Frankfurt 95 (8)

8.

Ganz entgegen meinem Sinn, war der Abend schön und die Nacht zärtlich. Fast, als hätte die Hollywood-Romanze, über die ich mich die ganze Zeit geärgert hatte, eine heimlich hypnotische Wirkung auf mich ausgeübt.
Aber das war es nicht. Es war Lena, nicht Lissy, wie ich rechtzeitig merkte, ehe ich sie ansprach, die dafür sorgte, dass mir der Abend gefiel und ich mich wohl fühlte.
Ich verstand zwar gar nicht, was ihr an mir gefiel und weshalb sie sich um mich bemühte – schloss ich die Möglichkeit aus, dass irgendwelche guten Mächte, aus irgendwelchen Himmeln, irgendwelche Engel zu Menschen schicken konnten – aber, wenn ich mir darüber keine Gedanken machte, dann war es einfach schön mit ihr. Sie war lebenshungrig, neugierig, abenteuerlustig, wie ich es war, aber auf eine viel gesündere Art. Sie plante keine Parkplatzüberfalle, sondern studierte (ich wusste noch immer nicht was). Sie stand nicht im Widerspruch zur Gesellschaft und lehnte sie ab, sie machte einfach was sie wollte und ließ gar keinen Widerspruch entstehen. Sie philosophierte nicht über eine andere, bessere Welt, sondern erkundete diese.
Außerdem war sie schlau. So schlau, dass sie mich das gar nicht die ganze Zeit wissen ließ: ich musste aufpassen, wie ein Virenwächter, bei jeder aus- und eingehenden Information, weil sie in mir las, wie in einem Buch und mich unterhielt und herausforderte, wie es ihr, für mich, richtig schien.
Aber es war schön.
Sie merkte, dass mir der Film nicht gefiel, wie ihr. Also kuschelte sie sich an mich und über ihre Nähe und Wärme vergaß ich den Film. Solange ich sie spüren konnte, war es schön. Als wir nach dem Kino, noch zu einem Italiener auf ein Glas Wein gingen, streifte sie den Film nur kurz und gab mir stattdessen Zeit, von dem zu erzählen, was mir wichtig war. Als sie merkte, dass ich genug von Nietzsche und seinen biografischen Lebenshintergründen erzählt hatte, übernahm sie ganz fließend und erzählte mir von ihrer Schwester und ihren beiden Nichten mit denen sie gerne spielte und gab mir das Gefühl der beste Zuhörer „ever“ zu sein.
Als wir aus dem Lokal, in eine milde Sommernacht traten, warf sie mir einen flüchtigen Blick zu und meinte: „Es war schön, wenn du willst –“.
„Magst du noch mit zu mir kommen?“
Ich hatte nicht beabsichtigt das zu sagen, aber ich merkte: Ich könnte mich, in dieser Nacht einsam fühlen, wenn sie nicht neben mir lag. Ich fühlte mich, wie eine vernachlässigte Tierheimkatze, die sich langsam wieder an menschliche Nähe gewöhnt und sie fast schon vermisst.
Lena sagte nichts. Sie gab mir einen flüchtigen Kuss, nahm meine Hand und so liefen wir zur Haltestelle, die uns in die Kantapfelsiedlung brachte.
Dieses Mal liebten wir uns. Also nicht, wie die Nacht davor, als zumindest ich es, als Triebabbau empfunden hatte. Wir teilten unsere Sehnsucht, wir linderten unsere Einsamkeit und für einen kurzen Moment, fühlte ich jene tiefe, ausweglose Sehnsucht, mit diesem Menschen verschmelzen zu können, befreit zu sein, von diesem Körper, der zwischen Ich und Ich, eine unüberwindliche Grenze setzte.
Dann lag sie in meinem Arm. Sie streichelte mich und ich hörte sie leise atmen.
„Lebst du gerne allein?“ Fragte sie sanft.
Ich zuckte unentschlossen.
„Ich bin es gewohnt.“
„Und deine Eltern?“
„Habe ich schon länger nicht mehr gesehen.“
Sie schwieg, als müsse sie darüber nachdenken.
„Darf ich dir sagen, was ich denke?“
Während sie sprach, spürte ich ihre Stimme auf meiner Haut.
„Das muss man immer tun.“ Antwortete ich überzeugt.
„Du kommst mir vor, wie jemand, der niemand an sich heranlässt. Aber ich glaube nicht, dass du kalt bist. Es scheint eher, als wäre deine Seele, wie eine einzige Wunde, wie eine berührungsempfindliche Wunde, die allem ausweicht, damit man ihr nicht weh tut.“
„Wow!“ Sagte ich in die Dunkelheit und kontrolliert irritiert, ob sich da Tränenflüssigkeit in meinen Augen sammelte.
„Vielleicht bin ich auch einfach nur ein Verbrecher, der Angst hat, dass man ihm auf die Schliche kommt.“
„Das wäre möglich.“
Ich spürte ihre Erregung. Sie war, wie einer dieser Menschen, die mit zwei Tigern oder drei Krokodilen da Heim leben.
„Und ich könnte die Polizistin sein, die dich auskundschaftet.“
Ich versuchte entspannt liegen zu bleiben, aber einen Moment hatte mein Atem gestockt und mein Körper an Spannung gewonnen.
„Dann würdest du aber weit für deine Ermittlungen gehen.“
„Das muss man, wenn man Menschen retten will. Die meisten muss man vor sich selbst retten. Weil – weißt du – da drin“, sie klopfte zärtlich mit dem Finger auf die Stelle meines Brustkorbs, wo sich mein Herz befindet, „da drin ist jeder Mensch gut. Da drin schlummert das Potential, dass sich nicht immer entfaltet.“
Ich zog sie etwas zu mir.
„Darf ich dir auch was sagen?“
„Ja.“
„Dann bist du, wie das Licht, damit es sich entfalten kann.“
Sie drückte sich an mich, ich spürte ihre weichen Brüste an meinem Brustkorb.
Wir schwiegen.
Und irgendwann schliefen wir ein.

