Das Ich

Ich hielt nie fest,
ich kam nie Heim,
ich schritt nur durch die Zeit.
Ich liebte leicht,
ich liebte vergeblich,
ich fand zum Lieben niemand bereit.
Ich löschte Kerzen,
ich lauschte im Dunkel,
ich fühlte, wie ein Stern in der Ewigkeit.
Ich trieb wie Blätter,
ich verstummte wie Lieder,
ich fühlte und litt, alle Vergänglichkeit.

05/20 PGF

Sommer werden

Und doch steht es uns frei, wie diese Sommer zu werden: die hell und klar und warm, dem Leben Licht und Farbe geben.
Vielleicht braucht es einen Sturm, um den Himmel zu klären, vielleicht ein Gewitter, um sich gegen die Kälte zu wehren.
Verzweigen, entfalten, vermehren, Frucht werden, einen Sommer lang – so zahlen wir dem Leben unser Leben zurück.
Und sehnen uns, in farbenreichen Abendröten, nach Dauer, für diesen lang errungnen Augenblick.

05/20 PGF

Unkommentiert

Und so gehen die Tage vorüber: unkommentiert.
Kein Wort zu unserer Distanz.
Kein Wort zu den Wolken am Himmel.
Kein Wort über den Frühling.
Kein Wort zwischen dir und mir.
Längst verwelkt was war,
wie Blätter wortlos welken.
Kein Satz wird Gedanke
und schreitet durch das Jahr –
alles stumm, alles Stille
ein Himmel ohne Licht,
eine Liebe ohne Fülle,
ein Sein ohne Kommentar …

05/20 PGF

Zwischenzeit

In der Zwischenzeit lieg ich in der Sonne und träume …

Die Tage sind still und blau, aber nicht friedlich,
dem Gehorsam gilt das Lob,
doch die Kritik missfällt –

ich liege schweigend, in der Sonne und träume …

Ob alles wieder wird?
Das wird es nie!
So ist die Welt, sie dreht sich,

auch, wenn ich träumend in der Sonne lieg und zweifle …

Es wird, so vieles nicht geschehen,
von dem ich träume,
und mancher Zweifel wird nur, meine Träume, stör´n

die ich, in der Sonne liegend, träume.

05/20 PGF

Zeiten

Die Welt ist wie träumend,
verworren in Bildern,
erschreckend klar, in ihrem Sinn.

Der Frühling treibt
aus allen Bäumen,
aber die Wege führen nirgends hin …

Wie Vogelstimmen
durcheinander zwitschern
scheint kein Gedanke mit dem andern vereint

es kräht ein Rabe,
die Blätter zittern:
Zeiten in denen die Zeit, zu Ende scheint.

PGF 05/20

Nach dem Ende

Nach dem Ende ist auch schön. Man wird innerlich still, auch ein wenig einsam, schiebt die Tastatur ein Stückchen von sich, wie man früher den Stift aus der Hand legte und dankt, wem immer man glaubt, danken zu können, dass man es geschafft hat, aus einer Sammlung abstrakter Zeichen, eine kleine Welt entstehen zu lassen.

Das geht vorüber. Irgendwann wird wieder das Ungenüge erwachen und der verzweifelte Kampf mit diesem Träumen, das erzählt sein will.
Daran darf man nicht denken. Wenn es still geworden ist und auch ein bisschen einsam, muss man denen danken die zugehört haben. Vielleicht reibt man sich verwundert die Augen, dass sie es taten.

Es ist dann Abend, die Vögel zwitschern, es riecht nach frischem Regen und hinter dichten Wolken, wandert ein zunehmender Mond, der in zwei, drei Tagen leuchtend am Himmel stehen wird. Er wird leuchten voll und vollendet – innerlich still vielleicht und ein wenig einsam, dann wird er weiterwandern und nach und nach wieder leer werden.

05/20 PGF

Von Zeit zu Zeit

Und von Zeit zu Zeit, fühlt man sich, vom Leben,
an den Rand gedrängt
und Aufmunterung ist seicht,
weil man weiß,
von Zeit zu Zeit,
wird man vom Leben an den Rand gedrängt
und wo man steht,
fällt der Blick ins Nichts
oder ins Leben zurück,
aber man steht und geht nicht,
weil stehen nah am kippen und fallen ist,
deshalb rührt man sich nicht,
weil von Zeit zu Zeit,
das Leben – verrückt …
bis der Wind sich dreht
oder ein Blick versteht,
dann kehrt die Liebe zurück,
von Zeit zu Zeit kehrt die Liebe zurück,
dann vergisst man schnell,
dass nur, von Zeit zu Zeit …

04/20 PGF

Anthropozentrik

Du denkst ich wäre einsam?
Aber ich wandere mit den Sternen!
Du wanderst immer einsam –
ach Mensch! Mutterseelenallein.

Mich wärmt noch in der Nacht die Sonne,
du fällst in ihre Schatten.
Ja Mensch: du sitzt im Dunkeln,
heimlich zweifelnd, an deinem Sein.

04/20 PGF

Im Mondlicht

Und in der Nacht
liegen meine Träume wach
und ich löse Fragen
wie Fleisch von Knochen
und bade im hellen Licht …
denn der Mond –
geht heimatlos von Haus zu Haus und –
sucht,
ob irgendwo noch Hoffnung wohnt.

04/20 PGF

Abend am See

Abend am See


Über dem See steht der Mond
und Krähen stürzen schreiend durch den Abend,
irgendwer läuft durch den Kies
und auf den Bergen liegen rote Farben,
ich leg ein stilles Glück in den Moment
und weiß: es wird nicht halten
und du sitzt irgendwo und denkst
vielleicht an mich,
während sanft im Wind,
die Farben, in die Nacht hin, fallen.

04/20 PGF