Ruby (18)

18.

Ich hielt die Luft an, bis sich Marleys wuchtiger Körper durch die Wohnzimmertür schob, er mich verdutzt ansah und fragte: »Alles in Ordnung, Mädchen? Ich habe versucht leise zu sein, falls du schläfst.«
»Alles okay. Ich dachte nur …«.
Marley stellte zwei Tüten mit Einkäufen ab.
»Hast du schon etwas erfahren? Ich meine, von dem Journalisten.«
»Ja, es gibt eine Spur. Aber da ist nichts was ich gut erklären könnte.«
»Und meine Hilfe?«
»Brauche ich – noch – nicht.«
Er nickte zufrieden.
»Habe ein paar Sachen gekauft. Ihr Mädels habt es ja immer mit Salat und Gemüse. Du nimmst dir was du brauchst.«
Ich bedankte mich.
Marley begann, die Einkäufe auszuräumen und ich machte mich auf den Weg zu meinem Termin.
Ich traf mich mit Lothar, in einer Wohnung, die er extra, für solche Treffen angemietet hatte. Ich war nicht die Einzige die er buchte, aber an der Geschwindigkeit mit der er zugesagt hatte, konnte ich ablesen, dass er auf mich stand.
Als er mir die Tür öffnete, wusste ich wieder, weshalb ich Termine mit ihm vermied. Er war ein ziemlich beleibter, älterer Mann, mit dünnem Haarkranz, bei dem man nicht mehr sagen konnte, ob das Haar, aus dem der Kranz bestand, einst schmutzig blond oder blass braun gewesen war. Jetzt wirkte das Haar fade, als diene es nur noch, den Schweiß von der Kopfhaut aufzufangen.
Er grinste mich gierig an und kam gleich zur Sache.
»Da ist ja mein Kätzchen.« Sagte er erwartungsvoll. »Ich habe dein Schälchen schon mit Milch gefüllt.«
Ihn erregte die seltsame Fantasie, eine Frau, die sich künstliche Katzenohren aufsetzte und einen Plug benutzte, an dem ein künstlicher Katzenschwanz hing, erst kniend eine Schale Milch trinken zu lassen und dann wie ein Kater zu besteigen.
Es gab Männer mit Fantasien, über die man eigentlich hätte lachen müssen, wenn man sie so nüchtern durchplante. Aber es war zu befürchten, dass sich dahinter, ganz andere Abgründe und Fantasien abspielten, die nur nicht durchzubrechen wagten. Damit sie das nicht taten, spielte ich das Kätzchen.
Seine Geilheit kam mir zu Guten.
»Lothar, deine kleine Pussy, hat aber heute den Wunsch, nach einem ganz besonderen Leckerli: Ich will statt Geld, ein paar Antworten.«
Er wurde rot.
Er befand sich im reinen Triebmodus, die Erinnerung an Amt und Verantwortung, als CDU-Politiker brachte ihn aus seiner Fantasie-Welt: Verstand schwächt Erektion.
»Muss das jetzt -«?
»Ja, das muss jetzt besprochen sein.«
Er nickte.
»Aber nichts, was mit mir persönlich oder meinem Amt zu tun hat.«
Ich schüttelte den Kopf.
»Es geht mir nicht um dich. Ich will etwas darüber erfahren, wie Politik funktioniert. Also wirkliche Politik, nicht die, die uns der Regierungssprecher vorstellt.«
Er nickte unwillig.
»Ja, wenn wir jetzt loslegen können.«
»Natürlich.« Schnurrte ich.

11/21 PGF

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