Von Gestra zu Astra

Ne! Nicht der Opel, sondern zum Impfstoff. Denn: Ich bin durch, mit dem 1. Picks und da ich hier, immer mal von der Corona-Front berichte, ein kleiner Einblick.

Mir scheint die Impfung ist, für die Jungen ( 40).
Ich jedenfalls, hatte mit der Impfung keine Probleme, obwohl mein Nachttisch gerüstet war, um eine Kompanie Impfreagierender zu versorgen.
Nix ist passiert.
Am Tag danach, also heute, hat mir der Arm ein bisschen weh getan (Einstichstelle). Ich hatte leichte Kopfschmerzen (bei Föhnlage) und am Ende des Arbeitstages war ich platt. Bis dahin hielt ich aber, einen ambitionierten Arbeitstag durch.
Medi´s habe ich keine eingenommen, hatte sie aber parat.
Nach der Impfung habe ich mich geschont, viel getrunken und einiges an Entspannungsübungen gemacht.

Das sagt nun nix, über den Grad der Immunisierung und das sagt auch nix, ob ich irgendwelche Spätfolgen zu befürchten habe (gut manchmal habe ich das Bedürfnis nach Fellpflege, aber das wird schon passen 😉 )
In Abwägung von gesellschaftlicher Gewinn vs. persönlicher Skepsis, habe ich mich für das Erste entschieden. Nicht wegen der Alten, sondern damit unsere Kinder und Jugendlichen irgendwann ihr Recht auf Leben, auf Bildung und auch auf Abenteuer zurückbekommen. An denen ist, eine zunehmend verfehlte Corona-Politik völlig vorbeigegangen.
Wer zweifelt: Trau dich!

Habt einen schönen Abend (Demnächst folgt die Metaebene zu Gestra)

PGF

Ne! Not the Opel, but to the vaccine. Because: I am through, with the 1st picks and since I report here, always times from the Corona front, a little insight.

It seems to me the vaccination is, for the young ( 40).
I for one, had no problems with vaccination, although my bedside table was rigged to take care of a company of vaccine responders.
Nothing happened.
The day after, today, my arm hurt a bit (injection site). I had a slight headache and at the end of the working day I was flat. Until then, however, I held out, an ambitious workday.
I didn’t take any meds, but I had them on hand.
After the vaccination I took it easy, drank a lot and did some relaxation exercises.

That says now nothing, about the degree of immunization and that says also nothing, whether I have to fear any late consequences (well sometimes I have the need for fur care, but that will fit 😉 )
Weighing societal gain vs personal skepticism, I went with the former. Not because of the elderly, but so that our children and young people will eventually get back their right to life, to education, and also to adventure. To them, an increasingly misguided Corona policy has completely passed.
Who doubts: Dare!

Have a nice evening (Coming soon: the meta-level to Gestra)

PGF

Gestra (50)

50.

Jez hatte mir, als wir uns kennenlernten, erzählt, wäre ich in die andere Richtung gelaufen, wäre ich statt bei ihr vorbei zu kommen, auf Billys Tankstelle gestoßen und der hätte mich vermutlich nach Sanford gebracht, damit ich dort, eine Möglichkeit zum Weiterfahren finde.
Deshalb lief ich nun, wie betäubt, weg vom Starfield Observatory, in Richtung des Straßengrabens, indem ich mein Auto zurückgelassen hatte und versuchte zu verstehen, was ich in den letzten Stunden erlebt hatte.
Gestras Zerfall hatte sich immer stärker beschleunigt, wie bei einem Menschen, der vom Krebs zerfressen ist und den man in wenigen Tagen zerfallen sieht, nur war Gestra in kaum einer Stunde zerfallen, während sich unser Dialog bizarrer Weise immer weiter fortgesetzt hatte. Erst ganz am Schluss, als nur noch ein dunkler Fleck auf dem Waldboden zurückblieb, der mich an nasse Asche erinnerte, war unser Austausch verstummt.
Eines der letzten Dinge, die ich gehört hatte war: »Nimm etwas von dem was von mir bleibt und gib es Jez. Sie muss es in sich aufnehmen.«
Ich verstand das erst, als Gestras Stimme, in meinem Kopf verstummte. Jetzt wusste ich, dass ich von der schwarzen Asche nehmen sollte, die zurückgeblieben war.
Ich nahm von einer Buche in der Nähe ein größeres Blatt und wickelte etwas, von der Asche, darin ein.
Dann kümmerte ich mich um Rykens Leiche.
Mit kaum erträglichem Ekel zerrte ich Samuel von dem Findling, auf dem Gestra ihn untersucht hatte und zog ihn in ein Waldstück abseits der Lichtung. Dort vergrub ich ihn, mit bloßen Händen, ohne Stein und ohne Kreuz und, wenn man ihn fand und mir die Schuld geben würde, dann würde ich damit leben.
Als sein Körper, besser das was davon übrig war, mit einer Schicht Erde und vielen Blätter bedeckt war, machte ich mich auf den Weg Richtung Straße.
Während ich lief, versuchte ich mir klar zu werden, was ich als nächstes tun wollte. Ich hoffte, dass Jez noch lebte. Meine Hoffnung war nicht unbegründet, denn warum sonst hätte Gestra mir für sie ein Gegenmittel geben sollen. Als letzte Bosheit?
Nein, Gestra war nicht böse gewesen, es war Leben in Entwicklung. Im Werden lag immer Verfehlen, und Sein erfüllte sich erst mit der Vollendung. Gestra hatte, zum Ende hin nichts Zerstörerisches mehr im Sinn: aus dem Dämon war ein Engel geworden, aus der Bestie ein Geschöpf.
Ich erreichte Sanford weit nach Mittag und da ich, als ich Jez ins Hospital brachte, selbst gefahren war, fand ich die kleine Klinik, ohne Probleme.
Die Schwester, die uns aufgenommen hatte, sah mich etwas irritiert an, wie ich mit Waldboden an den Händen, verschwitzt und in einem abgetragenen blauen Overall den Eingangsbereich betrat.
Aber etwas anderes schien sie mehr zu beschäftigen.
»Wir hätten Sie früher erwartet.« Bemerkte sie spitz.
Und ich erwiderte trocken: »Musste noch ein Monster im Wald vergraben.«
Was mir ein schnippisches Lächeln einbrachte.
»Kann ich sie sehen?«
»Ja, wenn Sie die Hände gewaschen haben. Aber es geht ihr nicht gut. Seien Sie vorbereitet. Der Doc sagt, wenn es morgen nicht besser ist, muss er sie nach Portland verlegen.«
Sie streckte den Arm aus.
»Da hinten ist ein Badezimmer.«
Ich wusch mir, wie gefordert, die Hände und Unterarme und ging zurück zum Empfang. Die Schwester brachte mich, in eines der drei Krankenzimmer, über welche die kleine Klinik in Sanford verfügte.
Jez lag, wie schlafend, gut zu gedeckt in einem Krankenbett und an ihrer Nase sprudelte ein kleiner Plastikschlauch Sauerstoff in ihre Nasenflügel. Sie war nicht beatmet, aber sie war nicht weit davon entfernt. Der Monitor, an den sie angeschlossen war, zeigte mir bunte Zahlen und Kurven die ich nicht verstand, aber da es immer wieder piepste und die Schwester mit einem nachdenklichen Blick den Alarm wegdrückte, ging ich davon aus, dass sie nicht besonders gut waren. Wie Lottozahlen, von denen keine einzige zum Gewinn gehört.
»Könnte ich?« Fragte ich, mit sanftem Blick.
»Einen Moment.« Erlaubte mir die Schwester und ließ uns allein.
Ich ging zu Jez und strich ihr übers Haar und sie schnaufte einmal etwas lauter. Ich betrachtete sie und wusste, ich würde ihr das alles nicht erklären können, was geschehen war. Für sie würde Gestra eine seltsame Giftpflanze bleiben und Ryken ein Agent, der seine Mission erfüllt hatte. Von mir würde sie vermutlich denken, dass ich ein unzuverlässiger Säufer war, der sich doch für das Glas, statt für die Freundschaft entschieden hatte. Aber es war nicht mein Schicksal hier zu bleiben und alt zu werden und zuvor alles erklären zu müssen.
Ich nahm das Blatt, aus der Tasche des Overalls, indem ich etwas von Gestras Resten gesammelt hatte. Nahm etwas davon auf den Finger und rieb es vorsichtig, auf die Innenseite von Jez Wange. Sie reagierte. Sie schmatzte und schluckte die schwarze Paste, mit einem Schluck Speichel hinunter.
Es schmeckte wohl bitter. Sie schlug die Augen kurz auf und sah mich an. Ich fasste ihre Hand und drückte sie.
Sie betrachtete mich, als wäre ich ein seltsames Element, in dem seltsamen Traum, den sie träumte.
»Werde wieder gesund.« Bat ich, küsste sie sanft auf die Stirn.
Sie schloss die Augen und wirkte, als würde sie friedlich schlafen. Ich ging.
Ich verließ Kennebunk am gleichen Tag und vermutlich kehre ich nie mehr zurück. Aber jeden Abend sehe ich kurz zum Himmel und hoffe zufällig Zeuge zu werden, wie im Sternbild Schwan aus KIC 982227 plötzlich 2 Sterne werden. Es passiert ja, so unglaublich vieles da oben, von dem wir keinen blassen Schimmer haben.

Ende

02/21 PGF

50.

