Indigo (7)

7.

Im Anschluss verebbte unser Gespräch. Miss Dorset merkte, dass ich nicht leicht aus dem Rennen zu kegeln war und ich war noch nicht so weit, ihr weh zu tun oder das Leben wirklich schwer zu machen.
Wir verabschiedeten uns und waren sicher, uns am nächsten Tag, bei Hope und Lennon wiederzusehen.
Als ich ankam war sie bereits da. Es war später Nachmittag. Ich hatte mir vorgenommen, so unaufdringlich, wie möglich zu erscheinen und nicht gleich, in der Früh aufzutauchen.
»Darf ich mich hier aufhalten?« Fragte ich in Richtung von Miss Dorset, als ich das Wohnzimmer betrat.
Die Antwort gab Hope: »Ja, das dürfen Sie.«
Hope warf Dorset einen warnenden Blick zu, ihr das nicht zu verbieten.
Die winkte, mit missfälliger Miene, ihre Zustimmung.
»Möchte jemand Kaffee oder einen Espresso?«
»Haben Sie auch Latte?« Erkundigte sich Miss Dorset.
Hope nickte ihr ein »selbstverständlich« entgegen.
»Für mich einen doppelten Espresso.« Bat ich.
Lennons Mutter verschwand in der Küche und im Raum verbreitete sich die ungute Kälte zweier Konkurrenten, die in unmittelbarer Nähe ihres Ziels sind.
Lennon war entweder davon unbeeindruckt oder er gab sich unbeeindruckt. Jedenfalls saß er, als wäre alles in bester Ordnung, auf dem Sofa und starrte auf ein Tablet, während wir da saßen, wie Eltern, die ihrem Sprössling gleich mitteilen werden, dass sie sich scheiden lassen.
Ich war froh, als Hope zurückkam.
»Hier bitte.« Sagte Sie und reichte mir den Espresso.
Ich bemerkte etwas freundliches in ihrer Stimme, was mich beruhigte.
Wortlos überreichte sie Miss Dorset die Tasse.
Auch das nahm ich wohlwollend zur Kenntnis.
Sie setzte sich an ihren Platz und stellte einen italienischen Kaffee vor sich auf den Tisch. Lächelnd betrachtete sie uns beide.
Miss Dorset hatte nicht länger Geduld.
»Nun Hope! Dann spannen Sie uns mal nicht länger auf die Folter. Wie haben Sie entschieden? Ich gehe davon aus, dass sie das Vertragswerk, welches Sie unterschrieben haben, aufmerksam gelesen haben. Der Passus »Ausstieg während der Laufzeit«, dürfte für Sie interessant gewesen sein.«
Hope spannte die Lippen, um strenger zu wirken und erklärte mit leicht bebender Stimme: »Sie sollten mich nicht einschüchtern wollen. Es geht um Lennon, nur um ihn. Tatsächlich haben wir so gut, wie keine Möglichkeit den Vertrag vorzeitig zu beenden. Sie können uns allerdings jederzeit, bei Leistungsmangel rauswerfen.«
Miss Dorset nickte zufrieden.
»Aber -«.
Miss Dorset zuckte.
»Joe war so freundlich uns einen Anwalt zu vermitteln, der die Verträge geprüft hat und der hat keine Stelle gefunden, die ausschließt, dass Lennon nicht parallel mit jemand anderem arbeitet.«
Ich grinste zufrieden in Richtung von Miss Dorset.
»Aus diesem Grund wollte ich die letzte Entscheidung Lennon überlassen. Denn für ihn mag es eine Mehrbelastung sein, von zwei Seiten geprüft zu werden.«
Sie wandte sich zu ihrem Jungen.
»Nun Lennon, was denkst du?«
Er warf erst mir, dann Miss Dorset einen durchdringenden Blick zu.
»Ich denke Miss Dorset macht ihre Arbeit und sie macht sie gut. Sie Joe, haben mir den Eindruck vermittelt, dass mir dabei am Ende aber etwas fehlen wird. Deshalb will ich, wenn ich auch für sie arbeiten soll, dass sie mir beweisen, dass Ihnen an mir liegt. Ich habe keine Freunde, weil wir immer wieder umgezogen sind. Ich arbeite mehr, als dass ich spiele. Meine Mum – nun ist meine Mum. Aber ich habe niemand für mich. Ich will das sie machen was ich will, wenn ich für sie arbeiten soll.«
Ich fühlte, wie Dorset mich höhnisch musterte, wir wussten beide was der Junge eigentlich in mir suchte.
Den Sieg aber, gönnte ich ihr nicht.
»Cool, Lennon. Wie du willst. Gib mir vier Wochen und du wirst sehen, dass wir, mit dir, deinen Weg gestalten wollen. So wie du ihn gehen willst.«
Der Junge sah seine Mutter an. Die nickte.
»Okay. Dann haben wir einen Deal. Unter der Woche arbeite ich für Miss Dorset, am Wochenende machen Sie, Joe, mir Angebote und erklären mir, was mein Job, bei Ihnen wäre.«
Auch, wenn es glatt gelogen war, sagte ich, mit einer Überzeugung die mich selbst überraschte: »Darauf freue ich mich.«
Miss Dorset stand auf.
»Ich auch, denn bei diesen Angeboten werde ich dabei sein. Lennon unterliegt einer Geheimhaltung. Ich werde überprüfen, ob er sie einhält.«
Ich sah nach Lennon.
Der gab mir ein »Wie sie will«, zu verstehen.
Damit waren wir uns einig.

06/21 PGF

Indigo (6)

6.

