Gestra / Gestra (1)

1.
Wow! Wow! Wow! Wo war ich? Die Flaschen auf dem Beifahrersitz verhießen jedenfalls nichts Gutes und auf dem Randstreifen, auf dem ich parkte, konnte man nur unbemerkt eine ganze Nacht stehen, wenn es sich um eine verdammt verlassene Landstraße im Nirgendwo handelte – also war ich im Nirgendwo!
Ich setzte mich aufrecht, bog meinen Kopf von rechts nach links, um meine Muskeln zu dehnen und schüttelte meinen rechten Arm, weil mir die Hand eingeschlafen war. Statt nach nichts fühlte sie sich Sekunden später an, als wäre ein Schwarm Bienen über sie hergefallen.
Ich lehnte mich vor bis ich meine Stirn auf dem Lenkrad ablegen konnte und nahm ein paar schwere Atemzüge.
Das Letzte woran ich mich erinnerte, war ein Autobahnschild Richtung New York, an dem ich vorübergefahren war. Ich hatte lauthals „If you can make it there, you make it everywhere“, gesungen und die Zeile fortgedichtet in „but I won´t make it there, and will it make nowhere“, und Gas gegeben Richtung Norden.
Um nach?
Um nach Portland zu kommen. Ja, das war der Plan gewesen. Ein Plan ohne Sinn, aber zumindest mit Ziel.
Ich öffnete die Fahrertür und mit der frischen Luft, wurde mir der saure Gestank nach faulem Atem bewusst, den ich im Wagen angesammelt hatte.
Ich stieg aus. Ging ein paar Schritt vom Auto weg und pinkelte an den Wegrand.
Während meine Blase sich wohltuend erleichterte, dämmerte mir ein weiterer Gedanke: Ich war mit einem Auto unterwegs. Ich war gefahren! Gott verdammte fast 1600 Meilen von Miami, bis fast nach Portland. Womit „Nirgendwo“ eine neue Definition erhielt: ich war in Maine und ich hatte eigentlich bis Portland durchfahren wollen. Aber irgendwann war der Whiskey doch zu viel geworden und, weil ich ein vorsichtiger Fahrer ohne Führerschein bin, bin ich wohl an die Seite gefahren, als ich die Spur nicht mehr halten konnte.
Gut gemacht, Joe. Sehr gut.
Durch den Nebel drängten neue Gedanken: Wenn ich weiterfahren wollte, musste ich erst einen Schluck trinken. Ohne Alkohol hatte ich gar nicht den Mumm dazu. Beth? Beth war verschwunden und ich hatte nichts dagegen tun können. Weil dieser Mistkerl einfach viel zu groß war, als dass ich ihm hätte an die Hauswand pinkeln können, um sie zu retten.
Und Crunchy – der saß vermutlich in einem Bunker und hoffte, dass der Sturm vorüberging, den wir gesät hatten.
Da meine Blase endlich leer war, zwängte ich meinen Penis durch den Reißverschluss nach innen, sorgte dafür, dass er bequem in der Unterhose verschwand, ehe ich den Reißverschluss hochzog und ihn in Gefahr brachte eingeklemmt zu werden.
Ich sah die Straße in beiden Richtungen entlang und war mir sicher, dass dies nicht der Highway nach Portland war. Es war zu zu still und ich sicher, noch ein Stück, von der Stadt entfernt.
Okay, ich musste jetzt erstmal drei Dinge klären: Weiterfahren? Weitersaufen? Warum Portland?
Der letzte Punkt war am einfachsten: Portland einfach so. Ich hatte eigentlich nach Kanada gewollt, um mich in Kanada, in einer einsamen Blockhütte zu Tode zu saufen. Ja, das war ein Detail des Plans. Aber der war dumm. Also, dass zu Tode saufen. Nicht Kanada. Kanada war okay. Viel Land, wenig Menschen, eine gute Mischung. Das Weitersaufen würde ich auch erstmal lassen. Ich trank gern und ich trank vermutlich zu viel, was ich aber gar nicht leiden konnte, waren Filmrisse. Ich war gern Herr über mein Leben und Handeln. Dass war ich wohl seit einigen Tagen nicht mehr. Die Flaschen auf dem Beifahrersitz waren alle leer. Mal sehen was im Kofferraum war.
Ich öffnete den Kofferraumdeckel und blickte auf 3 6-er-Packungen Jack-Daniels, noch ordentlich verpackt in weißem Karton mit schwarzer Beschriftung. Ich schlug den Kofferraumdeckel wieder zu und ging zur Fahrertür. Schloss auch die und sperrte ab. Ich ging nach vorne an meinen Wagen und fotografierte das Nummernschild mit dem Handy.
Dann zog ich den Reißverschluss meiner Jacke hoch. Es war Oktober und der Morgen kalt.
Ich lief los.
Manchmal war, alles stehen und liegen lassen, der einzig mögliche Weg, um neu anzufangen.

