Ruby (23)

23.
Er schnaufte durch, als sei ich nicht seine Geißel, sondern ein One-Night-Stand, den er aus Versehen abgeschleppt hatte.
»Ich war: Mitarbeiter des FIU. Du scheinst ja zu wissen, was das bedeutet.«
»Financial Intelligence Unit.«
»Richtig.«
»Und dann hast du die Seiten gewechselt?«
»Wer sagt das?«
»Einer meiner Freier.«
»Du hast eine erlesene Auswahl.«
»Für alle Fälle einen Mann.«
»Auch bei Handwerkern?«
»Komm nicht vom Thema ab.«
Der Kerl flirtet tatsächlich mit mir, das war unverschämt.
»Ja, ich habe die Seiten gewechselt, aber nicht zu den Kriminellen, sondern zu den Whistle Blowern. Weil ich es nicht mehr ertragen habe, was in unserem Land geschieht.«
»Was denn?«
»Na, wer hier Geld wäscht; wie groß der Einfluss der Lobbyisten ist; wer sich alles schmieren lässt und, wie eines mit dem anderen verbunden ist. Du kannst das alles ganz schnell googeln: gib »Lobbyismus und Berlin« ein, dann kommst du auf die Seite, auf der du alles nachlesen kannst, was du wissen musst.«
Er machte eine Pause und blickte ins Leere.
»Aber du wirst nichts tun, du wirst denken: da kann ich nichts tun und wirst das glauben und deshalb geschehen all diese Dinge weiter, bei denen du, wenn du sie liest, zweifelst ob sie wahr sein können, weil sie so unglaublich dreist sind.«
»Zum Beispiel?«
»Die Finanzwelt ist eng mit der BaFin verbunden und hat, nach und nach, ein Netzwerk in die Führungspositionen gesponnen. Es geht schnurstracks vom Entwicklungshilfeminister zum Rüstungslobbyisten, der weiß, wo Konflikte schwelen. Eine Agentur setzt sich zeitgleich, für die Tabakindustrie ein und für ein Medikament gegen Raucherhusten. Es gibt keine Grenze für die Skrupellosigkeit.«
»Und du?«
»Ich? Ich habe mich auf ein Thema konzentriert.«
»Und einen Kollegen ermordet?«
»Was?«
»Der Mann, den ich in deiner Wohnung gefunden habe.«
»Den habe ich nicht ermordet, dem wollte ich etwas übergeben. Deshalb muss ich wissen, was du gesehen hast.«
Das verwirrte mich.
»Aber er war doch tot?«
Er lächelte, ein wehmütiges Lächeln, dass mir das Herz schwer machte, dieses Lächeln mit denen miese Typen, naive Mädchen, am Ende, zu miesen Weibern machen.
»Und du glaubst, ich war das?«
»Natürlich.«
»Und, weshalb hätte ich so handeln sollen?«
»Weil du mich gebucht hast und ich dich überrascht hätte.«
»Warum hätte ich dich hereinlassen sollen?«
Stimmt, dachte ich.
»Ich hätte dich an der Tür abwimmeln können. Ich hätte dir dein Geld hingehalten und gesagt: Verschwinde wieder und in Ruhe den Schlamassel entsorgt.«
Mir gingen die Argumente aus.
»Und was ist dann passiert?«
»Ich bin geflohen, vor den Männern, die meinen Ex-Kollegen ermordet haben. Sie haben uns, bei der Übergabe überrascht. Es gab ein Handgemenge, während dem ich fliehen konnte. Meinen Kontaktmann haben sie getötet. Ich bin ihnen im letzten Moment entkommen.«
Ich dachte nach, die Wohnung hatte nicht nach einem Kampf ausgesehen. Aber ansonsten war die Erklärung plausibel.
»Und was wolltest du deinem Kollegen geben?«
»Eine SSD mit Daten.«
Okay, der Kerl war ein Lügner. Jetzt hatte ich ihn.
»Hast du mir nicht eben erzählt, dass du die Behörde verlassen hast, weil sie nichts bewegen kann?«
Zu einer Antwort kam er nicht.
In diesem Moment, schallte das laute Krachen, einer aufbrechenden Tür, durch den Raum.