Da ich mir bewusst war, dass ich frühestens am nächsten Tag, bei Hope anfragen konnte, ob sie nochmal mit mir reden wollte, entschied ich mich, mich nach einer Bar umzusehen. Ich hatte keine Lust, den Abend mit Miss Langeweile, in meinem Hotelzimmer zu verbringen.
Zur Auswahl standen das »Skyland Pub«, etwas heruntergekommen, aber gut besucht und die »Distillery Bar«, etwas nobler, aber vielleicht auch eher für Intellektuelle gemacht. Ich musste mich also zwischen einem Gespräch über Sartre und Football entscheiden.
Ich gab Sartre eine Chance. Nicht wegen dem Gespräch, aber weil die Auswahl an Whiskeys mir ansprechender erschien und ich ins »Skyland« immer noch abwandern konnte, das »Distillery« schloss deutlich früher den Laden.
Als ich die Bar betrat, war ich der einzige Kunde. Der Barkeeper begrüßte mich mit einem knappen Nicken und wienerte weiter seine Theke, als würde der Laden auf Selbstbedienung setzen.
Ich zog mir einen Hocker zu Recht und setzte mich.
»Whiskey mit Eis.«
»Bourbon oder Scotch?«
Um was Neues zu versuchen, sagte ich: »Scotch.«
Der Barkeeper nickte gelangweilt und machte sich daran eine Flasche aus dem Regal zu nehmen.
Das erste Glas war schnell leer. Mit dem zweiten ließ ich mir etwas mehr Zeit. Ein Pärchen kam herein und setzte sich an einen Fensterplatz, für zwei. Dass war schon alles an Aufregung.
Ich plante bereits meinen Aufbruch ins »Skyland«, als mit einem Mal die Tür aufschwang und die für einen Abend in der Kneipe perfekte gekleidete Miss Dorset hereinschneite, in Jeans und enger Bluse, damit niemand ihre Brüste vergaß, wenn er sie ansah.
Sie bemerkte mich nicht oder tat so. Als wäre der Laden voll und sie müsse erst einen Platz suchen wanderte ihr Blick durch den Raum.
»Was für ein Zufall!« Rief ich und wandte mich ihr zu.
Sie zeigte sich nicht verblüfft.
»Joe, da sind Sie ja. Ich war mir sicher: eine Bar. Nur welche? Das war noch ein kleines Rätsel.«
Sie setzte sich auf den Barhocker neben mich und winkte den Barkeeper herbei. Der reagierte, bei ihrem Anblick, prompt.
»Haben Sie einen Nikka?«
»Ja, einen »from the barrel«.«
»Sehr schön und ein Glas Soda dazu.«
»Wie Sie wünschen.«
Der Barkeeper verschwand.
Ich versuchte, noch immer, aus dem plötzlichen Date schlau zu werden.
»Sie sind sehr offensiv. Ich hätte vermutet, Sie tun zumindest so, als würden wir uns zufällig begegnen.«
»Joe – dafür sind Sie zu schlau. Mir macht etwas anderes Sorge: nicht, ob Sie mich durchschauen. Ich darf nicht riskieren, dass Sie einen Fehler machen, ehe sie verstehen, worum es geht.«
»Welchen Fehler könnte ich machen?«
»Sich einmischen.«
Ich nippte an meinem Glas, um in Ruhe abzuwägen, wie ich, auf die kleine Unverschämtheit reagieren sollte. Plötzlich war mir doch mehr nach einem Bourbon, dass war, wie in vertrauten Gewässern schwimmen.
»Vielleicht erklären Sie mir, was ich beim Einmischen falsch machen könnte. Denn, dass ich Ihnen das Feld überlasse, können Sie vergessen.«
Sie nahm ebenfalls einen kleinen Schluck Whiskey und spülte ihn mit einem großen Schluck Wasser hinab, als wäre ihr der rohe Geschmack zu stark.
»Dazu müsste ich Ihnen so viel erklären, dass Lennon schon 25 wäre, bis ich alles berichtet hätte. Außerdem verfügen Sie über keine Qualifikation, die mich beeindrucken würde.«
»Also, als Bounty Hunter bin ich erfolgreich.«
»Kann sein, aber die letzten anderthalb Jahre waren Sie wohl mit anderem beschäftigt. Ihre Akte ist voll, mit Einträgen. Sie kamen in den letzten 18 Monaten, in insgesamt 4 Staaten mit den Behörden in Konflikt.«
»Tatsächlich?«
»Haben Sie den Überblick verloren? Brauchen Sie einen Ausdruck, für Ihre nächste Bewerbung?«
Ich trank mein Glas leer.
»Nein, keine Mühe. Diplome braucht man nur für die Karriere, für die Wahrheit genügt Gewissenhaftigkeit.«
»Und mit der wollen Sie Hope überzeugen?«
»Wir werden sehen«, ich ignorierte den Versuch, mir Zweifel ins Denken zu träufeln. »Was ich nicht verstehe, warum Sie sich dafür hergeben, Teenager fürs Militär zu gewinnen. Sie sind klug, attraktiv, vermutlich wollen Sie die Welt zu einem besseren Platz machen. Soll das mit diesem Job gelingen?«
Sie rückte etwas von mir weg. Ich war überrascht, wie meine Bemerkung wirkte. Aber es konnte auch Absicht sein, mich das glauben zu lassen.
»Wenn ihr Dad General und ihr Bruder Navy Seal wären, würden Sie das vielleicht besser verstehen. Ich tue etwas für mein Land, in dem ich die Besten für den Dienst gewinne, damit wird die Welt sicherer.«
Ich widersprach nicht, weil ich spürte, dass sie das leider wirklich glaubte.

05/21 PGF

Indigo (5)

5.