05/20 PGF

Frankfurt 95 (7)

7.

Am späten Nachmittag rief mich die Frau von letzter Nacht an. Ich hatte Mühe, mich an ihren Namen zu erinnern. Ich meinte, dass sie Lissi hieß und studierte. Etwas in der Art hatte sie mir erzählt.
„Na, hast du Zeit heute Abend?“ Fragte sie fröhlich.
Ich schloss die Augen. Ich war noch matt von dem Joint und dem anschließenden Schläfchen am Mittag.
„Ich weiß nicht.“ Antwortete ich ausweichend.
Sie ließ sich nicht entmutigen.
„Ach komm schon. Wir könnten zusammen ausgehen. Ich war schon ewig nicht mehr im Kino. „Während du schliefst“, läuft gerade.“
Ich zweifelte, ob das was für mich war. Trotzdem schaffte ich es nicht, nein, zu sagen. Lissy, wenn sie so hieß, war entwaffnend und auf angenehme Art hartnäckig.
Von der Liebe habe ich keine besondere Meinung. Ich glaube, Menschen scheuen sich davor, damit aufzuhören jemand zu lieben, weil sie dann merken, dass da nichts ist, außer einem diffusen Gefühl. Sie merken, dass sie gar nicht wissen, was ihre Liebe ist. Wer das weiß und stark ist, der liebt, weil er einen Sinn darin sieht oder hört auf, wenn er keinen mehr findet. Und genau so wollte ich sein. Aber ich schaffte es nicht. Lissy machte mich irgendwie dankbar. Es war ein schönes Gefühl, dass sie sich für mich interessierte. Aber keines, an das ich mich gewöhnen wollte. Wenn ich mich entschied, die Operation Parkplatz durchzuziehen, war meine Zeit in Frankfurt beendet.
„Also um 8 vor dem Kino.“ Sagte sie in mein Schweigen hinein.
„Ja.“ Sagte ich. Wie ich im gleichen Moment zur Operation Parkplatz: Ja, sagte. 400000 würden mir genau für 10 Jahre genügen (ich hatte mein Jahresgehalt auf 40000 erhöht). Dann würde ich 40 sein. Wenn das keine Zahlenmagie war! 40000 bis ich 40 war, das war fast, wie die Dauerrente der Glücksspirale. Dann war ich immer noch jung genug, für das nächste Projekt.
„Schön.“ Freute sich (die möglicherweise) Lissy und legte auf.
Die hat mich im Sack, dachte ich, mit einer Empfindung der Ausweglosigkeit. Was war denn nur passiert?
Bis gestern, war alles im Lot: Geld auf dem Konto, One-Night-Stands, Spaziergänge, Privat-Studium der Werke von Camus, Nietzsche und Thomas Mann – mir war recht früh bewusst geworden, dass ich verblöden würde, wenn ich mit dem Geld meiner Projektarbeit nur Müßiggang betrieb – und heute war das alles weg. Was so ein bisschen Bewusstsein, über die Zusammenhänge doch ausmachen konnte. Man lebte, wie doof in den Tag, plötzlich starb jemand an Krebs, den man kannte und ruckzuck, war man motivierter, etwas mehr aus seinem Leben zu machen. Auch, wenn es man schlussendlich selten tat, weil der Krebs (als Beispiel) der motivierte zu leben, zu gleich auch die Lust dazu entzog, weil ja alles in Erkrankung und Tod enden konnte. Wer das ausführlich erklärt haben wollte, musste sich nur bei den gleichen Dozenten, wie ich, eintragen: einem französischen Existentialisten, einem deutschen Philosophen und dem vielleicht begabtesten, deutschen Erzähler. Manchmal fand ich es schade, dass mir meine autodidaktischen Neigungen nichts einbrachten. Dass ich nicht irgendwo, nur eine Prüfung zu dem ablegen konnte, was ich mir beibrachte. Ich verstand, dass das nicht mit allen Fächern möglich war. Eine Weile hatte ich mich mit Medizin und Ingenieurswesen beschäftigt, aber da kam man ohne Erklärer, keine drei Schritt weit. Mein Versuch mich durch das Anatomiebuch von Lippert zu arbeiten scheiterte gnadenlos. So war ich zu Philosophie und Literatur gekommen und da, glaubte ich, reichte mir niemand so schnell das Wasser. Nur, dass mir das keinen Abschluss brachte. Deshalb musste ich mich mit dem Projekt Parkplatz beschäftigen und nicht mit meinen Gastbeiträgen beim Hessischen Rundfunk zur abendländischen Philosophie. Scheiße aber auch!
Das Ganze wurde dadurch nicht einfacher, dass Lizzy mit mir ins Kino wollte, in irgendeine romantische Schnulze, für die Nietzsche mich verteufeln würde.
Irgendwie passte ich nirgends hin. Alle hassten Klischees, aber die waren auch bequem. Wäre ich Schlosser geworden, wie mein Vater es sich gewünscht hatte, hätte ich gearbeitet und Bier getrunken, eine Frau geheiratet und ein Haus gebaut. Meine existentialistischen Fragen, hätte ich mir morgens in den Kaffee getunkt, viel zu müde, um sie mir zu stellen und nach einer gewissen Frist der Verblödung, hätte mir dieser Film vom Abend – wie hatte er geheißen? – vermutlich gefallen. Andersrum wäre auch okay gewesen: mit Drill zum Abi, mit dem Abi zum Studium, Abschluss als Doktor der Medizin und gut ist. Aber ich war zu dumm zum einen und zu klug zum anderen gewesen. Was für eine Kacke!
Ich entschied, mich zu duschen. Wenn mich etwas retten konnte, war es eine heiße Dusche.