11/21 PGF

Ruby (22)

22.
Der letzte Schluck schlug ganz schön ein. Vielleicht war es auch die frische Luft, als ich nach draußen kam. In jedem Fall wurde mir schwummerig und da ich Marley nirgends sah, machte ich mir nicht die Mühe, ihn zu suchen, um mich zu verabschieden, sondern machte mich auf die Suche nach meinem spontanen Date.
Ich fand ihn etwas abseits des Clubs, eine Zigarette rauchend, beim Warten.
»Das hätte ich nicht erwartet.« Sagte er, als ich näherkam.
»Ich auch nicht.« Versuchte ich zu sagen, aber meine Zunge war schwer, als hätte sie ein Zahnarzt betäubt.
Ich hoffte, meinen ersten freiwilligen Sex, seit langer, langer Zeit, nicht zu verschlafen.
»Mein Auto steht da hinten.«
»Und wo geht es hin?«
Mir war, als würde ich bald ohnmächtig.
»Wo immer du willst.«
Er fasste mich vorsichtig am Arm.
»Geht es noch?«
»Ja, ja.« Sagte ich und ließ mich mitziehen.
Dann wurde es sehr, sehr dunkel.
Als ich wach wurde, saß ich gefesselt auf einem Stuhl und mein Schädel fühlte sich an, als hätte ihn jemand verwendet, um einen Percussion-Grundkurs darauf zu absolvieren.
Ich bekam nur mühsam die Augen auf. Auch, weil ich in ein viel zu helles Licht schauen musste.
Mit Mühe brachte ich den einen Satz hervor, den ich mir für einen solchen Moment – als Sexworkerin musste man immer damit rechnen – vorgenommen hatte zu sagen:
»Ich stehe nicht auf Bondage.«
Meine Stimme hallte, weil der Raum so groß war oder mein Hörzentrum durch den Wind war.
Aus dem Schatten trat, mein Entführer.
»Keine Sorge, ich auch nicht. Heute geht es mir nicht, um deine Dienste. Aber im Nachhinein schade, dass es bei unserer Verabredung, im Gesundbrunnen nicht geklappt hat. Mir ist selten eine Sexworkerin, mit so viel echtem Charme begegnet.«
Ach du Scheiße, dachte ich, der Schweiger ist der Mörder.
Er kam näher, so dass wir uns ansehen konnten.
»Magst du etwas Wasser? Sorry, wegen der KO-Tropfen, aber ich hatte nicht die Zeit, dich noch länger zu überzeugen. Die Zeit im Club war gefährlich genug, für mich.«
»Und was ist im Wasser?«
»Nur Wasser. Ich habe nicht vor, dir etwas zu tun. Ich will nur ein paar Sachen von dir wissen. Wenn wir uns einig werden, lasse ich dich laufen.«
»Weil ich dich ja nicht identifizieren könnte.«
»Das kann der Barkeeper auch. Ich kann nicht alle umbringen. Ich muss Deutschland, ohnehin bald verlassen. Ich brauche nur ein paar Antworten.«
Ich schüttelte leicht den Kopf. So weit es der Kopfschmerz zuließ.
Tatsächlich ärgerte mich mehr, dass ich endlich fast einen Mann gefunden hatte, der mir gefiel, als ich mich vor ihm zu fürchten. Deshalb war es, bis auf die Fesseln, eine nette Plauderei.
»Ich weiß nicht, wie ich dir helfen könnte.«
»Indem du mir sagst, wie die Wohnung ausgesehen hast, als du sie betreten hast.«
»Spießig.«
»Durchwühlt?«
»Wenn du Antworten willst, binde mich los.«
Sein Gesicht kam näher zu meinem.
»Vergiss es. Der Deal ist, dich am Leben zu lassen. Ich habe keine Zeit für Spiele. Mir sind die Behörden und die Gangster auf den Fersen.«
Das verstand ich nicht.
»Du bist doch der Gangster.«
»So scheint es.«
Irgendwie packte mich der Stolz.
»Also gut, wenn du meine Hilfe willst, erzähle mir, warum du nicht einer der Bösen bist.«
Sein Gesicht verschwand, in den Schatten.
»Das ist zu kompliziert.«
»Dass du mal für die FIU gearbeitet hast, weiß ich. Unehrenhaft entlassen, wenn ich richtig höre.«
Sein Gesicht schoss wieder nach vorne.
»Woher weißt du das?«
»Weil ich so ziemlich alles bediene, was Geld, Erektion und eine Form von Beziehungsstörung hat. Deshalb findet sich der Mord nicht in den Tageszeitungen und zumindest die Berliner Politik, hat eine scheiß Angst, dass sie dich nicht findet.«
Er sah mich verblüfft an.
»Fuck! Wenn du das weißt.«
»Weiß es niemand. Also, wie schaut es aus: Wahrheit oder Pflicht?«
Er schüttelte müde den Kopf.
»Wahrheit.«

