Gestra (42)

42.

Als Samuel seine Erklärung beendet hatte war es später Nachmittag. Das schwächliche Licht dieses grauen Tages, lag sterbend über der Welt und es hätte nichts, meine Mutlosigkeit besser spiegeln können.
»Und was machen wir jetzt?«
»Wir sollten Gestra beobachten. Wir sollten wissen, wohin es sich als nächstes entwickelt, ehe wir uns entscheiden was zu tun?«
»Entscheiden was zu tun ist? Das kann ich dir sagen: Wir löschen das Ding aus!«
»Wir sollen die erste nicht-irdische Lebensform töten? Sicher?«
»Ja.« Bekräftige ich, überzeugt, dass es alternativlos war.
»Und, wie sollen wir das Ding bekämpfen? Sollen wir es vergiften?«
»Gute Idee, Jez hat bestimmt was ökologisches auf Lager.«
Samuel sah mich seltsam irritiert an, als würde ich erst in Zukunft verstehen, wie befremdlich meine Begeisterung war, Gestra zu töten. Aber er wusste, dass ich noch nicht bereit war zu verstehen, was an meinem Gedanken falsch war.
»Ob wir es töten entscheiden wir nach dieser Nacht. Heute Nacht beobachten wir es und dann entscheiden wir.«
Ich bin selten ängstlich. Ich war es zum letzten Mal, mit 7, als mir die scheißteure Vase meiner Tante Cathy aus der Hand gerutscht war – die ich nicht hätte anfassen sollen, aber warum, fragte ich mich damals, gibt es so was Schönes, wenn es nur dasteht und man es nicht benutzt. Jetzt jedenfalls schlug mir Samuel vor, in den Wald zu gehen und das Ding, im Dunkeln zu jagen, welches Stunden vorher, den Sheriff genüsslich verspeist hatte.
»Ich gehe nur in den Wald, wenn du einen Flammenwerfer dabei hast.«
Ryken erhob sich.
»Das nicht, aber etwas anders nützliches.«
Er ging zu Jez Wagen, öffnete den Kofferraum und holte etwas heraus, was, wie Army-Kleidung aussah.
Er kam wieder zu mir und hielt mir einen Gegenstand entgegen.
»Das ist -«.
»Ein Nachtsichtgerät.«
»Dass man auch als Flammenwerfer benutzen kann?«
Er lachte.
»Nein, damit sehen wir uns an, was aus Gestra wird. Soweit ich vermute, findet in der Nacht, die Verpuppung zur nächsten Stufe statt. Während dieses Vorgangs, in dem Gestra, gesammelte Informationen in eine neue Physis verwandelt, ist es nicht handlungsfähig.«
»So, wie ich nackt, wenn ich mit dir diskutieren will.«
»Perfektes Beispiel.«
»Aber wie sollen wir Gestra finden?«
»So, wie du es heute Morgen entdeckt hast: der Ort, wo es ankam, ist, wie sein Nest. Es wird immer dorthin zurückkehren, weil es die gleichen Ausgangsbedingungen findet, in denen seine erste Entwicklung sich vollzog.
»Deshalb lande ich immer in den gleichen Bars und bei den gleichen Frauen.«
»Ja, du landest immer wieder bei deiner Mutter und dem was du als »Familie« erfahren hast.«
Ich betrachtete ihn, ob er scherzte. Aber das schien nicht so.
»Du meinst das ernst.«
»Ja, aber es würde zu weit führen. Wir haben Gestra zu fangen und nicht deine Psychoanalyse zu bewältigen, wobei ich nicht weiß, was gefährlicher wäre.«
»Du willst doch lieber Lone Wolf bleiben?«
Samuel wurde ernst.
»Nein Joe, sicher nicht. Der Mensch kann alles allein schaffen, manchmal muss er das. Einer geht den ersten Schritt, wie damals Armstrong, als er die Oberfläche des Mondes betrat. Aber ich bin heilfroh, dass du neben mir bist.«
»Weil wir die vertraute Welt verlassen, um dem Chaos der Existenz gegenüber zu treten?«
»Ja Joe, für uns wird bis zum Morgen, dass nicht mehr Bestand haben, was alle für die Realität halten.«

02/21 PGF

42.

When Samuel finished his explanation, it was late afternoon. The faint light of this gray day, lay dying over the world and nothing could have better reflected my despondency.
„So what do we do now?“
„We should watch Gestra. We should know where it’s going next before we decide what to do?“
„Decide what to do? I can tell you that: we wipe the thing out!“
„You want us to kill the first non-terrestrial life form? Are you sure?“
„Yes.“ I affirm, convinced there was no alternative.
„So, how should we fight the thing? Should we poison it?“
„Good idea, I’m sure Jez has something ecological in store.“
Samuel looked at me strangely irritated, as if I would only understand in the future how alienating my enthusiasm was to kill Gestra. But he knew I wasn’t ready to understand what was wrong with my thought.
„We’ll decide whether to kill it after tonight. Tonight we’ll watch it and then we’ll decide.“
I’m rarely anxious. I was the last time, at 7, when my Aunt Cathy’s expensive-as-shit vase had slipped out of my hand – which I shouldn’t have touched, but why, I wondered at the time, is there such a beautiful thing if it’s just standig there and you don’t use it. Now, anyway, Samuel suggested I go into the woods and hunt the thing, in the dark, that hours before, had gleefully eaten the sheriff.
„I’ll only go into the woods if you have a flamethrower with you.“
Ryken rose.
„Not that, but something else useful.“
He went to Jez’s car, opened the trunk, and took out what looked like Army clothes.
He came back to me and held an object out to me.
„This is -„.
„A night vision device.“
„That you can also use as a flamethrower?“
He laughed.
„No, we use it to see what Gestra becomes. As far as I can guess, during the night, the pupation to the next stage takes place. During this process, in which Gestra, collected information transforms into a new physique, it is unable to act.“
„Just as I am naked when I want to discuss with you.“
„Perfect example.“
„But how are we going to find Gestra?“
„The same way you discovered it this morning: the place where it arrived is, like its nest. It will always return there because it will find the same initial conditions in which its first development took place.
„That’s why I always end up in the same bars and with the same women.“
„Yes, you always end up back with your mother and what you experienced as ‚family‘.“
I looked at him to see if he was joking. But it didn’t seem that way.
„You’re serious.“
„Yes, but it would be going too far. We have Gestra to catch, not your psychoanalysis to deal with, though I don’t know which would be more dangerous.“
„You’d rather stay Lone Wolf, wouldn’t you?“
Samuel grew serious.
„No Joe, I sure don’t. Man can do anything by himself, sometimes he has to. Somebody takes the first step, like Armstrong did when he walked on the surface of the moon. But I’m glad as hell to have you beside me.“
„Because we are leaving the familiar world to face the chaos of existence?“
„Yes Joe, for us, until the morning, that will no longer hold what everyone thinks is reality.“

02/21 PGF

Gestra (41)

41.