Jez had told me when we met that if I had gone the other way, instead of passing her, I would have come across Billy’s gas station and he would probably have taken me to Sanford to find a way to continue.
So now, in a daze, I walked away from Starfield Observatory, toward the ditch where I had left my car, trying to make sense of what I had experienced in the last few hours.
Gestra’s decay had accelerated more and more, like a person eaten away by cancer that you see decaying in a few days, only Gestra had decayed in barely an hour, while our dialogue had bizarrely gone on and on. It wasn’t until the very end, when only a dark stain remained on the forest floor that reminded me of wet ashes, that our exchange had fallen silent.
One of the last things I had heard was, „Take some of what’s left of me and give it to Jez, she needs to take it in.“
I didn’t understand that until Gestra’s voice, in my head went silent. Now I knew I should take from the black ash that was left behind.
I took a bigger leaf from a beech nearby and wrapped some, of the ash, in it.
Then I took care of Ryken’s body.
With barely tolerable disgust, I dragged Samuel from the boulder where Gestra had examined him and pulled him into a patch of woods away from the clearing. There I buried him, barehanded, without stone or cross and, if he was found and blamed on me, I would live with it.
When his body, or better what was left of it, was covered with a layer of earth and many leaves, I set off in the direction of the road.
As I walked, I tried to figure out what I wanted to do next. I hoped Jez was still alive. My hope was not unfounded, because why else would Gestra have given me an antidote for her. As a final malice?
No, Gestra had not been evil, it was life in development. In becoming there was always missing and being fulfilled only with the completion. Gestra had, towards the end, nothing destructive in mind: the demon had become an angel, the beast a creature.
I reached Sanford well after noon, and since when I took Jez to the hospital I had driven myself, I found the little clinic, without any problems.
The nurse who had admitted us looked at me with some irritation as I entered the entrance area with forest floor on my hands, sweaty and wearing a worn blue jumpsuit.
But something else seemed to concern her more.
„We would have expected you earlier.“ She remarked pointedly.
And I replied dryly, „Had to bury another monster in the woods.“
Which earned me a snarky smile.
„Can I see her?“
„Yes, if you’ve washed your hands. But she’s not doing well. Be prepared. Doc says if she’s not better tomorrow, he’ll have to move her to Portland.“
She held out her arm.
„There’s a bathroom back there.“
I washed my hands and forearms, as requested, and went back to the front desk. The nurse took me, to one of the three hospital rooms the small Sanford clinic had.
Jez was lying, asleep, well covered in a hospital bed with a small plastic tube bubbling oxygen into her nostrils. She wasn’t ventilated, but she wasn’t far from it. The monitor she was hooked up to showed me colorful numbers and curves I didn’t understand, but since it kept beeping and the nurse kept pushing the alarm away with a thoughtful look, I assumed they weren’t very good. Like lottery numbers, none of which are part of winning.
„Could I?“ I asked, with a gentle look.
„One moment.“ Allowed me the nurse and left us alone.
I walked over to Jez and stroked her hair and she gasped a little louder once. I looked at her and knew I would not be able to explain to her all that had happened. To her, Gestra would remain a strange poisonous plant and Ryken an agent who had accomplished his mission. Of me, she would probably think that I was an unreliable drunk who had chosen the glass over friendship after all. But it was not my destiny to stay here and grow old and have to explain everything beforehand.
I took the leaf, from the pocket of the overall, by collecting some of Gestra’s leftovers. I took some of it on my finger and rubbed it gently on the inside of Jez’s cheek. She reacted. She smacked and swallowed the black paste, with a gulp of saliva.
It tasted bitter, I guess. She opened her eyes briefly and looked at me. I grabbed her hand and squeezed it.
She looked at me as if I were a strange element, in the strange dream she was dreaming.
„Get well.“ I asked, kissing her gently on the forehead.
She closed her eyes and looked like she was sleeping peacefully. I left.
I left Kennebunk the same day, and I’ll probably never go back. But every evening I look briefly at the sky and hope by chance to witness how in the constellation Swan KIC 982227 suddenly becomes 2 stars. It happens yes, so unbelievably much there above, of which we have no clue.

End

02/21 PGF

Gestra (49)

49.

Als ich wach wurde, nahm ich einen vertrauten Duft wahr. Es roch nach dem Parfüm von Beth. Wie hatte es geheißen? Ma vie? Aber es war nicht nur ein Duft den ich roch, es waren viele: es roch auch, wie früh im Frühling, nach jungem Gras erdig und frisch, es roch, nach dem Salz, dass man in der Brandung auf den Lippen schmeckt, es roch nach Kerzendocht auf einem Adventskranz, nach Schweiß im Liebesspiel. Mir war, als hätte man mir einen Eimer Pheromone übergeschüttet, mir war, als wäre ich frisch verliebt.
Ich schlug die Augen auf und sah blinzelnd, in das weiche Licht der frühen Morgensonne. Ich sah mich um, begriff wo ich war, prüfte, ob ich meine Arme bewegen konnte, meine Beine, meinen Kopf drehen. Ja, das ging alles. Gestra hatte mich losgelassen. Es hielt mich nicht mehr, in seinem unsichtbaren Bann, aber das war auch nicht nötig, denn ich fühlte eine mir unerklärliche, tiefe Liebe zu Gestra, wie man manchmal den falschen Menschen liebt, aber nichts dagegen tun kann, weil es das Schicksal ist, dass sich austobt. Ich fühlte eine unmittelbare Sehnsucht nach Gestra, nach dem Gefühl, welches ich gestern empfunden hatte, als ich das Bewusstsein verlor. Ich hatte eine Idee von der menschlichen Seele gefühlt, ich hatte gefühlt, dass ein Menschsein in mir ruhte, welches nicht aus Whiskey trinken bestand. Aber ich hatte auch gefühlt, dass ich noch nicht so weit war, dass ich von diesem Gefühl nur kosten durfte, dass es mich mutig und hungrig und sehnsüchtig machen sollte, irgendwann dort hin zu kommen.
Ich setzte mich und erschrak vor dem was mir gegenübersaß: eine in sich zusammen gesunkene Gestalt, die mehr nach einem Schatten, als nach einem Menschen aussah, obwohl die Farben ihres Körpers im Sonnenlicht hätten funkeln müssen. Aber die Gestalt mir gegenüber funkelte nicht. Sie welkte oder verglühte, sie verbrannte, verdorrt, verklang, verhungerte, verzweifelte körperlich.
»Gestra?« Fragte ich, weil mir nichts anderes einfiel, um das Geschöpf anzusprechen.
Gestra bewegte sich nicht. Es verharrte, als hätte es Kraft und Elan verloren. Wie ein sterbendes Geschöpf saß es da, nur noch mit dem ein und aus, des Atmens beschäftigt.
»Joe«, klang es in meinem Kopf von weit her. »Du bist noch rechtzeitig wach geworden.«
»Was geschieht mit dir?«
»Ich schwinde.« Hörte ich kraftlos die Antwort. »Ich kehre zurück, dorthin, wo alle Dinge beginnen, woraus alle Dinge sich entfalten.«
Das verstand ich nicht. Ich hatte Gestra, mit der nächsten Verwandlung auf dem Höhepunkt gedacht und nicht im Niedergang.
»Aber du bist doch erst Mensch geworden.« Widersprach ich naiv.
»Glaubst du, dass ist die höchste Stufe, des Seins?«
»Auf der Erde schon. Ich meine etwas klüger, als ein Pilz oder eine Moosflechte sind wir vermutlich.«
»Glaubst du erst mit euch beginnt das Bewusstsein?«
»Vermutlich schon. Ich habe mich jedenfalls noch mit keiner Sonnenblume unterhalten.«
»Aber, das kann ja auch an dir liegen. Vielleicht hörst du nicht gut hin. Wenn es in der Zelle kein Bewusstsein gibt, wie soll daraus ein funktionierender, komplexer Organismus entstehen? Vielleicht ist es nur kein Bewusstsein, dass in einem Ich gebunden ist.«
Der Gedanke löste etwas in mir aus. Etwas was mich an den Abend zuvor erinnerte, dieses wohlige Gefühl einer höheren Form der menschlichen Seele. Etwas was diesem Universellen näher war, als ich es in diesem Moment sein konnte.
Die Gestalt, zu der Gestra sich zusammengekrümmt hatte, gab ein knirschendes Geräusch von sich und rutschte tiefer in sich zusammen, wie ein Lagerfeuer, dass nach und nach zusammenfällt und obwohl ihm zunehmend die Form verloren ging, schien sein Bewusstsein nicht verloren.
»Ich habe dir ein Geschenk versprochen.« Erinnerte mich Gestra.
Mir fiel ein, wie heftig ich abgelehnt hatte. Diese Ablehnung war ganz verschwunden, als hätte es weder den Sheriff noch Samuel getötet.
»Das hast du.«
»Dann ist jetzt Zeit dir zu erklären, was du tun musst, um deine Freundin zu retten. Ich schenke dir ihr Leben, weil ich dir so viel nehmen musste. Lausche mir.«

02/21 PGF

49.