11/21 PGF

Ruby (21)

21.
Aber er war nett.
»Perfekt laut.« Kam als Antwort. »So laut, dass man nicht reden muss, sondern einfach trinken kann.«
Danke für die Abfuhr, schoss mir durch den Kopf.
Aber mein Thekennachbar, hatte es nicht böse gemeint.
»Soll nicht dir gelten.« Schob er schnell nach. »Entschuldige, wenn es so geklungen hat.«
Ich versuchte nicht dünnhäutig zu wirken.
»Schon okay. Ich bin auch nur zum Trinken und Tanzen hier.«
Tatsächlich mussten wir uns anschreien, um uns zu verständigen.
»Bist du oft hier?«
Ich schüttelte den Kopf.
»Nein, ich gehe nicht gerne in Clubs. Nur manchmal und heute war so ein Tag.«
»Scheiß Zeit?«
»Kann man so sagen.«
Er nickte, als verstünde er mich allzu gut.
Einen Moment verebbte unser Gespräch, wie ein Streichholz, dass man im Sturm anzuzünden versucht.
»Und du? Bist du oft hier?«
Er schüttelte den Kopf, wie eine verzögerte Spiegelung, meiner Reaktion.
»Zum ersten Mal und vermutlich einzigen Mal. Die haben keinen ordentlichen Whiskey und ich bin wohl doch zu alt, für solche Läden.«
»Dachte ich auch.« Meinte ich mit einem Augenzwinkern.
Er grinste.
Es war ein schönes, zaghaftes Grinsen, als hätte er sich lange nicht mehr, über etwas gefreut und müsste erst ausprobieren, mit welchen Muskeln man lächelte.
Plötzlich wurde mir warm, in der Magengegend. Plötzlich wollte ich nicht mehr hier sein und gegen die laute Musik anschreien, sondern auf einem Sofa sitzen, mir die Füße massieren lassen und in einem angenehmen Gespräch spüren, ob sich zwischen meinen Schenkeln, langsam ein Verlangen entwickelte.
Aber fünf Cuba Libre hin und her, ich war noch im Gefahrenmodus, also »don´t play with strangers, Ruby«.
Meine Blase machte sich bemerkbar, das war gut, das gab mir Zeit mich zu sortieren.
»Könntest du kurz auf meine Sachen aufpassen? Ich müsste mal, für Mädels.«
Er nickte knapp.
»Klar mach das.«
Wir sahen uns an, mit einem: Sollen wir oder nicht?
Ich rutschte vom Barhocker und ging zur Toilette.
Nach dem die Schlange, die sich immer vor der Frauentoilette bildet, abgearbeitet war und ich auf der Toilette gesessen und vorm Waschbecken gestanden hatte, ging ich zurück an meinen Platz.
Links davon wurde noch immer, um die Blondine gebaggert, aber der rechte Platz war leer. Dafür stand der Barkeeper bereit.
Ich sah ihn fragend an und setzte mich.
Er beugte sich über die Theke zu mir und rief: »Der Typ meinte, wenn du magst, kannst du nachkommen. Er wartet draußen, bis du dein Glas leer hast. Er würde gerne mit dir, wohin gehen, wo ihr besser reden könnt.«
»Was denkst du?« Fragte ich zurück.
Der Barkeeper zuckte mit den Schultern.
»Das musst du wissen.«
Damit ließ er mich zurück.
Ich war mir sicher, der Schweiger – ich kannte nicht mal seinen Namen – würde nicht lange warten. Ich musste jetzt entscheiden.
Ich setzte mein Glas an die Lippen, leerte den Rest mit einem Schluck und entschied mich, fürs Abenteuer.
Man konnte ja erstmal reden.

