute Nachricht?«
»Ja, aus der Nachricht kann ich eine Nachricht machen.«
»Aber ihr dürft doch nicht, hast du eben gesagt.«
»Ich darf nicht über den FIU-Mann berichten, aber über eine Prostituierte, die beinah einem Mörder zum Opfer gefallen wäre, da kann ich ansetzen.«
Okay, dachte ich, das bringt Bewegung in die Sache, hoffentlich zum Guten.

11/21 PGF

3 Kommentare zu „Ruby (16)

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