Ich verabschiedete mich und überließ das Feld der attraktiven Miss Dorset, die in meiner Abwesenheit die Chance nutzen würde, verlorenen Boden zurück zu gewinnen.
Ich hatte alles auf die »Geld oder Patriotismus«-Karte gesetzt und war mir ziemlich sicher, für was sich Hope entscheiden würde. Ihre Moral war dünn und esoterisch, am Ende würde sie das tun, was den meisten Vorteil für Lennon und am Ende für sie brachte.
Da aus Crunchys »Hol den Jungen und bring ihn zu mir«, nichts werden würde und ich nichts Besseres vorhatte, entschloss ich mich, mich nach einer Unterkunft für die Nacht umzusehen.
Ich befragte Google, was in der Nähe, für mich zur Verfügung stand und entdeckte östlich von mir nur unberührte Natur, die sich entlang dem Columbia River zog, der die Staaten Washington und Oregon an dieser Stelle trennte. Östlich von mir, lagen alle einige im Stadtzentrum von Portland, Oregon. Am schnellsten wäre ich über den »Vietnam Veterans Memorial«-Highway zu drei Hotels im Norden der Stadt gelangt. Aber die lagen beim »Troutdale Flughafen« und ich wollte es etwas ruhiger. Deshalb entschied ich mich für das »Quality Inn«, das im Zentrum der Stadt die besten Bewertungen hatte.
Nach dem Check-In verzog ich mich erstmal in mein Zimmer, um dem »Was zur Hölle war das denn?« ein wenig Raum zu geben. Anschließend wollte ich Crunchy zur Rede zu stellen. Ich legte mich zum Nachdenken auf mein Bett und schlief für eine Stunde ein.
Als ich wieder wach war, kontaktierte ich Crunchy. Auf meine SMS hin verabredeten wir uns, für ein Treffen über »Teams«.
Crunchy befand sich in seinem Büro. Er war bester Laune und die kalifornische Sonne brannte ihm in den Kupferbacken.
»Wie ist es gelaufen«, fragte er, als wäre es selbstverständlich, dass ich, mit dem Jungen, schon unterwegs war.
»Wie es eben laufen konnte, wenn mir mal wieder die Hälfte der Informationen fehlt!« Erwiderte ich trocken. »Es wäre gut gewesen, zu erwähnen, dass die Mutter des Jungen, keine Hausfrau ist, die nach Stipendien für ihren Wunderknaben sucht, sondern eine mittellose Esoterikerin, deren ganzes Kapital ihr Kind ist. Auch das schon längst jemand im Boot sitzt, jemand Bedeutungsloses, wie die US Army, die keinen Spaß versteht, wenn wir das mitmischen wollen, wäre zu wissen, hilfreich gewesen.«
»Ach komm schon, Hope ist doch ganz lieb, wenn auch ein bisschen verdreht und Wow!-Dorset ist eine Augenweide, die du dir sicher nicht entgehen lassen wolltest.«
»Du kennst die beiden Frauen?«
»Hope ist meine Nichte. Die Tochter meines nichtsnutzigen Bruders Will. Du weißt, der eine Peyotl-Farm in Mexiko eröffnen wollte und von einem mexikanischen Drogenring in der Wüste verscharrt wurde. Ich kümmere mich, seit ein paar Jahren um sie und war überrascht, als sie plötzlich mein Geld nicht mehr brauchte.«
»Und warum hast du dies kleine Detail nicht erwähnt? Ich hätte dich beinah erwähnt! Zum Glück fiel mir Crunchy Industries ein, statt Draper. Warum hast du das nicht gesagt?«
»Weil du kein Interesse gehabt hättest, an so einer Familiengeschichte. Ich war mir sicher: Wir gegen die US.com würde dich mehr reizen, als kümmere dich um meine Nichte. Außerdem ist es doch egal, ob ich Hope kenne. Sie glaubt, sie lebt für den Weltfrieden und solange jemand ihre Miete zahlt, ist es ihr ziemlich egal, ob derjenige damit etwas zu tun hat.«
»Aber du hättest doch Hope direkt fragen können?«
Crunchys Grinsen wurde breiter.
»Seit sie das Gefühl hat, ihr eigenes Geld zu verdienen, also das was Lennon, als Förderung von der Army erhält, will sie keine Dollars mehr von einem IT-Kapitalisten. Du weißt ich kann ganz schön nerven, wenn Menschen nicht tun, was ich von ihnen will. Deshalb dachte ich, du bist irgendwie ihr Typ und so abgeledert, dass sie keine Verbindung zwischen uns sieht. Ich habe gehofft, dass ich über dich, Lennon vor dieser Sache schützen kann.«
»Also daran ist dir gelegen?«
»Ja. Klar! Der Junge kann doch nichts für die Spiele von uns Erwachsenen.«
»Und Dorset?«
»Eine harte Nummer. Vor der musst du dich in Acht nehmen. Die sieht aus, wie sie aussieht, weil die Rekrutierungsbehörde ganz genau weiß, wem ein 14Jähriger seine Talente anvertrauen würde. Sie ist, wie die Lehrerin, in die sich alle Jungs verlieben. Aber täusche dich nicht. Sie ist ein Profi und sehr ehrgeizig. Sie hat nirgendwo nur als Zweite abgeschnitten. Wenn sie antritt, will sie gewinnen. Ihre Aufgabe ist aktuell Talente zwischen 12 und 15 zu gewinnen. Aber ihr Ziel ist es, die Uni-Elite für die Army zu rekrutieren. Damit macht man Eindruck. Sie wird sich Lennon nicht von dir wegnehmen lassen.«
»Kennst du sie persönlich?«
»Nein, nur ihre Akte.«
Er machte eine kurze Pause.
»Joe, glaub nicht, dass es bei der Sache, um etwas kleines geht. Für die Auswahl werden Millionen – Quatsch Milliarden – Computerspieldaten ausgewertet, ob am Handy, am PC oder an einer Konsole. Lennon ist eines von Millionen Kindern, die weltweit gescannt werden. Seine Fähigkeiten sind der Jackpot für Kriegsstrategen. Denk an die Kindersoldaten, in Afrika oder die Dschihadisten: Je früher du sie bekommst, je gnadenloser kannst du sie formen.«
Das klang tatsächlich ernst.
»Okay. Höre ich. Ich denke darüber nach. Aber ich sage dir jetzt schon, das wird dich was kosten.«
Crunchy hörte auf in die Kamera zu starren, als wolle er mich hypnotisieren. Sein Blick verlor sich.
»Das ist okay, wenn du Lennon da rausholst.«

05/21 PGF

Indigo (4)

4.