11/21 PGF

Also bis auf den Balken

… bin ich zufrieden und der Balken gehört ja zum Probedruck 😉

Bis auf einen Fehler im Impressum, alles tipptopp: liegt gut in der Hand, hat nichts, aber wirklich gar nichts mit Corona zu tun, passt perfekt zu einem Sofa und einer heißen Tasse Tee, lenkt ab und macht doch ein bisschen klüger.

Kommt gut ins Wochenende

PGF

Ruby (20)

20.

Ich trank drei, bis Mitternacht und ich merkte, dass bereits einer davon zu viel war. Ich vertrug Alkohol schlecht, weil ich wenig davon trank. Aber heute war meine Disziplin schwach und je mehr ich trank, je mehr versank ich, in dieses Trinker-Selbstmitleid, das verführt noch mehr zu trinken, um endlich mal wieder etwas fröhlicher zu werden.
Ich verlor zunehmend meine tatsächliche Gefühlslage aus dem Blick und bekam Lust auf der Tanzfläche, all das Weh in mir los zu werden.
Es lief gerade die passende Musik von »Massive Attack«, nach der ich mich gut bewegen konnte.
Ich tanzte bis mir der Schweiß lief und ich merkte, dass mir schwindlig wurde, wenn ich nicht mal eine Pause machte. Es war heiß in dem Laden und ein großes Durcheinander in meinem Kopf. Aber ich fühlte mich gut, weil ich mich fühlte: bewegt und erschöpft und lebendig.
Mittlerweile waren alle Plätze an der Theke besetzt, bis auf den, auf dem ich gesessen hatte. Der Barkeeper war so nett gewesen, ihn mir freizuhalten.
Ich schob mich auf den Barhocker und hob die Hand, als Dankeschön und für einen weiteren Drink, als der Barmixer zu mir sah.
Links von mir drängte sich eine dichte Traube von Jungs, um eine süße Blondine, die für alle drei, die sich um eine heiße Nacht bewarben, eine Nummer zu groß war. Ich kannte solche Mädels. Sie waren meist ziemlich prüde, wenn es ernst wurde. Bis dahin spielten sie mit den Fantasien der Männer. Den Zuschlag bekam der, der am meisten zu bieten hatte. Die Chance auf eine heiße Nacht, allerdings nur ein Kerl, der wusste, wie man ein solches Mädchen anpackte. Die drei Bewerber gehörten nicht dazu. Aber der Blondine gefiel es, dass ihrer Eitelkeit geschmeichelt wurde.
Rechts von mir saß ein schweigsamer Typ, den ich erst gar nicht bemerkte, weil er nichts tat, außer in sein Whiskey-Glas starren und hin und wider einen Schluck daraus trinken. Er war für den Club, wie ich fand zu alt. Sicher fünfzehn Jahre älter als ich, Ende dreißig, Anfang vierzig. Er hatte kurze, schwarze Haare, schien seit Tagen nicht rasiert und besaß dunkle, schwermütige Augen, wie sie mir früher gefallen hatten, als ich noch fähig war mich zu verlieben.
Der war mir recht: desinteressiert bis zum Abwinken. Wenn der eine finden wollte, musste er es bei Tinder probieren.
Wenn man sich, mit einer Frau nicht zu unterhalten wusste, noch besser, wenn man nicht wusste, wie sie zum Lachen zu bringen war, konnte man sich ganze Sache abschminken. Mein Sitznachbar sah nicht so aus, als wüsste er generell was Lachen ist.
Mein vierter Cuba Libre kam und ich nahm einen viel zu großen Schluck, weil ich nach dem Tanzen durstig war.
Mein Platz, an der Theke, bot eine ziemlich skurrile Kombination: links flache Sprüche, kichern und unbeschwerte Jugend, rechts Existentialismus.
Mein Glas war schneller leer, als vernünftig für mich und ich hob die Hand für einen weiteren Drink, den ich dies Mal, mit einem großen Glas Wasser abmildern wollte.
Als der Barkeeper kam, sagte der Schweiger neben mir: »Für mich noch einen Whiskey.«
»Chivas?«
»Egal.«
Jetzt konnte ich nicht anders, als ihm einen Blick zu werfen.
Ich habe dieses furchtbare Helfersyndrom. Sonst würde ich vermutlich nicht meinen Körper anbieten, um ungestillte Lust zu befriedigen. Mein Nachbar tat mir leid. Etwas in seiner Stimme, etwas in seiner Haltung: einsam und stolz, dass war mir gerade zu vertraut.
Unsere Augen trafen sich.
Er scannte mich, ob ich eine Chica oder ein Mensch war und wandte sich, scheinbar ohne Ergebnis, wieder seinem Drink zu.
»Laut hier.« Sagte ich, weil einer von beiden, irgendetwas sagen muss, um das Eis zu brechen.
Und bereute, im nächsten Moment, dass mich die Drinks redselig machten.