05/20 PGF

Frankfurt 95 (6)

6.

Wir fuhren zu Muschgls Loft im Frankfurter Bahnhofsviertel, weil er mir vorher „Iwwer die Details“, nichts verraten wollte.
Ein Aufzug brachte uns in den fünften Stock, wo das Loft lag, welches ich nicht zum ersten Mal sah. Im Wohnbereich, der es vermutlich auf 100 m² brachte standen eine Hantelbank, mit einem Gewichtständer, der Stangen für Kurz- und Langhanteln enthielt und Gewichte mit denen man 150 Kilo pro Seite belegen konnte. In der Nähe der Bank stand ein breites, rotes Sofa, welches das Zentrum für eine protzige Stereoanlage und einen großen Fernseher bot. Trotz der Stereoanlage füllte auch noch eine Jukebox den Raum und gegen die Langeweile gab es eine elektrische Dartscheibe und einen Flipper. Die Wohnung sah aus, wie der realisierte Traum eines Zehnjährigen, aus den 80er Jahren.
Wir durchquerten das Wohnzimmer zur Küche, in der man an einem Tisch oder an einem von drei Thekenplätzen teilnehmen konnte.
Ich setzte mich auf einen Barhocker.
„Willschde en Drink?“
Das bedeutet bei Muschgl ein Eiweiß-Shake.
„Nein, danke. Mir liegt die Curry-Wurst noch im Magen.“
Muschgl ging zum Kühlschrank.
„Isch mach mer en.“
Er mischte sich Eiweißpulver mit Milch und gab noch ein rohes Ei dazu.
„Dess batscht.“
Er setzte sich neben mich.
Ich wurde ungeduldig.
„Also erzähl mal.“
„Hör mer zu.“
Das machte ich die nächsten fünf Minuten, zunehmend ungläubig. Muschgl erzählte mir von einem CDU-Politiker, der sich hin und wieder bei Muschgl „die Nas puderte“. Ein Abgeordneter aus dem hessischen Parlament. Als der kürzlich mal ein kleines bisschen zu viel, vom weißen Pulver geschnuppert habe, wäre er in einen Redeschwall verfallen, als habe ihn die CIA mit einer Medikation fürs Verhör abgefüllt. Der Kerl habe damit angegeben, an einem ganz großen Ding dran zu sein, einem Waffenhändler Schreiber oder Schreiner, das wusste Muschgl nicht mehr sicher, der für die Waffenindustrie Lobbyarbeit betrieb. Aber nicht die Lightversion, mit einer Karibikreise, als kleinem Dankeschön für das Engagement, sondern mit Koks, Nutten und dicken Geldkoffern, wenn die Einflussnahme so weit führte, dass über die Landespolitik, auch bundespolitisch die richtigen Weichen gestellt wurden. Der Name Koch sei mehrfach gefallen, aber Muschgl war sich unsicher, ob jemand mit dem Namen Koch oder jemand mit dem Beruf Koch damit gemeint war. Jedenfalls habe der voll gekokste CDU-Mann angekündigt demnächst diesen Schreiber/Schreiner zu treffen, um für diesen Koch Name/Beruf einen Aktenkoffer entgegen zu nehmen, in dem sich eine satte 400000,- DM Parteispende befinden würde. 100000 für ihn, nur für die Übergabe. „Dann feiern wir hier mal eine Party“, hatte er zu Muschgl gesagt.
Muschgl der immer klug wurde, wenn es um viel Geld ging, fragte naiv nach, wo man eine solche Übergabe den mache. Etwa im Hotel. Worauf der CDUler ihn ausgelacht habe und freizügig erzählte: „Auf einem Autobahnparkplatz. Einem der großen, südlich von Frankfurt, wo so viele LKWs und PKWs auf und ab fahren, dass gar keiner mitbekommt, wenn zwei Autos neben einander parken und ein Koffer den Besitzer wechselt.“
Ich war beeindruckt. Von Muschgls Kontakten und seiner Kaltschnäuzigkeit, wie ein gut informierter Friseur, alles was er hörte erstmal zu verwahren und nicht damit hausieren zu gehen.
„Und du bist dir sicher, dass der nicht nur die Nase voller Abenteuergeschichten hatte.“
„Noa!“ Bekräftigte Muschgl, der Kerl habe ihn zwei Tage später angerufen, ob er bei ihrem letzten Treffen, denn irgendetwas Blödsinniges erzählt habe. Worauf Muschgl angab, sich an Nichts zu erinnern.
„Und wieso machst du das Ding nicht selbst?“
„Wie hoaschde gsoaht? Nedd mein Metier.“
Ich schmunzelte. In Muschgls Nähe bekam ich immer gute Laune. Es war ein bisschen, wie mit Mogli und Balu.
„Ein Datum hast du nicht?“
Muschgl schüttelte das wuchtige Haupt.
„Noa blous de Parkplatz unn die Zeit: innerhalb der neegschde Woch.“
„Okay. Und du hast nichts dagegen das ich?“
„Klar nedd.“
„Cool. Dann – gibst du mir den Dope noch?“
„Klar.“
Muschgl kramte ein Plastiktütchen aus seiner Hose und ich gab ihm die passenden Geldscheine. Wir einigten uns, noch auf einen Joint und während der wirkte, fing ich an, mich mit Operation Parkplatz zu beschäftigen.