01/21 PGF

1.
Wow! Wow! Wow! Where was I? Anyway, the bottles on the passenger seat didn’t bode well, and the shoulder I was parked on could only be unnoticed for an entire night if it was a damn deserted country road in the middle of nowhere – so I was in the middle of nowhere!
I sat up straight, bent my head from right to left to stretch my muscles, and shook my right arm because my hand had fallen asleep. Instead of feeling like nothing, seconds later it felt like a swarm of bees had descended upon it.
I leaned forward until I could rest my forehead on the steering wheel and took a few heavy breaths.
The last thing I remembered was a highway sign heading for New York that I had passed. I had sung out loud, „If you can make it there, you make it everywhere,“ and continued the line into „but I won’t make it there, and will it make nowhere,“ and hit the gas heading north.
To get to?
To get to Portland. Yes, that had been the plan. A plan without meaning, but at least with a destination.
I opened the driver’s door and with the fresh air, became aware of the sour stench of foul breath I had accumulated in the car.
I got out of the car. Walked a few steps away from the car and peed on the side of the road.
While my bladder relieved itself pleasantly, another thought dawned on me: I had been driving a car. I had been driving! God damn nearly 1600 miles from Miami, almost to Portland. Which gave „nowhere“ a new definition: I was in Maine, and I had meant to drive all the way to Portland. But at some point the whiskey got to be too much and, being a cautious driver without a license, I guess I pulled over when I couldn’t keep my lane.
Good job, Joe. Very good.
New thoughts pushed through the fog: if I wanted to keep driving, I had to have a drink first. Without alcohol, I didn’t have the stomach for it. Beth? Beth had disappeared and there was nothing I could do about it. Because that son of a bitch was just way too big for me to pee on the side of his house to save her.
And Crunchy – he was probably sitting in a bunker hoping the storm we had sown would pass.
With my bladder finally empty, I squeezed my penis inside through the zipper, making sure it disappeared comfortably into my underpants before pulling up the zipper and putting it in danger of being trapped.
I looked down the road in both directions and was sure this was not the highway to Portland. It was too quiet and I sure, still a ways away, from town.
Okay, I had three things to figure out now: Keep driving? Keep drinking? Why Portland?
The last point was the easiest: Portland just because. I had actually wanted to go to Canada, to drink myself to death in Canada, in a lonely log cabin. Yes, that was a detail of the plan. But it was stupid. So, that drinking myself to death. Not Canada. Canada was okay. Lots of land, few people, a good mix. I would also leave the drinking for now. I liked to drink and I probably drank too much, but what I didn’t like at all were film tears. I liked to be the master of my life and actions. That I was probably no longer for a few days. The bottles on the passenger seat were all empty. Let’s see what was in the trunk.
I opened the trunk lid and looked at 3 6-packs of Jack-Daniels, still neatly packed in white cardboard with black lettering. I slammed the trunk lid shut again and went to the driver’s door. Slammed that too and locked it. I went to the front of my car and took a picture of the license plate with my cell phone.
Then I pulled up the zipper of my jacket. It was October and the morning was cold.
I started walking.
Sometimes, dropping everything was the only possible way to start over.

01/21 PGF

Corona dominiert / Corona dominates

Wenn ich ehrlich bin hat Corona in meinem Leben wenig verändert. Gut, ich muss mehr arbeiten und die Arbeit ist belastender geworden. Aber zurückgezogen lebe ich schon länger und gerne. Meine Reisen hatte ich. Kontakte sind für mich, in ihrer Qualität, nicht von persönlichen Treffen abhängig, der Einfluss von Krankheit und Tod, auf das Leben, mir schon zuvor täglich bewusst.
Aber, dass sich die Welt verändert hat, das verändert mein Beobachten und Betrachten und damit das Schreiben. Die Welt hat an Farbe und Kontraste verloren. Es ist ein Narrativ, dass alle Kollektive, alle Biografien, alle Geschichten dominiert. Es wird zunehmend schwer zu erzählen, ohne das Corona darin vorkommt. Ich bin ein wenig froh, mit „Alphavirus“, das Thema für mich, mehr oder weniger, abgearbeitet zu haben.
Ich glaube, es wird zunehmend wichtig, Corona zu nivellieren. Ihm die Kraft zu nehmen, in dem man ihm die Vormacht nimmt. Ähnlich wie beim Autofahren: Irgendwann hat man gelernt wo die Gefahren liegen und entsprechend angepasst fährt man, aber man hat den Blick wieder frei für die Welt und ihre Möglichkeiten. So muss man wohl auch, neben Corona und seine Maßnahmen, Freiräume, Chancen und neue Möglichkeiten suchen und entdecken, damit irgendwann wieder ganz andere Geschichten entstehen können.