Ich brauchte etwa eine Viertelstunde, bis ich mich einigermaßen beruhigt hatte. Dann sagte ich, in einem nicht sehr freundschaftlichen Ton: »Jetzt will ich endgültig alles wissen, was du weißt.«
Samuel sah mich nicht an.
»Ja, das hast du dir verdient.«
Wir setzten uns zum Feuer, dass wir nochmals entfacht hatten.
»Vieles von dem, was ich dir sage, ist noch Vermutung, aber es ist die Grundlage auf der ich arbeite. Das was ihr Gestra getauft habt, heißt in unseren Akten Plasma Nocturne. Es handelt sich, um eine schwarze, Licht absorbierende Materie, die wie ein Düngemittel oder eine Keimhilfe wirkt, aus der sich Leben entwickelt – wie wir bei Gestra gesehen haben.«
»So was ist nicht zum ersten Mal auf die Erde aufgeschlagen?«
Er schüttelte den Kopf.
»Nein. Es gab schon mehr Nidationen, aber keine hat sich entwickelt. Das ist der erste Fall, bei dem sich mehr, als ein paar Einzeller entwickelt.«
»Was gab es schon öfter – Nida was?«
»Nidationen, Einnistungen, so nennt man es, wenn eine befruchtete Eizelle, sich in der Gebärmutterschleimhaut verankert.«
Ich schnaufte durch.
»Also unterstellt ihr eine Absicht? Irgendwas schießt uns mit seinem Scheiß-schwarzen-Astro-Sperma zu?«
»Das wissen wir nicht. Dazu gibt es verschiedene Theorien: Etwas will zu uns kommen. Nicht auszuschließen. Etwas ist ständig, im Weltraum unterwegs, wie Kometen und bleibt an unserem Weltraumschrott hängen und was bislang vielleicht an uns vorbeiflog, landet uns vor den Füßen. Oder – und das zu überprüfen, ist aktuell meine Hauptaufgabe – wir haben es mit mutiertem Saatgut aus der ISS zu tun. Saatgut welches, im Rahmen der Müllentleerung, in den Weltraum verschwand und sich unter der kosmischen Strahlung veränderte. Es gibt dazu Beobachtungen auf der Erde, mit Saat die man in Magnetfelder legt.«
Ich brauchte einen Moment, bis sich das gesetzt hatte.
»Du erzählst mir das, als würden jeden zweiten Tag die Nachrichten darüber berichten. Aber das ist doch -«.
Mir fehlte das Wort.
»Alles verändernd? Ja. Ich sagte dir: Unser Job ist nicht der böse Russe oder Chinese. Wir schützen die Normalität. Davon abgesehen ist der Eintrag von kosmischen Elementen, als Baustein des Lebens auf der Erde nichts Neues. Man nennt das, Panspermie, es bietet eine Theorie, zur Entstehung von Leben auf der Erde.«
Was hätte ich gern, ein Glas Bourbon getrunken …
»Okay, ich dachte, Killerpflanzen gibt es nur in billigen Horrorfilmen. Aber da sind sie wenigstens am Stück und evolutionieren nicht. Ich verstehe nicht, wie aus dem schwarzen Urschleim Gestra entstehen kann.«
Samuel sah zum Wald hinüber, über den sich der Nachmittag senkte.
„Entwicklung ist abhängig von den Parametern. Hätten die jetzigen Bedingungen, in einem früheren Erdzeitalter geherrscht, hätte die Evolution direkt mit dem Menschen beginnen können. Die Umwelt bestimmt was aus der omnipotenten Zelle wird. Gestra kann jetzt alle Schritte sofort nehmen und durchläuft die Evolution, in Sprüngen und Stadien, wie ein Embryo, in neun Monaten die Evolution durchläuft.«
»Du willst mir erzählen, aus jeder Zelle kann alles werden?«
Er lächelte.
»Es ist ein bisschen komplexer. Das Exposom, so nennt man alle Umweltfaktoren zusammen, haben einen erheblichen Einfluss auf uns und unsere genetischen Grundlagen. Unsere DNA unterliegt den Einflüssen der Umwelt. Man nennt das Epigenetik. Bienenlarven sind alle gleich, auch ihre DNA. Es ist allein ihre Ernährung, das Gelee Royale, welches entscheidet, welche Larve zur Königin wird. Die Ernährung triggert die Entwicklung. Ein Teil auch unserer Gene ist nicht fixiert. Man nennt das Transposon, diese Elemente können selbstständig ihren Platz im Genom verändern. Das Plasma Nocturne scheint diese Fähigkeit, in einer unglaublichen Form zu besitzen.«
»Aber es kann doch nicht so schnell -«.
»Zeit ist abhängig von der Wahrnehmung, der eigenen individuellen Entwicklung. Wir erleben die Evolution, als etwas unglaublich langdauerndes. Weil unsere Entwicklung darin so lange gedauert hat. Für diese Substanz gibt es dieses Zeitempfinden nicht. Zeit ist relativ, weil seine Entwicklung so relativ ist.«
»Also, wie ein dauerndes Sein und ein freiwilliges Werden.«
»In etwa. Es besitzt immer das Potential der Entwicklung und entscheidet über die Geschwindigkeit. Auf der Erde entwickelt sich auch nicht alles gleich. Eintagsfliegen schaffen in kurzer Zeit, was wir in 80 Jahren erleben. Sobald sie als Larve geschlüpft sind, verwandelt sich ihr Darm in ein luftgefülltes Skelett, weil das Erwachsenentier keine Nahrung mehr benötigt. Es gibt eine Sorte davon, die lebt – im Erwachsenenstadium – nur 40 Minuten, um sich zu begatten und die Eier abzulegen. Sie heißt Oligonenviella Rhenana. Ihr ganzer Aufbau verändert sich in kurzer Zeit, also auch ihr körperlicher, mit dem einen Ziel: Reproduktion. Wir Menschen könnten unsere Reproduktionszyklus so weit reduzieren, dass wir mit 30 sterben. 15 Jahre, um zeugungsfähig zu werden, innerhalb von 5 Jahren, zwei Kinder zeugen. Sie zehn Jahre versorgen und abtreten. Was denkst du, wie fundamental dies unseren Körper und unser Denken verändern würde?«
»Scheint mir keine sympathische Variante.«
»Denk darüber nach, wie vollkommen anders, du all deine Entscheidungen treffen würdest, wenn du wüsstest mit 30 ist Schluss. Wenn du nicht ungeduldig wärst, endlich erwachsen zu werden, sondern beschleunigt auf dein Ende hinleben müsstest.«
Der Gedanke war mir unbehaglich. Samuel sah es mir an.
»Ja, der Mensch mit seinem Ich-Bewusstsein … und dem Bewusstsein seiner Sterblichkeit. Wir sträuben uns. Der Mensch springt nicht. Er kriecht. Weil er weiß, dass er dem Ende entgegen kriecht. Er lernt ungern, weil ihn das in der Zeit vorwärtsbewegt: dem Ende entgegen.
Nimm die Sprache. Wenn du eine andere lernen musst, welche wirst du wählen: die zumindest die gleichen Schriftzeichen verwendet oder eine gänzliche andere? Würdest du eher Deutsch oder Chinesisch lernen.«
»Ich denke Oxford-Englisch.«
Ryken winkte ab.
»Da siehst du es! Du springst nicht vom Vertrauten zum Fremden, sondern du kriechst vom Vertrauten zum irgendwie Bekannten. Warum solltest du es anders machen? Ist deine Zeit nicht zu kurz, um umzulernen? Das Ende zu klar? Das Danach unergründlich? Gestra ist uns in allen Belangen überlegen. Sie stürmt durch Entwicklungen., wenn der Prozess einmal in Gang gesetzt ist und aus einer Zelle zwei werden.«
»Du meinst, das wird jetzt immer so weitergehen. Dann sollten wir langsam unsere Sachen packen und die Army alarmieren.«
Ryken wandte sich zu mir und in seiner Stimme lag das Flehen nach einem Pakt.
»Wir haben noch einen Joker! Die schnelle Entwicklung, von Plasma Nocturne, hat einen Preis: Das Geschöpf das entsteht, ist vorerst ortsgebunden.«
»Bedeutet für uns?«
»Es ist nur für diesen Wald geschaffen: dieses Licht, diese Luftfeuchtigkeit, seine Keime und seine Nahrung. Es muss sich in diesem Lebensraum, erst zu seiner höchsten Stufe entwickelt haben, um ihn verlassen zu können. So, wie der Affe erst, zum Menschen geworden, vom Wald in die Savanne wechseln konnte.«
Ich schmunzelte.
»Deshalb wolltest du, dass wir hier übernachten. Dir war klar es entkommt uns nicht. Aber eines verstehe ich noch nicht: wenn es so viel bekannte Zusammenhänge gibt, weshalb arbeitest du dann immer noch allein? Es ist doch damit zu rechnen, dass du fündig wirst. Du sagst ja selbst, es ist nicht das erste Mal.«
Samuel winkte ab.
»Keiner will sich blamieren mit einem zweifelhaften Fund. Die Unterstützung kommt, wenn ich Tatsachen liefere. Es ist ganz einfach: Mich gibt es nicht, solange es keinen ersten Beweis gibt. Das Geschöpf, hier im Wald, ist meine erste Chance einen Beweis zu beschaffen damit aus dem Lone Wolf eine Armee wird.«
»Sie wollen allen Ernstes eine Trophäe?«
»Zumindest einen Finger.«
Ich lachte und ahnte nicht, wie nah dies der Wahrheit lag.

02/21 PGF

41.

It took me about a quarter of an hour to calm down to some extent. Then I said, in a tone that was not very friendly, „Now I want to know definitely everything you know.“
Samuel did not look at me.
„Yes, you’ve earned it.“
We sat down by the fire that we had once again started.
„Much of what I tell you is still conjecture, but it is the basis on which I work. What you have christened Gestra is called Plasma Nocturne in our files. It is, a black, light-absorbing matter that acts like a fertilizer or a germination aid from which life develops – as we saw with Gestra.“
„This isn’t the first time something like this has hit Earth?“
He shook his head.
„No. There have been more nidations, but none have developed. This is the first case of more than a few single-celled organisms developing.“
„What has been more – nida what?“
„Nidations, implantations, that’s what it’s called when a fertilized egg, anchors itself in the lining of the uterus.“
I gasped.
„So you’re implying intent? Something is shooting its fucking black astro sperm at us?“
„We don’t know. There are several theories on that: Something wants to come to us. Not to be ruled out. Something is always, traveling in space, like comets, and gets stuck on our space junk, and what might have been flying past us so far lands at our feet. Or – and to check this is currently my main task – we are dealing with mutated seeds from the ISS. Seeds which disappeared into space during the emptying of the garbage and changed under the cosmic radiation. There are observations of this on Earth, with seeds placed in magnetic fields.“
It took me a moment for that to settle.
„You’re telling me this like it’s on the news every other day. But that’s -„.
I was at a loss for words.
„Changing everything? Yes. I told you: our job is not the evil Russian or Chinese. We protect normality. That being said, the entry of cosmic elements, as the building block of life on Earth is nothing new. It’s called, panspermia, it provides a theory, for the origin of life on Earth.“
What would I like, a glass of bourbon drunk ….
„Okay, I thought killer plants were only in cheap horror movies. But at least there they’re in one piece and don’t evolve. I don’t understand how black primordial slime can evolve into gestra.“
Samuel looked over at the forest, over which the afternoon was settling.
„Evolution depends on parameters. If the present conditions, had prevailed in an earlier earth age, evolution could have begun directly with man. The environment determines what becomes of the omnipotent cell. Gestra can now take all the steps immediately and goes through evolution, in leaps and stages, like an embryo, goes through evolution in nine months.“
„You mean to tell me any cell can become anything?“
He smiled.
„It’s a little more complex than that. The exposome, which is what all environmental factors are called together, have a significant impact on us and our genetic makeup. Our DNA is subject to environmental influences. It’s called epigenetics. Bee larvae are all the same, including their DNA. It is their nutrition alone, the royal jelly, which decides which larva becomes the queen. Nutrition triggers development. A part of our genes is also not fixed. It is called transposon, these elements can change their place in the genome independently. The plasma nocturne seems to have this ability, in an incredible form.“
„But surely it can’t do that quickly -„.
„Time is dependent on perception, on one’s own individual evolution. We experience evolution, as something incredibly long lasting. Because our development in it has taken so long. For this substance, this perception of time does not exist. Time is relative because its evolution is so relative.“
„So, like a continuous being and a voluntary becoming.“
„Sort of. It always has the potential of development and decides the speed. On Earth, not everything develops the same way either. Mayflies create in a short time what we experience in 80 years. As soon as they hatch as larvae, their intestines turn into an air-filled skeleton because the adult animal no longer needs food. There is a variety of them that lives – in the adult stage – only 40 minutes to mate and lay eggs. It is called Oligonenviella Rhenana. Their whole makeup changes in a short time, so does their physical makeup, with one goal: reproduction. We humans could reduce our reproductive cycle to the point where we die at 30. 15 years to become procreative, within 5 years, produce two children. Take care of them for ten years and step down. How fundamentally do you think this would change our bodies and our thinking?“
„Doesn’t seem like a sympathetic option to me.“
„Think about how completely different, you would make all your decisions if you knew at 30 was the end. If you weren’t impatient to finally grow up, but had to live accelerated toward your end.“
The thought made me uncomfortable. Samuel saw it in my face.
„Yes, man with his ego consciousness … and the consciousness of his mortality. We are resisting. Man does not jump. He crawls. Because he knows he is crawling toward the end. He doesn’t like to learn because that moves him forward in time: towards the end.
Take the language. If you have to learn another, which one will you choose: one that at least uses the same characters or one that is completely different? Would you rather learn German or Chinese.“
„I think Oxford English.“
Ryken waved it off.
„There you see! You don’t jump from the familiar to the unfamiliar, you crawl from the familiar to the sort of familiar. Why should you do it any other way? Isn’t your time too short to relearn? The end too clear? The after unfathomable? Gestra is superior to us in all aspects. It storms through developments, once the process is set in motion and one cell becomes two.“
„You mean this will go on and on now. Then we should start packing our bags and alert the Army.“
Ryken turned to me and there was a plea for a pact in his voice.
„We still have a wild card! The rapid development, of Plasma Nocturne, comes at a price: the creature that emerges is stationary for now.“
„Meaning for us?“
„It is created only for this forest: this light, this humidity, its germs and its food. It must have developed in this habitat, first to its highest level, in order to leave it. Just as the monkey, having become a human being, was able to move from the forest to the savannah.“
I smirked.
„That’s why you wanted us to spend the night here. You knew it wouldn’t escape us. But there’s one thing I still don’t understand: if there are so many known connections, why are you still working alone? You’re bound to find something. You said yourself it’s not the first time.“
Samuel waved it off.
„No one wants to embarrass themselves with a dubious find. The support comes when I deliver facts. It’s simple, I don’t exist until there’s initial proof. The creature, here in the forest, is my first chance to procure proof so that the Lone Wolf becomes an army.“
„You seriously want a trophy?“
„At least a finger.“
I laughed, not suspecting how close this was to the truth.