When I woke up, I noticed a familiar scent. It smelled like Beth’s perfume. What had it been called? Ma vie? But it wasn’t just one scent I smelled, there were many: it also smelled, like early spring, of young grass earthy and fresh, it smelled, like the salt you taste on your lips in the surf, it smelled like candle wick on an Advent wreath, like sweat in lovemaking. I felt as if a bucket of pheromones had been poured over me, I felt as if I were newly in love.
I opened my eyes and blinked, looking into the soft light of the early morning sun. I looked around, realized where I was, checked if I could move my arms, my legs, turn my head. Yes, I could do all that. Gestra had let me go. It no longer held me, in its invisible spell, but that was not necessary, because I felt an inexplicable, deep love for Gestra, like one sometimes loves the wrong person, but can do nothing about it, because it is fate acting out. I felt an immediate longing for Gestra, for the feeling I had felt yesterday when I lost consciousness. I had felt an idea of the human soul, I had felt that a humanity rested within me that did not consist of drinking whiskey. But I had also felt that I wasn’t there yet, that I was only allowed a taste of that feeling, that it should make me brave and hungry and yearning to get there someday.
I sat down and was startled by what sat across from me: a slumped figure that looked more like a shadow than a person, though the colors of its body should have sparkled in the sunlight. But the figure opposite me did not sparkle. It wilted or burned up, it burned, withered, faded, starved, despaired physically.
„Gestra?“ I asked, because I could think of nothing else to say to the creature.
Gestra did not move. It paused as if it had lost strength and vigor. Like a dying creature, it sat there, preoccupied only with the in and out, of breathing.
„Joe,“ it sounded in my head from far away. „You woke up just in time.“
„What’s happening to you?“
„I’m fading.“ I heard powerlessly the answer. „I am returning to where all things begin, from where all things unfold.“
I didn’t understand. I had thought Gestra, with the next transformation at its peak, not in decline.
„But you have only become human.“ I objected naively.
„Do you think that is the highest level, of being?“
„On earth it is. I mean something smarter, than a mushroom or a moss lichen we are probably.“
„Do you think consciousness only begins with you?“
„I suppose so. Anyway, I haven’t had a conversation with a sunflower yet.“
„But, that may be up to you. Maybe you don’t listen well. If there’s no consciousness in the cell, how is it going to make a functioning, complex organism? Maybe it’s just not consciousness bound up in an ego.“
The thought triggered something in me. Something that reminded me of the night before, that comforting feeling of a higher form of the human soul. Something that was closer to this universal than I could be at that moment.
The figure Gestra had curled up into made a crunching sound and slid deeper into itself, like a campfire gradually collapsing, and although he was increasingly losing form, his consciousness did not seem lost.
„I promised you a gift.“ Gestra reminded me.
I remembered how vehemently I had refused. That rejection had disappeared altogether, as if it hadn’t killed the sheriff or Samuel.
„You did.“
„Then now is the time to explain to you what you must do to save your friend. I’m giving you her life because I had to take so much from you. Listen to me.“

02/21 PGF

Gestra (48)

48.

Ich kam nicht weit. Ich weiß nicht, was Gestra mit mir machte, aber ich konnte mich ihm nicht weiter nähern, als auf zwei Schritte.
Dann war Schluss und ich stand in einem Feld, aus welchem ich mich nicht vorwärts und nicht rückwärts bewegen konnte.
Ich konnte mich umsehen und ich sah, dass die Nacht sich über den Wald senkte.
Okay, dachte ich, dass wird jetzt so vergnüglich, wie es für eine Fliege vergnüglich ist, auf die Spinne zu warten, in deren Netz sie sich verfangen hatte.
Nur, dass meine Spinne sprach.
Ich hörte es ganz deutlich, wie von Gestra der Satz ausging: »Hab keine Angst. Ich weiß was ich wissen musste. Mein Hunger ist gestillt.«
»Du verdammtes Mistding, hast meinen Freund umgebracht. Was zur Hölle?«
»Ich habe ihn absorbiert, Joe. Er ist nun ein Teil von mir. Er ist zurückgekehrt, dorthin, von wo alles kommt.«
Ich wehrte mich gegen diesen Gedanken. Ich wehrte mich dagegen, wie ich mich mein Leben lang gegen einen Gott gewehrt hatte, der Krebs, Pädophile und Krieg hervorbringt.
»Du hast ihn gefressen!« Warf ich Gestra entgegen.
Es betrachtete mich und ich bemerkte, dass seine seltsame Silikonhaut, wie weiches Wachs seine Form zu verlieren begann.
»Das war nötig an diesem Punkt. Wie in jeder Entwicklung, alles nötig ist, das geschieht. Alles worum du heute glücklich bist, hat einen dunklen Grund, aus dem es herausgewachsen ist. Viele starben, damit du leben kannst, wie du es tust. Ich durchlief in dieser kurzen Spanne, die verschiedenen Formen eures Lebens und ich altere und welke, auf der Stufe die ihr einst erreichen werdet, wenn ihr eure Entwicklung vollendet habt. Aber der Weg dahin, der ist voller Krieg und Tod und Zerstörung, die ihr der Welt und euch selbst zufügt.«
Ich versuchte mich zu befreien, aber Gestra hatte mich übernommen. Ich hing in einem unsichtbaren Netz, einem dreidimensionalen Feld und konnte mich weder Gestra nähern, noch entfernen.
»Du hast sie getötet«, wiederholte ich, zornig, aber mit schwindender Überzeugung, »den Sheriff, Samuel.«
»Ja, ja so ist das Leben, in diesem Winkel des Universums. Auch ihr tötet, ihr schlachtet und fresst die besten Teile, der Tiere die euch kein Mitleid wert sind. Jeden Tag richtet ihr großes Sterben an und es kümmert euch nicht. Es kümmert euch nur, wenn es zu eurem Verlust wird.«
Ich zappelte und zuckte und versuchte mich zu befreien. Ich wollte gestikulieren, wenn ich stritt, aber mein Leib war, wie eingefroren.
»Wir töten aber nicht grundlos. Wir töten, um zu essen. Wir töten, um zu überleben.«
Gestras Gedanken näherte sich mir, sie kamen mir näher, wie ein großes, gleißendes Licht vor dem ich meine Augen schließen musste. Es war, als enthülle mir Gestra, in diesem Augenblick die Essenz seines Daseins.
»Auch ich tötete nicht grundlos, auch ich nährte mich, mit Erfahrung, mit Formen, mit Werden von Pflanzen und Tieren und Menschen und ihren Zwischenstufen und Übergängen. Ich habe viel entnommen, aus den beiden deiner Art.«
»Und warum? Wozu? Was hat das alles genutzt, wenn du jetzt schon wieder vergehst! Warum musste Samuel dann sterben? Wenn du doch soundso stirbst.«
»Warum isst du? Warum suchst du Erlebnisse? Warum bist du in den Wald gegangen, um deinen Freund zu retten? Stirbst du nicht auch?«
»Ja, aber nicht so schnell?«
Das Feld, um mich herum, fing an mich zu Umkreisen, als wäre ich in eine Decke gepackt und würde mich hineinschmiegen.
»Dich töte ich nicht.«
»Ja und!« Erwiderte ich trotzig. »Darum geht es doch nicht.«
»Hast du das nicht gesagt? Es gibt ein töten, mit Sinn, um zu überleben. Und eines ohne. Dich zu töten wäre ohne Sinn. Ich habe nun alles erfahren.«
»Dann lass mich!«
»Das werde ich, dass werde ich, wenn meine Verwandlung vorüber ist. Ich habe dann noch ein Geschenk für dich.«
»Ich will nichts von dir.«
»Das willst du.«
»Ich will nicht.« Sagte ich, stammelte ich, als würde ein Narkotikum langsam meine Vene füllen.
Dann wurde es dunkel.

02/21 PGF

48.

I didn’t get very far. I don’t know what Gestra did to me, but I couldn’t get closer than two steps.
Then it was over and I was standing in a field from which I could not move forward or backward.
I could look around and I saw that night was falling over the forest.
Okay, I thought, this will now be as pleasurable as it is for a fly to wait for the spider in whose web it had become entangled.
Except that my spider was talking.
I heard it quite clearly, as from Gestra the sentence went out: „Do not be afraid. I know what I needed to know. My hunger is satisfied.“
„You son of a bitch, you killed my friend. What the hell?“
„I absorbed him, Joe. He’s a part of me now. He’s returned, to where it all comes from.“
I fought back against that thought. I resisted it as I had resisted all my life against a God who brings forth cancer, pedophiles, and war.
„You ate him!“ I threw at Gestra.
It looked at me and I noticed that its strange silicone skin, like soft wax was beginning to lose its shape.
„That was necessary at this point. As in any development, everything necessary happens. Everything you’re happy about today has a dark reason it grew out of. Many died so you could live as you do. I went through, in this short span, the different forms of your life, and I am aging and withering, at the stage you will reach once you have completed your evolution. But the way there, it is full of war and death and destruction that you bring to the world and to yourselves.“
I tried to free myself, but Gestra had taken me over. I was suspended in an invisible net, a three-dimensional field, and could neither approach Gestra nor move away.
„You killed them,“ I repeated, angrily but with fading conviction, „the sheriff, Samuel.“
„Yes, yes such is life, in this corner of the universe. You too kill, you slaughter and eat the best parts, of animals not worthy of your pity. Every day you cause great death and you don’t care. You only care when it becomes your loss.“
I fidgeted and twitched, trying to break free. I wanted to gesture when I argued, but my body was, like, frozen.
„We don’t kill for no reason, though. We kill to eat. We kill to survive.“
Gestra’s thoughts came closer to me, they came closer to me, like a great, glistening light before which I had to close my eyes. It was as if Gestra, at that moment, was revealing to me the essence of his existence.
„I, too, did not kill for no reason, I, too, nourished myself, with experience, with forms, with becoming of plants and animals and people and their intermediate stages and transitions. I took much, from the two of your kind.“
„And why? What for? What was the use of it all, if now you are already passing away! Then why did Samuel have to die? After all, if you die so-and-so.“
„Why do you eat? Why do you seek experiences? Why did you go into the forest to save your friend? Aren’t you dying too?“
„Yes, but not so fast?“
The field, around me, began to circle me as if I were wrapped in a blanket and snuggling into it.
„I’m not killing you.“
„Yes and!“ I retorted defiantly. „That’s not the point.“
„Isn’t that what you said? There is a killing, with meaning, to survive. And one without. Killing you would be without sense. I’ve learned everything now.“
„Then let me!“
„I will, that I will, when my transformation is over. I have another gift for you then.“
„I want nothing from you.“
„That’s what you want.“
„I don’t.“ I said, stammering as if a narcotic was slowly filling my vein.
Then it went dark.