PGF

If I’m honest, Corona has made little difference in my life. Well, I have to work more and the work has become more stressful. But I have lived a secluded life for a long time and I like it. I have had my travels. Contacts are for me, in their quality, not dependent on personal meetings, the influence of illness and death, on life, I already before daily aware.
But, that the world has changed, that changes my observing and viewing and thus writing. The world has lost color and contrast. It is a narrative that dominates all collectives, all biographies, all stories. It is increasingly difficult to tell without Corona being in it. I’m a little glad that with „Alphavirus“ I’ve more or less worked through the issue.
I think it’s becoming increasingly important to level Corona. To take away his power by taking away his supremacy. Similar to driving a car: At some point, you’ve learned where the dangers are and you drive accordingly, but you’re free again to look at the world and its possibilities. So one must probably also, beside Corona and its measures, free spaces, chances and new possibilities look for and discover, so that sometime again completely different stories can develop.

PGF

Corona, Capitol und Catastrophen / Corona, Capitol, Catastrophe

Die 2. Geschichte mit Joe, ist eine hohe Klippe: ein ordentlicher Plot, aber ein komplexes Thema, bei dem die Gefahr besteht, dass die Geschichte nicht plausibel wird.
Das ist, wie ich finde, bei Mystery- und Fantasie-Geschichten der entscheidende Punkt, dass sie innerhalb ihrer Logik plausibel sein müssen.
Bei der Aurumer-Reihe gab es eine Kritik, sie sei viel zu unrealistisch – joa, geht halt um Aliens.
Deshalb traf mich das nicht.
Die gesetzten Parameter in einer Geschichte, müssen zueinander plausibel sein. Das ist entscheidend. Dann ist auch jede Kritik in Ordnung, die sich an diesen Parametern stört.

Also drückt mir die Daumen, dass am Ende der 2. Teil plausibel wird. 🙂

Das ist ein Vorteil, des für sich Schreibens: keiner merkt es, wenn es schief geht und man muss nicht öffentlich erklären: „Leute, bis hierher leider alles Stuss! Denkt euch ein Ende aus, dass euch gefällt.“
Trotzdem werde ich mich mit dem 3. Teil vermutlich hier auf den Blog wagen. Ich hoffe ihr habe in eurem Kalender den 9./10. notiert. Streicht den 9. könnte auch 10. oder 11. werden. Soll ja keine „Stopp! Blödsinn!“-Veranstaltung werden. 😉

Also ich groove mich ein, zwischen die zwei Geschichten, wie in die Woche zwischen den Jahren und bin sehr gespannt, ob der 3. Teil in die Gänge kommt.
Muss ja noch etwas anderes geben, wie Corona, Capitol und Catastrophen.

Schönen Abend
PGF

The 2nd story with Joe, is a high cliff: a neat plot, but a complex theme that risks making the story implausible.
That, I think, is the crucial point with mystery and fantasy stories, that they must be plausible within their logic.
With the Aurumer series, there was a criticism that it was far too unrealistic – yup, it’s about aliens.
That’s why it didn’t hit me.
The parameters set in a story have to be plausible to each other. That is crucial. Then, any criticism that is bothered by these parameters is okay, too.

So keep your fingers crossed that in the end the 2nd part will be plausible. 🙂

That’s one advantage of writing for yourself: no one notices when it goes wrong and you don’t have to publicly declare: „Guys, up to here, unfortunately, all bullshit! Think of an ending that you like.“
Nevertheless, I will probably venture here on the blog with the 3rd part. I hope you have the 9th/10th noted in your calendar. Scratch the 9th could be 10th or 11th. It’s not supposed to be a „Stop! Bullshit!“ event 😉

So I groove me one, between the two stories, as in the week between the years and am very curious whether the 3rd part gets going.
Must be something else going on, like Corona, Capitol and Catastrophe.