Als es klingelte, ging ich mit Lennon zurück ins Wohnzimmer, um Miss Dorset in Empfang zu nehmen.
Die erwartete Miss Dorset war knapp 60, grauhaarig, verbittert-faltig, jemand der nirgendwo gebraucht wurde und deshalb gerne Aufgaben übernahm, die das Weltelend mehrten. Herein kam mit einem »What-a-beautiful-day-this-could-be«-Lächeln eine knapp Dreißigerin, mit einem »mein Body ist ein Naturprodukt, den Workout nur veredelt«-Körper, die gar nicht verbittert, blond, blauäugig, in weißem Sommerkleid, vielleicht eine militärische Laufbahn absolviert hatte, aber auch auf einem Laufsteg eine gute Figur gemacht hätte. Ihr Pathos war: »Ich bin hier und rette die Welt!«
Sie sah mich und sagte in Richtung von Hope: »Ist er das Problem?«
Womit klar war, dass ihre, die Welt umspannende Liebe, nicht alle Bewohner der Erde umspannte.
Lennons Mutter nickte und gab zu Protokoll: »Ja. Er tauchte plötzlich auf und fing an Ihre Arbeit und Lennons Aufgabe schlecht zu machen. Ich dachte, dass Sie das wissen sollten.«
»Unbedingt.« Erwiderte Miss Dorset und legte mich auf den Scanner.
»Sie sind?«
»Joe.«
»Und gehören zu?«
»Crunchy Industries«, log ich, und fügte damit es nach etwas klang hinzu: »Recruiting Future, ist unser Slogan.«
»Nie gehört.« Sagte sie prompt, kühlte ihren Blick um noch ein paar Grad und ergänzte: »Sie wissen, dass es sich hier, um ein staatliches, ein militärisch gefördertes Programm handelt, welches im Sinn der finanziellen Chancengleichheit junge Kandidaten für höhere Aufgaben stärkt und fördert. Ich kann Ihnen deshalb sagen, dass wir keine Konkurrenz, vor allem zivile schätzen.«
»Wird weggebombt?« Fragte ich amüsiert und dachte, wie schade es war, dass dies kein guter Einstieg für ein gemeinsames Abendessen war.
»Wenn nötig!« Gab sie zurück.
Überrascht stellte ich fest, dass sie sich gar keine Mühe gab, vor Lennon und seiner Mutter als »Die Gute«, dazustehen. Ihre oberste Priorität war, Kontrolle über die Situation und die Verbindung, zu dem Jungen und seiner Mutter.
»Was für ein Programm ist das, in dem Jugendliche über das Internet ausgesucht und dann – mit 14 – für eine militärische Laufbahn vorbereitet werden? Ich meine, in Vietnam habt ihr wenigstens bis 19 gewartet.«
»Lennon absolviert keine militärischen Aktionen. Er spielt, ganz altersgerecht. Würde er sich für Football interessieren, hätte er auch einen Trainer. Wäre er gut in Astrophysik, würden die Universitäten bereits Jagd auf ihn machen. Damit habe ich mehr gesagt, als sie interessieren dürfte. Sie können dann gehen.«
»Dies ist ein freies Land, meines Wissens und dies privater Grund, als können Sie mir nicht sagen, was ich zu tun habe.«
»Diese Wohnung, das Haus, das Grundstück, alle Möbel, wenn sie wollen selbst die Luft, ist Eigentum der US Army und ich mag nur keinen Ärger für Lennon, weshalb ich Sie nicht, wegen Hausfriedensbruch verhaften lasse. Hope, Sie hätten den Mann, ohne meine Kenntnis nicht hereinbitten dürfen.«
Hope wurde schlagartig rot.
»Ich wusste nicht. Entschuldigen Sie, Miss Dorset.«
Sie nickte nachsichtig, setzte aber hinzu: »Steht in den Verträgen.«
Mir wurde der Spaß zu bunt.
»Hören Sie Hope, wir haben die Sklaverei abgeschafft. Ich biete Ihnen das Doppelte von dem was sie bekommen«, vermutlich würde Crunchy mich für diesen Satz noch büßen lassen, »und wir übernehmen die Vertragsstrafe – falls ein Zeitraum festgeschrieben wurde – damit Lennon für uns arbeitet und Sie sich das nicht mehr gefallen lassen müssen.«
Bam! Ich hatte einen Treffer gelandet.
Miss Dorset schwankte zwischen Empörung und mehr Druck auf Hope, den sie sich aber nicht erlauben durfte und Rückzug – den hasste sie bis aufs Blut, wie ich ihr ansah.
Sie versuchte es sachlich.
»Hope, lassen Sie sich nicht verunsichern. Bis heute war alles gut zwischen uns. Lennon hat alles was er braucht und er wird alles bekommen, was er braucht. Seine Zukunft ist sicher, Ihre ist sicher. Wer sollte der beste Arbeitgeber sein, wenn nicht die größte Militärmacht der Welt. Wir kontrollieren die Welt, mehr Sicherheit kann Ihnen niemand bieten.«
Hope sah nach Lennon, der sie mit einer Reaktion im Stich ließ. Jetzt musste sie selbst denken und Verantwortung übernehmen.
Stockend vermeldete Sie: »Ich glaube, ich muss über all das nachdenken.«

05/21 PGF

Indigo (3)

3.