11/21 PGF

Ruby (19)

19.

Die Infos waren hart verdientes Geld. Lothar hielt sich zurück, mit jeglicher körperlichen Gewalt, ihm genügte die mentale Erniedrigung. Aber stümperhaft dominant und zugleich unfähig, mich zu befriedigen, wie er war, fühlte ich mich ungewohnt erlöst, als es vorüber war.
Dafür erfuhr ich nicht nur etwas über Lobbyismus, sondern tatsächlich etwas über den Toten in Gesundbrunnen.
Der CDU-Mann erzählte recht freimütig davon. Vermutlich, weil er wusste, dass ich ihn ohnehin an den Eiern hatte und es auf diese drei, vier Fakten mehr nicht ankam. Im Gegenteil: Er schien sich zu freuen, mir keinen umständlichen Vortrag über Lobbyismus halten zu müssen. Denn davon hatte er keine Ahnung. Er war, wie er selbst sagte: Gut darin, zusammen getragene Fakten so zu verkaufen, damit sie wählbar wurden. Ansonsten hatte er kein Interesse, sich mit Hintergründen zu beschäftigen.
»Ich habe für die Schule schon nicht gerne gelernt.« Meinte er.
Bei dem Toten, den ich gefunden hatte – das erfuhr Lothar natürlich nicht von mir – handelte es sich, um einen verdeckten Ermittler, der einem ehemaligen Mitarbeiter des FIU auf die Schliche gekommen war. Der Tod des Ermittlers sorgte, im Finanzministerium, für erhebliche Unruhe, weil Ermittlungen gegen ehemalige Mitarbeiter, nicht für ein gutes Bild der Behörde sorgten. Dazu kam, dass der Undercover-Mann, an diesem Tag nicht davon ausgegangen war, auf einen ehemaligen Kollegen zu treffen, sondern auf den Drahtzieher der Geldwäscherei. Dass ein ehemaliger Mitarbeiter nicht nur Informationen zur Geldwäsche weitergegeben hatte, sondern eventuell der Kopf des Ganzen war und nun auch noch ein Mörder, konnte zum medialen Super-GAU werden.
»Jetzt ist erstmal der Korken auf allem, bis man den Mörder hat.« Beendete Lothar seine Zusammenfassung.
Ich musste, noch einmal für ihn schnurren, wie ein Kätzchen.
Damit endete mein Termin.
Ich ging nach Hause, um zu duschen. Das wollte ich, nach diesem Date, nicht bei Marley, als würde ich ihm damit die Duschkabine verunreinigen. Sobald ich geduscht war, hielt mich nichts länger in meiner Wohnung. Es machte mich traurig, dass ich mich, in ihr nicht mehr sicher fühlte.
Marley freute sich, als ich wieder da war.
Er nahm mich in den Arm und drückte mich fest, was mir Halt gab, da ich keinen Angriff auf meine Genitalien fürchten musste oder irgendwelche obskuren Fantasien.
Er hatte an diesem Abend, einen Job im »Sage Club«, einer coolen Disko auf drei Etagen mit Musik für jeden, einem Swimming-Pool und genug ruhigen Ecken, um zu chillen.
Das war, nach diesen Tagen, genau das Richtige. Mit Marley an der Tür war ich safe.
Er ging bereits, vor der Öffnung des Clubs los. Ich holte mir um zehn ein Taxi und betrat den Laden, als er langsam volllief.
Ich suchte mir einen Platz an der Theke, auch, wenn das mein Risiko, angelabert zu werden, erhöhte. Ich wollte etwas trinken, nachdenken und in Ruhe gelassen werden. Denn danach, einen Mann kennenzulernen, war mir nicht.
Das war der schwerste Verlust, an meinen Job: Ich verliebte mich nicht mehr, seitdem ich meine Lust verkaufte. Es war, wie bei einer Schauspielerin, die selbst nicht mehr weiß, was echt an ihr ist. Oder, wie bei einer Krankenschwester, für die, irgendwann, Genitalien nur noch mit Ausscheidung zu tun haben, die sie säubern und pflegen muss, aber nichts mehr mit Erotik.
Ich hatte so oft Lust gespielt, so oft einen Penis mit überlegten Techniken bearbeitet, dass ich nichts mehr fühlen konnte. Mein Herz schlug bei keinem Mann, plötzlich schneller und auch nicht bei Frauen. Das machte mich einsam.
Deshalb hoffte ich, mir blieb, dass lästige Angebaggert werden, mit blöden Sprüchen erspart.
Ich bestellte mir einen Cuba Libre, mit einem Blick, damit niemand auf die Idee kam, ihn mir bezahlen zu wollen.