Have a good evening
PGF

Kollektiver Burnout / Collektive Burnout

Ein Burnout entsteht, wenn bei maximaler Belastung, minimale Wertschätzung erfolgt. Wenn trotz immer wieder erbrachter Leistung, weder sichtbar noch artikuliert, ein Erfolg der Anstrengung wahrgenommen wird.
Und so senken sich, wie ein schwerer Abend, die nächsten Corona-Maßnahmen über das Land und es gibt kein Ende ihrer Zeit – als käme der Tag nicht zurück – und es gibt auch keinen Dank oder eine Erfolgsmeldung, für das bislang Erreichte.
Dafür werden die gescholten, die nicht konform gehen wollen. Aber, wieso sollten sie, wenn man es versäumt sie zu überzeugen, mit Zahlen und Erfolgen?
Natürlich, nicht gestorbene Tote kann man nicht zählen und mit ein bisschen Verstand rechnet man sich selbst aus, wie es ohne Maßnahmen aussehen würde.
Aber den Verstand höhlen gerade, dauernder Verzicht, ständige Maßregelung und Gleichschaltung der Sichtweise, die Basis aus. Denn der Verstand ist ein kritisches Tier und er lässt sich nicht gerne diktieren, was er für richtig halten soll. Das ist eben seine Neugier: es selbst herauszufinden.
Man stiehlt den Kindern Bildung und Sozialisierung, ja so kann man es auch formulieren. Und vielleicht ist Jobsicherheit und Kurzarbeitergeld allein nicht selig machend, wenn Sinn und Ausgleich verloren gehen. Ja und vielleicht retten wir, während wir ertrinken lassen; und setzen ein medizinisches Wissen und epidemiologisches Denken voraus, dass von denen gar nicht geleistet werden kann, die nicht wissen, wie das zu verstehen ist.
Es bräuchte also täglich nicht nur Drohung und Inzidenz, sondern auch Zeiträume und Verlässlichkeit. Das Fahren auf Sicht war vor einem Jahr zu verzeihen, jetzt wirkt es eher, wie ein Fahren ohne Fahrerlaubnis. Schon im Frühjahr waren sich die Fachleute klar: Pandemien kommen in 3 Wellen, damit sollten alle rechnen, dementsprechend wird das Bildungssystem, das Gesundheitssystem, die Freizeitgestaltung vorbereitet. Alles versäumt, alles zu heikel.
Und jetzt? Jetzt sind die Menschen müde, weil die Bevölkerung einen überragenden Job macht, der nicht gewürdigt wird, weil ihr kein Rahmen angeboten wird, der das To-Do ausmacht und die Schräge zu einem Weg Richtung Gipfel.
Der Krug geht so lange …, wie alt ist dieser Satz?

01/21 PGF

Burnout occurs when maximum stress is accompanied by minimal appreciation. When, despite repeated performance, neither visible nor articulated, a success of the effort is perceived.
And so, like a heavy evening, the next Corona measures sink over the land and there is no end to their time – as if the day would not come back – and there is also no thanks or a success message, for what has been achieved so far.
For this, those who do not want to conform are scolded. But, why should they, if you fail to convince them, with numbers and successes?
Of course, you can’t count the dead who haven’t died, and with a little bit of common sense you can calculate for yourself what it would look like if no measures were taken.
But the intellect hollows out straight, permanent renunciation, constant measure regulation and equalization of the view, the basis. Because the mind is a critical animal and it does not like to be dictated what it should consider right. That is just its curiosity: to find out for itself.
You steal education and socialization from the children, yes you can put it that way. And maybe job security and short-time allowance alone is not beatific if meaning and balance are lost. Yes, and maybe we save while we let drown; and presuppose a medical knowledge and epidemiological thinking that cannot be done at all by those who do not know how to understand.
So it would take daily not only threat and incidence, but time frames and reliability. Driving on sight was forgivable a year ago, now it seems more like driving without a license. Already in spring the experts were clear: pandemics come in 3 waves, everybody should expect that, accordingly the education system, the health system, the recreational system is prepared. Everything was missed, everything was too delicate.
And now? Now people are tired because the population is doing a superior job that is not appreciated, because it is not offered a framework that makes the to-do and the slope to a path towards the top.
The jug goes so long …, how old is this phrase?

01/21 PGF

3,2,1 … deins / 3,2,1 … yours

Also! Bitte in einer Reihe aufstellen! Nicht drängeln! Denken Sie an die Corona-Regeln. Jeder kann eines bekommen. (Na ja, nicht jeder, muss ja irgendwie zur ersten Million kommen).
Füllen Sie einfach das Formular unten aus.

So. Please line up in a row! Do not push! Remember the Corona rules. Everyone can get one. (Well, not everyone, gotta get to the first million somehow).
Just fill out the form below.

Damals / Once upon a time

Weißt du noch, damals im Corona-Winter,
wie einsam wir waren,
wie jedem der Mut und die Geduld ausging?
Wie wir mürbe wurden,
noch länger die Stille –
ja uns selbst zu ertragen?
Wie wir zurück wollten
zum Spiel,
nicht zum Sinn …

Was waren das für Tage?
Wir waren satt
und doch nicht froh,
wir fühlten uns frierend
in warmen Zimmern.
Wir fühlten was wir waren
und das war nicht viel.
Aber mit irgendwas
mussten wir ja beginnen.

01/21 PGF

Do you remember, back in the Corona winter,
how lonely we were,
how everyone ran out of courage and patience?
How we grew weary,
to bear the silence –
even ourselves?
How we wanted to go back
to the game
not to the sense …

What were those days?
We were full
and yet not happy,
we felt cold
in warm rooms.
We felt what we were
and that was not much.
But with something
we had to start.

