Zeitgeist: Emanzipation

Wenn jemand etwas haben oder sein will, was ein anderer hat oder ist, dann wirkt es allgemein neidisch und unselbstständig. Die Kopie berührt uns nie wie das Original, der Nachahmer agiert immer unbeholfen statt begeisternd.
„Werde wie du.“ Hat Hesse einmal sehr passend geschrieben.
Wenn jemand nachahmt, so ist das eher ein Zeichen von fehlender eigener Identität und fehlenden eigenen Werten. Man will sich „ins gemachte Bett legen.“
Die Emanzipation des letzten Jahrzehnts bildet dies exakt haben: Die Frauen wollen (oder sollen sie nur) sein und haben was die Männer sind.
Als wäre es nicht notwendig grundsätzlich zu prüfen, ob es erstrebenswert ist, zu sein, wie die Männer: die gleichen Berufe, Freiheiten, Sportarten, Einstellungen, Positionen und mehr, wie Männer zu haben.
Die Chefin soll den Chef ersetzen – aber wäre es nicht Emanzipation das Konstrukt „Chef“ zu ersetzen?
Es scheint nur darum zu gehen, die Rolle nachahmen zu dürfen. Wie ein Mädchen, das wie Papa werden will.
Ist Stärke nicht eher darauf begründet, eigenes zu erfinden, eigenes zu entwickeln, eigenes zu haben und die Welt neu zu machen?
Man hat sich nicht von jemand emanzipiert, von jemand befreit, den man nachahmt. Im Gegenteil man ist dazu geworden.
Es ist in der Kanzlerschaft Merkels nichts geschehen und nichts unterlassen worden, was ein männlicher Kanzler nicht genauso getan hätte. Es ist eine Rolle, nicht ein Geschlecht. Die Rolle wäre zu hinterfragen, nicht das Geschlecht, welches die Rolle ausübt.
Was sollte eine Päpstin bringen? Viel klüger, als die katholische Kirche zu übernehmen wäre es, die Frauen würden, etwas Neues schaffen.
Ob ein Dax-Konzern von einem Mann oder einer Frau geführt wird, macht keinen Unterschied. Man kann das so machen, man kann Quoten einführen, aber das bringt die Emanzipation nicht voran. Das würde ein Konzern tun, in dem jeder und sei es nur für einen Euro, Anteile erwerben kann.
Wenn alle Männer sich nun Brüste implementieren lassen, um auch stillen zu können, so mögen sie das tun. Sie kopieren dann eine Lebenswelt der Frauen, emanzipiert haben sie sich nicht.
Tag und Nacht können nie zu gleich stattfinden. Sie sind nicht das Gleiche und sie haben nicht die gleichen Bedingungen. Es gibt Übergangszeiten, in denen die Elemente des Lichts und der Dunkelheit sich mischen und wundervolle Möglichkeiten bieten. Aber, den Ort, an dem Tag und Nacht zu gleich sind, gibt es nicht.

07/22 PGF

7 Kommentare zu „Zeitgeist: Emanzipation

  1. Hmm, wenn zwar nicht gleich jede von Männern geschaffene Rolle oder Position überhaupt gleich nachahmenswert ist, so gibt es doch viele Bereiche, gerade in der Kultur und Wissenschaft, deren erste Vertreter längst verstorben sind. Soll dan niemand mehr, weder Mann noch Frau je eine Sinfonie komponieren, einen Roman schreiben oder zu Zahlentheorie forschen, allein, weil es schon mal jemanden gab, der es bereits vollbracht hat.
    Und, naja, was man von CEOs hält sei mal dahingestellt. Wenn es doch keinen Unterschied macht, ob ein Mann oder eine Frau die Rolle füllt, wieso soll es denn dann explizit keine Frau machen? Ein Mann der eine Rolle füllt, tut ja eben nur das. Er erschafft nichts, er imitiert nicht anders, als eine Frau es täte.

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    1. Die Frage, wer hat das Patent, ist berechtigt. Und: gibt es überhaupt ein Patent?
      Wenn es patriachalische Strukturen sind und diese schlecht sind, werden sie besser, wenn sie von Frauen ausgefüllt sind?
      Es gibt viele Fragen.
      Die Kunst, die Wissenschaft, die Wirtschaft, etc. wäre mir zu weit gefasst.
      Dürfen sollte erstmal jeder dürfen.
      Der Text soll eher zur Diskussion anstossen, wenn auch nicht unbedingt zur Kontroverse, die gibt es ausreichend.

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  2. Puh, also naja… Ich frage mich, warum du den Frauen die Aufgabe gibst, alles neu erfinden zu müssen? Du schreibst, es solle um die Rollen, nicht um die Geschlechter gehen, dabei geht es bei dir doch ums Geschlecht. Wenn Männer weiter auf den vertrauten Pfaden treten, dann ist das eben so. Wenn nun Frauen die gleiche Chance haben wollen, dann ist das langweilig und einfallslos? Ich als Frau soll mir nun ein Bein Ausreißen, um sämtliche (kapitalistischen) Strukturen zu stürzen, obwohl es immernoch ausreichend Leute in der Gesellschaft gibt, denen es schwer fällt, Frauen als ebenso intelligente Wesen zu akzeptieren?!
    Ich bin ganz bei dir, wenn es darum geht, dass diese Rollen wie Chef uberdenkenswert sind! Ich würde auch eine Gesellschaft anstreben, in der die Macht wirklich vom Volke ausgeht und nicht von Partei und Lobbyinteressen gelenkt wird.
    Aber wie gesagt: Das nun den Frauen zuzuschieben finde ich einfach frech! Zumal es zu deiner Vision einer Welt mit mehr Gleichheit einfach nicht passt. Dafür müssen Frauen zunächst rollen erreichen können, die Männer inne haben. Das ist aber noch nicht so, oft ist mehr Anstrengung erforderlich, um ansatzweise so ernst genommen zu werden, wie ein Mann. Ich las letztens einen wunderbaren Satz : Gleichberechtigung ist erst erreicht, wenn genauso viele unterqualifizierte Frauen in hohen Positionen sind wie Männer.

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    1. Da will ich gar nicht widersprechen, der Text ist bewusst pointiert.
      Deinen letzten Satz würde ich umformulieren in: Das Ziel ist erreicht, wenn qualifizierte Menschen in hohen Positionen sitzen.
      Schönen Tag 👋

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