02/21 PGF

Gestra (47)

47.

Bis ich den Waldsaum erreichte war Gestra mit Ryken im Schwitzkasten schon zwischen den Bäumen verschwunden. Ich hörte rascheln und ich hörte Samuel dumpf und atemlos gegen Gestra ankämpfen. Aber ich sah sie nicht.
Okay, du Scheißding, sagte ich mir, ich schnapp mir dich, auch ohne Flammenwerfer.
Ich nahm die Verfolgung auf. Meine Bewaffnung bestand aus einem Beil, welches ich mir aus dem Schuppen geschnappt hatte.
Gestra bewegte sich schnell, mit Ryken im Schlepptau durch den Wald. Ich fragte mich, warum er sich nicht wehrte, ob ihm die Kraft fehlte, ob Gestra ihn betäubt hatte oder ob er abwarten und verhandeln wollte. Wenn es etwas zu verhandeln gab.
Ich hastete beiden, etwa zehn Minuten, hinterher und fühlte einen seltsamen Kontrast, zwischen dem feinen Sonnenlicht, welches durch die Zweige fiel und in das die Vögel ihre zarten Melodien woben und der Angst zu sterben, wenn ich mich Gestra stellen musste.
Eines war ich mir sicher: ich würde Samuel nicht allein lassen. Ich hatte bei Donavan die Flucht ergriffen. Meine Gründe dafür mochten berechtigt gewesen sein, aber ich würde mir das kein zweites Mal verzeihen.
Ich nahm Tempo auf und hatte etwa die Hälfte des Waldes durchquert, da entdeckte ich sie. Gestra war stehen geblieben und Ryken hing schlaff in seinem Arm, wie der Lieblingsteddy eines kleinen Kindes, über dem Unterarm hängt.
Gestra beugte den weißen Schädel über Ryken und schnupperte an ihm. Es schnupperte über seinen Kopf, über sein Gesicht, seinen Hals, seine linke Schulterpartie. Schnupperte und biss urplötzlich zu, als hätte es die richtige Stelle gefunden. Das Filetstück, auf dass es sich am meisten freute.
Ryken zuckte schlapp, wie ein Brotstück an dem Karpfen nagen, aber er gab keinen Laut von sich. Das tat ich für ihn.
Ich stürmte aus der Deckung.
Ich schrie, als wolle ich einen Säbelzahntiger vertreiben und stürmte mit hoch gehobener Axt vorwärts, dem Feind und dem Tod entgegen.
Gestras schwarze Augen fassten mich, wie ein Hypnotiseur sein Opfer fasst. Aber so wenig, wie ich zu hypnotisieren war – dass hatte schon zwei Hypnotiseure versucht – so wenig stoppte mich Gestra mit seinem Blick. Ich wich ihm einfach aus. Ich machte mich blind für seine Gegenwehr.
Mit allem Mut sprang ich vorwärts, die Axt zu einem mächtigen Hieb bereit und hoffte, dass dieser nackte, glatte Latexkörper irgendwo zu verletzen war. Ich warf mich vorwärts, als wollte ich eine Hürde überwinden und ließ die Axt herabsausen, aber Gestra fing meinen Schwung mit einer Rückhand ab, wie man abends müde einen Moskito vertreibt.
Gestras Hand – sie fühlte sich an, wie aus Marmor – traf mich am Kopf, pflügte mich aus der Luft und ließ mich abstürzen, wie einen Vogel, der die Gefahr einer Scheibe nicht erkannt hat.
Ich fiel zu Boden und verlor das Bewusstsein.
Als ich wieder zu mir kam, war die Sonne auf die andere Seite des Waldes gewandert. Sie warf das gleiche, feine Licht, wie am Vormittag, aber von der anderen Seite und es war etwas rötlicher und wärmer.
Ich fasste mir an den Kopf und fühlte geronnenes Blut. Gestra hatte mich einfach liegen lassen. Ich stand auf, mit gewaltigem Schädeldröhnen und versuchte mich auf die nächsten Schritte zu konzentrieren.
Ich wusste was zu tun war.
Anfangs schwankend, aber dann wieder trittsicher, machte ich mich auf den Weg zur Lichtung. Ich hatte wenig Hoffnung, dass ich Ryken dort quietschfidel mit Gestra beim Lagerfeuer finden würde und sich Gruselgeschichten erzählen. Ich hatte mich auch noch mit keiner Kuh unterhalten, von der ich ein Steak gegessen hatte.
Trotzdem traf mich, als ich sie fand, der Anblick, der mich an eine schwarze Messe erinnerte. Ryken lag blutüberströmt auf dem liegenden Findling und alles Leben war aus seinen Augen verschwunden. Gestra beugte sich über ihn, wie ein Pathologe der einen Leichnam seziert und hoch konzentriert überlegt, woran der Tote wohl gestorben war.
Du Scheißvieh! Dachte ich. Nahm einen Stein auf und machte mich auf den Weg Gestra von hinten zu erschlagen, wie Kain es mit Abel getan hatte.

02/21 PGF

47.

By the time I reached the edge of the forest, Gestra had disappeared between the trees with Ryken in a headlock. I heard rustling and I heard Samuel struggling dully and breathlessly against Gestra. But I didn’t see her.
Okay, you son of a bitch, I said to myself, I’ll get you, even without a flamethrower.
I took up pursuit. My armament consisted of a hatchet, which I had grabbed from the shed.
Gestra moved quickly through the forest with Ryken in tow. I wondered why he didn’t fight back, if he lacked strength, if Gestra had stunned him, or if he wanted to wait and negotiate. If there was anything to negotiate.
I hurried after both of them, for about ten minutes, feeling a strange contrast, between the fine sunlight that fell through the branches and into which the birds wove their delicate melodies, and the fear of dying if I had to face Gestra.
One thing I was sure of: I would not leave Samuel alone. I had taken flight at Donavan. My reasons for doing so may have been justified, but I would not forgive myself a second time.
I picked up speed and had crossed about half of the forest when I spotted them. Gestra had stopped and Ryken was hanging limply in its arm, like a small child’s favorite teddy bear, suspended over his forearm.
Gestra bent its white skull over Ryken and sniffed it. It sniffed over his head, over his face, his neck, his left shoulder area. Sniffed and bit all of a sudden, as if it had found the right spot. The tenderloin it was most looking forward to.
Ryken jerked limply, like a piece of bread gnawing on a carp, but he made no sound. I did that for him.
I charged out from under cover.
I shouted as if to drive off a saber-toothed tiger and charged forward, axe raised high, toward the enemy and death.
Gestra’s black eyes grasped me as a hypnotist grasps his victim. But as little as I was to be hypnotized – that had already tried two hypnotists – so little Gestra stopped me with his look. I simply avoided it. I made myself blind for its resistance.
With all my courage I sprang forward, the axe ready for a mighty blow, hoping that this naked, smooth latex body was somewhere to be hurt. I threw myself forward as if to clear a hurdle and let the axe come down, but Gestra intercepted my momentum with a backhand, as one tiredly drives off a mosquito in the evening.
Gestra’s hand – it felt like it was made of marble – hit me in the head, plowing me out of the air and sending me crashing down like a bird that didn’t realize the danger of a windshield.
I fell to the ground and lost consciousness.
When I regained consciousness, the sun had moved to the other side of the forest. It cast the same, fine light as in the morning, but from the other side and it was a little redder and warmer.
I grabbed my head and felt clotted blood. Gestra had just left me lying there. I stood up, my skull roaring violently, and tried to concentrate on what to do next.
I knew what to do.
Staggering at first, but then sure-footed again, I made my way to the clearing. I had little hope that I would find Ryken there chirpy with Gestra by the campfire, telling each other scary stories. I hadn’t had a conversation with a cow I’d eaten a steak from yet, either.
Still, when I found them, I was struck by the sight that reminded me of a black mass. Ryken was lying on the prone boulder, covered in blood, and all life had gone from his eyes. Gestra was bending over him like a pathologist dissecting a corpse, highly concentrated on what the dead man had died of.
You fucking animal! I thought. Picked up a stone and set out to kill Gestra from behind, as Cain had done to Abel.

02/21 PGF

Gestra (46)

46.