02/21 PGF

Gestra (40)

40.

Ich realisierte langsam den klebrigen Film auf meiner Haut – Donavan war tot – auf meinen Kleidern – es hat ihn gepackt und verschlungen – auf meinem Gesicht – einfach so, wie eine Puppe und ich hatte ihm nicht geholfen – ich hatte nicht gekonnt – ich war davongelaufen – weil ich nichts mehr gesehen hatte – aus Angst – aus Instinkt – aus Feigheit – aus Überlebenstrieb.
Ich torkelte zu einem Fass, in der Nähe der Hütte, in dem Jez und Ihre Freunde Regenwasser sammelten. Hastig steckte ich meinen Kopf hinein. Das Wasser war eiskalt und abgestanden und ich merkte, wie Blätter die darin trieben, an meinen Wangen vorbei glitten. Aber es war gut. Als würde ich Schweiß und Ausdünstung einer durchzechten Nacht von mir spülen, wusch sich der gelbe Film von meiner Haut, den Gestra mit einer Nebelwolke über mich geblasen hatte.
Ich zog den Kopf zurück und schüttelte ihn. Das war gut. Das war sehr gut. Ich zog mich aus und fing mich an zu waschen. Ich wollte weder meine Kleider nochmals anziehen, noch eine einzige Sekunde, dieses Zeug auf meiner Haut spüren. Am liebsten hätte ich mich in eine Wanne gelegt, aber das Regenwasser war gut. Es fühlte sich an, wie geweihtes Wasser.
Ich weiß nicht, wie lange ich damit zubrachte mich sauber zu schrubben. Zwischendurch dachte ich immer wieder darüber nach, was ich anziehen wollte, wenn ich gewaschen war. Aber ich wäre lieber nackt geblieben, als meine Kleider wieder anzuziehen.
Irgendwann fror ich so sehr, dass ich mich nicht mehr weiter waschen konnte, weil ich zu sehr zitterte. Ich setzte mich nackt und tropfend an die Glutreste, die von unserer Kaffeerunde vom Morgen geblieben waren. Ich hoffte, Jez hatte in der Hütte noch irgendwelche Kleider oder zumindest einen Overall.
Ich weiß nicht, wie lange ich am Feuer saß. Vielleicht wurde es Mittag. Es kam mir unendlich lang vor und ich war nur glücklich, dass es Tag war und ich nicht in der Nacht hier sitzen und warten musste, bis Gestra kam, um mich zu fressen.
Irgendwann jedenfalls sah ich, wie Jez Wagen auf den Feldweg einbog und sich elegant bis zum Observatorium hochschlängelte.
Hinter dem Steuer saß Ryken. Er parkte und stieg aus.
»Was ist denn hier los?« Fragte er mit einer bizarren Mischung, aus Erheiterung und Entsetzen.
Ich blieb sitzen, um ihm nicht splitternackt gegenüberzustehen. Auch, wenn alles in mir drängte hoch zu springen und ihm entgegen zu schreien, was geschehen war.
»Donavan ist tot.« Sagte ich und es klang eher, wie ein Flüstern.
Er kam näher.
Jetzt verschwand die Heiterkeit aus Rykens Zügen und zurück blieb nur das Entsetzen.
»Was?«
»Er ist tot. Gestra hat ihn sich geschnappt und mich attackiert. Wo ist Jez?«
Er stand jetzt neben mir und die Nachricht hatte eine solche Wucht auf ihn, dass es ihm einfach egal schien, dass ich nackt war.
»Im Krankenhaus. Der Arzt wollte sie behalten. Er schließt nicht aus, dass sie eine Sepsis entwickelt.«
»Was hast du ihm erzählt?«
»Was ich musste.«
Langsam setzte sich mein Zorn gegen die Panik und die Ohnmacht durch.
»Scheiße Ryken, sie stirbt und du machst auf Secret Service.«
Er zog einen Schlüssel aus seiner Tasche.
»Sie hat mir den hier noch geben können, falls wir etwas aus der Hütte brauchen. Vielleicht finden wir was zum Anziehen.«
»Ich will wissen, was du dem Arzt erzählt hast.«
Ryken blieb erschreckend ruhig.
»Nichts. Was sollte ich ihm sagen? Möglicherweise Reaktion auf ein Alientoxin verwenden sie Aspirin und etwas Penicillin, das hilft gegen alles.«
Recht hatte er, aber ich wollte es nicht akzeptieren.
Ich sprang auf und mir war scheißegal, ob mein Schniedel klein wie ein Wurstrest in die Gegend hing.
»Gott verdammt, was ist denn los mit dir? Hörst du mir zu? Gestra sieht aus, wie ein grüner Todesengel und Jez liegt vielleicht bald im Sterben.«
»Du solltest etwas anziehen. Ich kann nackte Menschen nicht ernstnehmen.«
Ich hätte ihm am liebsten die Fresse poliert, aber ich verstand den Gedanken.
»Gib mir den Schlüssel.« Sagte ich schroff und Ryken warf ihn mir zu.
Tatsächlich fand ich in der Hütte ein Arbeitsoverall, der mir einigermaßen passte und einen dicken Wollpullover, den jemand mal vergessen hatte.
Ich zog ihn über und ging nach draußen.
Ryken wollte was fragen, aber ich ließ ihn nicht zu Wort kommen.
»Das Ding ist zu einem scheiß Monster mutiert. Wo bleibt eigentlich die Verstärkung? Ich meine, ihr müsst doch Notfallpläne für so etwas haben.«
Samuel sah weg.
»Könnte sein, dass sie nicht kommt.«
Ich fühlte mich, als hätte er mich geohrfeigt.
»Was?«
»Wir sind noch nicht so weit. Ich habe eine Solo-Mission. Wie will man einen solchen Vorfall geheim halten, wenn fünf davon wissen?«
»Du nimmst mich auf den Arm? Du hast doch Donavan erzählt -«.
»Donavan hatte ich schnell überzeugt. Ich zeigte ihm meine Marke, die echt ist und erzählte von meinem Team. Das Problem mit meiner Marke ist, es nimmt sie, außer mir, niemand ernst.«
»Du bist ein Lone Wolf?«
Er lächelte, in einer scheuen, ernsten Art, dass ich ihm nicht mehr böse sein konnte.
»Genau genommen«, meinte er, »sind wir zwei.«

02/21 PGF

40.

