Unbemerkt

Du bist vom Schönen
in meinem Leben
(aber nichts das bleibt).
Ich lass dich vorüberziehen,
wie die Wolken zogen,
in jenen Sommertagen,
für die der Herbst liegt bereit.
Ich denke nicht nach
ich halte still inne -
wie viel, vor dir, verging?
Es bleibt nie viel,
nur einzelne Stunden,
an denen mein Herz (unbemerkt) hing.

09/21 PGF

Wolkenlos

Wolkenlos sind die Stunden, die viel zu kurzen, seltenen mit dir. Ich weiß nicht, ob du das empfindest? Oder, ob dir »wolkenlos« zu schwülstig wäre, wie ein Text, dem statt Lyrik, besser Prosa stünde.
Die Stunden mit dir sind weit und blau und hell. Sie haben keinen Plan, an dem sie scheitern könnten. Sind wie spielende Kinder, die keinem Ziel folgen – außer dem Spiel – und spielend doch, zu einem Ziel hinfinden.
Und, wenn mein Blick, in deinen fällt, dann kann ich in der Tiefe ferne Sternen ahnen, eingebettet in das Blau, dieser wolkenlosen Stunde, die offen, wie der Himmel, endet.

04/21 PGF

Ehe der Schlaf kommt

Nun lausche ich noch der Nacht …
Genieße drei Atemzüge Stille,
das Mondlicht, das durch die kühle Scheibe fällt
und meinen müd gewordenen Willen.

Leg diesen Tag beiseite,
wie ein vollgeschriebenes Blatt
und suche dich, in den hellen Zeilen.
Und denk: Wie oft das Glück, wohl kein Glück hat?

Und, dass wir Träumende, ungestillter Sehnsucht bleiben.

PGF 03/21

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Flüchtige Berührung

Unsere Hände berührten sich

flüchtig,

wie sich zwei ansehen,

die getrieben sind

von etwas …

und durch den Abend gehen

und ganz in Gedanken sind:

wenn sich ihr Blick kurz findet.

Wie zwei die sich,

nach langer Zeit,

nun endlich wiedersehen.

Und dann nach kurzem Gruß –

Wer war das wohl?

stumm weitergehen

und die –

hätten sie gestoppt im Weitergehen –

vielleicht nur einen Sommer,

auf Blumenwiesen Hand in Hand

ein tiefes Glück gefunden hätten:

wenn sie sich schweigend

in die Augen sehen.

Ich bin gespannt,

wie unsere Hände, sich einmal wiedersehen …

03/21 PGF

Aus dem Februar

Aus dem Februar

In der Einsamkeit, bleiben alle Träume liegen,
wie Geschichten die nicht geschrieben sind,
wie Häuser, die ihre Dächer verloren,
wie Lieder die keiner singt –

was du fühlst, das ist nur dunkel,
nur was dir fehlt ist hell,
überzeichnet erscheint dein Lieben,
weil alles irgendwann ins Ungewisse fällt.

02/21 PGF

Damals / Once upon a time

Weißt du noch, damals im Corona-Winter,
wie einsam wir waren,
wie jedem der Mut und die Geduld ausging?
Wie wir mürbe wurden,
noch länger die Stille –
ja uns selbst zu ertragen?
Wie wir zurück wollten
zum Spiel,
nicht zum Sinn …

Was waren das für Tage?
Wir waren satt
und doch nicht froh,
wir fühlten uns frierend
in warmen Zimmern.
Wir fühlten was wir waren
und das war nicht viel.
Aber mit irgendwas
mussten wir ja beginnen.

01/21 PGF

Do you remember, back in the Corona winter,
how lonely we were,
how everyone ran out of courage and patience?
How we grew weary,
to bear the silence –
even ourselves?
How we wanted to go back
to the game
not to the sense …

What were those days?
We were full
and yet not happy,
we felt cold
in warm rooms.
We felt what we were
and that was not much.
But with something
we had to start.

01/21 PGF

Ein Geschenk für dich / A gift for you

Ein Geschenk für dich

 

Nun schrieb ich doch kein Gedicht für dich,

ich träume nur, du denkst an mich,

es sind meine Träume

die ich dir schenke –

 

und am Ende werde ich denken:

Es wäre schön gewesen –

hätten wir mehr gesagt als:

„Wäre doch nicht nötig gewesen.“

Und: „Doch, na klar.“

 

Du weißt sicher nicht,

wie ich die Momente,

still durch die Tage trage,

bis sie ganz leise werden

und fast nur noch, wie eine Sage,

aus weit entfernten Zeiten klingen.

 

PGF 12/20

 

A gift for you

 

Now I didn’t write a poem for you after all,

I only dream, you think of me,

It’s my dreams

that I’m giving you –

 

and in the end I will think:

It would have been nice –

if we had said more than:

„You shouldn’t have.“

And, „Sure I did.“

 

You probably don’t know

how I carry the moments

…quietly through the days..,

until they become very quiet

and almost only, like a legend,

from distant times.

 

12/20 PGF

Corona Jahr / Corona Year

Und dann geht glutrot still die Sonne auf
und alle sagen: „Ach, wie schön.“
und alles ist, wie´s immer war –
und jeder denkt: Das war ein schweres Jahr
und fragt nicht, ob es je viel anders war –
denn sterben ist nie schön
und nichts war je, so richtig klar –
nur unbequem –
vielleicht?
Und wie ein Wendepunkt?
Doch wer weiß schon: Was ist denn wahr?
Am Ende geht die Sonne auf
glutrot und still,
leuchtend in diesem, wie in jedem Jahr.

PGF 12/20

And then the sun rises glowing red
and everyone says, „Oh, how nice.“
and everything is as it always was –
and everyone thinks: This was a difficult year
and does not ask if it was ever much different –
because dying is never beautiful
and nothing was ever, really clear –
just uncomfortable –
maybe?
And like a turning point?
But who knows: what is true?
At the end the sun rises
glowing red and quiet,
shining in this one, like every year.

12/20 PGF

Unvollständiger Satz / Incomplete sentence

Es ist in diesen Tagen wenig Licht, als hätten sie nicht die Kraft, länger durchzuhalten, als dieses kurze Stück von Dämmerung zu Dämmerung. Ohne Sterne gehen die Nächte dahin und der Mond zeigt nur eine feine Sichel.

Ich denke viel und spreche es nicht aus, weil mein Kopf zu voll, während mein Herz zu leer, ist. Manchmal ist der Weg so weit und der Sinn – der Sinn liegt achtlos am Wegrand.

Still sind diese Tage, wie ein langes, tiefes Schweigen, welches jedem schweren Abschied nachklingt. Man hört das Blut, das endlich, durch die eigenen Adern rast.

Und – ach so, da bist du … ich kann den Satz nicht weiter erweitern, weil ich nicht weiß, was das Schicksal mir durch dich sagt.

11/20 PGF

 

There is little light these days, as if they did not have the strength to last longer than this short stretch from dusk to dawn. Without stars, the nights go by and the moon shows only a fine sickle.

I think a lot and do not say it, because my head is too full, while my heart is too empty. Sometimes the way is so long and the sense – the sense lies carelessly on the wayside.

These days are silent, like a long, deep silence that echoes every difficult farewell. One hears the blood rushing finally, through one’s own veins.

And – oh so, there you are … I cannot extend the sentence any further, because I do not know what fate is telling me through you.

11/20 PGF