Trotz der angespannten Stimmung durfte ich bleiben. Ich hatte den Eindruck, dass, solange die Option bestand, dass es bei mir etwas zu holen gab, Hope es sich nicht mit mir verscherzen wollte.
Wir saßen stumm auf unseren Plätzen. Durch das Panoramafenster sah ich, wie im Colombia River die Sonne schimmerte.
Ich hatte mich aufgeführt, wie ein alter Idiot. Wäre ich 14 gewesen, ich hätte auch kein Wort mehr, mit mir gewechselt. Ganz im Schema: alt gleich oben, jung gleich unten, war ich aufgetreten. Als könnte ich in Lennons Zimmer spazieren und ihm sagen, was er zu tun habe. Ziemlich arrogant.
Ich warf einen Blick nach ihm. Es war ein schmächtiger Junge, sehr nachdenklich, wie mir schien. Hätte er es formulieren können, hätte er vermutlich erklärt, dass er in der Welt noch nicht richtig angekommen war und eher noch in den Wolken hing, als auf der Erde. Ja, er war eher Geist als Materie. Er sah nicht aus nach Mädels, Party und Auto-Werkstatt, sondern nach Zweifel, Transzendenz und Programmiersprache.
»Lennon?«
Er reagierte nicht sofort.
Dann leise und – sachlich: »Ja?«
»Könntest du mir zeigen, woran du gerade warst. Es dürfte mir schwerfallen, Miss Dorset zu folgen, wenn ich nicht genau weiß, was du tust.«
»Darüber hätten Sie sich vorher informieren sollen.«
»Punkt für dich. Das werde ich mit dem Mann klären, der mich hergeschickt hat.«
Er zögerte.
Und wollte nicht unfair sein.
»Kommen Sie! Ich zeige Ihnen kurz, was ich aktuell mache. Um alles zu erklären, reicht die Zeit nicht.«
Er nahm mich mit in sein Zimmer. Bot mir einen Stuhl, neben seinem PC-Schreitisch und setzte sich dann in seinen Bürostuhl.
Er drückte eine Taste und auf dem Monitor entstand Leben.
»Das Spiel, welches ich heute spiele heißt »Rome«. Es ist der 2. Teil einer Serie, eines Herstellers der sich ausschließlich mit Strategiespielen beschäftigt.«
»Sieht ganz cool aus. Ich bin bei »Mario Bros.« stehen geblieben und dachte man trainiert heute hauptsächlich für den nächsten Amoklauf.«
Er lächelte knapp.
»Da denken Sie vermutlich an »Counterstrike«, auch schon veraltet.«
Er wandte sich dem Bildschirm zu.
»Da haben Sie viel verpasst. »Rome« ist ein Strategiespiel, in dem man den Aufstieg Roms zu einem Imperium nachspielen kann. Man hat diese Karte«, er ließ den Cursor über den Bildschirm huschen, sie sah aus, wie eine Weltkarte, »auf der man seine Truppen verschiebt, Spione einsetzt, Verhandlungen führt. Und diese«, er wählte eine der Truppen aus und die Szenerie wechselte auf ein Schlachtfeld, »auf der man seine Heere in die Schlacht führt. Wetter, Jahreszeit, Tageszeit, Stellung, das alles spielt eine Rolle. Wer seine Bogenschützen, an vorderste Front, in eine Senke stellt, während auf einer Anhöhe Kavallerie wartet, ist schon verloren.«
Ich war beeindruckt.
»Klingt, als wäre das eine peppigere Version von Schach.«
Lennon nickte.
»Finde ich auch.«
Seine Stimme klang froh, dass ich das so sah.
»Und du weißt, dass du für die Army trainierst.«
Seine Züge spannten sich.
»Das weiß ich. Die Armee ist auf der Suche nach dem nächsten Superstrategen, deshalb rekrutieren sie früh Spieler wie mich. Es ist kein Unterschied zu den Football-Clubs, die den Nachwuchs so früh, wie möglich, für ihr Team gewinnen wollen. Gesucht wird die Elite der Spieler. Aktuell trainiere ich sechs Woche Strategie, damit will man herausfinden, wie komplex und vorrausschauend ich denken kann. Anschließend folgt ein Block mit Shooter, bei denen ich Reflexe und Orientierung unter Beweis stellen muss. Insgesamt dauert das Förderprojekt zwei Jahre.«
»Und du findest das gut?«
»Klar ich kann zocken.«
»Aber das würdest du für die Army nicht tun.«
Er versetzte das Spiel wieder in Pausenmodus und schnaufte.
»Wir brauchen das Geld und meine Mum – sie – glaubt an mich.« Er wirkte unsicher, ob er weitersprechen sollte. »Meine Mutter meint, ich sei ein Indigokind. Sie ist fest überzeugt, dass aus mir etwas ganz Besonderes wird. Mein Onkel, der uns bislang unterstützt hat, hält das für Unsinn. Mum und er haben sich deswegen zerstritten. Sie will kein Geld mehr von ihm.«
»Wo ist dein Vater?«
»Das weiß ich nicht.«
Ich dachte, an meinen Dad: manchmal war das besser so.
»Also gibt es nur dich und deine Ma´?«
»Sie baut auf mich und ich bin gut. Ich habe in »Rome« schon fast alle Konkurrenten beseitigt. Mir gehört beinah ganz Europa. Wenn ich noch vier, fünf Tage, meine Gebiete erweitern kann, geht die 1. von 10 Runden an mich.«
»Also spielst du gegen andere Jungs, die ebenfalls in diesem Programm stecken?«
»Ja, die haben extra einen Multiplayer eingeführt, damit wir uns besser messen können.«
»Wie viele seid ihr?«
»Das erfährt man nie ganz genau, weil auch einige Bots dabei sind. Aber ich denke, 30 dürften wir sein.«
Was für eine Scheiße, dachte ich. Das ist ein Schritt extremer, als: »We want you!«

05/21 PGF

Indigo (2)

2.