Ich schnellte herum und sah eine nackte, weiße Gestalt am Saum des Waldes die zu uns herübersah. Sie war groß und schlank. Ihr Kopf hatte etwas Eckiges, was mich an die Form eines Dreieckes erinnerte. Ihre Augen waren groß und schwarz. Ihre Bewegungen waren unruhig, unsicher, als würden sie etwas suchen oder sich auf die Flucht vorbereiten.
Wenn es tatsächlich Gestra war, dann hatte es in der letzten Nacht die Metamorphose vom Pflanzen- zum Menschenleib vollzogen.
»Was willst du tun?« Flüsterte ich. Weiterhin bereit Ryken den Vortritt bei Entscheidungen zu lassen.
»Ich gehe hin.« Sagte er tonlos. »Du bleibst zurück. Einer von uns, muss hier für Ordnung sorgen, wenn meine Verhandlung schief geht.«
»Und was stellst du dir vor?«
»Du brennst alles nieder, wenn es mich angreift.«
Damit setzte er sich in Bewegung und ging Gestra entgegen.
Ich sah, wie Gestra ihm das glatte Gesicht entgegen wandte. Ich kann es nicht anders beschreiben. Seine Haut sah aus, wie ein Silikonüberzug: weiß und glatt und glänzend. Keine Falten, keine Augenbrauen, vermutlich keine Wimpern, dass konnte ich nicht sehen, keine Haare. Ein glatzköpfiges Albinogeschöpf mit üppigen Muskeln und keinen Geschlechtsteilen, wie eine alte Kinderpuppe.
Ryken ging weiter und ich wunderte mich, woher er den Mut nahm. Ich wäre instinktiv irgendwann stehen geblieben, weil nur Selbstmörder, dem Zug, dem heranrasenden Schnellzug, der geladenen Waffe auf dem Tisch entgegen gehen.
Gestra neigte den Kopf. Es war eine liebenswert neugierige Geste. Willst du es vergiften? Fiel mir wieder ein. Nein, erstmal nicht. Aber es hat doch den Sheriff gefressen. So …
Ryken hob die Hand zum Gruß und vermutlich hatte vor 300 Jahren ein weißer Siedler einen indianischen Ureinwohner mit der gleichen Geste begrüßt.
Es war nicht gut ausgegangen.
Aber das musste sich nicht wiederholen. Aber es hatte den Sheriff gefressen.
Ja, aber da war es noch nicht so glatt und rein und faltenfrei.
Gestra bewegte sich nicht. Es verharrte in seiner Haltung und betrachtete Samuel aus großen dunklen Augen. Ja, das fiel mir jetzt auf. Die Augen waren schwarz, schwarz, wie der Stoff aus dem der Keimling emporgewachsen war. So unbeschrieben und farblos seine Silikonhaut wirkte, so wach und aufmerksam wirkten diese schwarzen Augen.
Ryken blieb stehen. Gott sei Dank, dachte ich.
Ich hörte ihn etwas sagen, aber weil der Wind auffrischte und er mit dem Rücken zu mir stand konnte ich nicht hören, was es war.
Gestra zeigte keine Reaktion, ob es ihn verstand. Wie eine Lady, nachts in der Bar, wenn du nicht derjenige bist, den sie beabsichtigt mit nach Hause zu nehmen.
Ryken sagte wieder etwas und ich meinte: »… komme näher«, zu hören. Jedenfalls ging er näher.
Gestra richtete sich auf und, wie es stand, überragte es Samuel um mindestens einen Kopf und der war nicht klein gewachsen.
Ich erhob mich ebenfalls und machte mich bereit Ryken zu helfen. Als würden er einem Sentinelesen entgegentreten, der uns aus dem Busch entgegenkommt, schien es mir besser mich für den Kampf zu rüsten.
Dann geschah etwas, mit dem ich nicht gerechnet hatte: Gestra streckte den Arm aus, als wolle es Ryken zum Tanz führen. Der war klug genug das Angebot nicht anzunehmen, sondern er näherte sich eher etwas geduckt, dem ausgestreckten, fahlen Arm, als mache er sich bereit, darunter wegzutauchen, wenn aus der Begrüßungsgeste ein Angriff wurde.
So standen sich die beiden gegenüber, eine mir unerträglich lange Minute.
Dann wandte Samuel kurz den Kopf in meine Richtung.
»Joe!« Rief er. Und ehe ich antworten konnte: »Komm näher! Es soll uns beide sehen. So können wir«, er wandte sich mir ganz zu um Blickkontakt aufzunehmen, »vielleicht besser-«.
Da packte ihn Gestra. Es packte ihn am Kopf und zerrte ihn zu sich und so wenig Donavan eine Chance hatte sich gegen die weißen Tentakel zu wehren, so vergeblich war Samuels Gegenwehr.
Gestra drückte ihn an sich und zerrte ihn in Richtung Wald, wohin er rückwärts taumelnd folgen musste.
Ich rannte los. Gestras schwarze Augen verfolgten meine Bewegung, ohne Reaktion. Es lief rückwärts und zog Ryken mit sich. Es beobachtete mich und schien sich sicher, auch mit mir fertig zu werden, wenn ich zu nah kam.

02/21 PGF

46.

I sped around and saw a naked white figure at the edge of the forest looking over at us. She was tall and slender. Her head had something angular about it, reminding me of the shape of a triangle. Her eyes were large and black. Their movements were restless, uncertain, as if they were looking for something or preparing to flee.
If it was indeed Gestra, it had undergone the metamorphosis from plant to human body last night.
„What do you want to do?“ I whispered. Still willing to let Ryken take the lead in decisions.
„I’m going.“ He said tonelessly. „You stay behind. One of us, has to keep order here if my trial goes wrong.“
„And what do you envision?“
„You burn everything down if it attacks me.“
With that, he started moving and headed toward Gestra.
I saw Gestra turn her smooth face toward him. I can’t describe it any other way. It skin looked like a silicone coating: white and smooth and shiny. No wrinkles, no eyebrows, probably no eyelashes that I couldn’t see, no hair. A bald albino creature with lush muscles and no genitals, like an old child’s doll.
Ryken kept walking and I wondered where he got the courage. I would have instinctively stopped at some point, because only suicides, face the train, the speeding train, the loaded gun on the table.
Gestra tilted his head. It was an endearingly curious gesture. Are you going to poison it? I remembered. No, not for now. But it did eat the sheriff. So …
Ryken raised his hand in greeting, and probably 300 years ago a white settler had greeted a Native American with the same gesture.
It hadn’t ended well.
But it didn’t have to happen again. But it had eaten the sheriff.
Yes, but it wasn’t so smooth and pure and wrinkle-free then.
Gestra didn’t move. It paused in its stance, looking at Samuel out of big dark eyes. Yes, I noticed that now. The eyes were black, black, like the fabric from which the seedling had grown up. As blank and colorless as his silicone skin seemed, those black eyes seemed alert and attentive.
Ryken stopped. Thank God, I thought.
I heard him say something, but because the wind was picking up and he had his back to me I couldn’t hear what it was.
Gestra showed no reaction to see if it understood him. Like a lady, at night in the bar, when you are not the one she intends to take home.
Ryken said something again and I thought I heard, „…come closer“. Anyway, he walked closer.
Gestra straightened up and, as it stood, it towered over Samuel by at least a head and he was not small in stature.
I rose as well and got ready to help Ryken. As if facing a sentinelese coming at us from the bush, it seemed better to get ready for battle.
Then something happened that I had not expected: Gestra stretched out his arm as if to lead Ryken to the dance. The latter was smart enough not to accept the offer, but rather approached a bit crouched, the outstretched, pale arm, as if getting ready to dive away under it when the welcoming gesture turned into an attack.
Thus the two stood facing each other for what seemed to me an unbearably long minute.
Then Samuel turned his head briefly in my direction.
„Joe!“ He shouted. And before I could answer, „Come closer! I want it to see both of us. That way,“ he turned to face me fully to make eye contact, „maybe we can better-„.
That’s when Gestra grabbed him. It grabbed him by the head and dragged him towards it, and as little as Donavan had a chance to defend himself against the white tentacles, Samuel’s resistance was in vain.
Gestra pressed him to him and dragged him towards the forest, where he had to follow, staggering backwards.
I ran. Gestra’s black eyes tracked my movement, without reaction. It ran backwards, dragging Ryken with it. It watched me and seemed sure it could handle me if I got too close.

02/21 PGF

Gestra (45)

45.