01/21 PGF

So / So

So! Ich hoffe, ihr seid gut ins neue Jahr gestartet und nehmt die Stille der Welt ebenfalls eher, wie ein Geschenk, denn als Strafe.

Corona hat uns, auch bezüglich des Jahreswechsels bewusst gemacht, dass sich der Jahreswandel schlicht als kalendarische Spielerei darstellt, während die tief im Leben verborgenen Prozesse weitergehen, egal, ob wir 2020 oder 2021 sagen, wir könnten auch ab morgen 1. Semester ab Corona sagen und das Jahr aus 730 Tagen bestehen lassen, da sind wir vollkommen frei. Warum muss ein Jahr aus einer Sonnenumrundung bestehen? Alles willkürlich gewählt.

Aber – und darauf kommt es ja an – das Leben in Epochen zu teilen und nicht in einen endlosen Fluss, des ewig Gleichen, tut gut und es hebt die Stimmung, eine Epoche, als abgeschlossen zu betrachten und die nächste mit neuem Mut zu starten.
Da hier – schwerpunktmäßig – nur der Epochen-Anteil am Literarischen zur Sprache kommt, eine kleine Übersicht, damit ihr euch das in den Kalender eintragen könnt 🙂

* Die Probeleser-Exemplare sind im Anflug. Die ersten sind gebucht – ich sage nur Playstation 5, für alle zu spät Vorbesteller …
* Den 2. Fall von Joe habe ich bald abgeschlossen, vermutlich bis Mitte Januar.
* Und, wenn die Musen es großherzig mit mir meinen, werde ich einen 3. beginnen und den mehr oder weniger live hier vorstellen. (Könnt ihr im Kalender für den 9./10.1 vormerken 😉 )
* Ansonsten ist es gerade still, Innen und Außen, sodass dieser Blog, ähnlich wie die Welt draußen, blüten- und schneelos, im Grau liegen wird.

Ich wünsche einen gemütlichen Sonntag in die Runde
PGF

So! I hope you have started well into the new year and take the silence of the world also rather, like a gift, than as punishment.

Corona has made us aware, also concerning the change of the year, that the change of the year is simply a calendrical gimmick, while the processes hidden deep in life continue, no matter whether we say 2020 or 2021, we could also say from tomorrow 1st semester from Corona and let the year consist of 730 days, there we are completely free. Why does a year have to consist of one round around the sun? Everything arbitrarily chosen.

But – and this is what matters – to divide life into epochs and not into an endless flow of the eternally same, does good and it lifts the mood to consider one epoch as completed and to start the next one with new courage.
Since here – with emphasis – only the epoch portion of the literary comes up, a small overview, so you can mark it in the calendar 🙂

* The proof reader copies are inbound. The first ones are booked – I’ll just say Playstation 5, for all you late pre-orderers …
* I’ll have Joe’s 2nd case finished soon, probably by mid-January.
* And, if the muses are generous with me, I’ll start a 3rd one and present that one more or less live here. (You can mark your calendar for 9/10/1 😉 )
* Otherwise, it is just quiet, inside and outside, so that this blog, much like the world outside, blossom and snowless, will lie in the gray.

I wish a cozy Sunday in the round
PGF

In der Welt / In the world

Ich ging spät noch über den Pfad, der vom Haus wegführt, weil die Luft so frisch und die Wolken so edel waren, wie sie, golden beleuchtet von der tiefstehenden Sonne, am Horizont trieben. Ein Schwarm Krähen kreiste am Himmel und krächzte sein dunkles Lied vom Vergehen und dem Leichenschmaus.
Das Jahr war noch jung, rosig und unbefleckt, wie ein Neugeborenes, aber vor ihm breitet sich das Leben aus, wie eine Flut, in der alles versinkt, was sich nicht an ferne Ufer rettet.
Mir aber waren die Schritte und die Gedanken leicht, weil ich wusste, dass die Welt nicht besser würde, wenn ich sie mit meinen Gedanken beschwerte. Ich sehnte mich nach Himmel über mir, der sich ausbreitet, wie die grenzenlose Weltseele und feuchter Erde unter mir, in der das Leben freudig auf den Frühling wartet und schon träumt von roten Mohnblüten, die sich im Wind wiegen und prallen Äpfeln, die in der Sonne glänzen.
Ich lief meine übliche Strecke, ein kleines Rund zwischen leeren Maisfeldern und einer weitläufigen Koppel, auf der die jungen Pferde um die Wette galoppieren, wenn der Sommer auf der Welt liegt. Entlang der alten Gleiße, auf denen kein Zug mehr fährt und den Wall entlang, hinter dem das Südland liegt und das Gebirge, welches auf dem Weg dorthin, überwunden werden will.
Während ich lief, dachte ich vieles. Ich dachte an dich und schüttelte den Kopf über mich, weil ich ein Narr bin. Ich dachte an meine Aufgaben und meine Pflichten und fragte mich wohin ich wollte und wie weit ich, beim besten Willen, überhaupt kommen konnte. Und bettete meine Gedanken ein, in diese Welt und diese Dämmerung, vor denen mein Denken und Fühlen und Wollen bestehen mussten.
Als ich Heim kehrte, glänzten die Laternen bereits, gelb im Abendnebel und unter ihrem warmen Licht ging ich zufrieden nach Hause. Weit war ich schon, manche Zeit, in die Welt entlaufen, nicht immer wissend, wohin ich zurückkehren würde, aber an diesem Abend und in dieser Zeit, wusste ich wo mein Platz war – in dieser wundersamen Welt.

