Von Zeit zu Zeit

Und von Zeit zu Zeit, fühlt man sich, vom Leben,
an den Rand gedrängt
und Aufmunterung ist seicht,
weil man weiß,
von Zeit zu Zeit,
wird man vom Leben an den Rand gedrängt
und wo man steht,
fällt der Blick ins Nichts
oder ins Leben zurück,
aber man steht und geht nicht,
weil stehen nah am kippen und fallen ist,
deshalb rührt man sich nicht,
weil von Zeit zu Zeit,
das Leben – verrückt …
bis der Wind sich dreht
oder ein Blick versteht,
dann kehrt die Liebe zurück,
von Zeit zu Zeit kehrt die Liebe zurück,
dann vergisst man schnell,
dass nur, von Zeit zu Zeit …

04/20 PGF

Anthropozentrik

Du denkst ich wäre einsam?
Aber ich wandere mit den Sternen!
Du wanderst immer einsam –
ach Mensch! Mutterseelenallein.

Mich wärmt noch in der Nacht die Sonne,
du fällst in ihre Schatten.
Ja Mensch: du sitzt im Dunkeln,
heimlich zweifelnd, an deinem Sein.

04/20 PGF

Im Mondlicht

Und in der Nacht
liegen meine Träume wach
und ich löse Fragen
wie Fleisch von Knochen
und bade im hellen Licht …
denn der Mond –
geht heimatlos von Haus zu Haus und –
sucht,
ob irgendwo noch Hoffnung wohnt.

04/20 PGF

Abend am See

Abend am See


Über dem See steht der Mond
und Krähen stürzen schreiend durch den Abend,
irgendwer läuft durch den Kies
und auf den Bergen liegen rote Farben,
ich leg ein stilles Glück in den Moment
und weiß: es wird nicht halten
und du sitzt irgendwo und denkst
vielleicht an mich,
während sanft im Wind,
die Farben, in die Nacht hin, fallen.

04/20 PGF

Exit-Strategien

Habt ihr jemals ein einschneidendes Erlebnis durchlebt, durch welches sich euer Leben nicht grundsätzlich verändert hat?
Ich erinnere mich an keines. Einschneidende Ereignisse waren immer Wendepunkt, aber das kann eine persönliche Schwäche sein und andere machen weiter wie vorher – nur ich glaube das nicht. Wenn man das „Außen“ stabil hält, dann ist eben im Inneren etwas verändert, erschüttert, verunsichert, nicht wie es war.
Schon jetzt merke ich, wie die Krise Menschen, um mich verändert. In den meisten Fällen verstärkt sich der Charakter, andere zeigen eher eine Form von Schockstarre. Bei ihnen werden sich die Auswirkungen erst später zeigen. So, wie bei der Generation, die jetzt von der Krise geprägt wird. Es wird etwas bewirken in den jungen Seelen, die Unterhaltung und Konsum bis zum Anschlag gewohnt waren.
Man wird sie ermuntern, zur „Normalität“ zurückzukehren und ich bin sicher, in den ersten Monaten werden die alten Gewohnheiten ihren Platz zurück erobern, aber sie werden weniger unbeschwert sein, eher, wie ein Hobby, an dem man früher Spaß hatte, aber dem man entwachsen ist.
Bei Vielem wird es auch gut sein, nicht zu vergessen: Wie schnell eine Situation eintreten kann, indem Handytracking schmerzlos erwogen wird, Freiheitsrechte diskussionslos beschränkt werden, schlechte Präsidenten ungebremst dramatische Verläufe belächeln können, weil der Wähler, weil der Wähler doch nicht so mündig ist …
Ich jedenfalls merke, wie das Skript, an dem ich schrieb, sich anders anfühlt und anders schreibt. Verhaltensweisen die vor drei Wochen noch plausibel schienen, wirken jetzt relativiert, gesellschaftliche Normen die unbestritten galten, könnten auch verworfen werden und mein Gefühl – die Welt ist fragil – was vielleicht eine Schwäche war, ist jetzt belegt. So stark in die Realität getreten, dass mir der Boden dafür fehlt, damit als Fiktion zu spielen.
Das was aktuell, als Exit-Strategie diskutiert wird, umfasst nur – und das ist typisch für uns geworden – wirtschaftliche Aspekte. Aber wir werden nach ganz anderen Strategien suchen müssen, um zu verarbeiten und zu bewerten, was diese kollektive Erfahrung mit uns gemacht hat.
Vielleicht ist das sogar die Chance: Es war eine kollektive Erfahrung …

04/20 PGF

Blau

Blau

Der Frühling lehnt sich
aus dem Fenster,
rennt über die Wiese,
klettert über die Zweige
in den Himmel,
landet am Ufer,
an dem die Katze streunt,
kitzelt mir in der Nase
übernimmt in meinem Herz den Takt,
setzt sich horchend ins Licht,
wartet bis jede Blüte erwacht.