Bis zum Morgengrauen hielt einer von uns Wache, während der andere zwei Stunden schlief. Als die Sonne glutrot, wie ein entzündetes Auge, dass misstrauisch über die Welt blickt, am Horizont erschien schaffte es keiner von uns beiden nochmal einzuschlafen.
Wir brühten den letzten Kaffee auf, den wir im Starfield finden konnten und aßen Käsecracker dazu, was kein allzu genussreiches Frühstück war. Aber es füllte den Magen und gab uns das Gefühl, für den Kampf gerüstet zu sein.
»Denkst du, es wird den Wald verlassen, wenn es dort nichts zum Jagen findet?«
Samuel strich sich die Haare aus der Stirn. Sie waren verschwitzt und ungewaschen und ließen sich frisieren, als hätte er Pomade verwendet.
»Ich glaube, du missverstehst das, Joe! Was immer Gestra war und was es mit Donavan gemacht hat: Wir stehen keinem Raubtier, keinem Invasor gegenüber. Das ist es vielleicht jetzt. Aber mit jeder Nacht entwickelt es sich weiter, entwickelt sich an uns vorbei, über uns hinweg.«
Ich versuchte zu folgen.
»Wie jetzt? Du hast doch den Schrei heute Nacht gehört.«
»Den Schrei von einem Wilden?«
»Ja, exakt.«
»Na und? Was unterscheidet diesen Schrei von Sportfans die sich prügeln, von rechten und linken Demonstranten die sich die Köpfe einschlagen? Wir sind doch nicht zivilisiert, weil wir in Städten leben und Autos fahren und Berufen nachgehen. In den Köpfen sind die meisten nicht weiter, als Affen, die gelernt haben, sich etwas besser zu benehmen und sich nicht in aller Öffentlichkeit am Hintern zu kratzen. Aber ließ Nachrichten, um zu wissen, was hinter den Türen passiert.«
»Ich verstehe nicht.«
Tat ich wirklich nicht.
»Der Schrei heute Nacht, war ein Schrei aus Verzweiflung. Das bedeutet nicht, dass wir in den Wald gehen können, um eine Bestie zu jagen. Vermutlich hat es unsere Bewusstseinsstufe bereits erreicht, wenn es unseren Körper simulieren kann.«
»Okay! Wie du willst. Dann behandeln wir es, wie jeden Verbrecher, der einen Sheriff tötet: Wir verhaften es und stellen es vor Gericht.«
Ryken sah mich an, als glaube er nicht, dass ich es ernst meinte. Aber das tat ich.
»Und aus Fairness«, meinte er trocken, »setzen wir noch zwei Aliens zu den 12 Geschworenen.«
»Hör auf Witze zu machen! Ich meine, irgendwie müssen wir, wenn du nicht die Navy Seals holen willst, einen Plan entwickeln, was wir tun, wenn wir ihm gegenüberstehen. Du warst nicht dabei, als es sich Donavan geholt hat. Ich würde es einfach erledigen, wie ein Tier. Aber vielleicht hast du recht, vielleicht können wir das nicht tun, weil es, sagen wir, seine erste Straftat noch außerhalb der Strafmündigkeit begangen hat und jetzt – jetzt –«.
»Denkt, wie ein Mensch.«
Samuel schnaufte und schüttelte den Kopf und ergänzte: »Oder es denkt schon weiter, als wir Menschen es tun.«
Ich betrachtete ihn fragend und dann kam ich selbst drauf.
»Willst du etwa sagen, die Parameter könnten, auch schon weiter sein, um mehr, als nur einen weiteren Menschen hervorzurufen?«
Ryken nahm einen Stock und fuhr in durch die Glut, als würde er eine magische Rune zeichnen.
»Vielleicht. Wer weiß, möglicherweise ist es nicht das erste Mal. Wie aus dem Nichts mischen sich die Homo Sapiens unter die Neandertaler und verdrängen sie. Sie kommen auch, wie ein Sternenvolk und übernehmen die Erde.«
»Ich könnte mich nicht erinnern, von einem anderen Planeten gekommen zu sein.«
»Das könnte in Vergessenheit geraten sein. Aber es gibt viele Legenden, unter den alten Stämmen, die von Völkern erzählen, die von den Sternen kamen.«
»Und du meinst Gestra könnte für uns werden, was wir für die Neandertaler wurden?«
Er stand auf. Plötzlich. Als würde ihm das Thema zu viel.
»Keine Ahnung. Aber die Menschheit, dass wissen alle die nicht verblödet sind, steht an einem Wendepunkt. Wir haben ökologische Herausforderungen, die uns entwickeln oder vernichten, soziale, wie Bildung, Gesundheit und Überalterung und technologische: einige planen den ersten privaten Flug zum Mond, andere verhungern auf den Straßen der Megacitys. Die Menschheit steht vor dem Knall. Der nächste Schritt wird unter uns oder neben uns stattfinden.«
»Und Gestra ist das neben uns?«
»Das könnte –«, begann Ryken und wurde bleich.
Er zeigte auf etwas hinter mir.
»Es könnte bereits auch bei uns sein.« Sagte er mit heiserer Stimme.

02/21 PGF

45.

Until dawn, one of us kept watch while the other slept for two hours. When the sun appeared on the horizon, glowing red like an inflamed eye looking suspiciously over the world, neither of us managed to fall asleep again.
We brewed up the last coffee we could find in the Starfield and ate cheese crackers with it, which wasn’t too enjoyable a breakfast. But it filled our stomachs and made us feel ready for battle.
„Do you think it will leave the forest if it can’t find something to hunt there?“
Samuel brushed his hair out of his forehead. It was sweaty and unwashed, and could be coiffed as if he had used pomade.
„I think you misunderstand, Joe! Whatever Gestra was and what it did to Donavan: We’re not facing a predator, an invader. It may be now. But with each night it evolves, evolves past us, over us.“
I tried to follow.
„How now? You heard the scream tonight, didn’t you?“
„The cry of a savage?“
„Yes, exactly.“
„So what? What makes that scream different from sports fans fighting, from right-wing and left-wing protesters bashing heads? We’re not civilized, after all, because we live in cities and drive cars and have professions. In their minds, most are no further along than monkeys who have learned to behave a little better and not scratch their butts in public. But let news to know what goes on behind the doors.“
„I don’t understand.“
I really didn’t.
„The scream tonight, was a scream of desperation. It doesn’t mean we can go into the woods to hunt a beast. It’s probably already reached our level of consciousness if it can simulate our bodies.“
„Okay! As you wish. Then we treat it like we would any criminal who kills a sheriff: We arrest it and put it on trial.“
Ryken looked at me as if he didn’t believe I was serious. But I did.
„And in fairness,“ he said dryly, „we’ll add two more aliens to the 12 jurors.“
„Stop making jokes! I mean, somehow, unless you’re going to call in the Navy Seals, we’ve got to come up with a plan for what we’re going to do when we come face to face with him. You weren’t there when it took Donavan. I would just take it out, like an animal. But maybe you’re right, maybe we can’t do that because, let’s say, it committed its first crime while it was still outside the age of criminal responsibility and now – now -.“
„Thinks like a human.“
Samuel puffed and shook his head, adding, „Or it’s already thinking further than we humans do.“
I looked at him questioningly, and then it occurred to me.
„Are you saying the parameters could, also already be further along to cause more than just another human?“
Ryken took a stick and ran it through the embers as if he were drawing a magic rune.
„Maybe. Who knows, it may not be the first time. Out of nowhere, Homo Sapiens are mingling with Neanderthals and displacing them. They’re also coming, like a race of stars, and taking over the Earth.“
„I couldn’t remember coming from another planet.“
„That might have been forgotten. But there are many legends, among the ancient tribes, that tell of peoples who came from the stars.“
„And you mean Gestra could become for us what we became for the Neanderthals?“
He stood up. Suddenly. As if the subject were getting too much for him.
„I don’t know. But humanity, that all who are not dumbed down know, is at a turning point. We have ecological challenges that will develop or destroy us, social ones like education, health and aging, and technological ones: some are planning the first private flight to the moon, others are starving on the streets of megacities. Humanity is about to go bang. The next step will be among us or beside us.“
„And Gestra is that next to us?“
„That could be -“ Ryken began, turning pale.
He pointed to something behind me.
„It could already be with us, too.“ He said in a hoarse voice.

02/21 PGF

Gestra (44)

44.

»Wir sollten jetzt gehen.« Zischte ich, auch um durch den Laut Ryken zu einer Entscheidung zu drängen.
Er hielt mich am Arm.
»Warte noch! Wir sollten sehen, in welches Stadium es als nächstes übergeht.«
»Das sehen wir doch. Komm jetzt.«
Ich bewegte mich weg und, wenn er kein Gerangel im Gebüsch mit mir wollte, musste Ryken sich bewegen.
»Okay, ich komme.«
Wir liefen schnell, in Richtung der Straße, um den Wald und damit Gestras Lebensraum möglichst schnell zu verlassen.
Erst, als wir den Asphalt unter den Füßen hatten, sprachen wir.
»Immer noch der Meinung, wir sollten es vergiften? Jetzt da es nahezu menschlich ist.«
»Du hast das abgesehen?«
»Es war im Bereich des Möglichen.«
»Ich konnte schlecht wissen, dass aus Betula Gestra, Homo Gestra werden würde.«
Ryken nickte, während wir liefen.
»So sah es eben aus. So schnell, habe ich nicht damit gerechnet.«
»Und jetzt? Rufst du jetzt, deine Leute?«
Ich ahnte, was er sagen würde und behielt recht.
»Noch nicht.«
»Und worauf willst du warten?«
»Wir müssen entscheiden was wir wollen: angreifen, einfangen, verhandeln.«
»Wie? Du willst, dass wir beide das tun?«
»Siehst du sonst jemand?«
»Nein, aber ich kann mir ein paar vorstellen, die prädestinierter wären.«
Samuel blieb abrupt stehen.
»Joe, mir ist klar, dass dich das überfordert. Deshalb versuche ich dir die Situation nochmal zu erklären: Ich habe gesagt wir haben schon zuvor Plasma Nocturne gefunden, aber ich habe dir nicht erklärt, weshalb es nicht, als Beweis gedient hat.«
»Das habe ich mich offen gestanden gefragt.«
»Dabei ist die Antwort einfach: Die Einzeller die man darin finden kann, entsprechen irdischen Einzellern. Man kann das Problem von Meteoriten: kam das auf dem Gestein oder wurde es auf der Erde damit besiedelt. Jeder Wissenschaftler wird sagen: Beim Eintritt in die Erdatmosphäre verglüht alles! Da lebt nix!«
»Aber jetzt hättest du ja deinen Mehrzeller.«
»Ja, aber einen dessen Entwicklung keiner miterlebt hat und der vielleicht seine Entwicklung einstellt, wenn er gefangen wird: ähnlich, wie Zootiere, die sich nicht mehr fortpflanzen. Ich hätte keinen Beweis, dass es jemals etwas anderes war.«
Ich zögerte. Das klang überzeugend, aber ich dachte, dass es nicht schlüssig war.
»Es muss doch irgendeinen Punkt geben, von mir aus in der DNA, mit dem man nachweisen kann, dass es etwas Besonderes ist! Ich kenne nicht so viele Sheriff-verschlingende-Riesenpflanzen aus schwarzem Astro-Sperma, die irdischem Ursprung wären.«
Samuel nahm wieder Geschwindigkeit auf.
»Ich mach dir einen Vorschlag. Wir laufen zurück zum Observatorium und entscheiden morgen, was wir tun.«
»Okay, wir sollten uns auch mal Gedanken machen, was wir den anderen erzählen, denen das Observatorium gehört, wenn sie fragen, was wir zwei die ganze Zeit dort treiben. Außerdem will ich wissen, wie es Jez geht.«
»Du kannst sie besuchen gehen. Nimm das Auto.«
»Ich habe keinen Führerschein«, sagte ich prompt und wahrheitsgemäß, aber in erster Linie deshalb, weil ich Samuel nicht allein lassen wollte. Ich traute ihm zu, das Richtige zu wollen, aber ich traute ihm auch zu, das Falsche zu tun.
»Also, mein Vorschlag ist: Wir besuchen sie zusammen und dann entscheiden wir.«
Wir hatten fast das Observatorium erreicht.
Ryken hätte mir, das fühlte ich, im nächsten Moment zugestimmt. Als ein dunkler, drohender Schrei aus dem Inneren des Waldes erklang. Ein Schrei, als hätte sich Dr. Jekyll eben in Mister Hyde verwandelt und zöge nun aus, Opfer zu suchen. Und, wenn nicht im Wald, dann außerhalb.
Ryken und ich sahen uns an und wussten, dass uns, für Krankenbesuche, vermutlich keine Zeit blieb.

