Zeitgeist: Regen

So ein langes, unbeteiligtes Schweigen, ist sehr wohltuend. Wenn man schweigt, ist man gleichsam aus der Verantwortung genommen und wird wieder mehr Zuschauer, als Akteur.

Nicht, dass schweigend, die Sehnsucht nicht anschwellen würde, zu erzählen, was man so „zuschaut“, was man so fasst, vom Weltenspiel, aber gerade die Sehnsucht weckt das Begehren, nach größerem Schweigen, so wie die unerfüllte Anziehung, zu einem anderen Menschen, die Neugierde erst entfacht.

Zumal, wie im öffentlichen Verkehr, schweigen Sinn macht, wenn ohnehin keiner zuhört, weil alle durcheinanderreden, sodass man verdrießlich wird, wenn man jedes Mal ansetzt, um etwas zu sagen und im Stimmenwirrwarr untergeht.

Je länger man innehält und wartet, bis es endlich etwas stiller wird, je drängender fragt man sich, ob es nicht besser ist, man schweigt; ob man sich, das Reden, nicht ohnehin besser schenkt, weil jeder, wie ins Gleis gesetzt, seine Runden dreht und niemand und nichts ihn davon abhalten kann (kein Satz, kein Rat und schon gar kein Argument) – und man fragt: Höre und sehe ich nicht selbst, viel zu selten, nur zu?

Und aus dieser Frage, erwächst eine ehrfürchtige Stille, wie man sie lange nicht mehr gehört hat …

07/22 PGF

5 Kommentare zu „Zeitgeist: Regen

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