Es wurde Zeit in die Offensive zu gehen.

»Okay! Langsam, langsam! Ich bin trotzdem auf deiner, auf Ihrer Seite. Ich weiß was hier läuft und wollte anbieten zu helfen: ich wollte, dass Sie darüber nachdenken, ob das gut ist, was Sie hier tun. Ich weiß, dass du für die US Army Computerspiele spielst. Du bist in einem Förderprogramm. Aber ich bin nicht sicher, ob du mit 12 -.«

»14!«

Er sah jünger aus.

» … schon entscheiden solltest, ob du der nächste Drohnenkrieger werden möchtest.«

»Das entscheidet meine Mum.«

Das dachte ich mir, dachte ich und warf der Angesprochenen einen flehenden Blick zu, mich zu unterstützen.

Aber sie hatte einen anderen Gedanken: »Sie sagten doch, Sie hätten für Lennon, ein Förderprogramm, das ihn interessieren könnte? Jetzt versuchen Sie, ihm das Programm von Miss Dorset schlecht zu machen. Das ist nicht okay!«

Lennons Mutter warf mir einen missbilligenden Blick, aus ihren etwas zu eng stehenden Augen, zu, die ihr ganzes Gesicht zusammen geknautscht wirken ließen, als habe sie schlecht durch den Geburtskanal gepasst.

Aus der Soundbar der PC-Anlage schepperte weiter Kriegslärm.

Ich atmete durch.

»Wenn wir uns irgendwo in Ruhe unterhalten könnten.«

»Ich muss hier weiter machen.« Beharrte Lennon.

»Fünf Minuten. Zehn Sätze.« Beharrte ich.

Sie nickte.

»Fünf Minuten! In Ordnung. Lennon nimm den Rosenquarz mit, damit er den Elektrosmog ausgleicht.«

Der Junge war nahe dran zu protestieren – nicht gegen den Rosenquarz, sondern gegen die Pause – aber etwas bremste die Wut in ihm. Etwas antrainiertes.

Er drückte eine Taste der Tastatur und auf dem Monitor erschien ein Pausebild.

Ich folgte dem Jungen und seiner Mutter in ihr Wohnzimmer, das luxuriös war, wie die ganze Wohnung. Etwas zu üppig, für eine Alleinerziehende mit einem Teenager. Durch ein Panorama-Fenster hatte man freien Blick auf den Colombia River.

Ich nahm Platz in einem Sessel, der sicher nicht vom Flohmarkt stammte, die beiden auf dem Sofa, welches frisch ausgepackt erschien.

»Also, dann erklären Sie mir nochmal ihr Anliegen. Als Sie vorhin kamen, haben Sie mich glatt überrumpelt. Ich dachte, es geht um ein weiteres Stipendium.«

Okay, dachte ich, also der Junge ist ihr Kapital. Auch eine Info, die mir Crunchy vorenthalten hatte. In seiner Version war da »… ein Junge mit seiner Mutter, die von der Regierung ausgenutzt werden. Versuch sie zu überreden, dass der Junge für mich arbeitet.«

Jetzt verstand ich, wer vor mir saß: Ein kleiner PC-Star mit seiner Managerin.

Ich fühlte mich, als Recruiter, ungeeignet. Die Sache hatte, wie Crunchy es darstellte, nach etwas Ehrenhaftem geklungen, nicht nach »dealing with the devil«.

»Zehn Sätze!« Erinnerte mich Lennon.

»Miss -«.

»Hope. Sie können mich Hope nennen.«

»Okay, Hope. Hören Sie«, ich merkte das Lennon mitzählte, »ich dachte es würde eher um eine Art Begabtenförderung gehen. Mein Auftraggeber hat mir nicht verraten, dass Sie Teil eines Programms sind. Es schien eher, als würde man Ihnen nur etwas anbieten, wovon sie Nachteile haben, ohne alle Aspekte zu verstehen.«

»Dann sind Sie falsch informiert. Die Wohnung, unsere monatlichen Auslagen, das wird alles von der US Army bezahlt. Es geht uns gut. Miss Dorset, unsere Kontaktperson, ist sehr vertrauenswürdig.«

Ich dachte: Sätze sparen; und: Fick dich, Crunchy – wer ist Miss Dorset?

»Und es ist okay für Sie, dass Lennon, zum Soldaten ausgebildet wird?«

Sie strich dem Jungen übers Haar.

»Er ist eine freie Seele. Ich kann nicht bestimmen, was aus ihm wird. Ich weiß nicht mal, wie man auf ihn aufmerksam wurde. Plötzlich stand Miss Dorset vor der Tür und machte mir ihr Angebot.«

Ich nahm an, dass das Militär, mit Hilfe der NSA, IP-Adressen sammelten, um Cyber-Soldaten zu rekrutieren. Vermutlich würde mir Hope nicht folgen können, wenn ich ihr das erklärte.

Sie war offensichtlich naiv, was die Realität anging. Sie hatte sich zu einem Deal überlisten lassen, der ihrem Weltbild widersprach. Die Option, dafür nicht arbeiten zu müssen, war zu verlockend. Ihr Sohn würde irgendwann, diesen Widerspruch aushalten müssen.

»Und was, wenn ich Ihnen ein Angebot machen könnte, damit Lennon, in einem zivilen Bereich, seine Fähigkeiten einsetzen kann?«

»Welchem?«

»Der Wirtschaft.«

»Ich soll ihn zu einem Kapitalisten machen?«

Einen Moment war ich fassungslos.

