Die Frucht

Der Mensch neigt dazu, einer Sache seine Kraft zu entziehen, wenn sie endet: einem Beruf, einem Zuhause, einer Liebe. Er fällt ab.
Ähnlich, wie die Bäume, im Herbst, den Blättern die Kraft entziehen, um sie zum Fallen zu bringen.
Ganz anders ist es bei den Früchten: bei den Früchten konzentriert die Pflanze all ihre Kraft, alle ihre Liebe auf dies eine, was von ihr bleiben wird, was von ihr überdauern wird und sie schont weder Stamm noch Blätter, solange nur die Frucht gelingt.
Weshalb scheuen wir es, etwas kraftvoll zu Ende zu bringen?
Weil wir zurückschrecken? Weil es uns erinnert, dass wir enden?
Und wir es lieber fallen lassen, als das Fallen zu spüren?
Aber verkümmert dadurch nicht das Beste von uns: unsere Früchte?
Können wir nicht nochmals blühen und nochmals Früchte tragen?
Vielleicht nur nicht mehr, in diesem Jahr oder an diesem Ort …
Ist es nicht erst Liebe, wenn sie auch das Ende umfasst?
Und ist die Liebe nicht um so größer, wenn sie nicht Frucht für Frucht produziert, sondern über lange Zeiträume hinweg, Werke, Entwicklungen, Kinder und Glück hervorbringt?

07/22 PGF

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