04/20 PGF

Verschlüsseltes Gedicht

Verschlüsseltes Gedicht

Über den Feldern weht das Licht
und strahlend treiben Wolken irgendwo –

die Farben duften nach Mohn und Wolkenblau,
die Augen sammeln, weiche Düfte …

ein Vogelschwarm steht über dem See,
die Berge schweben im Süden –
unsere Augen begegnen fragend sich,
und ich träume von Licht, in Kirschbaumblüten.

04/20 PGF

Der Garten

Der Garten war heute voller Vogelstimmen, als wären heute, alle aus dem Süden zurückgekehrt und plauderten vergnügt, wie Reisende nach der Heimkehr, über ihre Erlebnisse.
Die Sonne war so hell und rein, dass ich kaum zu Hause, die Fenster öffnen musste, damit das Leben herein kann, das milde, frühlingsfreundliche Leben.
Während das Gezwitscher mich bereits lockte, brühte ich einen kräftigen Kaffee, der dunkel und schaumig meine Tasse füllte. Schnappte mir den Henkel und lief hinaus in den Garten, wo die Forsythie schon golden blüht und die Wiese noch wild, wie ungeschnittenes Haar, im Sonnenlicht glänzte.
Die Tasse auf dem Tisch schloss ich die Augen und lauschte und atmete – man atmet ja ständig unwiederbringliche Momente – und roch Frühling und erwachende Welt.
Die Bäume waren voller Vogelstimmen und weckten etwas Altes und Ursprüngliches in meiner Seele – vielleicht auch meine Seele selbst, die sich, müde, ihres Winters entledigte.
Stunden wie diese, dachte ich, Stunden wie diese …

04/20 PGF

Metaebene: Supernova

Auch, wenn der Zahlenfetisch ein wenig an die täglichen Corona-Zahlen erinnert, geht es hier, zum Glück, nur um Buchstaben und ihre Wirkung:

Jeder Beitrag hatte zwischen 11 bis 30 Besucher
Die Zahl der Likes schwankte zwischen 8 und 16
Die Zahl der Worte, pro Beitrag, lag zwischen 350 und 500. Es waren 12 Kapitel in 12 Beiträgen.
Der Überarbeitungslevel lag wieder bei 2, also niedrig. Ich schrieb die Texte auf wenig Grundlage am Abend der Veröffentlichung.
Der Hidden Point kam nie in Frage 🙂 da der Zuspruch zur Geschichte gleichmäßig hoch war.

Hintergründe:
Die Hintergründe sind offensichtlich: auch ich stehe unter dem Eindruck der Corona-Krise. Letztlich hatte ich zu Anfang nicht mehr, als den ersten Satz im Sinn und habe von dort aus weiter fabuliert. Was ich nicht hatte, war das Bedürfnis, mal etwas zur Krise zu erzählen. Es war das eher egoistische Bedürfnis nach Ausdruck, auch auf die Gefahr hin, den ein oder anderen, durch die düstere Darstellung zu belasten. Unterschwellig war es das Verlangen, auf engem Raum eine Dystopie mit einer Utopie zu verbinden.

Fazit:

Lowlights:
– Eigentlich nix 🙂 außer der gelegentliche Schrecken, wie düster die aktuelle Situation macht.

Highlights:
(Ich wiederhole mich, aber das mache ich gern!)
– Dass es der Geschmack ist, den ich treffen möchte. 🙂
– Ich konnte die Likes vom Start halten. Es war, denke ich, eine Erzählung, bei der die Entscheidung schnell fiel: „Nicht hier auch noch“ oder „mal sehen was er daraus macht“.
– Dass es, vertraute Leser waren, deren Geschmack ich sehr schätze.

Ich sage wieder: Herzlichen Dank für euer Aufmerksamkeit! Und wer die Geschichte am Stück lesen möchte, findet sie demnächst im Seitenmenü unter dem entsprechenden Titel.

Hier muss ich jetzt eine Geschichtenpause einlegen, um die Geschichte abzuschließen, die ich für den Storyteller vorbereite. „Supernova“ hat sich dazwischen gedrängelt und nachdem ich eigene Abende versucht habe, beide parallel zu erzählen, musste ich irgendwann einsehen, dass eine warten muss. Und da wollte ich euch nicht warten lassen 🙂

Der März war der beste Monat, seit dem Start des Zeilenportal. Darüber freue ich mich sehr, weil ich nur ungern Abschied genommen habe von literaturfrey. Aber das letzte Jahr hat mich zu manchem unfreiwilligen Abschied gezwungen und so ist es ganz schön, hier zu merken, dass Neubeginn möglich ist.