»Ja. Das ist doch besser -«.

»Zehn!« Behauptete Lennon.

»Quatsch, du hast die Fragen mitgezählt.«

»Die gehören auch dazu.« Warf er mir entgegen.

»Ich werde jetzt Miss Dorset informieren.« Entschied Hope und stand auf.

Ich hob die Hand.

»Nein warten Sie! Ich -«.

Der Blick der beiden verriet mir, dass ich raus war, wenn ich Miss Dorset nicht Schiedsrichter spielen ließ.

»Na gut! Wie Sie wollen.«

05/21 PGF

Indigo (1)

1.

Der Schlachtenlärm schien nie ganz zu verstummen. Es waren die Rufe von Männern zu hören, das Schlagen von Metall auf Metall, Schreie der Verwundeten, die Stille der Toten. Niemand stoppte es je!

Die Geräusche drangen so täuschend echt, durch die dunkle Eichentür, dass ich fast annahm, in das blitzende Metall eines Schwertes zu starren, wenn ich die Tür öffnete.

Als sie offen war, blickte ich in ein sehr geräumiges. modernes Teenager Zimmer, in dem ein Junge – er konnte zwischen 12 und 15 sein – konzentriert auf zwei Bildschirme starrte, über die eine antike oder mittelalterliche Kampfszene flimmerte, die aus einer Highend-Anlage perfekt akustisch untermalt wurde.

Seine Mutter, hinter mir, versuchte mich zu bremsen.

»Sir, ich bin nicht sicher, ob wir ihn während des Trainings unterbrechen sollten.«

Ich wandte mich ihr lächelnd zu.

»Keine Sorge, ich tue ihm nichts. Mein Bekannter war nur fest überzeugt, dass ich Ihnen beiden einen Gefallen tue, wenn ich mich kurz mit ihm unterhalte.«

Genau genommen hatte Crunchy gesagt: »Hol den Jungen! Denk daran was Mercer uns, beim Frühstück erzählt hat, als die Welt noch in Ordnung war, zwischen uns. Die Elite rekrutiert ihren Nachwuchs auf ganz anderen Wegen. Dieser Junge, ist ein ganz schäbiges Beispiel.«

Mir war eigentlich nicht nach einem Auftrag. Ich hatte die Sache mit Mercer noch nicht ganz verdaut und vermisste Beth jeden Morgen, wenn ich wach wurde und am Abend halfen mir nur Johnny und Jack, sie zu vergessen.

Aber Crunchy hatte darauf gedrängt, dass ich die Adresse nahm, vermutlich auch, um mich abzulenken und aus dem Selbstmitleid zu kicken.

Als ich, auf dem Zettel, Portland las, streckte ich ihn Crunchy wieder entgegen.

»Keine Chance! Ich gehe nicht wieder nach Maine, die Sache mit Jez-«.

Er nahm den Zettel nicht.

»Keine Sorge, wir reden von Portland in Oregon, nicht in Maine. Außerdem bist du nicht direkt dort, sondern in Corbett, einer kleinen Gemeinde in der Nähe.«

Ich steckte den Zettel ein, weil ich gerade nicht die Durchsetzungskraft hatte, Crunchy so lange auf die Nerven zu gehen, bis er nachgab.

Das war vor drei Tagen.

Ich machte mich von der Mutter des Jungen los, durchquerte das Zimmer und tippte ihm, etwas eindrücklich auf die Schulter.

Sein Kopf schoss herum, als sei eine der digitalen Figuren, aus dem Monitor geschlüpft und schwinge ihr Schwert hinter ihm.

»He! Sie? Mum – wer ist das?«

»Ich bin Joe. Ich konnte deine Mutter überreden, dass wir uns mal kurz unterhalten. Nimm es ihr nicht übel, dass ich nicht erst nach einem Termin gefragt habe. Mit 12 -«.

»14!«

»Egal, ob 12 oder 14: als Teenager, sollte man kurz die Daddelkiste abstellen können.«

Er sah an mir vorbei, zu seiner Mutter.

»Er weiß schon, dass ich hier arbeite. Ich muss die Schlacht am Nil, bis heute fertig gestellt haben, um im Zeitplan zu bleiben.«

Was für eine Jugend, dachte ich entsetzt.

»Erzähl mir kurz was du machst, weshalb du einen Zeitplan hast und schon bin ich weg.«

Er sah mich kritisch an.

»Und für wen arbeiten Sie?«

»Eine Art Jugendbehörde.«

»Weiß Miss Dorset von ihm?«

Er sah wieder an mir vorbei.

Wer ist Miss Dorset, dachte ich. Crunchy hatte sie nicht erwähnt. Aber es war ja auch nicht untypisch für ihn, mir das entscheidende Detail vorzuenthalten.

Die Mutter des Jungen musterte mich.

»Ja. Stimmt. Haben Sie Miss Dorset informiert?«

Ich lächelte breit und sagte: »Natürlich!«

Aber die beiden glaubten mir nicht.

05/21 PGF


Okay, jetzt wird es happig …

Zwei Beiträge in Folge, ich gebe zu, ich muss aufpassen, dass ich den Blog nicht überflute Winking smile 

Ihr könnt euch ja melden, wenn ihr, mit dem Lesen, nicht mehr nachkommt …

Bis ihr: »Stopp!« ruft, lautet der Plan, wie folgt:

Morgen, spätestens Übermorgen, starte ich eine neue Geschichte. Es handelt sich, um den 5. Teil der Joe-Geschichten, der 3. der hier veröffentlicht wird. Die Geschichte ist nicht geschrieben. Ich habe eine Idee, mit etwas Potential und sehe mal was daraus wird.