I slowly realized the sticky film on my skin – Donavan was dead – on my clothes – it grabbed him and devoured him – on my face – just like that, like a doll and I hadn’t helped him – I hadn’t been able to – I had run away – because I hadn’t seen anything anymore – out of fear – out of instinct – out of cowardice – out of survival instinct.
I staggered to a barrel, near the hut, where Jez and her friends were collecting rainwater. Hastily, I stuck my head in. The water was icy cold and stale, and I noticed how leaves floating in it slid past my cheeks. But it was good. As if washing away sweat and exhalation from a night of drinking, the yellow film Gestra had blown over me with a cloud of mist washed off my skin.
I pulled my head back and shook it. That was good. That was very good. I undressed and began to wash. I didn’t want to put my clothes on again, nor for a single second, feel that stuff on my skin. I would have preferred to lie down in a tub, but the rainwater was good. It felt like consecrated water.
I don’t know how long I spent scrubbing myself clean. In between, I kept thinking about what I wanted to wear when I was washed. But I would rather have stayed naked than put my clothes back on.
At some point I was so cold that I couldn’t continue washing because I was shivering too much. I sat down naked and dripping by the embers left over from our morning coffee session. I hoped Jez had any clothes left in the cabin, or at least overalls.
I don’t know how long I sat by the fire. Maybe it was getting to be noon. It seemed interminably long, and I was just happy that it was daytime and I didn’t have to sit here at night waiting for Gestra to come and eat me.
At any rate, at some point I saw Jez’s car turn onto the dirt road and meander gracefully up to the observatory.
Behind the wheel was Ryken. He parked and got out.
„What’s going on here?“ He asked with a bizarre mixture, of amusement and horror.
I remained seated so as not to face him stark naked. Even though everything in me urged to jump up and scream at him what had happened.
„Donavan is dead.“ I said, and it sounded more like a whisper.
He came closer.
Now the mirth disappeared from Ryken’s features and all that was left was horror.
„What?“
„He’s dead. Gestra grabbed him and attacked me. Where’s Jez?“
He was standing next to me now, and the news had such a force on him that he just didn’t seem to care that I was naked.
„At the hospital. The doctor wanted to keep her. He wouldn’t rule out the possibility of her developing sepsis.“
„What did you tell him?“
„What I had to.“
Slowly my anger asserted itself against the panic and faintness.
„Shit Ryken, she’s dying and you’re going all Secret Service.“
He pulled a key from his pocket.
„She left me this in case we needed anything from the cabin. Maybe we can find something to wear.“
„I want to know what you told the doctor.“
Ryken remained startlingly quiet.
„Nothing. What was I supposed to tell him? Possible reaction to an alien toxin: use aspirin and some penicillin, that helps with everything.“
He was right, but I wouldn’t accept it.
I jumped up and I didn’t give a shit if my wiener was hanging around as small as a leftover sausage.
„God damn it, what’s wrong with you? Are you listening to me? Gestra looks like a green angel of death and Jez may be dying soon.“
„You should put something on. I can’t take naked people seriously.“
I would have loved to smack his face, but I understood the thought.
„Give me the key.“ I said gruffly, and Ryken tossed it to me.
Sure enough, inside the shack I found a pair of work overalls that fit me reasonably well and a thick wool sweater that someone had once forgotten.
I put it on and went outside.
Ryken wanted to ask something, but I didn’t let him get a word in edgewise.
„That thing has mutated into a fucking monster. Where’s the backup, anyway? I mean, you guys must have contingency plans for something like this.“
Samuel looked away.
„Could be it’s not coming.“
I felt like he slapped me.
„What?“
„We’re not ready yet. I have a solo mission. How are you going to keep an incident like this a secret if five know about it?“
„You’re pulling my leg? You told Donavan -„.
„Donavan I had quickly convinced. I showed him my badge, which is real, and told him about my team. The problem with my badge is, no one, except me, takes it seriously.“
„You’re a Lone Wolf?“
He smiled, in a shy, serious way that I couldn’t stay mad at him.
„Actually,“ he said, „we’re two.“

02/21 PGF

Gestra (39)

39.

Es war plötzlich vor uns. Nicht größer, als am Vortag, aber feiner ausgebildet. Aus dem Oberteil dessen was gestern, wie ein Kaktusleib ausgesehen hatte, hatte sich etwas wie ein Kopf gebildet. Als hätte eine unsichtbare Nabelschnur, den oberen Teilen des Kaktus abgeschnürt. Die milchigen Tentakel, die Jez gepackt hatten waren verschwunden. Vor uns stand, ein wuchtiger Leib, in dessen Mitte sich ein langer Riss zeigte.
Während Donavan schrie: »Scheiße, Joe, tun Sie doch was!« zeigte sich, dass das was aussah, wie ein Riss, in Wahrheit eine offene Naht zwischen zwei Blättern war, die sich nun, wie zwei Flügel kraftvoll entfalteten und dabei im Inneren zwei kräftige Tentakel entblößten, die entfernt an Arme erinnerten.
Ehe ich es verhindern konnte, schoss Donavan.
Die Schrottflinte neben mir, war so laut, als explodiere sie und mir schoss durch den Kopf, wie Ryken mich zur Rede stellen würde, weil wir gerade Alien Nummer 1 erschossen hatten. Ich sah mich in einer Bar sitzen, einen sechsfachen Jim Beam zur Bestrafung trinken und dem Barkeeper erzählen: »Ja und dann zog der Sheriff die Schrottflinte und Bamm! Bamm! war das Ding nur noch Bio-Müll.«
Aber es würde zu dieser Geschichte nicht kommen. Gestra schien gar nicht von Donavans Schuss irritiert. Im Gegenteil! Der Schwarm Schrotkugeln, verschwand in Gestras grünem Leib, wie Wassertropfen in einem Schaumbad und dann schoss Gestra zurück, indem es eine dichte, gelbliche Nebelwolke ausstieß, die mir augenblicklich die Luft nahm und in den Augen, wie Tränengas brannte.
Ich taumelte rückwärts. Was Donavan vermutlich ebenfalls getan hätte, wäre er in diesem Moment nicht von den dicken Tentakeln in Gestras Innerem gepackt und herangezogen worden.
Der Sheriff kämpfte. Er kämpfte wacker, wie das ein Mensch tut, wenn er spürt, dass er sein Leben an eine Bestie verliert.
Mich packte ein Hustenanfall. Die gelbe Wolke die Gestra ausgestoßen hatte, wirkte wie ein Allergie auslösendes Betäubungsmittel. Ich taumelte. Stieß gegen einen Baum. Rieb mir die Augen, um den Sheriff nicht aus dem Blick zu verlieren.
Aber alles was ich erkennen konnte war, wie sich die Flügel, um Donavan schlossen, wie sie seine Gegenwehr unter sich begruben, wie ein Sumoringer einen Zwergpudel. Dann sah ich nichts mehr, weil, meine Augen zu sehr brannten und ich sie schließen musste.
Ich hörte Donavans flehende, dumpfe Stimme, die nicht mehr in der Lage war, ein »So.« zu artikulieren. Die Stimme wurde leiser und ich wusste nicht, ob das so war, weil Donavan starb oder, weil sich Gestra mit ihm entfernte.
Ich versuchte nicht zu folgen. Auch, wenn ich es für ehrlos hielt, trat ich den Rückzug an und versuchte mein Leben zu retten.
Ich würde dem Sheriff nicht helfen. Gestra hatte den Schuss aus der Schrottflinte weggeschluckt, wie ich an guten Tagen ein Glas Bourbon.
Hier war größere Munition nötig. Eine Atombombe oder so.
Schließlich wandte ich mich ab. Der gelbe Nebel um mich wurde dünner und je weiter ich wegkam, umso besser konnte ich atmen und umso besser konnte ich wieder sehen und denken. Aber ich blieb nicht stehen. Ich hatte nicht vor stehen zu bleiben und nachzusehen, ob ich Donavan retten konnte. Ich konnte ihn so wenig retten, wie wir Sheldon hatten retten können. Für Gestra waren wir keine Gegner, nur Futter, wie Mäuse für eine Katze.
Ich brauchte Ryken, der von dieser ganzen Scheiße etwas mehr wusste und der mir eine Antwort schuldig war.
Taumelnd lief ich vorwärts und ich wusste nicht, ob ich in die richtige Richtung lief. Ständig hatte ich das Gefühl, dass etwas hinter mir war – nein, nicht etwas, sondern Gestra, mit weit ausgebreiteten Flügeln und armdicken Tentakeln. Ich wusste nicht, ob ich das fantasierte: ich sah, wie Gestra lief, sicher auf zwei Beinen, auf denen es jederzeit rennen konnte.
Deshalb floh ich immer weiter.
Ich blieb erst stehen, als ich das Starfield erreichte. Entsetzt stellte ich fest, dass Ryken noch nicht zurück war. Scheiße verdammt! Ich stand dem Wald allein gegenüber, indem Gestra gerade anfing den Sheriff zu verdauen.

02/21 PGF

39.

It was suddenly in front of us. Not larger than the day before, but more finely formed. From the upper part of what yesterday had looked like a cactus body, something like a head had formed. As if an invisible umbilical cord had cut off the upper part of the cactus. The milky tentacles that had gripped Jez were gone. In front of us stood, a bulky body, in the middle of which a long crack appeared.
While Donavan yelled, „Shit, Joe, do something!“ it became apparent that what looked like a crack was actually an open seam between two leaves that were now powerfully unfurling like two wings, exposing two powerful tentacles inside that were distantly reminiscent of arms.
Before I could stop it, Donavan fired.
The shotgun next to me, was so loud it sounded like it was exploding, and it flashed through my mind how Ryken was going to confront me because we had just shot alien number 1. I saw myself sitting in a bar, drinking a six-shot Jim Beam for punishment and telling the bartender, „Yeah, and then the sheriff pulled out the shotgun and Bamm! Bam! that thing was just organic garbage.“
But it wouldn’t come to that story. Gestra didn’t seem at all irritated by Donavan’s shot. On the contrary. The swarm of buckshot, disappeared into Gestra’s green body, like drops of water in a bubble bath, and then Gestra shot back, expelling a dense, yellowish cloud of mist that instantly took my breath away and burned in my eyes, like tear gas.
I staggered backward. Which Donavan probably would have done as well, had he not been grabbed and pulled by the thick tentacles inside Gestra at that moment.
The sheriff struggled. He fought valiantly, as a man does when he senses he is losing his life to a beast.
I was seized with a coughing fit. The yellow cloud that Gestra had emitted acted like an allergy-inducing anesthetic. I staggered. Bumped into a tree. Rubbed my eyes so as not to lose sight of the sheriff.
But all I could make out was the wings closing around Donavan, burying his opposition like a sumo wrestler buries a dwarf poodle. Then I saw nothing more, because my eyes burned too much and I had to close them.
I heard Donavan’s pleading, muffled voice, no longer able to articulate a „So.“ The voice was getting quieter and I didn’t know if it was because Donavan was dying or because Gestra was moving away with him.
I tried not to follow. Even if I thought it was dishonorable, I retreated and tried to save my life.
I would not help the sheriff. Gestra had swallowed the shot from the shotgun like I would a glass of bourbon on a good day.
Bigger ammo was needed here. A nuke or something.
Finally, I turned away. The yellow fog around me thinned and the farther away I got, the better I could breathe and the better I could see and think again. But I did not stop. I had no intention of stopping to see if I could save Donavan. I could no more save him than we had been able to save Sheldon. To Gestra, we weren’t enemies, just food, like mice to a cat.
I needed Ryken, who knew something more about all this shit and who owed me an answer.
Staggering, I ran forward and I didn’t know if I was running in the right direction. Constantly I had the feeling that something was behind me – no, not something, but Gestra, with wings spread wide and tentacles as thick as my arms. I didn’t know if I was fantasizing it: I saw Gestra running, safely on two legs, on which it could run at any moment.
That’s why I kept fleeing.
I stopped only when I reached the Starfield. Horrified, I realized that Ryken was not back yet. Shit damn it! I was facing the forest alone, with Gestra just starting to digest the sheriff.