02/21 PGF

44.

„We should go now.“ I hissed, also trying to urge Ryken to make a decision by the sound.
He held me by the arm.
„Wait for it! We should see what stage it goes to next.“
„We’ll see, won’t we? Come on now.“
I moved away and, unless he wanted a tussle in the bushes with me, Ryken had to move.
„Okay, I’m coming.“
We ran quickly, toward the road, trying to leave the forest and Gestra’s habitat as quickly as possible.
Only when we had the asphalt under our feet did we speak.
„Still think we should poison it? Now that it’s almost human.“
„You left that out?“
„It was within the realm of possibility.“
„There was no way I could have known that Betula Gestra, would become Homo Gestra.“
Ryken nodded as we walked.
„That’s just what it looked like. So quickly, I didn’t expect it.“
„And now? Are you calling now, your people?“
I guessed what he would say and was right.
„Not yet.“
„And what are you going to wait for?“
„We have to decide what we want: attack, capture, negotiate.“
„What? You want both of us to do that?“
„Do you see anyone else?“
„No, but I can think of a few who would be more predestined.“
Samuel stopped abruptly.
„Joe, I realize this is overwhelming you. That’s why I’m trying to explain the situation to you again: I said we found Plasma Nocturne before, but I didn’t explain to you why it didn’t, serve as evidence.“
„That’s what I was wondering, frankly.“
„Yet the answer is simple: the single-celled organisms you can find in it correspond to terrestrial single-celled organisms. You can solve the problem of meteorites: did that come on the rock or was it populated with it on Earth. Every scientist will say: When entering the earth atmosphere everything burns up! There lives nothing!“
„But now you would have your multicellular organism.“
„Yes, but one whose development no one witnessed, and which might stop developing if caught: similar to zoo animals that stop reproducing. I would have no proof that it was ever anything else.“
I hesitated. It sounded convincing, but I thought it was inconclusive.
„There has to be some point, for all I care, in the DNA that can be used to prove that it’s something special! I don’t know of that many sheriff-devouring giant plants of black astro-sperm that would be of terrestrial origin.“
Samuel picked up speed again.
„I’ll make you a deal. We’ll walk back to the observatory and decide what to do tomorrow.“
„Okay, we should also start thinking about what we’re going to tell the others who own the observatory when they ask what the two of us have been doing there all this time. Besides, I want to know how Jez is doing.“
„You can go see her. Take the car.“
„I don’t have a license,“ I said promptly and truthfully, but primarily because I didn’t want to leave Samuel alone. I trusted him to want to do the right thing, but I also trusted him to do the wrong thing.
„So, my suggestion is, we visit her together and then we decide.“
We had almost reached the observatory.
Ryken would have agreed with me, I felt, in the next moment. When a dark, threatening scream sounded from inside the forest. A scream as if Dr. Jekyll had just turned into Mister Hyde and was now moving out to find victims. And, if not in the forest, then outside.
Ryken and I looked at each other and knew that we probably had no time for visiting Jez.

02/21 PGF

Gestra (43)

43.

Wir warteten bis es vollständig dunkel war. Das mochte gegen zehn gewesen sein. Auch in meinem Sinn, sprach sich Samuel gegen Waffen aus.
»Das bringt uns nur auf dumme Ideen und, wie wenig es bringt, hast du bei Donavan gesehen.«
Deshalb nahmen wir nur unsere Nachtsichtgeräte und Taschenlampen mit und machten uns auf den Weg.
Wir liefen das Stück hinab bis zur Straße und bogen dort ab, um uns dem Wald von unten zu nähern. Von dort, wo ich, nach meiner ersten Begegnung mit Gestra, den Wald verlassen hatte. Ryken und ich waren uns einig, Gestra auf der Lichtung zu finden und das war der kürzeste Weg. Wir hatten keine Lust, uns von Gestra, im Wald überraschen zu lassen.
Unterwegs sprachen wir nicht. Ich bereitete mich vor, auf das was uns erwarten konnte und versuchte die Bilder von Donavan loszuwerden, wie er von Gestra gepackt und verschlungen wurde. Ich redete mir ein, dass die Angst, die ich fühlte, gut für mich war und mich schützen würde. Tatsächlich gab es ja, diesen positiven Adrenalinschub. Aber mir war klar, dass ich keinen Push zum Wachwerden erhielt, sondern eher damit rang, keine Panikattacke zu erleiden.
Als wir den Ort erreichten, an dem wir den Wald betreten wollten, zogen wir unsere Nachtsichtgeräte über.
»Bereit?« Fragte Ryken.
Ich nickte.
Von unseren früheren Expeditionen waren bereits einige Wege ausgetreten, sodass wir gut vorankamen und was uns die Dunkelheit normalerweise an Schnelligkeit genommen hätte, wurde durch die Geräte auf unserem Kopf ausgeglichen.
Wir versuchten leise zu sein, so gut wir konnten, schafften es aber nicht, wie geübte Sioux durch das Gestrüpp zu schleichen.
Es ging auf Vollmond zu, deshalb herrschte auf der Lichtung, eine ordentliche Helligkeit, als wir sie erreichten. Wir hatten uns nicht geirrt.
Wir duckten uns hinter ein Gebüsch und beobachten durch die Zweige die Lichtung.
Auf dem querliegenden Findling sahen wir Gestra. Also das, wozu Gestra in diesem Moment wurde …
Der lange Leib, der mich an einen riesigen Kaktus erinnert hatte, erinnerte jetzt an einen menschlichen Oberkörper. Auf dem saß ein Kopf, der etwas wie ein Gesicht besaß. Kein feines Gesicht, eher eines, dass mit einem Maul und fetten Augen versehen war. Die Tentakel die Donavan gepackt hatten, waren aus der Körpermitte zur Seite gewandert, sodass sie jetzt kaum von Armen zu unterscheiden waren. Der Unterleib von Gestra hatte sich, wie ich bereits befürchtete hatte, in zwei Beine differenziert, die aber eher den Beinen von Elefanten glichen, als menschlichen Beinen. Aber das konnte ja noch werden – denn Gestras Metamorphose war nicht abgeschlossen. Man konnte es, durch das Grün des Nachtsichtgerätes, nicht sauber erkennen, aber der Körper von Gestra pulsierte zwischen einem vertrauten Körper, der sich aus einzelnen, unterscheidbaren Elementen zusammensetzte und einer schwarzen undifferenzierten Masse, aus der sich alles zu entfalten und wieder zurück zu bilden schien. Als schwanke der Organismus den Gestra ausbildetet zwischen Materie und Matrix vor und zurück. Wie ein Teig aus dem man Figuren formt und, wenn sie einem nicht gefallen, wieder zurück in die Masse gibt. Als würde das Plasma Nocturne, mit den Ideen von Körpern spielen: zweibeinigen, dreibeinigen Körpern, Armen oder Tentakeln, Rumpf oder Leib, Augen oder Fühlern.
Es schien uns nicht zu bemerken, als sei es so sehr, mit seiner Verwandlung beschäftigt, dass ihm die Aufmerksamkeit für die Umwelt fehlte.
Ich stieß Ryken vorsichtig an und gab ihm ein Zeichen, im Sinn von: Wollen wir die Chance nutzen und angreifen oder gehen?
Er gab mir zu verstehen, dass er noch warten wollte und wir, wie besprochen, nicht angreifen würden.
So blieben wir noch eine Weile versteckt im Gebüsch sitzen und sahen zu, wie im glänzenden Mondlicht, das Geschöpf vor uns sich mehr und mehr den Proportionen eines menschlichen Körpers näherte.
Und meine Sorge wuchs, dass Rykens Neugier erst gestillt sein würde, wenn Gestra seine Aufmerksamkeit bereits wieder seine Umwelt richten konnte.

02/21 PGF

43.