Den Druck muss ich etwas rausnehmen. Bedeutet: Vielleicht gibt es nicht jeden Abend ein Kapitel, sondern es gibt auch mal ein, zwei Tage Pause. Aber Kontinuität verspreche ich.

Ich habe, während der Blogpause gemerkt, wie viele stille Baustellen, im Reallife entstehen, wenn man zwischen Beruf und digitalem Workout im Dauerlauf ist. Einen Text zu schreiben und jeden Tag zumindest einmal gegenzulesen und für den Blog vorzubereiten, erfordert ein Zeitkontingent, welches ich besser im Blick haben muss, damit es, an entscheidenden Stellen, nicht fehlt.

Schreiben ohne Blog-Veröffentlichung ist stiller und macht weniger Spaß, aber es ist auch stressfreier und gesünder.

Ich will versuchen, ob sich das nicht kombinieren lässt Smile 

Also, solange ich den lästigen Editor mit Open Live Writer umgehen kann, mache ich hier weiter.

Wenn ihr Spaß habt, teile ich gerne meine Geschichten mit euch.

Wenn ich Ideen habe, schreibe ich die Geschichte vielleicht sogar zu Ende.

Und, wenn ich im Lotto gewinne oder einen Bestseller schreibe, widme ich mich wieder ganz dem Bloggen oder Kreuzfahrten oder ich lese nur noch, vielleicht gründe ich auch eine Stiftung – ach so, ne ich veröffentliche ein Buch nach dem anderen und werde nebenbei Verleger oder ich …. 

Jedenfalls: ein kleines, geheimes Projekt, bin ich im Hintergrund am vorbereiten –

wie ich sagte: geheimes Projekt Winking smile 

Habt einen schönen Abend

PGF

Ist das schön …

Jetzt dachte ich: »Komm! Ist doch gerade etwas Zeit. Schreib mal wieder einen Blogbetrag, es soll ja mit den Geschichten weitergehen.«

Also – ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber ich kann gar keine Beiträge mehr erstellen. Die Auswahl »Neuer Beitrag« hängt sich auf und landet in einem weißen Bildschirm.

Egal, wie herum ich es versuche.

Ohne den Open Live Writer, gäbe es diesen Beitrag nicht.

Tja, liebes WordPress, so wird das nix, mit dem Neustart unserer Liebe.

Trotz der Hindernisse werde ich versuchen, in den nächsten Tagen, einen neue Geschichte zu starten.

Heute wollte ich eigentlich mit einem »Was zuvor geschah …«, beginnen.

Aber ehe ich mit WordPress kämpfe, genieße ich lieber den Wechsel von Mai-Regen und Sonnenschein, der sich draußen abspielt.

Habt schöne Pfingsten Smile

PGF

Stretching

Ich würde sagen, es fühlt sich etwas ungewohnt an nach, doch längerem inneren Dialog, sich Wörter aufsummierend, wieder dem Äußeren zu zuwenden. Da ist es vielleicht nötig, ähnlich wie nach längerer sportlicher Abstinenz, mal mit ein paar Dehnübungen zu beginnen, damit man nicht stolpert oder sich gar verletzt.

Mit diesem bescheuerten Editor, als Sportgerät ist die Gefahr natürlich doppelt groß, den Spaß an der Sache zu verlieren und sich ein ganz neues Hobby zu suchen. Aber es geht ja, um die Mannschaft, um das Team. Dafür lohnt es sich wieder in den Trainingsmodus zu kommen.

Im Rahmen von: Was bisher geschah … kann ich berichten, dass tatsächlich die 4. Erzählung zu Joe abgeschlossen ist und dass ich mittlerweile an einem kleinen Text schreibe, der aber, weil als Geschenk gedacht, eher eine private Angelegenheit bleiben soll.

In die Zukunft gedacht, habe ich, etwas frustriert, die Einladung zum Kindle Storyteller erhalten und festgestellt, dass ich nicht teilnehme. Dafür fehlt ein Text bzw. es fehlt eine Finanzquelle, um vorhandene Texte, in einen Teilnahme-Kandidaten zu verwandeln. Doch damit habe ich meinen Frieden geschlossen.

Ich will auch nicht klagen, in den letzten Wochen haben sich einige Bücher verkauft. Damit kauft man sich keine Villa, aber es beglückt ein wankelmütiges Autorenherz. 🙂

Womit wir zu: Und wie soll es denn hier weitergehen? kommen. Zugegeben erschreckender Weise, war die Stressreduktion durch, nicht mehr Bloggen, erheblich. Also nicht ein bisschen, sondern beinah schon Burnout verhindernd.

Allerdings habe ich demnächst vor, mich an die 5. Erzählung von Joe zu setzen und somit wird „geschrieben“ in jedem Fall. Wenn sie auf Interesse stößt, ist es nicht viel mehr Aufwand das Entstandene, auf dem Zeilenportal, zu veröffentlichen. Allerdings vielleicht nicht mehr mit dem Anspruch, das jeden Abend zu tun. Denn dafür genügt nicht die bloße Niederschrift, sondern das zwei, drei Mal querlesen. Dieser bescheuerte Editor – habe ich mich darüber schon beschwert …, kommt hinzu.

Also, wenn sich beim Stretchen keine Probleme zeigen, kann der Trainings- und Wettkampfbetrieb, an dieser Stelle, so in zwei, drei Wochen wieder aufgenommen werden. Bis dahin versuche ich mit Proteinshakes, ausreichendem Schlaf und ausgewogenem Trainingsplan, den alten Wettkampfehrgeiz wieder aufzunehmen.

Bis dahin, gehabt euch wohl. Ich habe das hier durchaus vermisst. Man sollte halt nicht Fulltime, im Gesundheitssystem am Anschlag arbeiten müssen, aber ich zehre noch immer vom warmen Applaus der Balkone …

PGF 05/21