Widerspruch

Der Sommer liegt so blau, leuchtend, befreiend auf allem, dass die getriebene Panik kaum durchdringt.
Die Menschen feiern an allen Orten und genießen die mediterranen Abende und Nächte, mehr oder weniger befreit vom Gedanken, dass sie Teil des Klimawandels sind.

Sie versuchen zu leben, manchmal taub, manchmal blind, aber oft auch, sich trotzig darüber hinweg setzend, welcher Untergang gerade beschworen wird: der Pandemie, des Klimawandels, der Inflation, des Krieges.
Jetzt ist Sommer! Und dann kommt, was kommt, so scheint es das Lebensgefühl zu sein.

Man wird diesen Widerspruch zwischen Hedonismus und Apokalypse nicht auflösen können.
Die Nachrichten, mit ihrem permanenten Mantra des Untergangs (nur das wir Layla spielen dürfen, scheint relevant) scheinen mittlerweile in ihre eigene Blase geraten zu sein. Sie fühlen sich gesehen, gehört, gelesen, während sie im Hintergrund, vor sich hinplubbern während, unterm Sonnenschirm, la dolce vita reift.

Ist das nun ein böser Sommer da draußen, für den wir uns schlecht und schuldig fühlen müssen? Den wir verursacht haben? Ist das nicht sehr christlich konzipiert, mit all der Erbsünde, der unausweichlichen Schuld und dem Beichtauftrag? Ist das unser Sommer oder der Sommer, der vor 70 Jahren gemacht wurde? Bemühen wir uns nicht längst, es besser zu machen?

Zu trocken ist er, da würde ich mitgehen. Er wird, wenn er noch lange so geht, die Vegetation belasten. Zu heiß? Es ist Sommer? Die Waldbrände, wurden in Italien von einem Bauern verursacht, der seine Stoppelfelder abbrannte, das war im Süden schon immer ein Problem. So wie in Griechenland, die jährlichen Brände, von Grundstücksspekulanten verursacht werden, die versuchen, das Stadtgebiet von Athen zu erweitern und an billiges Bauland zu kommen.
Ja die Dinge sind komplex. Aber das Narrativ soll grün gehalten bleiben.

Viel zu komplex, wenn der Sommer so blau, leuchtend und befreiend auf allem liegt.

07/22 PGF

2 Kommentare zu „Widerspruch

  1. Man muss nicht blind und taub sein, um das Jetzt zu genießen. Um all das andere wissend, es aber auch nicht ständig im Kopf hin und her drehend, weil das allein noch nichts ändert. Und auch das ständige Durchsuchen der Nachrichten nach den neuesten Katastrophen ändert nichts am Lauf der Welt. Die eigene Gesinnung sehr wohl, wenn man sie im gesunden Rahmen lebt und ins eigene Umfeld trägt, ohne damit zu missionieren, mehr still als über Worte.

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