02/21 PGF

Gestra (38)

38.

Der Wald war an diesem Morgen verdammt still. Selbst die Zweige schienen zu ängstlich um zu knacken und die Blätter verweigerten sich dem Wind. Unsere Schritte klangen zu laut und, wenn im Schlamm mein Stiefel schmatzte, dachte ich jedes Mal, ich wäre auf einen klebrigen Streifen von Gestra getreten, wie eine Fliege, die sich an einer Klebefalle verfängt und dort noch eine Weile zappelt, ehe ihr der Strom ausgeht.
Donavan, hinter mir, schnaufte so laut, dass ich mir sicher war, dass wir, wenn Gestra uns hörte und erwischte, das die Ursache sein würde. Der Sheriff hatte darauf bestanden seine Schrottflinte mit zu nehmen und da er sie im Anschlag trug, fiel ihm das Laufen schwerer als mir.
Der Morgen war im Wald so grau, wie außerhalb davon. Ich ärgerte mich, dass ich die letzten Stunden hier drin verbracht hatte, statt mit Jez gemütlich an der Brandung des Atlantiks vorbei zu spazieren und die Regenwolken, über dem Meer zu betrachten. Die trübe Witterung hatte am Meer, eine ganz andere Wirkung als hier, wo der Tag bedrückend und müde wirkte. Über dem Meer da zogen die Wolken hin, als würde man den Stunden der Erschaffung der Welt beiwohnen.
»Wissen Sie eigentlich, wo wir hinlaufen?« Wollte Donavan mit einem Mal wissen.
Ich blieb stehen, drehte mich zu ihm und strich mir den Schweiß von der Stirn. Es war nicht heiß, ich schwitzte nicht deshalb.
»Wir laufen dorthin, wo wir Gestra zum ersten Mal gesehen haben, als ich und Jez.«
Der Sheriff kratzte sich am Hinterkopf.
»Wieso nennen Sie das Ding eigentlich so?«
»Gestra?«
»Ja.«
Ich zögerte. Aber dann fand ich es nur fair, den Sheriff mehr wissen zu lassen, als er bisher wusste.
»Also wir es das erste Mal sahen, wirkte es wie eine junge Birke. Und die heißen auf lateinisch Betula. Gestra ist ein Programm der Deutschen zum Erforschen von Weltraumschrott. Da wir uns darüber unterhalten haben, tauften wir das, was wir für ein einfaches Bäumchen hielten: Betula Gestra.«
Der Sheriff war irritiert.
»Sie wollen sagen, es sah nicht immer so aus, wie das Ding, dass gestern Nachmittag Miss Dorsets Hund gefressen hat?«
Ich kam mir albern vor es auszusprechen.
»Richtig. Es sah vollkommen anders aus und es konnte sich auch nicht bewegen.«
Neben uns im Gebüsch raschelte es.
Ich schnellte herum. Aber ich sah nichts: nur das Grün in Grün von Pflanzen, die ich nur schwer unterscheiden konnte und deren Namen ich nicht kannte.
»Kommt es?« Fragte der Sheriff ängstlich und es kam ihm gar nicht seltsam vor, dass er damit unterstellte, dass uns eine Pflanze jagte.
»Seien Sie still.« Zischte ich.
Donavan legte den Finger an den Abzug seiner Schrottflinte.
Ich hatte das Gefühl, wir wurden umkreist, aber da war kein gestreiftes Tigerfell, dass meinen Eindruck bestätigte hätte. Trotzdem war mein unmittelbarer Eindruck, dass immer hinter unserem Rücken, der Feind sich näherte. Egal, wie oft wir uns umdrehten.
»Joe, was sollen wir tun?« Die Stimme des Sheriffs war heiser vor Angst.
»Wir warten.« Erwiderte ich ruhig und war stolz, dass meine Stimme so überzeugend klang.
»Aber worauf sollen wir warten?«
Die Augen des Sheriffs blickten mich panisch an.
»Wir warten, bis wir sehen wo es ist.«
Aber Gestra wartete nicht.

02/21 PGF

38.

The forest was damn quiet that morning. Even the branches seemed too afraid to crack and the leaves refused to blow in the wind. Our footsteps sounded too loud and, when in the mud my boot smacked, I thought each time I stepped on a sticky strip of gestra, like a fly caught on a glue trap and floundering there for a while before it runs out of power.
Donavan, behind me, was panting so loudly that I was sure that if Gestra heard us and caught us that would be the cause. The sheriff had insisted on taking his shotgun with him, and since he carried it at the ready, he found it harder to run than I did.
The morning was as gray in the woods as it was outside of them. I was annoyed that I had spent the last few hours in here instead of leisurely walking with Jez past the surf of the Atlantic and looking at the rain clouds, over the sea. The cloudy weather had at the sea, a completely different effect than here, where the day seemed oppressive and tired. Over the sea there the clouds moved, as if one would witness the hours of the creation of the world.
„Do you actually know where we are going?“ Donavan wanted to know all at once.
I stopped, turned to him and brushed the sweat from my forehead. It wasn’t hot, I wasn’t sweating because of temparture.
„We’re walking to where we first saw Gestra when me and Jez.“
The sheriff scratched the back of his head.
„Why do you call that thing that, anyway?“
„Gestra?“
„Yeah.“
I hesitated. But then I thought it only fair to let the sheriff know more than he knew so far.
„When we first saw it, it looked like a young birch tree. And they’re called Betula in Latin. Gestra is a program by the Germans to explore space debris. As we were talking about it, we christened what we thought was just a little tree: Betula Gestra.“
The sheriff was irritated.
„You mean to say it didn’t always look like that thing that ate Miss Dorset’s dog yesterday afternoon?“
I felt silly saying it.
„Right. It looked completely different, and it couldn’t move either.“
There was a rustling in the bushes beside us.
I sprang around. But I saw nothing: only the green in green of plants I had trouble distinguishing and whose names I didn’t know.
„Is it coming?“ Asked the sheriff anxiously, and it didn’t seem strange at all that he was implying that a plant was hunting us.
„Shut up.“ I hissed.
Donavan put his finger to the trigger of his shotgun.
I had the feeling we were being circled, but there was no striped tiger skin to confirm my impression. Nevertheless, my immediate impression was that always behind our backs, the enemy was approaching. No matter how many times we turned around.
„Joe, what should we do?“ The sheriff’s voice was hoarse with fear.
„We wait.“ I replied calmly, proud that my voice sounded so convincing.
„But what are we going to wait for?“
The sheriff’s eyes looked at me in panic.
„We wait until we see where it is.“
But Gestra didn’t wait.

02/21 PGF

Gestra (37)

37.

»Jez.« Sagte ich nochmal und strich ihr übers Haar, dabei verrutschte ihr Schlafsack ein wenig. Aus dem Inneren entwich ein fauliger, ekelhafter Geruch. Ich fasste an ihre Stirn. Sie glühte.
»Jezebel.« Ich schlug ihren Schlafsack bei Seite und blickte in ihre geröteten, matten Augen.
»Was ist denn los? Ich will schlafen.«
Ich fasste ihr nochmals an die Stirn.
»Das kannst du später. Komm mal hoch.«
Ich stemmte sie zum Sitzen. Dabei fiel mein Blick auf ihren Verband. Er war feucht und schimmerte schwarz. Wir hatten seit dem Besuch in der Klinik nicht mehr danach gesehen.
»Samuel«, rief ich. »Kannst du mal?«
Aber er stand schon in der Tür. Den Sheriff hinter sich.
»Was ist los?«
»Jez ist krank.«
Er kam näher und ich gab ihm einen Wink, auf ihren Verband zu sehen. Jez bemerkte es gar nicht. Sie wirkte, wie im Delir.
Wir tauschten rasch Blicke aus. Die sagten, dass wir beide die gleiche Ahnung hatten, aber beide nichts Genaues wussten.
»Jemand sollte mit ihr zum Arzt.« Sagte ich, mit Blick auf Ryken.
»Ja, das kann der Sheriff machen – oder du.«
Ich schüttelte den Kopf.
»Keine gute Idee. Ich bin ein mieser Fahrer und -«.
Ich musste nicht weitersprechen. Der Sheriff konnte auf dumme Ideen kommen, wenn er erst in der Stadt war.
Ryken gab nach.
»Du hast recht. Vielleicht kann ich Fragen, die entstehen, am besten beantworten.«
»Mit Sicherheit.« Bemerkte ich.
»Welche Fragen?« Wollte Donavan wissen.«
»Zu viele, als dass ich alle aufzählen könnte.«
Zu dritt verfrachteten wir Jez zu ihrem Wagen und ich mehrfach hatte ich das Gefühl erbrechen zu müssen, wenn sich wieder eine Wolke des Gestankes von ihrem Verband löste.
Als Jezebel auf der Rückbank lag, machte sich Ryken, auf dem Weg zum Fahrersitz.
»Ich bringe Sie zum gleichen Arzt, bei dem sie war.«
»Ja, der schien in Ordnung.«
»Ich starte dann mit Donavan.«
Ryken betrachtete mich drohend.
»Ihr tut gar nichts, bis ich zurück bin.«
Ich schüttelte den Kopf.
»Wir werden nicht warten. Vielleicht müssen wir, auch um Jez zu helfen, Gestra finden.«
Ryken war hin und her gerissen. Aber er wusste, dass ich ohnehin nicht gehorchen würde.
»Okay! Aber seid vorsichtig.«
»Sind wir. Stimmts, Sheriff?«
Donavan nickte, wie jemand, dem eine Vereinbarung viel zu schnell geht und der etwas zustimmt, dass er nicht tun will, aber nun tun muss.
Ryken setzte sich in den Wagen und fuhr los.
Donavan stand neben mir, wie ein Schüler, der bei einem Ausflug am Bahnhof vergessen wurde.
»Brauchen Sie noch etwas aus der Hütte?«
Das brachte ihn wieder ins Jetzt zurück.
»Ja, meine Jacke.«
»Dann los.«

02/21 PGF

37.