Danke dafür!

Schönen Abend

Peter

Supernova (12)

Mit meiner Ankunft in Pulsar kam die Hoffnung, in mein Leben zurück. Nicht nur in meines, auch in das der anderen Bewohner. Es war ein behutsames und sehr bewusstes miteinander umgehen, welches ich in den ersten Wochen erlebte. Die Überlebenden hatten verstanden, dass es nicht eine Frage von Regierungssystemen und technischem Fortschritt war, der über unser Leben entschied, sondern der Mikrokosmos der Kommunikation und des Zusammenlebens, waren Anfang und Ende unserer Entwicklung. Jeder war sehr bedacht darauf, wie er sich verhielt, jeder bemühte sich Missverständnisse zu zerstreuen, aber auch Nachsicht zu zeigen, wenn eines entstand.
Pulsar war in den Ruinen einer Stadt von mittlerer Größe entstanden. Mir wies man ein Haus am Rande der Stadt zu, welches ich mir, mit Hilfe der anderen Bewohner herrichten konnte. Auch bei den Arbeiten an meinem Zuhause erlebte ich, was ich überall wahrnahm: eine größere Sorgfalt beim Entscheiden und Tun. Unentschlossenheit, Zögern, Geduld waren keine Makel mehr, wir hatten als Art unsere Lektion gelernt. Die Erde hatten wir uns unterworfen, aber Supernova hatte sich uns unterworfen, wie eine uralte, hochintelligente Macht, die sich nach langem Schweigen aus der Dunkelheit erhoben hatte, um uns, in unsere Schranken zu weisen.
Wir wurden wieder zum Teil des Ganzen. Die Natur war nicht mehr Teil von uns, der sich unseren Wünschen anzupassen hatte, sondern wir hatten unsere Bedürfnisse, dem Zusammenspiel von allem Leben anzupassen.
Vieles wurde verwirklicht, was bereits in der Zeit, als Supernova über die Erde fegte bereitlag, aber nie genutzt wurde, weil der Leidensdruck nie groß genug geworden war. Wir lebten ökologisch, aber wir nutzten technische Möglichkeiten. Wir hatten unsere Unterhaltung, aber es pflegte auch jeder die Kultur. Wir trieben Wettkämpfe und der Sport ersetzte uns, was der Krieg an Kräftemessen ins Zerstörerische getrieben hatte. Es gab keinen Überfluss, aber wir wurden alle satt. Und, wenn die Wochen karg waren, wurden eben alle nur ein bisschen satt.
Vom Gedanken der Gleichheit nahmen wir Abschied. Es gab keine Gleichheit, es gab alt und jung, Mann und Frau, Häuser und Felder die günstiger lagen und solche deren Ernten mäßiger ausfielen. Deshalb gab es ein Gefühl von Verantwortung bei den Begünstigten und ein Gefühl von Gerechtigkeit, bei denen die durch die Gemeinschaft unterstützt wurden. Das Ziel war jetzt: dass jeder angemessen behandelt wurde.
Ich fügte mich, in diese Gemeinschaft, ohne Mühe. Ich war ja, auch hier, nur Gast auf Zeit und als ich mich, einige Monate später, in eine Frau verliebte, die nach mir, nach Pulsar kam, da war es kein Glück, welches ich fühlte, also kein Glück, wie ich es früher empfunden hatte, alles andere auslöschend, als würde daran mein Leben hängen. Ich fühlte Dankbarkeit, für die Erfahrung, deren Anfang ich genoss, deren Verlauf ich schön gestalten wollte und um deren bitteres Ende ich wusste.
Das Glück ist nicht von Dauer.
Das Glück ist nicht von Dauer, diesen Gedanken hätte ich eigentlich zum Ausgangspunkt, dieses kleinen Rückblicks machen müssen, der pro Zeile ganze Wochen erzählte. Aber ich mag es jetzt nicht mehr umschreiben. Es ist keine Tatsache, die man zu Anfang hören will. Aber am Ende kann ich sagen: Alles was zu erzählen war, spielte sich vor diesem Gedanken ab: es ist nicht von Dauer. Das Glück nicht und nicht das Unglück. Aber wir haben jeden Tag die Chance, an einem Wunder teilzuhaben, welches sich ganz am Rande des Universums abspielt.
Bis zur Supernova …

Ende

03/20 PGF