05/20 PGF

Frankfurt 95 (5)

5.

Ich fuhr mit der Straßenbahn, in die Schwanthalstraße. Dort war das „Worscht Company“, welches die besten Currywürste der Stadt verkaufte und für „kleine Geschäfte am Rande“ ausreichend unauffällig war. Als ich ankam, wartete Muschgl bereits auf mich.
Die Legende besagte, dass Muschgl, vor Einnahme der Anabolika und der täglichen Hantelbank, ein mageres Kerlchen war, dem meist nur Staub schlucken übrigblieb, wenn er es wagte seinem, bereits damals, vorlauten Mundwerk freien Lauf zu lassen.
Nach der x-ten Tracht Prügel hätte ihn einer seiner älteren Brüder, es hieß er habe sieben, in ein Bodybuilding-Zentrum geschleppt, wo der Besitzer ihn, zur Motivationshilfe, mit Anabolika versorgt hatte. Dadurch hatte Muschgl es zu einem Muskelwachstum gebracht, wie es sonst nur für Zuchtbullen üblich war.
In den folgenden Jahren, ließ das Mundwerk nach, so wie die Muskeln zunahmen. Seine Intelligenz schien die Einnahme der Muskelaufbaustoffe nicht zu fördern, dafür wagte es niemand mehr, sich mit Muschgl anzulegen. Der bis 1,90 wuchs und 110 Kilo auf die Waage brachte, die fast ausschließlich aus Muskelgewebe bestanden. Jedenfalls sagte das die Legende. Und Legenden haben ja immer einen Kern Wahrheit.
Jedenfalls machte Muschgl nebenbei die Erfahrung, dass der Handel mit Substanzen Geld einbrachte und dem ein oder anderen zu einer Leistungssteigerung verhalf. Nachdem einer seiner sieben Brüder frisch aus dem Gefängnis, seiner Bewährung nicht länger, als drei Tage jungfräulich halten konnte, übernahm Muschgl dessen Geschäfte für K&K, wie Muschgl es nannte, also für Kokser und Kiffer.
Ich lernte Muschgl durch Zufall kennen.
Er war Türsteher im „Luckys“ wo ich manchmal hin ging, um eine Frau kennenzulernen. Irgendwie mochte er mich und als ich versehentlich, aber erfolgreich eine wohlgeformte Blondine überzeugt hatte, mit mir nach Hause zu kommen, ehe ich begriff, dass sie mit ihrem Freund im „Lucky“ war, war es Muschgl, der mich vor der anstehenden Tracht Prügel rettete. Als der Lärm vorüber war, rauchten wir für „die Närffe“ zusammen einen Joint. Ab da war Muschgl mein Freund.
Wenn man den Begriff nicht sehr weit fasste, also so weit, dass alle zum Freundeskreis gehörten, denen man seit der Grundschule begegnet war, dann war er mein einziger Freund.
Muschgl begrüßte mich mit großem Trara, wie er es immer tat, überzeugt, dass unsere Treffen so am unauffälligsten blieben.
„Setz disch mein Beschder.“ Befahl er mir wohlmeinend und klopfte mir, mit seiner Pranke auf die Schulter. „Ich häbb dir aa Pommes unn e worschd beschdellt.“
Ich nickte.
„Danke dir. Noch etwas früh, aber für den Geschmack.“
„Die häwwe die beschde.“
Ich setzte mich zu ihm an den Tisch.
„Ich habb woas debei.“ Versicherte er mich.
„Eilt nicht Muschgl. Eilt nicht. Mein Problem ist eher die Langeweile.“
„Brauchschd du Arwet.“
Ich wippte mit dem Kopf.
„Eher ein Projekt.“
„Isch kennd dir …“
„Nix für ungut Muschgl, aber ich bin ein Einmann-Unternehmen. Dein Tätigkeitsfeld liegt mir nicht.“
„Wilschde woas abziehe?“
Ich nickte nachdenklich.
„Ja, aber was, was sich lohnt.“
Muschgl dachte nach.
Ein Prozess den man an seiner Stirn nachvollziehen konnte. Als arbeitenden dahinter nicht Prozessoren, wie bei den meisten Menschen, sondern träge sich bewegende Zahnräder, von denen eines ins andere fassen musste, damit die Maschine langsam und schwerfällig in Gang kam. Es schien zu klappen.
„Isch hädd vielleischt woas für disch. En Insider. Awwer nedd do.“

05/20 PGF

Frankfurt 95 (4)

4.