„Jez.“ I said again and stroked her hair, her sleeping bag slipping a little. A foul, disgusting smell escaped from inside. I grabbed her forehead. She was glowing.
„Jezebel.“ I knocked her sleeping bag aside and looked into her reddened, dull eyes.
„What’s the matter? I want to sleep.“
I grabbed her forehead again.
„You can later. Come up here.“
I lifted her to sit. As I did, my eyes fell on her bandage. It was damp and shimmering black. We hadn’t looked at it since the visit to the clinic.
„Samuel,“ I called out. „Can you?“
But he was already standing in the doorway. The sheriff behind him.
„What’s wrong?“
„Jez is sick.“
He came closer and I gave him a wave to look at her bandage. Jez didn’t even notice. She looked delirious.
We quickly exchanged glances. They said we both had the same hunch, but neither knew anything for sure.
„Someone should take her to the doctor.“ I said, looking at Ryken.
„Yeah, the sheriff can do that – or you can.“
I shook my head.
„Not a good idea. I’m a lousy driver and -„.
I didn’t have to keep talking. The sheriff could get stupid ideas once he got to town.
Ryken relented.
„You’re right. Maybe I can best answer questions that arise.“
„For sure.“ I remarked.
„What questions?“ Donavan wanted to know.
„Too many for me to list them all.“
Between the three of us, we shuttled Jez to her car, and several times I felt like vomiting when another cloud of the stench lifted from her bandage.
As Jezebel lay in the back seat, Ryken, made his way to the driver’s seat.
„I’ll take her to the same doctor she saw,“ he said.
„Yeah, that one seemed fine.“
„I’ll start with Donavan then.“
Ryken regarded me menacingly.
„You’re not doing anything until I get back.“
I shook my head.
„We’re not going to wait. Maybe, also to help Jez, we need to find Gestra.“
Ryken was torn. But he knew I wouldn’t obey anyway.
„Okay! But be careful.“
„We are. Right, Sheriff?“
Donavan nodded, like someone who has an agreement way too fast and agrees to something he doesn’t want to do but now has to.
Ryken got in the car and drove off.
Donavan stood next to me, like a student forgotten at the train station on a field trip.
„Do you need anything else from the cabin?“
That brought him back to the now.
„Yeah, my jacket.“
„Let’s pick it up then.“

02/21 PGF

Gestra (36)

36.

Als ich wach wurde, dachte ich zum ersten Mal seit Tagen, an ein gutes, bernsteinfarbenes Glas Bourbon. Dachte an das Brennen, wenn er mir die Kehle hinabrann und an das starke, sichere Gefühl, wenn er wirkte. Wie ein Zaubertrank, der jede Angst nimmt.
Ich stemmte mich in meinem Rucksack hoch und sah mich um: Donavan lag da, wie ein Walross auf der Seite und schnarchte, wie er es die ganze Nacht getan hatte. Von Jez waren nur die Haare zu sehen, die sich aus ihrem Schlafsack herausstreckten, wie Grashalme aus der Erde. Ryken Schlafsack lag tadellos zusammen gerollt in der Ecke.
Ich stand auf, was keinen der Schlafenden irritierte – nur Jez stöhnte kurz auf und ging nach draußen.
Samuel stand an der Feuerstelle, mit einer Tasse Kaffee in der Hand.
»Wie bist du an den gekommen?«
Er zeigte auf eine kleine Holzbox.
»Habe ich da drin gefunden. Aber freue dich nicht zu früh. Ist so ein Instantzeug, das wie ein Placebo wirkte und nur, weil es bitte schmeckt, an Kaffee erinnert.«
Er hatte sich am Feuer heißes Wasser gemacht.
Ich nahm mir auch eine Tasse, etwas Pulver und goss es auf. Da mir ein Löffel fehlte, schwenkte ich die Tasse.
»Wir müssten langsam los – oder?«
Ryken trank seine Tasse leer und stellte sie ab.
»Ich sollte los, Joe. Ich sollte euch nach Hause schicken und die Sache allein erledigen.«
Er schwenkte seine Tasse mit Wasser aus und stellte sie zurück ans Feuer, damit sie dort trocknen konnte.
Ich ahnte was er dachte.
»Aber du weißt, dass du uns brauchst, wenn du zurück in den Wald gehst.«
Mit einem knappen Neigen seines Kopfes stimmte er zu.
Deshalb war er nicht losgegangen. Der Tag dämmerte bereits und es würde, zumindest am Vormittag, ein bedeckter Herbsttag werden, der die Farben aus der Welt löschte und alles in trübes Grau tauchte.
»Wann sollen wir los?« Fragte ich.
»Eine Viertelstunde können wir den anderen noch lassen, aber dann ist es Zeit.«
Der Tür des Observatoriums öffnete sich und Donavan schwankte heraus.
»Scheiße! Wie spät ist es? Man ihr redet viel zu laut.«
»Haben wir Sie geweckt Sheriff?«
»Es gibt Kaffee?«
»Ja.«
»Dann lohnt es sich wenigstens.«
»Freuen Sie sich nicht zu früh.«
»Ich habe Zeiten mit Getreidekaffee hinter mir. Mir schmeckt alles.«
Wir lachten.
»Ich gehe Jez wecken«, schlug ich vor. »Wir sollten los, wenn wir drei schon mal wach sind.«
»Was denn? Das Ding jagen?« Der Sheriff wirkte nicht begeistert. »Da hole ich erst mal noch ein paar Leute.«
»Das geht leider nicht.« Widersprach Ryken.
Donavan schien langsam entnervt von Rykens Vorgaben.
»Wieso soll das nicht gehen? Das Ding hat Miss Dorsets Hund gefressen. Ich geh da, mit einem Flammenwerfer rein und fackele alles ab.«
Ryken schüttelte den Kopf.
»Nein, das werden Sie nicht.«
»Na, ihr klärt das miteinander. Ich sehe nach Jez.« Warf ich ein und ging.
Jez lag noch immer in ihren Schlafsack eingehüllt und schien uns nicht gehört zu haben.
Ich ging zu ihr.
»Jez. Zeit zum Aufstehen.« Sagte ich sanft.
Aber sie reagierte nicht.

02/21 PGF

36.

When I woke up, for the first time in days, I thought about a good, amber glass of bourbon. Thought of the burn as it ran down my throat and the strong, sure feeling when it kicked in. Like a magic potion that takes away all fear.
I braced myself in my backpack and looked around: Donavan was lying there, like a walrus on his side, snoring as he had done all night. All that could be seen of Jez was her hair, sticking out of her sleeping bag like blades of grass from the earth. Ryken’s sleeping bag lay immaculately rolled up in the corner.
I got up, which didn’t irritate any of the sleepers – only Jez gave a short groan and went outside.
Samuel was standing by the fireplace, a cup of coffee in his hand.
„How did you get that?“
He pointed to a small wooden box.
„Found it in there. But don’t get too excited. It’s some instant stuff that acted like a placebo and only because it tastes like coffee, please.“
He had made himself some hot water by the fire.
I also took a cup, some powder and poured it. Lacking a spoon, I swirled the cup.
„We’d have to get going – wouldn’t we?“
Ryken finished his cup and set it down.
„I should get going, Joe. I should send you guys home and handle this thing on my own.“
He swirled out his cup of water and set it back by the fire to dry.
I guessed what he was thinking.
„But you know you’ll need us when you go back to the woods.“
With a curt tilt of his head, he agreed.
That was not why he had gone. The day was already dawning and it would be an overcast autumn day, at least in the morning, blotting out the colors from the world and bathing everything in murky gray.
„When should we leave?“ I asked.
„We can leave fifteen minutes for the others, but then it’s time.“
The door of the observatory opened and Donavan staggered out.
„Shit! What time is it? Man you guys are talking way too loud.“
„Did we wake you Sheriff?“
„There’s coffee?“
„Yes.“
„Then at least it’s worth it.“
„Don’t get too excited.“
„I’ve had times with grain coffee. I like everything.“
We laughed.
„I’ll go wake Jez,“ I suggested. „We should get going while the three of us are awake.“
„Do what? Hunt that thing?“ The sheriff didn’t look thrilled. „I’ll get some more people first.“
„I’m afraid we can’t do that.“ Ryken objected.
Donavan was beginning to seem unnerved by Ryken’s stipulations.
„Why wouldn’t it work? That thing ate Miss Dorset’s dog. I’m going in there, with a flamethrower, and torching everything.“
Ryken shook his head.
„No, you won’t.“
„Well, you guys work it out. I’ll check on Jez.“ I interjected and left.
Jez was still wrapped in her sleeping bag and didn’t seem to have heard us.
I walked over to her.
„Jez. Time to get up.“ I said softly.
But she didn’t respond.

02/21 PGF

Gestra (35)

35.