01/21 PGF

I walked late along the path leading away from the house because the air was so fresh and the clouds so noble as they drifted along the horizon, illuminated golden by the low sun. A flock of crows circled in the sky, cawing their dark song of passing and corpse feasting.
The year was still young, rosy and unsullied, like a newborn, but before it life spread out like a flood in which everything sinks that does not save itself on distant shores.
But my steps and thoughts were light, because I knew that the world would not be better if I weighed it down with my thoughts. I longed for sky above me, spreading out like the boundless world soul and moist earth below me, where life joyfully waits for spring and already dreams of red poppies swaying in the wind and plump apples shining in the sun.
I ran my usual route, a small round between empty cornfields and a spacious paddock where the young horses gallop in a race when summer is upon the world. Along the old gully, on which no train runs any more, and along the rampart, behind which lies the Southland and the mountains, which on the way there, want to be overcome.
As I walked, I thought many things. I thought of you and shook my head at myself for being a fool. I thought of my tasks and my duties and wondered where I was going and how far, with the best will in the world, I could possibly get. And embedded my thoughts, in this world and this twilight, before which my thinking and feeling and wanting had to exist.
When I returned home, the lanterns were already shining, yellow in the evening mist, and under their warm light I went home satisfied. Far I had already, many a time, escaped into the world, not always knowing where I would return, but that evening and in that time, I knew where my place was – in this wondrous world.

01/21

Metaebene und etwas mehr / Meta level and something more: Rundgang / Round

Auch, wenn die Geschichte, eher aus Versehen entstanden ist, will ich das liebgewonnene Ritual nicht versäumen und die Zahlen zum Text präsentieren. Die Zahlen stammen nur vom Zeilenportal:

Jeder Beitrag hatte 11 bis 39 Besucher
Die Zahl der Likes schwankte zwischen 11 und 24
Die Zahl der Worte, pro Beitrag, lag bei etwa 500. Es waren 9 Kapitel in 9 Beiträgen.
Der Überarbeitungslevel lag wieder bei 2, also niedrig.
Ich schrieb die Texte, auf wenig Grundlage, am Tag der Veröffentlichung.
Der Hidden Point kam nie in Frage, weil ich wusste, dass die Kurzgeschichte eine kurze Geschichte wird 🙂 .

Hintergründe:
Tatsächlich wollte ich eigentlich nur eine Szene, ein Stimmungsbild gestalten. Aber dann kam die Idee mit dem Schmetterlingsgeschöpf und der Zuruf und da dachte ich: „Sind ja gerade Feiertage“, da kann man auch an zwei Geschichten schreiben. Denn im Hintergrund habe ich tapfer weiter am nächsten Fall von Joe gearbeitet. „Rundgang“ habe ich vor allem nach dem Prinzip des Gegensteuerns geschrieben: wenn sie mir zu lieblich wurde, mit der Frage: Welche Wendung wäre herb? Und, wenn sie zu bitter wurde, mit der Frage: Was wäre schön?

Fazit:

Lowlights:
Nichts! Keine Erwartung, keine Enttäuschung.

Highlights:
– Die Rückmeldungen die ich zur Geschichte bekam.
– Der SchwippSchwapp-Moment zwischen literaturfrey und zeilenportal
– Dass ich den Plot geschlossen bekam

Ich sage wieder: Herzlichen Dank für euer Aufmerksamkeit!

Und gebe schon mal einen kleinen Ausblick auf die literarische Befindlichkeit.

Auf der Frustseite stand am Ende dieses Jahres:
– Zu viel liebloses Gelike
– Von Sympathie kann man sich keine Brötchen kaufen
– Es ist alles zu viel.