Ich stellte die Kiste auf das Sofa neben mich, legte die Füße auf den Tisch und schaltete den Fernseher ein.
Im „Morgenmagazin“ liefen die Nachrichten. Kanzler Kohl war zu sehen, der nach seiner Position zur Haltung der Umweltministerin befragt wurde. In seiner behäbigen Art erklärte er, dass er der Ministerin Merkel nur beipflichten könne, dass der Salzstock Gorleben unbedingt geeignet sei, um darin Atommüll zu lagern.
Der Reporter hakte nach, dass es doch bereits beim Atommülllager Morsleben, umfangreiche Bedenken von Experten gäbe, ob die Sicherheit gewährlistet sei.
Kohl bedachte den Reporter mit spöttischem Blick und erklärte: „Das hat Ministerin Merkel genügend geprüft, es bestehen keine Bedenken.“
Ob sie denn auch die Sicherheit der Castor-Transporte überprüft habe. Worauf der Kanzler keine Antwort mehr gab.
Ich betrachtete Kohls Miene aufmerksam. Er hatte etwas im Blick, was mich, an mich selbst erinnerte. Ich ließ auch nie jemand ganz an mich herankommen, weil es Taten gab, über die ich niemals sprechen wollte. Als Verbrecher sah ich mich nicht. In den letzten acht Jahren, war ich für zwei Stunden kriminell gewesen, seitdem lebte ich ein bürgerliches Leben. Na ja, bis auf ein, zwei kleinere Sünden. Der Bundeskanzler, so war mein Eindruck, spielte mit der gleichen Ambivalenz: Er war ein redlicher Staatsmann, mit Vertrauen in seine Minister, dem Herz am rechten Fleck und der Verantwortung für das Volk, aber daneben, im Schatten dieser Persönlichkeit, die er zeigte, lauerte das Unrecht, der Machthunger. Ich konnte nicht sagen worin Kohl seine Finger hatte, aber ich war fest überzeugt: Er war ein Verbrecher wie ich. Keiner der ständig das Gesetz bricht. Im Gegenteil 99% seines Lebens war er gesetzestreu, aber dieses 1% nutzte er zu seinem Vorteil, um das zu bekommen was er haben wollte. In seinem Fall Macht, in meinem Fall war es Bequemlichkeit.
Ich schaltete den Fernseher aus. Ich begann mich zu ärgern. Wenn ich die Bundesregierung sah, ärgerte ich mich immer. Aber es gehörte zur Demokratie, auch die zu akzeptieren, die man nicht gewählt hatte. Ich hoffte, nur es würde die letzte Amtszeit von Kohl werden.
Plötzlich war es sehr still, in meiner Wohnung.
Ich sah wieder zur Kiste, die neben mir auf dem Sofa stand und hätte am liebsten ihre Existenz aus meinem Leben gelöscht. Aber das hätte bedeutet, von Montag bis Freitag, von 7.00 bis 16.00 zur Arbeit zu gehen und nicht die Tage verbummeln zu können, wie ich es, Dank ihrem Inhalt konnte.
Ich stand auf und holte mein schnurloses Telefon. Ich wählte die Nummer von Muschgl, bei dem ich ab und zu, was zum Rauchen kaufte. Eigentlich lag mir nicht am Dope, weil er mich nur schlapp machte, aber ich träumte gut davon und, wenn ich innerlich unruhig aber unentschlossen war, half mir das Kiffen, besser in Balance zu kommen.
Muschgl hob ab. Seine sonore Stimme raunte: „Joh!“
„Ich bin´s. Hast du Zeit?“
„Habb isch. Woas willschde?“
„Treffen wir uns an der Pommesbude? Ich habe Lust auf eine Currywurst.“
Das war unser Codewort, für einen kleinen Deal. Muschgl hatte immer Sorge sein Telefon würde abgehört.
„An de Pommesbude? Gud! In oaner halbe Schdunn.“
Ich legte auf. Es war Zeit mich anzuziehen.
Ich nahm den Schuhkarton, brachte ihn zurück an seinen Platz und nahm mir Kleider aus dem Schrank.
Vielleicht hatte ja Muschgl eine Idee. Nicht das ich mich auf seine Geschäfte eingelassen hätte, aber er kannte in der Frankfurter Szene die ein oder andere größere Nummer, die vielleicht einen Job hatte oder etwas wusste, aus dem man einen Job machen konnte.

05/20 PGF

Frankfurt 95 (3)

3.