Ryken schloss die Augen und schwieg, als wäre er taub und hätte die Frage nicht gehört.
»Samuel?«
Er rieb sich mit der Hand über den Mund.
»Ich habe dich schon gehört. Aber es ist schwer nicht zu lügen, nicht zu viel zu sagen und richtig einzuordnen, was wir gesehen haben.«
»Dann versuchen Sie es halt!« Forderte Donavan, dem die Nacht hier draußen noch immer nicht gefiel.
Ryken bewegte den Kopf ein wenig zurück, zwei, drei Mal.
»Es ist naiv zu glauben, dass es bei den Geheimdiensten immer um profane Dinge geht: um den Russen oder den Feind oder die Information. Klar das gibt es auch. Aber das ist Agent sein für Anfänger.«
»Und, wie sieht es für die Profis aus?«
»Nun, wir erhalten nach unserem Briefing keine Einladung von Miss Moneypenny, Q zu treffen, damit der uns die neuen Superwaffen verteilt, mit denen wir den Superschurken jagen. Die Agency beschäftigt ganz andere Fragen.«
»Und die wären?«
»Philosophische Fragen: Gibt es mehr Leben, als das irdische? Gibt es einen Sinn? Gibt es Zeit? Wie ist der Raum aufgebaut? Grundlegende Fragen, die darüber entscheiden, ob wir Menschen, wie wir es gewohnt sind, leben können. Wir wehren ab, was die Normalität und den Wohlstand gefährdet.«
»Du willst sagen, ihr wehrt, im kommerziellen Sinn, falsche Ideen ab?« Wollte ich wissen.
Er schüttelte den Kopf.
»Nein, wir wollen verhindern, dass unsere Normalität zu sehr erschüttert wird. Ob, dass der Börsencrash ist, der alles in den Abgrund treibt oder fremdes Leben, welches bei uns strandet. Es würde das Denken und die menschliche Identität zu sehr verändern.«
»Ist Gestra so etwas?« Hakte Jez dazwischen.
Ryken sah sie offen an.
»Das könnte sein.«
»Und bist du, wie damals ein Helfer des Papstes, der verhindern will, dass wir den Glauben an das geozentrische Weltbild verlieren?«
Ryken schüttelte entschieden den Kopf.
»Nein, ich bin nur zum Beobachten da. Ich berichte wahrheitsgemäß.«
»Und nimmst dafür in Kauf, dass es verschwiegen wird?«
Er schwieg kurz.
»Aliens, Zeitreisen, endlose Universen, das ist nicht unser Ding. Die Welt beruht auf Produktion und Konsum und wer spielt da noch mit, wenn da draußen das Chaos tobt? Die Ordnung sorgt dafür, dass manche arm und manche reich sind und so ist das perfekt in Balance.«
»Was haben wir da entdeckt?« Fragte Jez. Ihre Stimme klang nach mühsam unterdrücktem Zorn.
»Wir sollten essen.« Erwiderte Ryken matt.
Er machte noch eine Pause.
Dann fuhr er fort: »Mehr kann ich euch, für den Moment nicht sagen.«

02/21 PGF

35.

Ryken closed his eyes and remained silent, as if he were deaf and had not heard the question.
„Samuel?“
He rubbed his hand over his mouth.
„I heard you already. But it’s hard not to lie, not to say too much, and to correctly classify what we saw.“
„Try it, then!“ Demanded Donavan, who still didn’t like the night out here.
Ryken moved his head back a little, two or three times.
„It’s naive to think that intelligence is always about mundane things: the Russian or the enemy or information. Sure there’s that. But that’s being an agent for beginners.“
„So, what’s it like for the pros?“
„Well, we don’t get an invitation from Miss Moneypenny after our briefing to meet Q so he can hand out the new superweapons we use to hunt the supervillain. The Agency is dealing with entirely different issues.“
„And what are those?“
„Philosophical questions: is there more life than the terrestrial? Is there meaning? Is there time? How is space constructed? Fundamental questions that determine whether we humans can live as we are accustomed. We reject what threatens normality and prosperity.“
„You’re saying you guys are in the commercial sense, fending off false ideas?“ I wanted to know.
He shook his head.
„No, we want to prevent our normality from being shaken too much. Whether that’s the stock market crashing everything into the abyss or alien life stranding with us. It would change thinking and human identity too much.“
„Is Gestra that kind of thing?“ Hooked Jez interjected.
Ryken looked at her frankly.
„It could be.“
„And are you, like then, an aide to the Pope who wants to prevent us from losing faith in the geocentric worldview?“
Ryken shook his head decisively.
„No, I’m just there to observe. I report truthfully.“
„And take it for granted that it will be kept quiet?“
He was silent for a moment.
„Aliens, time travel, endless universes, that’s not our thing. The world is based on production and consumption, and who’s going to play along when there’s chaos out there? Order ensures that some are poor and some are rich, and so it’s perfectly balanced.“
„What have we discovered there?“ Jez asked. Her voice sounded like laboriously suppressed anger.
„We should eat.“ Replied Ryken wanly.
He paused for another moment.
Then he continued, „That’s all I can tell you, for now.“

02/21 PGF

Gestra (34)

34

»Wo ist es?« Fragte Ryken aufgeregt.
»Verschwunden«, erklärte ich. »Es hat den Hund verspeist.«
»Es hat was?« Jez sah mich entsetzt an. »Es hat Sheldon gefressen?«
»Den Hund verspeist, wie eine Venusfalle. Wir konnten nur zusehen.«
»Ich wollte schießen.« Korrigierte Donavan mich.
»Und ich, dachte nicht, dass das in deinem Sinn ist«, erklärte ich in Richtung von Ryken.
Der warf mir einen dankbaren Blick zu.
»Und jetzt?«
Keiner von uns vier war bereit, jetzt die Jagd aufzunehmen.
»Vielleicht sollte wir uns erstmal neu sortieren.« Schlug ich vor.
Wir entschieden uns zum Observatorium zurückzuziehen.
Donavan schwitzte, auf dem Rückweg vor Stress, als wäre es Hochsommer, Jez war so kreidebleich, dass sie im Dunkeln beinah, wie Gestra milchig geleuchtete und Ryken saß schweigend in einem Gedankenkarussel, welches ich nicht ganz überblicken konnte. Jedenfalls war er nicht überrascht und geschockt, was geschehen war, sondern gestresst und geschockt, dass er die Lage nicht im Griff hatte.
Wir sprachen wenig, während wir zurückliefen. Nur das allernötigste zur Orientierung. »Da müssen wir lang!«, »Warte kurz!«, »Ist das nicht der Weg?«. Alles nur geflüstert, um Gestra nicht neugierig zu machen.
Als wir das Observatorium erreichten, nahm Jez einen Schlüssel aus ihrer Tasche und schloss, das Häuschen auf, in dem die Teleskope – noch immer beschädigt – standen.
»Wir haben Schlafsäcke hier und Isomatten.«
Donavan hob die Hand.
»Was soll das heißen? Ich fahre jetzt nach Hause. Ich muss was essen.«
»Was zu essen ist auch da, wir können uns Toast mit Käse und Schinken machen. Ich glaube, im Tiefkühlfach sind sogar noch ein paar Burger.«
Jez hatte bereits begriffen, was dem Sheriff noch bevorstand: wir konnten nicht einfach nach Hause fahren und uns ins Bett legen. Sicher konnten wir den Wald nicht umstellen und Gestra an der Flucht hindern, aber wir konnten uns hier hinlegen, wie Speck in eine Mausefalle und warten, ob das Ding uns besuchen kam.
»Dann wünsche ich guten Appetit.« Beharrte Donavan uneinsichtig. »Ich jedenfalls-«.
»Sie bleiben.« Beendete Ryken, die Diskussion. »Jez hat es verstanden, Sie noch nicht: Wir bleiben hier. Sobald der Morgen dämmert, machen wir uns auf die Suche nach dem Dinge, dass den Hund von Miss Dorset verspeist hat. Wir halten hier Wache.«
Donavan wollte nicht klein beigeben.
»Und was machen wir, wenn es zur Straße hin abzischt oder rechts und links aus dem Wald seinen Fluchtweg sucht?«
»Das wird es nicht.« Antwortete Ryken so knapp, dass ich verstand, dass er den Grund dafür kannte, aber nicht verraten würde. Donavan verstand noch immer nicht.
»Und wieso? Haben Sie einen Zaun heimlich aufgestellt?«
»Sheriff! Schenken Sie uns die Diskussion. Informieren Sie, wen sie müssen, dass Sie heute Nacht nicht nach Hause kommen und dann bereiten wir uns das Lager vor.«
Donavan murrte noch ein wenig, dann zeigte er sich befehlsgehorsam, wie es zu erwarten war.
Jez begann Schlafsäcke und Isomatten zu verteilen und schlug vor, dass wir unser Lager in der Hütte aufschlugen.
»Der Platz müsste ausreichen, wenn wir die Teleskope auf die Seite stellen. Ich hoffe, Sie schnarchen nicht, Sheriff.« Bemerkte sie, um den Sheriff etwas aufzuheitern.
Aber der war mit dem Inhalt des Kühlschranks beschäftigt und versuchte sich klar zu werden, ob wir oder zumindest er, davon satt werden konnte.
Ryken und ich, starteten in der Kiesgrube ein kleines Lagerfeuer und stellten den Schwenkgrill bereit, über dem wir uns Abendessen grillen wollten.
Es wurde dunkel. Der Himmel war sternenklar und funkelte geheimnisvoll über uns. Wir saßen schweigend um die Feuerstelle und warteten, bis die Flammen nachließen und die Glut ausreichte, um unser Abendessen zu zubereiten.
Es war kühl. Jeder von uns war froh, um seine Jacke, in die er gepackt war und um die Wärme des Feuers. In der Hütte, mit den Schlafsäcken würden wir die Nacht aushalten.
»Hast du eine Idee, was das war?« Unterbrach Jez schließlich die Stille.