Auf der Lustseite stand:
– Es macht Spaß Geschichten zu entwickeln, während sie gelesen (Auch, wenn niemand den Mega-Plotfehler beim „Ältesten“ bemerkt hat 😉 )
– Ein Buch geht auf Reisen („Alphavirus“) hat mich echt demütig gemacht: „Sei mal nicht so anspruchsvoll. Guck mal, wie gelesen und kommentiert wird.“
– Kreativität ist frei und entfaltet sich dann am Besten, wenn sie Ergebnis und Buchhaltung anderen überlässt.

Und so wird das Konstrukt:
Zeilenportal bleibt und bleibt Hauptblog und literaturfrey kann parallel bestehen.
Ich werden meine Texte – so mir welche einfallen – und meine Geschichten – so mir welche einfallen, hier zum lesen anbieten, solange es den Lesenden und dem Schreibenden Spaß macht. Wenn das nicht mehr so ist oder, wenn die Zeit und die Kraft und die Lust frisst, dann mache ich den Laden dicht, ohne großes Pipapu und schreibe wieder weiter im Stillen.

Für dieses Jahr sage ich: Danke an allen die mich unterstützt haben und mir das Gefühl gaben: Weitermachen! Weitermachen! Weitermachen!
Das ist ein tolles Gefühl.

Habt einen guten Start ins neue Jahr!
PGF

Even if the story startet, rather by accident, I do not want to miss the cherished ritual and present the numbers to the text. The numbers come only from the „zeilenportal“:

Each post had 11 to 39 visitors
The number of likes varied between 11 and 24
The number of words, per post, was around 500. There were 9 chapters in 9 posts.
The revision level was again 2, so low.
I wrote the texts, on little basis, on the day of publication.
The Hidden Point was never an option, because I knew the short story would be a short story 🙂 .

Backgrounds:
In fact, I really just wanted to create a scene, a mood piece. But then came the idea with the butterfly creature and the acclamation and then I thought: „It´s holidays“, there you can also write one or two stories. Because in the background, I bravely kept working on Joe’s next case. I wrote „Rundgang“ primarily on the principle of countering it: if it became too sweet for me, with the question: which twist would be bitter? And, when it became too bitter, with the question: what would be nice?

Conclusion:

Lowlights:
Nothing! No expectation, no disappointment.

Highlights:
– The feedback I got on the story.
– The SchwippSchwapp moment between literaturfrey and zeilenportal
– That I got the plot closed

I say again: Thank you very much for your attention!

And I give you a little preview of the literary state of mind.

On the frustration side stood at the end of this year:
– Too much loveless likes
– You can’t buy bread from sympathy
– It’s all too much.

On the pleasure side it said:
– It’s fun to develop stories while someone is reading them (Even if nobody noticed the mega-plot error with the „oldest“ 😉 )
– One book goes on the road („Alphavirus“) really humbled me: „Don’t be so demanding. See how people read and comment.“
– Creativity is free and unfolds best when it leaves result and accounting to others.

And so the construct:
Zeilenportal remains and will remain main blog and literaturfrey can exist in parallel.
I will offer my texts – if I can think of any – and my stories – if I can think of any – here for reading, as long as it is fun for the reader and the writer. If that is no longer so or if the time and the strength eat the desire, then I close the store, without big Pipapu and write again in silence.

For this year I say: Thanks to all who supported me and gave me the feeling: Keep going! Keep going! Keep going!
That is a great feeling.

Have a good start into the new year!
PGF

Rundgang / Round (9)