Ich nahm den Karton von seiner Ablage, kurz überrascht vom Gewicht und trug ihn zu meinem Bett. Dort stellte ich ihn ab und betrachtete ihn einen Moment ruhig. So, wie ein Operateur die vorbereitete Körperstelle betrachtet, ehe er das Skalpell nimmt und sie aufschneidet.
Dann nahm ich den Deckel ab.
Die Glock lag, sauber eingeschlagen in ein Ledertuch, in der Mitte. Beides füllte fast vollständig den Karton. Der restliche, freie Raum gehörte zwei Packungen Munition, einer Sturmhaube und einem gefälschten Führerschein.
Dieser Schuhkarton war der Schlüssel zu meinem Berufsleben.
37500,- DM Gehalt würde ich pro Jahr benötigen, hatte ich mir mal ausgerechnet. Ein Betrag, den ich vielleicht mit diesem Jahr nach oben korrigieren musste. Aber damals 1982, ich war siebzehn, war das ein vernünftiger Betrag. Ich stand, unter dem Druck meines Vaters, vor der Wahl meine Lehre als Schlosser fortzusetzen oder mein eigenes Geschäftsmodell zu starten.
Vielleicht war ich, rückblickend betrachtet, einer der ersten Projektarbeiter. Es war das Prinzip: arbeite kurz hart, um dann lange auszuspannen, das mir gefiel.
Die Glock war mein Werkzeug. Sie war damals zwei Jahre am Markt. Ein Kumpel besorgte sie mir aus Frankreich. Ich wohnte damals in der Nähe der Grenze. Mein Kumpel kannte einen ehemaligen Fremdlegionär der – seine Beziehungen hatte.
Mein erstes Projekt war ein Juwelier, am Monatsende. Er war auf dem Weg zur Bank und ich fest entschlossen mir nicht den Schmuck zu nehmen, den ich umständlich verkaufen musste, sondern das Geld der Monatseinnahmen. Es waren exakt 114000,- DM, also 1500,- DM mehr, als geplant, für die kaufte ich mir einige Wochen später einen Fernseher.
Am Tag nach dem Überfall, gab ich bei meinem Vater vor, zur Arbeit zu gehen. Tatsächlich fuhr ich mit dem Zug nach Berlin, mietete mich in einer Wohnung ein und fing an, mein eigenes Leben zu leben. Meinem Vater war schon die Frau, meine Mutter, davon gelaufen – und es hatte ihn nicht gekümmert – auch mich, schien er ziehen zu lassen.
Das Geld reichte bis 85. Da gelang mir nichts großes, gerade mal genug für zwei Jahre.
Aber dann 87, mit 22 und Pfeffer im Hintern wagte ich mich an eine Bank in der Nähe von Düsseldorf. Eine Dorffiliale ohne Sicherheitskonzept. Die Beute? 300000 DM, das Geld, dass mir bis zu diesem Jahr ausgereicht hatte, weil ich nie, nie mehr als 37500 im Jahr ausgab. Egal, welche Reise mich lockte, welches Bordell, welches Essen. Die Alternative war: einmal Action und dann lange chillen oder als Schlosser arbeiten. Die Variante mit: einmal arbeiten und acht Jahre ausspannen, gefiel mir besser. Es war die perfekte Mischung aus Sicherheit und Abenteuer.
Offensichtlich war mir die Sicherheit so bequem geworden, dass ich die Zeit ganz vergessen hatte.
Ich schloss die Augen. Mein Magen krampfte sich einen Augenblick unangenehm zusammen. Ob ich noch die Chuzpe besaß? Gut, mit 30 war man noch nicht gesetzt, auch, wenn Familie, ein unbefristeter Arbeitsvertrag und ein Haus, für das man sich verschuldet hatte, dazu gehörten. Das alles hatte ich nicht. Aber ein bisschen mehr, als mit 22, hatte ich auf dem Schirm.
Ich schlug die Augen auf, setzte den Deckel auf den Schuhkarton und trug ihn ins Wohnzimmer. Es war Zeit für das Frühstücksfernsehn. Das lenkte mich ab und brachte mir vielleicht ein paar Ideen.
Es sprach ja nichts dagegen, statt mich mit dem Schuhkarton zu beschäftigen, einfach eine Lehre zu beginnen. Etwas bürgerliches, Landschaftsgärtner war bestimmt nett. In München? Ich hatte ja die freie Wahl.

05/20 PGF

Frankfurt 95 (2)

2.