PGF 11/21

So schnell ging´s noch nie!

Ich weiß nicht, ist es die Routine oder habe ich die meisten Fehler schon gemacht – auch, wenn mir wieder ein kleiner unterlaufen ist – aber die Bereitstellung des Print-Exemplars ging noch nie so schnell wie heute.
1,5 Stunden und der Buchblock war gelayoutet und das Cover formatiert. Okay, es war auch schon manches vorbereitet und „Äquinoktium“ hat die gleiche Dicke, wie der „Älteste“, womit die Covervorlage die gleiche war. Aber es ging schon mehr schief 🙂
Bitte lasst es ein gutes Omen sein!

Somit:
Ebook in trockenen Tüchern
Print, als Probedruck angefordert (der eine kleiner Fehler im Impressum, macht, bei der Nachkorrektur, keine besondere Mühe).

Kurz:
Ich bin im Zeitplan 🙂

Was Corona angeht: Dass ich mich hier weitgehend auflöse, was Zeit und Kräfte angeht, hat natürlich auch mit der 4. Welle zu tun. Die Freiheit der einen, führt zum völligen Ausbrennen und Selbstbeschränken der anderen. Mehr ist dazu nicht zu sagen.

Und zu „Ruby“:
Es könnte eng werden, weil die nächsten Tage, immer mehr Arbeit im Erwerbsberuf mit sich bringen werden (durch den Virus den es nicht gibt, bzw. der nicht schlimmer als jede Grippe ist …) aber ich habe Lust, die Geschichte zu Ende zu erzählen und die Ideen sind da. Ihr werdet es merken 😉

Habt ein schönes Wochenende!

PGF

Ruby (18)

18.