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34

„Where is it?“ Ryken asked excitedly.
„Disappeared,“ I explained. „It ate the dog.“
„It what?“ Jez looked at me in horror. „It ate Sheldon?“
„Ate the dog, like a Venus trap. All we could do was watch.“
„I was going to shoot.“ Donavan corrected me.
„And I, didn’t think that was in your mind,“ I explained in Ryken’s direction.
He gave me a grateful look.
„Now what?“
None of the four of us were ready to start hunting now.
„Maybe we should regroup first.“ I suggested.
We decided to retreat to the observatory.
Donavan, on the way back, was sweating with stress as if it were the height of summer, Jez was so chalky pale that she almost glowed milky in the dark, like Gestra, and Ryken sat silently in a carousel of thoughts that I couldn’t quite keep track of. In any case, he was not surprised and shocked at what had happened, but stressed and shocked that he was not in control of the situation.
We spoke little as we walked back. Just the most basic things to get our bearings. „We have to go that way!“, „Wait a minute!“, „Isn’t this the way?“. All just whispered so as not to make Gestra curious.
When we reached the observatory, Jez took a key from her pocket and unlocked, the little house where the telescopes – still damaged – were.
„We have sleeping bags here and sleeping pads.“
Donavan raised his hand.
„What do you mean? I’m going home now. I need something to eat.“
„Something to eat is here too, we can make toast with cheese and ham. I think there’s even some burgers in the freezer.“
Jez had already realized what was ahead for the sheriff: we couldn’t just go home and go to bed. Sure we couldn’t surround the woods and stop Gestra from escaping, but we could lie here like bacon in a mousetrap and wait to see if the thing came to visit.
„Well, bon appétit, then.“ Donavan insisted impassively. „I for one-„.
„You stay.“ Ended Ryken, the discussion. „Jez gets it, you don’t yet: we’re staying. As soon as morning dawns, we’re going in search of the thing that ate Miss Dorset’s dog. We’ll keep watch here.“
Donavan wasn’t about to back down.
„And what do we do if it bolts for the road or makes its escape right and left out of the woods?“
„It won’t.“ Answered Ryken so tersely that I understood he knew the reason but would not reveal it. Donavan still didn’t understand.
„And why is that? Did you put up a fence on the sly?“
„Sheriff! Stop the discussion. Inform whoever they have to that you’re not coming home tonight, and then we’ll get camp ready.“
Donavan grumbled some more, then showed himself obedient to orders, as was to be expected.
Jez began distributing sleeping bags and sleeping pads and suggested that we set up camp in the hut.
„There should be enough room if we put the telescopes on their sides. I hope you don’t snore, Sheriff.“ She remarked, trying to cheer the sheriff up a bit.
But he was preoccupied with the contents of the refrigerator, trying to figure out if we, or at least he, could get his fill of it.
Ryken and I, started a small campfire in the gravel pit and set up the swivel grill over which we were going to grill dinner.
It was getting dark. The sky was starry and sparkled mysteriously above us. We sat in silence around the fire pit and waited until the flames subsided and there were enough embers to cook our dinner.
It was chilly. Each of us was glad for the jacket we were bundled in and for the warmth of the fire. In the hut, with our sleeping bags, we would last the night.
„Do you have any idea what that was?“ Jez finally interrupted the silence.

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Gestra (33)

33.

Gestra schwankte, als wäre sie nicht fest im Boden verwurzelt, sondern würde, wie das Haus einer Weinbergschnecke. auf einem weichen, beweglichen Untergrund stehen. Es wirkte, als würde es sich umsehen, während es einen Snack zu sich nahm.
»Um Himmels Willen.« Wimmerte der Sheriff. »Was sollen wir nur tun? Ist das – ist das Miss Dorsets Colli?«
Ich nickte.
»Das was von ihm übrig ist.«
»Wir müssen ihm helfen.«
Ich schüttelte den Kopf.
»Nein, wir müssen Ryken informieren, haben Sie ihr Walkie-Talkie?«
Mit zappligen, ungeschickten Händen kramte Donavan es hervor.
»Und jetzt?« Flüsterte er.
»Rufen Sie ihn und versuchen Sie ihm zu erklären, wo wir etwa sind.«
Donavans Stimme wurde noch leiser.
»Aber, wenn es uns hört?«
»Dann sind Sie der Braten und ich die Beilage. Machen Sie schon!«
Donavan drückte den Schalter und flüsterte: »Ryken – Ryken – Donavan hier. Wir haben was.«
Der Sheriff hatte vergessen den Lautsprecher leise zu machen und so gab es erst eine Welle greller elektrostatischer Geräusche und dann war Ryken zu hören, als stünde er neben uns.
»Was ist, Sheriff?«
Gestra reagierte. Wie in Zeitlupe, wie ein sehr, sehr alter Mensch, dem sein Körper nicht mehr folgen will, veränderte es seine Position. Es war, als nähme es die Witterung auf. Der Colli rutschte, als sei ein weiteres Stück von ihm verdaut, tiefer in den Schlund oder Leib oder, wie man es nennen wollte, von Gestra.
Ein leichtes Jaulen drang aus dem zusammengepressten Kiefer des Hundes hervor.
»Wir«, Donavan war kaum hörbar, »haben«, »etwas«, »entdeckt«.
Mehr musste Ryken nicht hören.
»Wir kommen.« Sagte er, als wisse er um die Gefahr.
Der Sheriff drückte sich an mich.
»Wir müssen dem Hund helfen. Soll ich auf das Ding schießen?«
Ich hob warnend die Hand.
»Auf keinen Fall. Ryken muss das sehen. Was immer es ist!«
Donavan musste nicht wissen, dass ich etwas ahnte.
»Er muss es sehen und entscheiden, was wir tun sollen.«
Mit einem widerlichen Rülpser verschwand der Colli, in diesem Moment vollständig in Gestras Leib, wie ein Schluck Bier hinter der Zunge.
Der Anblick erinnerte mich, an den Körper aufgeblähter Würgeschlagen, die sich kaum bewegen können, weil sie etwas Riesengroßes verspeist haben und es erst verdauen müssen, ehe sie weiterjagen können.
Was, dachte ich, tun wir, wenn das geschehen ist. Wenn Gestra satt ist und den nächsten Happen braucht, ehe Ryken da ist. Fortbewegen konnte sich das Ding, in jedem Fall, aber, wie schnell und geschickt, war mir nicht klar. Im Moment schien es sich nicht von uns bedroht zu fühlen. Entweder, weil es uns unterschätzte oder nicht fürchten musste.
Donavans Walkie-Talkie piepste, dann war Ryken zu hören.
»Okay, wir müssten in eurer Nähe sein. Gebt uns Lichtsignale wo ihr steht. Haltet die Taschenlampe vor euch, damit wir wissen, von welcher Seite wir uns nähern können.«
Damit war das auch geklärt: er wusste, um die Gefahr, obwohl er Gestra noch gar nicht gesehen hatte.
Wir nahmen unsere Taschenlampen heraus, richtete den Lichtstrahl zum Himmel und aktivierten den Lichtschalter.
Da setzte sich Gestra in Bewegung.
Donavan fasste an seinen Halfter, aber ich bremste seine Hand.
»Nicht, es bewegt sich von uns weg.«
Hinter uns waren knackende Zweige zu hören und leises Flüstern: »Ich glaube da vorne sind sie.«
Während Ryken und Jez sich uns von hinten näherten, verschwand Gestra beinah lautlos in der Dämmerung.
Der Abend legte sich immer dichter über den Wald und als Ryken und Jez uns erreichten, war Gestra nicht mehr zu sehen.

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33.

Gestra swayed as if it were not firmly rooted in the ground but, like the house of a snail, was standing on a soft, moving surface. It appeared as if it was looking around while it snacked.
„For heaven’s sake.“ Whimpered the sheriff. „What are we going to do? Is that – is that Miss Dorset’s colli?“
I nodded.
„What’s left of him.“
„We have to help him.“
I shook my head.
„No, we need to inform Ryken – do you have your walkie-talkie?“
With fidgety, clumsy hands, Donavan dug it out.
„Now what?“ He whispered.
„Call him and try to explain to him approximately where we are.“
Donavan’s voice grew even quieter.
„But, if it hears us?“
„Then you’re the roast and I’m the garnish. Go ahead!“
Donavan hit the switch and whispered, „Ryken – Ryken – Donavan here. We got something.“
The sheriff had forgotten to turn down the speaker, so first there was a wave of glaring electrostatic sounds, and then Ryken could be heard as if he were standing next to us.
„What is it, Sheriff?“
Gestra responded. As if in slow motion, like a very, very old person whose body no longer wants to follow, it changed its position. It was as if it was taking in the scent. The colli slid, as if another piece of it had been digested, deeper into the maw, or womb, or whatever you wanted to call it, of Gestra.
A slight yelp escaped from the dog’s clenched jaws.
„We,“ Donavan was barely audible, „have,“ „discovered“ „something.“
That was all Ryken needed to hear.
„We’re coming.“ He said, as if he knew of the danger.
The sheriff pressed against me.
„We’ve got to help that dog. You want me to shoot that thing?“
I raised my hand in warning.
„No way. Ryken needs to see this. Whatever it is!“
Donavan didn’t need to know I suspected anything.
„He needs to see it and decide what we should do.“
With a sickening belch, the colli, at that moment completely inside Gestra’s body, disappeared like a sip of beer behind a tongue.
The sight reminded me, of the body of bloated strangled beasts that can barely move because they have eaten something huge and must digest it before they can continue to hunt.
What, I thought, do we do when this is done. When Gestra is full and needs the next bite before Ryken gets there. The thing could move, in any case, but how fast and skillfully was not clear to me. At the moment it didn’t seem to feel threatened by us. Either because it underestimated us or didn’t need to fear us.
Donavan’s walkie-talkie beeped, then Ryken could be heard.
„Okay, we should be close to you. Give us light signals where you are. Keep the flashlight in front of you so we know which side to approach from.“
That cleared that up, too: he knew about the danger, even though he hadn’t seen Gestra yet.
We took out our flashlights, directed the light beam to the sky, and activated the light switch.
Then Gestra started to move.
Donavan grabbed his halter, but I put the brakes on his hand.
„Don’t, it’s moving away from us.“
Cracking twigs could be heard behind us and soft whispers, „I think they’re up ahead.“
While Ryken and Jez approached us from behind, Gestra disappeared almost silently into the dusk.
The evening grew thicker over the forest and when Ryken and Jez reached us, Gestra was no longer to be seen.

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