Ruby (17)

17.
Mit meinem frisch aufgesammelten Hoffnungsschimmer, entschied ich mich, für einen kurzen Besuch zu Hause, um mir frische Kleider und Unterwäsche, für die nächsten Tage bei Marley zu holen. Dabei konnte ich auch: Termine mit unbekannten Freiern, speziell, wenn sie sich in den letzten Tagen angemeldet hatten, absagen. Hausbesuche absagen und mir einen Überblick machen, was in der nächsten Woche generell an Mach´s-mir-mal geplant war. Alles was ich verschieben konnte, würde ich verschieben, bis Paul seinen Achtung-fassen-Sie-die-Sexworkerin-nicht-an-wir-wissen-Bescheid-Artikel veröffentlich hatte und der Mörder-Freier eingeschüchtert war.
Ich erschrak, beim öffnen meines Haustürschlosses, als der Schlüssel, die Zapfen im Zylinder knacken ließ. Noch nie war mir meine Wohnung so still erschienen. Es half nichts, dass es taghell und meine Nachbarn auf Hilfeschreie reagiert hatten. Ich schob mich durch die Tür und sah mich um, wie es Heldinnen in Krimis tun, wenn sie im großen Finale, verletzt aber bewaffnet, den Endgegner jagen.
In meiner Wohnung war keiner zu finden. Es lag auch nicht, mein ganzer Hausstand, aus Schubladen und von Regalen gerissen am Boden, weil jemand meine Wohnung durchwühlt hatte. Alles war nur still und strömte nicht, die gewohnte Selbstverständlichkeit, aus, die mir diese Räume, bis dahin zum Zuhause gemacht hatten.
Meinen Aufenthalt, hielt ich so kurz wie möglich.
Mit einer randvoll gepackten Tasche machte ich mich auf den Weg zu meinem Auto und fuhr zu Marley, wo ich es mir, in einer Ecke häuslich machte.
Er war nicht zu Hause.
Ich nahm mein Tablet raus, füllte mir eine kleine Schale mit Chips und machte es mir auf Marleys Sofa, das den Namen »Wohnlandschaft« zu Recht verdiente, bequem.
Dann fing ich an zu googeln, um meinen Gegner und seine Motive besser zu studieren. Ich googele »FIU« und fand Pauls Definition von »Geldzoll« bestätigt. Ich blieb nicht lange auf der Seite, weil es dort so viele Aufrufe gab, privat eine Anzeige zu stellen, dass ich das Gefühl bekam, dass mir hunderte Cookies aufs Tablet geladen wurden, um zu erfahren, wer sich denn da informiert hatte. Ich surfte weiter zu den Themen »Geldwäsche« ein faszinierender Vorgang auf ansprechenden Bildtafeln in unterschiedlichster Form erklärt. Und kam von dort zu den Begriffen »Lobbyismus« – beeindruckt, wie vielfältig der betrieben wurde und »Korruption« auch nicht schlecht, was sich dazu finden ließ.
Irgendwie erschienen mir alle Begriffe nicht weit auseinander zu liegen, weil der Lobbyist den korrupten Politiker benötigte, der jemand brauchte, der ihm sein schmutziges Geld wieder reinwusch und es in drei Immobilien oder zwei Waschsalons steckte, die nur lukrativ waren, weil man Geld durchpumpte.
Als das Chipsschälchen leer und mein Kopf voll war, legte ich das Tablet auf den Wohnzimmertisch und versuchte, dass alles zusammen zu bringen.
Ermordet hatte man also ein Ermittler aus dem Bereich Wirtschaftskriminalität. Die Frage war: War es einer der Guten oder wollte er etwas verdecken? Bei einem der Guten hätte man doch erwarten müssen, dass ein Team die Wohnung eines Verdächtigen durchsucht? Warum war er allein? Wenn das so war, war der Mörder, mein Freier, also doch einer der Guten? Vielleicht ein Robin Hood, der die nächsten »Panama Papers« veröffentlichen wollte. Oder doch ein Gangster, der einen verdeckten Ermittler ausgeschaltet hatte?
Ich brauchte, für die Beantwortung, dieser Fragen, einen weiteren Profi und kam auf Lothar P. – er gab mir nie seinen vollen Namen – einen kommunalen Politiker aus Berlin, den ich meist mit »ausgebucht« vertröstet hatte, weil er mir zu viel redete und creepy Fantasien hatten.
Jetzt war es Zeit so zu tun, als hätte ich noch Platz im Kalender. Wenn ich ihm seine Ich-vögele-das-Kätzchen-das-aus-der-Milchschale-trinkt-Fantasie erfüllte, würde er mir sicher etwas über Lobbyisten in Berlin erzählen. Dann hatte ich zumindest, zu einem Thema, schon mal Profimaterial. Ich nahm an, für Geldwäsche und Korruption, waren die Insiderquellen etwas gewagter.
Ich schwang mich auf, um mein Smartphone zu holen, damit ich Lothar P. ein Terminangebot machen konnte, als Marleys Wohnungstür knackte und aufging.

11/21 PGF

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