9.
Ich weiß nicht, wie lange ich auf dem Weg stand. Jedenfalls senkte sich die Sonne im Westen zum Horizont, als ich wieder zu mir kam und von meinen Füßen stieg mir die Kälte bis in die Schenkel.
Ich sah mich um und einen Moment, dachte ich die Schmetterlingsfrau sei verschwunden. Aber das war sie nicht. Sie hielt nur ein wenig Abstand von mir und sie wirkte etwas blasser, als seien ihre Farben plötzlich aus Pastell.
Ich rief nicht nach ihr, sondern trottete los und erreichte noch ehe der Abend dämmerte meine Hütte.
Ich fühlte mich seltsam, als wäre mir ein Wirbel eingerenkt worden oder, als hätte ich eine Wunde versorgt, die noch da war, aber nun heilen konnte.
Ich war froh heim zu kommen und ich war froh, den Abend für mich zu haben, aber ich war auch froh nicht allein zu sein, denn die Schmetterlingsfrau war mir in etwas Abstand gefolgt.
Vermutlich würde ich in den nächsten Wochen, öfter mal ins Dorf gehen. Es war doch nicht schlecht, manchmal mit anderen zu reden und ein bisschen mehr zu sehen von der Welt.
Als ich die Tür zu meiner Hütte öffnete, blieb die Schmetterlingsfrau zurück.
„Was ist los? Habe ich dich erschreckt?“
Sie umkreiste mich elegant.
„Nein, dass hast du nicht. Aber es ist Zeit für den Abschied.“
Das verstand ich nicht.
„Aber wieso? Jetzt sehe ich doch wieder klar. Weshalb willst du gehen?“
„Weil du mich nicht mehr brauchst, du brauchst Menschen. Das ist gut. Und, wenn ich zurück will, muss ich die heutige Nacht nutzen. Es ist Vollmond und der Vollmond ist wie ein Tor zwischen den Welten. Heute Nacht steht es vollständig offen und ich will hindurch schlüpfen ehe es sich langsam wieder schließt.“
Ich war enttäuscht.
„Aber ich dachte du bleibst noch. Ich dachte“.
„Das ich hier mit dir leben kann? Nein, in seiner Fantasie kann keiner leben. Dafür ist sie nicht gemacht.“
Ich nickte. Schob die Tür ganz auf und ging in meine Hütte, ohne mich nochmals umzusehen.
Als es endgültig dunkel draußen war, entschloss ich mich, noch eine Runde zu drehen. Ich zog meine Stiefel an und den Mantel über und ging nach draußen.
Hoch über meiner Hütte stand der Vollmond, strahlend und klar. Keine Wolke in der Nähe.
Komm gut zurück in deine Welt, dachte ich.
Ich lief los und kontrollierte zuerst, ob der Schuppen mit dem Feuerholz verriegelt war. Es war alles in Ordnung. Und, wenn jemand fror, dann konnte er klopfen, in meiner Hütte war Platz für zwei oder auch drei, wenn nötig. Es waren unruhige Zeiten, das musste man zusammenrücken, damit jeder etwas haben konnte, wenn die Dinge knapp wurden. Nicht jeder dachte rechtzeitig daran, für ein Dach über dem Kopf, einen satten Magen und gesunde Glieder zu sorgen. Es war schön, für jemand da sein zu können.
Ich setzte meinen Rundgang fort und erreichte den Hühnerstall. Ich rüttelte fest an der Tür und sie hielt. Pech für den Fuchs, Glück für die Hühner.
Jetzt musste ich nur noch die Rückseite des Hauses kontrollieren, dann konnte ich zurück in meine Hütte und an den warmen Ofen. Ich würde meine Füße gegen die Wärme strecken und vielleicht, ja vielleicht, sogar einen Becher warmes Honigwasser trinken.

Ende

12/20 PGF

9.
I don’t know how long I stood on the path. Anyway, the sun was sinking to the horizon in the west when I regained consciousness and from my feet the cold went up to my thighs.
I looked around and for a moment, I thought the butterfly woman had disappeared. But she wasn’t. She just kept a little distance from me and she seemed a little paler, as if her colors were suddenly made of pastel.
I didn’t call out to her, but trotted off and reached my hut before the evening dawned.
I felt strange, as if a vertebra had been put back in place, or as if I had tended to a wound that was still there but could now heal.
I was glad to get home and I was glad to have the evening to myself, but I was also glad not to be alone, because the butterfly woman had followed me at some distance.
Probably in the next few weeks, I would go to the village more often. It wasn’t bad to talk to others sometimes and see a little more of the world.
When I opened the door to my hut, the butterfly woman stayed behind.
„What’s the matter? Did I scare you?“
She circled me elegantly.
„No, you didn’t. But it’s time to say goodbye.“
I didn’t understand.
„But why? I can see clearly now, can’t I? Why do you want to leave?“
„Because you don’t need me anymore, you need people. That’s good. And, if I want to go back, I have to use tonight. It’s a full moon and the full moon is like a gateway between worlds. Tonight it’s completely open and I want to slip through before it slowly closes again.“
I was disappointed.
„But I thought you were staying. I thought.“
„That I could live here with you? No, no one can live in his fantasy. It’s not made for that.“
I nodded. Slid the door all the way open and went into my cabin without looking back again.
When it was finally dark outside, I decided to go for another walk. I put on my boots and coat and went outside.
High above my cabin was the full moon, brilliant and clear. Not a cloud around.
Come back to your world well, I thought.
I walked off, first checking to see if the shed with the firewood was locked. Everything was in order. And, if someone was cold, he could knock, there was room in my hut for two or even three if necessary. It was troubled times, that had to move together so that everyone could have something when things got scarce. Not everyone thought in time to provide a roof over their heads, a full stomach and healthy limbs. It was nice to be able to be there for someone.
I continued my walk and reached the chicken coop. I shook the door firmly and it held. Bad luck for the fox, good luck for the chickens.
Now all I had to do was check the back of the house, then I could get back to my cabin and the warm stove. I would stretch my feet against the warmth and maybe, yes maybe, even drink a cup of warm honey water.

End

12/20 PGF