Als du draußen warst atmete ich durch. Ich ging in die Küche und räumte auf. Immer, wenn es in meinem Kopf wild hergeht, räume ich auf. Ich mache Waschbecken sauber oder lege Wäsche zusammen. Auch, wenn es ein Singlehaushalt ist, ich mag ihn sauber.
Ich stellte unsere Weingläser vom Vorabend in die Spülmaschine und leerte die Karaffe Wasser in den Ausguss.
Wir hatten das klassische Programm gespielt: angenehmes Gespräch bei einem Glas Wein. Ich hatte gescherzt und du hattest passend gelacht, damit ich wusste, dass ich dir gefalle, dann zogst du deine Schuhe aus, Füße hoch aufs Sofa, Beine angewinkelt, noch einen Schluck Wein, noch ein Scherz, sich zufällig näherkommen, ein flüchtiger Kuss und ab in die Federn. Vorspiel, drei Stellungen, dein Höhepunkt (ich glaube er war echt), mein Höhepunkt, sich spüren, duschen, im Löffelchen einschlafen. Also du schliefst und ich fragte mich, ob das eine gute Idee gewesen war.
Vielleicht sollte ich wirklich verreisen, dachte ich und wusste, dass es nichts half, wenn ich mir vorlog, ich hätte das Geld dazu. Ich hatte es nicht. Also ich hatte es aktuell nicht. Das würde sich auch nicht ändern, wenn ich so, wie ich jetzt lebte weitermachen wollte: mit Mietwohnung im Wohnblock und so.
Auf diese Art, reichte mein Geld für die Miete und für Essen und, um etwas zu ersetzen das kaputt ging. Aber Geld, um einen Flug, ein Hotel und Eintritt zu bezahlen, das hatte ich, auf diesem Weg nicht.
Das Geld reichte, um zu überleben, um mich mit dem GEZ-Programm, einer Frau, die ich auf ein Glas Wein einladen konnte, zu unterhalten. Aber irgendeine Form von Wachstum, für mich oder die Welt, kam nicht heraus. Ich vegetierte, wie eine Bakterie in ihrem Biotop. Mein einziger Vorteil war, dass ich nicht arbeitete, für mein Geld. Also nicht im üblichen Sinn. Ich hatte mich, für eine andere Erwerbsbiografie entschieden.
Ich sah mich in der Küche um und fand sie ausreichend aufgeräumt. Ich ging ins Bad und machte dort weiter. Die Wäsche musste noch zusammengelegt werden. Den Wäschekorb nahm ich mit mir ins Wohnzimmer. Leerte die Unterwäsche auf das Sofa, auf dem ich dich gestern verführt hatte und begann zuerst die Unterhosen zusammen zu legen und in den Wäschekorb zu stapeln.
Ich nahm mir ein Paar Socken und hielt inne. Ich dachte nach. Juni 95, dachte ich. Das passte. Acht Jahre war es also her. Gut, ich erinnerte mich nicht, ob Juli 87 oder September. Es konnte auch Februar oder Mai gewesen sein. Aber ich orientierte mich nicht an Monaten, sondern an Jahren, das machte das Rechnen leichter. Es mochte also gut sein, dass das Geld bis zum Jahresende reichte. Ich hatte ewig keine Kontoauszüge geholt. Sollte mir das Geld ausgehen, wie jemand der im Vorratsschrank Haferflocken gehortet hat und erst, wenn die letzte Packung leer ist, merkt, dass er vergessen hat nachzukaufen?
Ich legte das letzte Knäul Socken in den Wäschekorb und brachte den Korb zu meinem Kleiderschrank. Die rechte Schranktür, zu meinen Kleidern ging etwas schwerer auf, weil der Magnet die Tür stabiler hielt, als der Holzknauf es auszugleichen vermochte. Deshalb musste ich erst die linke Tür öffnen, um die rechte, mit einem Griff an den Türflügel, aufziehen zu können.
Meine Socken waren in einer Schublade hinter der linken Tür. Hinter der rechten, hoch oben auf einem Ablagebrett stand der Schuhkarton. Ich hatte ihn fast vergessen.
Es war verrückt, dass ich ihn fast vergaß, dass ich meine Taten vergaß. Aber die Zeit … use it or lose it.
Ich hatte nie Sorge empfunden, vor Entdeckung und ich empfand keine Reue. Vielleicht hatte ich den Karton deshalb vergessen.
Erst, wenn es Zeit wurde, dachte an den Schuhkarton und seinen Inhalt. Es war Juni und es war acht Jahre her, vermutlich war es also Zeit.

05/20 PGF

Frankfurt 95 (1)

1.