Ich hielt die Luft an, bis sich Marleys wuchtiger Körper durch die Wohnzimmertür schob, er mich verdutzt ansah und fragte: »Alles in Ordnung, Mädchen? Ich habe versucht leise zu sein, falls du schläfst.«
»Alles okay. Ich dachte nur …«.
Marley stellte zwei Tüten mit Einkäufen ab.
»Hast du schon etwas erfahren? Ich meine, von dem Journalisten.«
»Ja, es gibt eine Spur. Aber da ist nichts was ich gut erklären könnte.«
»Und meine Hilfe?«
»Brauche ich – noch – nicht.«
Er nickte zufrieden.
»Habe ein paar Sachen gekauft. Ihr Mädels habt es ja immer mit Salat und Gemüse. Du nimmst dir was du brauchst.«
Ich bedankte mich.
Marley begann, die Einkäufe auszuräumen und ich machte mich auf den Weg zu meinem Termin.
Ich traf mich mit Lothar, in einer Wohnung, die er extra, für solche Treffen angemietet hatte. Ich war nicht die Einzige die er buchte, aber an der Geschwindigkeit mit der er zugesagt hatte, konnte ich ablesen, dass er auf mich stand.
Als er mir die Tür öffnete, wusste ich wieder, weshalb ich Termine mit ihm vermied. Er war ein ziemlich beleibter, älterer Mann, mit dünnem Haarkranz, bei dem man nicht mehr sagen konnte, ob das Haar, aus dem der Kranz bestand, einst schmutzig blond oder blass braun gewesen war. Jetzt wirkte das Haar fade, als diene es nur noch, den Schweiß von der Kopfhaut aufzufangen.
Er grinste mich gierig an und kam gleich zur Sache.
»Da ist ja mein Kätzchen.« Sagte er erwartungsvoll. »Ich habe dein Schälchen schon mit Milch gefüllt.«
Ihn erregte die seltsame Fantasie, eine Frau, die sich künstliche Katzenohren aufsetzte und einen Plug benutzte, an dem ein künstlicher Katzenschwanz hing, erst kniend eine Schale Milch trinken zu lassen und dann wie ein Kater zu besteigen.
Es gab Männer mit Fantasien, über die man eigentlich hätte lachen müssen, wenn man sie so nüchtern durchplante. Aber es war zu befürchten, dass sich dahinter, ganz andere Abgründe und Fantasien abspielten, die nur nicht durchzubrechen wagten. Damit sie das nicht taten, spielte ich das Kätzchen.
Seine Geilheit kam mir zu Guten.
»Lothar, deine kleine Pussy, hat aber heute den Wunsch, nach einem ganz besonderen Leckerli: Ich will statt Geld, ein paar Antworten.«
Er wurde rot.
Er befand sich im reinen Triebmodus, die Erinnerung an Amt und Verantwortung, als CDU-Politiker brachte ihn aus seiner Fantasie-Welt: Verstand schwächt Erektion.
»Muss das jetzt -«?
»Ja, das muss jetzt besprochen sein.«
Er nickte.
»Aber nichts, was mit mir persönlich oder meinem Amt zu tun hat.«
Ich schüttelte den Kopf.
»Es geht mir nicht um dich. Ich will etwas darüber erfahren, wie Politik funktioniert. Also wirkliche Politik, nicht die, die uns der Regierungssprecher vorstellt.«
Er nickte unwillig.
»Ja, wenn wir jetzt loslegen können.«
»Natürlich.« Schnurrte ich.

11/21 PGF

Nachdem

… das Grundsätzliche geklärt ist, hier die Übersicht zur Rückbau-Planung:

– Das Skript von „Äquinoktium“ bin ich heute Morgen durchgegangen. Es war toll Korrektur gelesen, sodass ich eigentlich nur bei allem zustimmen musste – nur die Kommas habe ich nach meinem Regelwerk gesetzt 😉 – und erledigt war die Sache.
Vor dem nächsten Wochenende komme ich nicht zum Layouten. Aber ich würde behaupten, ich bin auf Kurs, um zum Monatsende das Buch zu veröffentlichen.

– Den Tag heute habe ich „Ruby“ ein wenig gewidmet, sodass unter der Woche, der ein oder andere Beitrag, hier durchläuft. Die Cliffhanger werde ich abmildern, da zwischen den Beiträgen, immer mal Leerlauf herrschen wird.

– Über den gestrigen Schritt bin ich froh. Vielen Dank für eure Kommentare, das hat mir bestätigte, was mir lange und in den letzten Monaten, das Bloggen wertvoll gemacht hat, aber auch gezeigt, was ich nicht mehr brauche.

– Wenn „Äquinoktium“ am Markt ist und die Spiegelbestsellerliste erobert 😉 ziehe ich die Vorhänge hier zu und „Over and out“ tritt in Kraft. Dann gibt es nur noch Meldungen: Neues Buch zu kaufen oder neue Kurzgeschichte (per Mail) zu lesen.

Habt einen schönen Sonntag und einen guten Wochenstart

PGF