We waited until it was completely dark. That might have been around ten. Also to my mind, Samuel spoke out against guns.
„It just gives us stupid ideas and, you saw how little good it does at Donavan.“
Therefore, we took only our night vision and flashlights and set off.
We walked the distance down to the road and turned there to approach the forest from below. From where I, after my first encounter with Gestra, had left the forest. Ryken and I agreed to find Gestra in the clearing and that was the shortest way. We had no desire to be surprised by Gestra, in the forest.
On the way we did not speak. I prepared myself for what could await us and tried to get rid of the images of Donavan being grabbed and devoured by Gestra. I told myself that the fear I felt was good for me and would protect me. In fact, yes there was, that positive adrenaline rush. But I realized that I wasn’t getting a push to wake up, but rather struggling not to have a panic attack.
When we reached the place where we were going to enter the forest, we put on our night vision goggles.
„Ready?“ Asked Ryken.
I nodded.
Some trails had already been trodden from our previous expeditions, so we were making good time, and what the darkness would normally have taken away from our speed was made up for by the devices on our heads.
We tried to be quiet as best we could, but failed to sneak through the brush like practiced Sioux.
It was approaching full moon, so there was a decent brightness in the clearing when we reached it. We had not made a mistake.
We ducked behind a bush and watched the clearing through the branches.
On the boulder lying across, we saw Gestra. So, what Gestra became at that moment ….
The long body, which had reminded me of a giant cactus, now reminded me of a human torso. On top of it sat a head that had something like a face. Not a fine face, rather one that had a mouth and fat eyes. The tentacles that had gripped Donavan had moved from the center of the body to the side, so that they were now barely distinguishable from arms. Gestra’s abdomen, as I had already feared, had differentiated into two legs, but they looked more like elephant legs than human legs. But that could still become – because Gestra’s metamorphosis was not finished. One could not see it clearly through the green of the night vision, but Gestra’s body pulsated between a familiar body composed of individual, distinguishable elements and a black undifferentiated mass from which everything seemed to unfold and form back again. As if the organism Gestra was forming fluctuated back and forth between matter and matrix. Like a dough from which you form figures and, if you don’t like them, return them to the mass. As if the Plasma Nocturne, playing with the ideas of bodies: bipedal, tripedal, arms or tentacles, torso or body, eyes or feelers.
It didn’t seem to notice us, as if it was so preoccupied, with its transformation, that it lacked attention to the environment.
I gently nudged Ryken and gave him a sign, in the sense of: Shall we take the chance and attack or leave?
He gave me to understand that he still wanted to wait and that we would not attack, as we had discussed.
So we sat hidden in the bushes for a while and watched how in the shining moonlight the creature in front of us more and more approached the proportions of a human body.
And my concern grew that Ryken’s curiosity would not be satisfied until Gestra could turn his attention back to his surroundings.

02/21 PGF

Gestra (42)

42.

Als Samuel seine Erklärung beendet hatte war es später Nachmittag. Das schwächliche Licht dieses grauen Tages, lag sterbend über der Welt und es hätte nichts, meine Mutlosigkeit besser spiegeln können.
»Und was machen wir jetzt?«
»Wir sollten Gestra beobachten. Wir sollten wissen, wohin es sich als nächstes entwickelt, ehe wir uns entscheiden was zu tun?«
»Entscheiden was zu tun ist? Das kann ich dir sagen: Wir löschen das Ding aus!«
»Wir sollen die erste nicht-irdische Lebensform töten? Sicher?«
»Ja.« Bekräftige ich, überzeugt, dass es alternativlos war.
»Und, wie sollen wir das Ding bekämpfen? Sollen wir es vergiften?«
»Gute Idee, Jez hat bestimmt was ökologisches auf Lager.«
Samuel sah mich seltsam irritiert an, als würde ich erst in Zukunft verstehen, wie befremdlich meine Begeisterung war, Gestra zu töten. Aber er wusste, dass ich noch nicht bereit war zu verstehen, was an meinem Gedanken falsch war.
»Ob wir es töten entscheiden wir nach dieser Nacht. Heute Nacht beobachten wir es und dann entscheiden wir.«
Ich bin selten ängstlich. Ich war es zum letzten Mal, mit 7, als mir die scheißteure Vase meiner Tante Cathy aus der Hand gerutscht war – die ich nicht hätte anfassen sollen, aber warum, fragte ich mich damals, gibt es so was Schönes, wenn es nur dasteht und man es nicht benutzt. Jetzt jedenfalls schlug mir Samuel vor, in den Wald zu gehen und das Ding, im Dunkeln zu jagen, welches Stunden vorher, den Sheriff genüsslich verspeist hatte.
»Ich gehe nur in den Wald, wenn du einen Flammenwerfer dabei hast.«
Ryken erhob sich.
»Das nicht, aber etwas anders nützliches.«
Er ging zu Jez Wagen, öffnete den Kofferraum und holte etwas heraus, was, wie Army-Kleidung aussah.
Er kam wieder zu mir und hielt mir einen Gegenstand entgegen.
»Das ist -«.
»Ein Nachtsichtgerät.«
»Dass man auch als Flammenwerfer benutzen kann?«
Er lachte.
»Nein, damit sehen wir uns an, was aus Gestra wird. Soweit ich vermute, findet in der Nacht, die Verpuppung zur nächsten Stufe statt. Während dieses Vorgangs, in dem Gestra, gesammelte Informationen in eine neue Physis verwandelt, ist es nicht handlungsfähig.«
»So, wie ich nackt, wenn ich mit dir diskutieren will.«
»Perfektes Beispiel.«
»Aber wie sollen wir Gestra finden?«
»So, wie du es heute Morgen entdeckt hast: der Ort, wo es ankam, ist, wie sein Nest. Es wird immer dorthin zurückkehren, weil es die gleichen Ausgangsbedingungen findet, in denen seine erste Entwicklung sich vollzog.
»Deshalb lande ich immer in den gleichen Bars und bei den gleichen Frauen.«
»Ja, du landest immer wieder bei deiner Mutter und dem was du als »Familie« erfahren hast.«
Ich betrachtete ihn, ob er scherzte. Aber das schien nicht so.
»Du meinst das ernst.«
»Ja, aber es würde zu weit führen. Wir haben Gestra zu fangen und nicht deine Psychoanalyse zu bewältigen, wobei ich nicht weiß, was gefährlicher wäre.«
»Du willst doch lieber Lone Wolf bleiben?«
Samuel wurde ernst.
»Nein Joe, sicher nicht. Der Mensch kann alles allein schaffen, manchmal muss er das. Einer geht den ersten Schritt, wie damals Armstrong, als er die Oberfläche des Mondes betrat. Aber ich bin heilfroh, dass du neben mir bist.«
»Weil wir die vertraute Welt verlassen, um dem Chaos der Existenz gegenüber zu treten?«
»Ja Joe, für uns wird bis zum Morgen, dass nicht mehr Bestand haben, was alle für die Realität halten.«

02/21 PGF

42.

When Samuel finished his explanation, it was late afternoon. The faint light of this gray day, lay dying over the world and nothing could have better reflected my despondency.
„So what do we do now?“
„We should watch Gestra. We should know where it’s going next before we decide what to do?“
„Decide what to do? I can tell you that: we wipe the thing out!“
„You want us to kill the first non-terrestrial life form? Are you sure?“
„Yes.“ I affirm, convinced there was no alternative.
„So, how should we fight the thing? Should we poison it?“
„Good idea, I’m sure Jez has something ecological in store.“
Samuel looked at me strangely irritated, as if I would only understand in the future how alienating my enthusiasm was to kill Gestra. But he knew I wasn’t ready to understand what was wrong with my thought.
„We’ll decide whether to kill it after tonight. Tonight we’ll watch it and then we’ll decide.“
I’m rarely anxious. I was the last time, at 7, when my Aunt Cathy’s expensive-as-shit vase had slipped out of my hand – which I shouldn’t have touched, but why, I wondered at the time, is there such a beautiful thing if it’s just standig there and you don’t use it. Now, anyway, Samuel suggested I go into the woods and hunt the thing, in the dark, that hours before, had gleefully eaten the sheriff.
„I’ll only go into the woods if you have a flamethrower with you.“
Ryken rose.
„Not that, but something else useful.“
He went to Jez’s car, opened the trunk, and took out what looked like Army clothes.
He came back to me and held an object out to me.
„This is -„.
„A night vision device.“
„That you can also use as a flamethrower?“
He laughed.
„No, we use it to see what Gestra becomes. As far as I can guess, during the night, the pupation to the next stage takes place. During this process, in which Gestra, collected information transforms into a new physique, it is unable to act.“
„Just as I am naked when I want to discuss with you.“
„Perfect example.“
„But how are we going to find Gestra?“
„The same way you discovered it this morning: the place where it arrived is, like its nest. It will always return there because it will find the same initial conditions in which its first development took place.
„That’s why I always end up in the same bars and with the same women.“
„Yes, you always end up back with your mother and what you experienced as ‚family‘.“
I looked at him to see if he was joking. But it didn’t seem that way.
„You’re serious.“
„Yes, but it would be going too far. We have Gestra to catch, not your psychoanalysis to deal with, though I don’t know which would be more dangerous.“
„You’d rather stay Lone Wolf, wouldn’t you?“
Samuel grew serious.
„No Joe, I sure don’t. Man can do anything by himself, sometimes he has to. Somebody takes the first step, like Armstrong did when he walked on the surface of the moon. But I’m glad as hell to have you beside me.“
„Because we are leaving the familiar world to face the chaos of existence?“
„Yes Joe, for us, until the morning, that will no longer hold what everyone thinks is reality.“

02/21 PGF