Draußen fuhr die Straßenbahn vorbei, Richtung Gravensteiner Platz. Die Gleiße ruckelten angemessen unter dem Gewicht des Triebwagens und der Waggons. Dann war es, in der Kantapfelsiedlung, wieder still.
Still?
Nicht ganz. Eine Amsel zwitscherte durch das offene Fenster und das rhythmische Krachen, der Frühlingsflocken aus deinem Mund, wob einen monotonen Hintergrund, für unser verlorenes Zusammensein.
Das Licht fiel mild und weiß in die Küche. Aber du merktest es nicht. Du starrtest in den Boulevard-Teil der Zeitung. Und ich? Ich starrte in mein Leben.
Ich begriff, was ich schon oft begriffen hatte, ohne etwas zu tun: ein Lebensabschnitt welkte. Es war, wie immer: Ich wollte bleiben, während mein Schicksal sagte: Geh!
Es war warm, um kurz nach acht, obwohl der Sommer noch nicht alt war. Die Welt trug ihr grünes Kleid. Irgendwo da draußen, wo die Welt keimte und wuchs, durch die ich als Kind getobt war. In Frankfurt, hatte ich diese Welt nie gefunden. Sie geriet in Vergessenheit. Wer die Nähe zur Natur nicht kannte, vermisste nichts. Der lebte in der Stadt, wurde dort geboren und starb dort und, wenn er Ausflüge unternahm, unternahm er sie zum Römerplatz oder bei Voxtours.
Von der Natur wollten wir nichts mehr wissen. Es gab eine Welt für Menschen und eine Welt für die Natur, aber kaum Überschneidungen. Nur den Himmel über uns, manchmal ein Stück Wald oder einen Fluss, der mit seinem unverständlichen Rauschen, zwischen unseren Häusern strömte, blieben von der Welt der wir entsprungen waren.
Deine Augen leuchteten auf. Du hattest etwas entdeckt, in der Welt aus Klatsch und Tratsch, dass dir gefiel. Ich beneidete dich nicht, um deine Freude. Mir war sie fremd. Sympathischer wurdest du mir nicht. Ich mag nicht, wenn sich Frauen, wie Mädchen freuen, aber wie Frauen behandelt werden wollen. Aber es war sinnlos dir das zu erklären.
Draußen hob der Verkehrslärm an. Es war – ich sah zu Uhr- gleich halb neun, Samstag, Zeit für die meisten, zum Einkaufen. Zeit dich loszuwerden.
Ich erhob mich. Schwer, als hielten mich meine Gedanken auf dem Stuhl fest, damit ich sie aushalte. Griff nach meiner Tasse Kaffee und ging zur Spüle.
Die stand direkt am Fenster. Man konnte beim Kochen sehen, was auf der Straße geschah. Manchmal kochte ich, bei offenem Fenster, wenn die Abgase der Autos nicht so dicht waren, dass ich lieber darauf verzichtete.
Ich goss meinen letzten Schluck Kaffee in den Ausguss, schwenkte kurz die Tasse, mit lauwarmem Wasser und stellte sie in den Abtropfer.
„Du musst los.“ Sagte ich und weckte dich, aus deiner mit Promi-News angereicherten Fantasie.
„Ist schon so spät?“
„Gleich halb neun.“
Ein Lächeln huschte über dein Gesicht und deine Augen strahlten mich an.
„Dann … Sehen wir uns heute Abend?“
Ich zuckte mit den Achseln.
„Keine Ahnung. Ich überlege ein paar Tage zu verreisen.“
Du warst überrascht.
„Wirklich? Wo willst du hin? Hast du Geld?“
„Ja.“ Log ich. „Muss mir nur noch überlegen wohin.“
Du kamst näher, gabst mir einen Kuss.
„Die Nacht war schön.“
Ich wich deinem Blick aus. War sie das? Waren Nächte schön, ohne Verpflichtung, offen, frei, lustvoll und unverbindlich? Neue Wege der Liebe … mir war das fremd. Aber du verstandst davon nichts: du glaubtest dich geliebt, weil ich dich machen ließ und da war, wenn du Sehnsucht nach Halt hattest. Du fühltest dich geliebt, weil du mir gleichgültig warst. Ich wollte wissen, warum du so, glücklich sein konntest.
Ich zwang mich zu einem Lächeln.
Draußen hupte jemand.
„Dein Taxi.“ Scherzte ich, um den Moment zu beenden.
Dein Nicken war süß. Es tat mir leid, wie ich über dich dachte, aber es war besser, es dir nicht zu sagen. Manches verriet man sich nicht. Für Erkenntnis, zahlte jeder, mit seinem eigenen Blut.

05/20 PGF

Das Ich

Ich hielt nie fest,
ich kam nie Heim,
ich schritt nur durch die Zeit.
Ich liebte leicht,
ich liebte vergeblich,
ich fand zum Lieben niemand bereit.
Ich löschte Kerzen,
ich lauschte im Dunkel,
ich fühlte, wie ein Stern in der Ewigkeit.
Ich trieb wie Blätter,
ich verstummte wie Lieder,
ich fühlte und litt, alle Vergänglichkeit.

05/20 PGF

Rumpelkiste

Also, dieser Beitrag wird eine echte Rumpelkiste, aber ihr schafft das schon 🙂
 
Zum einen ein Nachtrag, warum uns Bill Gates nicht chippen muss. Siehe hier die Technik ist bald schon so weit … 😉

Desweiteren habe ich mich entschlossen, die Geschichte die kein „Darum“ hatte doch zu veröffentlichen, nachdem ich mich für ein „Darum“ entschieden habe, auch, wenn es … ach – das seht ihr schon … 🙂

Womit ich vorübergehend die Werbeaktivitäten für „Alphavirus“ etwas zurückfahre, damit die Geschichte (ohne bisheriges Darum) (ab morgen) ins Rollen kommen kann.

Vorab möchte ich aber nicht versäumen, auf die Möglichkeit von Leseexemplaren hinzuweisen, die man, für „Alphavirus“ bei mir anfordern kann. Ja, Leseexemplare sind kein Umsatz für den Autor, das stimmt. Aber, da ich nun weiß, was exponentielles Wachstum ist, berufe ich mich auf die Zahl R und darauf, dass die nur über 1 liegen muss, damit auch Leseexemplare einen Benefit generieren. Wenn nämlich jeder Probeleser zu jeweils mehr als einem Käufer führt, der dann wieder mehr Käufer auslöst: dann läufts 🙂 (Dass mit der exponentiellen Rechnung hat mir Justus (???) bereits in der „Superpapagei“ erklärt, aber das würde zu weit führen.)

Layout-Arbeiten an „Alphavirus“ können zu Pausen bei den Beiträgen zu der Geschichte mit Darum führen. Betrachten Sie dies, als Service-Hinweis 😉

Heute Abend folgt vielleicht noch ein Beitrag, der mir ein wenig zu zartgliedrig war, um ihn in die Rumpelkiste zu packen, kann aber auch sein, dass ich die Zeilen noch dem „Streichen und Verwerfen“ übereigne. 

Ich wünsche euch einen sturmfreien Samstag 🙂

PGF